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Freitag, 13. August: Valparaíso und Vina del Mar

veröffentlicht um 17.08.2010, 15:21 von Bastian Nieschler   [ aktualisiert: 18.08.2010, 14:41 ]

Robert hat heute frei genommen, was bedeutet, dass er um 8 Uhr los und ins Büro fahren muss. Ich bin einerseits sehr stolz auf ihn und andererseits froh, nicht an seiner Stelle zu sein. Sein Termin dauert bis um zehn, vielleicht halb elf. Wir fahren mit der Metro zu ihm, er hat das Auto dabei heute, und dann geht's los, an die Küste, ins Westerland von Chile (bzw. beim Ankommen erfahren wir: es ist sowas wie Bremerhaven und Westerland nebeneinander). Wir halten an einer Autobahnraststätte, Robert schwingt sich aus dem Anzug in den Kapuzensweater und gibt ein Frühstück aus, 12 Media Luna zum Preis von 8, eine Empanada al Queso für Zicken-Basti und Café Cortado satt. Das Wetter sieht vielversprechend aus, was uns freut und überrascht, aber man kann nie wissen, wie es an der Küste aussieht. Nach Valparaíso sind es ca. 150 km, pip, aus Santiago raus, an der Großdisco "Broadway" vorbei, im Volksmund auch "Rotway" genannt (span. "roto" = kaputt), Tunnel, Radioempfang weg, pip, wieder Tunnel, Radioempfang wieder da, Weinberge rechts und links, pip, und: blendendes Wetter! "Da haben wir geheiratet, also, Hochzeit gefeiert, im April!", zeigt Robert nach links zu einem modernen Château, aber noch das klassischste von allen, ein bisschen maurischer Stil, traumhafte Lage.

In Valparaíso verschluckt eine Tiefgarage unter einem zentralen Platz das Auto, wir sind mitten in der Stadt, entdecken das Zentrum zu Fuß, viele tolle Gebäude aus allen Epochen, kolonial bis Glas auf Stahlbeton, aber alles recht heruntergekommen. Ob die alle wohl irgendwann zur gleichen Zeit mal schön waren? "Wie Le Havre", murmelt Tine, das finde ich nun nicht ganz, zumal hier vermutlich niemals Bomben runtergekommen sein dürften (irgendwo las ich danach, dass es sehr wohl bei intra-kontinentalen Konflikten in der Vergangenheit, in die Chile verwickelt war, zu Luftangriffen auf chilenische Städte gekommen ist; aber ich finde die Quelle jetzt nicht mehr und erinnere nicht die Details).

Wir fahren mit einem Funícular, einem der Schrägaufzüge in der Innenstadt, die die Hügel mit der unten liegenden Innenstadt verbinden. Die Fahrten sind spottbillig, die Funícular in einem desolaten Zustand, aber absolut notwendig als Teil der Verkehrsinfrastruktur, weder Geld noch Zuständigkeit für die Instandhaltung ist nirgendwo vorhanden.

Mit einer Art vorort-Metro fahren wir nach einem ausgiebigen Spaziergang dann von Valpo ins benachbarte Vina. Vina del Mar ist die noblere, touristischere Schwesterstadt von Valpo. Alles sieht herausgeputzter aus. Ich ärgere mich, dass ich mich von gekehrten Straßen und gepflegten Blumenkübeln bezaubern lasse, das hat Valpo nicht verdient.

Ein paar hundert Meter zu Fuß führen uns in die Innenstadt, wo wir auf einer Café-Terrasse zu Mittag essen, Riesen-Burger auf "Italiano"-Art, also mit Avocado-Crème. Ein Animateur quatscht uns wieder mal an, Robert brilliert auf Spanisch mit argentinischem Akzent (wie er selbst meint), aber verfeinert um so einige Chilenismos, und der Kellner ist sehr verblüfft, als er auf die Frage "Woher kommt ihr?" nur ein abgebrüht durch die Zähne gefletschtes "Santiago." zur Antwort bekommt.

Dann zum Meer. Palmengesäumte Boulevards, eine Runde Mädels auf einer Sandbank beim Kaffeeklatschen, schicke Hotels, edle Châteaux auf den Hügeln, auf einer Terrasse trinken die Reichen und Schönen (oder: die Neureichen und plastisch Chirurgierten) Champagner oder Prosecco.

