Barrierefreiheit

Die Straßenbahn hat für den Straßenzug auf seiner gesamten Länge große Bedeutung. Ausdrücklich begrüßt das Aktionsbündnis Umbau jetzt! deshalb die bereits gebauten barrierefreien Kaphaltestellen, die das Aus- und Einsteigen für mobilitätseingeschränkte Menschen wesentlich erleichtern und somit richtungsweisend für einen barrierefreien und attraktiven ÖPNV in Berlin sind. Dabei werden die Haltestellen zu den Gleisen vorgestreckt, sodass Ein- und Ausstieg ohne Höhenunterschied möglich sind.

 
  
Barrierefreie Haltestelle Raumerstraße. Haltestelle
und Einstieg sind niveaugleich und können mit
Rollstühlen und Kinderwagen berollt werden.
 Die einzige barrierefreie Kaphaltestelle in der Kastanienallee (Eberswalder Straße). Das Geld für den Umbau von 3 weiteren Haltestellen in der Kastanienallee steht zur Verfügung.

Der Forderungskatalog der Umbaugegner von „Stoppt K21“ sieht keine barrierefreien Kaphaltestellen in der Kastanienallee vor. Dieser implizierten Ausgrenzung mobilitätseingeschränkter Menschen tritt das Aktionsbündnis Umbau Jetzt! entschieden entgegen.

Was ist Barrierefreiheit?

Mit dem Begriff „Barrierefreiheit“ verbinden viele Menschen ausschließlich Hilfen für Menschen mit außergewöhnlicher Körperbehinderung bzw. Bewegungseinschränkung. In unserer Vorstellung denken wir dabei oft einseitig an den Rollstuhlfahrer oder die Rollstuhlfahrerin, die ohne Hilfen nur schwer in unserer Umwelt zurechtkommen. Doch Barrieren und Hindernisse sind im Alltag für viele Menschen in unterschiedlicher Weise einschränkend und belastend.

Die vorhandenen Barrieren und Hindernisse werden von den Einzelnen in vielfältiger Weise erlebt:

  • Für die Mutter mit Kinderwagen, für die bereits normale Treppenstufen zu einer hohen Hürde werden können.
  • Das Ehepaar, das nach dem Urlaub alle Hände voll Reisegepäck hat.
  • Der begeisterte Sportler, der seit gestern mit Gipsbein unterwegs ist.
  • Das Kleinkind, das gerade erst Treppensteigen lernt.
  • Der Mann mit Sehbehinderung, der verzweifelt nach einem für ihn lesbaren Hinweisschild sucht.
  • Der Jugendliche mit Hörbehinderung, der beim Kinobesuch mit Freunden nur wenig zu hören bekommt.
  • Die Frau mit Leseschwäche, die vor dem Fahrscheinautomaten kapituliert.
  • Frau Müller, für die in ihrem Rollstuhl der Arztbesuch zum Spießrutenlauf wird.

Barrierefreiheit bedeutet, dass alles im Wohngebiet ohne Hindernis für alle Bewohner und Bewohnerinnen in jedem Alter unabhängig von vorhandener Einschränkung oder Behinderung zugänglich ist. Barrierefreies Bauen von Anfang an ist langfristig gesehen kostengünstiger als alle anderen Formen des Bauens.

Was ist Inklusion?

Der Begriff Soziale Inklusion verweist auf die gesellschaftliche Forderung, dass jeder Mensch in seiner Individualität anerkannt wird unabhängig von Alter, Geschlecht, Nationalität, sexueller Orientierung, Begabung oder Beeinträchtigung, und dass jedem Menschen in vollem Umfang Teilhabe an der Gesellschaft ermöglicht wird. Unterschiede zwischen den Menschen werden zwar bewusst wahrgenommen, sie spielen jedoch keine Rolle für die Gleichwertigkeit zwischen den Menschen. Das heißt auch, dass keine „Normalität“ angenommen wird, von der sich ein Mensch möglicherweise absetzt. Der einzelne Mensch ist damit nicht mehr gezwungen einer für ihn nicht erreichbaren Norm zu entsprechen. Vielmehr ist die Gesellschaft gefordert, Strukturen zu schaffen, in denen sich jeder Mensch einbringen und auf seine ganz eigene Art wertvolle Leistungen erbringen kann.

Diese Denkweise ist ein Paradigmenwechsel, der mit der UN-Behindertenkonvention von 2006 angestoßen wurde, und den wir in unserem Projekt praktisch umsetzten wollen. Dies bedeutet eine Hinwendung zu den Idealen „Teilhabe statt Fürsorge“, „ambulant vor stationär“ und „Selbstbestimmung“ in den Bereichen Leben, Wohnen und Arbeiten.

Soziale Inklusion bezieht alle Menschen mit ein. Wenn wir also viele unterschiedliche Menschen ansprechen, einbinden und beteiligen wollen, dann bedeutet dies, die diversen Voraussetzungen für die Teilhabe bereits in die Planungen mit einzubeziehen: Menschen im Rollstuhl brauchen andere Bedingungen als Fußgänger. Aus der Perspektive von Kindern sind andere Dinge notwendig als aus Erwachsenenperspektive. Christen fühlen sich möglicherweise von anderen Dingen angesprochen als Muslime, Juden, Buddhisten oder Atheisten.

(Beide Texte wurden mit freundlicher Genehmigung der Website der Möckernkiez Genossenschaft für selbstverwaltetes, soziales und ökologisches Wohnen eG entnommen, vielen Dank!)
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