Wir gehen, die Füße werden müde, aber das Wetter ist wunderbar, und wir merken, wie auch bei Robert ein bisschen Erholung einsetzt von der Arbeitswoche, dem Arbeitsmonat, dem Arbeitsjahr. Wer so schnell lebt wie er, der schaltet anscheinend auch schnell ab. :-)

An der schönsten Stelle machen wir Halt, halten die finger ins wasser, brrr, setzen uns in den warmen Sand, kippen nach einander nach hinten um, chillen, und erst ein kühles Lüftchen am Hintern nach einer Stunde oder so weckt uns auf. Vorbei an einem Kunsthandwerker-Markt (Tine hat beschlossen: der Kühlschrank-Magnet, den wir aus Chile mitnehmen, wird eine Chili-Schote sein! - nur gibt es halt keine) und Sand-Skulpturen sowie an einem trendigen Restaurant, in dem im Freien ganze Lämmer (!) gegrillt werden, beschließen wir, an der Küstenpromenade entlang wandernd den Sonnenuntergang abzuwarten.

Ein Pelikan! Robert ist fassungslos ob unserer Fassungslosigkeit, aber weder Tine noch Tian haben jemals vorher einen gesehen.

Der Sonnenuntergang ist wunderschön, vielleicht der schönste des ganzen Urlaubs, ohne Berge, ohne Wolken. Fast wird die Sonne von einem Frachter verdeckt, aber Tine findet den strategisch günstigen Platz zum Gucken am oberen Ende einer Freitreppe. Dann wird es kühl, wir finden eine Metro-Station, fahren zurück nach Valparaíso, holen das Auto und heim geht's.

Wir halten in einem Hipermercado (=Riesen-Supermarkt) in Santiago, der Laden ist Teil der Valle Arauco Shopping Mall, und kaufen Wein, Camenère, Cabignon, Merlot, sechs Flaschen, mehr kriegen wir nicht durch den Zoll. am Abend kocht Lorena für uns gefüllte Paprika mit Reis und Kringel mit Eischaum, Tian darf die Schüssel auskratzen :-), und eine Flasche des eben gekauften wird noch am gleichen Abend geleert, auf die guten alten Zeiten; und Robert schenkt uns dafür eine Flasche aus seinem Fundus, die irgendwie edler aussieht als die von uns gekauften.

Rückflug am Samstag gegen Mittag mit Iberia, eine nette spanische Familie lässt uns vor in der schier endlosen Schlange der Eincheckenden, die Senorita am Schalter ist die letzte freundliche Person, die wir in den nächsten 13 Stunden treffen werden. Die Sitze und der Service sind zum Kotzen, es läuft irgendein dämlicher Fury-Film und zwei andere auch nicht wertvollere, wir sitzen nicht mal neben einander, dafür aber jeweils auf Mittelsitzen ohne Ausweg und außerdem direkt an der Autobahn zum Klo - aber egal, nach so vielen so intensiven und allergrößtenteils schönen Erlebnissen ist unsere gute Laune jenseits alles Messbaren und keinesfalls zu verderben. In Madrid strenge (unfreundliche) Einreisekontrolle, gut so Jungs, schützt Schengen!, aber wenigstens kein Gepäck auspacken.

Zurück in Frankfurt, Ankunft Sonntag gegen Mittag, ist die erste Begegnung mit einem Menschen die mit dem Busfahrer zu unserem Parkplatz. Er ist freundlich, macht einen Witz, der lustig ist, und das rettet unser Urlaubsgrinsen durch das trübe Herbstwetter hindurch nach Hause. In Luxemburg hat sich nichts verändert, kein Kieselstein der Baustelle vor unserem Haus wurde bewegt, und selbst die Regenwolke über unserem Viertel ist noch die gleiche wie bei Abreise.


Vier Füße. 30 Tage. Etwas mehr als 500 Dollar. Tine et Tian ont découvert l'Amérique du Sud.


Donnerstag, 12. August: La Parva

veröffentlicht um 17.08.2010, 14:37 von Bastian Nieschler   [ aktualisiert: 18.08.2010, 13:43 ]

Heute: Skifahren! Robert begleitet uns um 7:30 Uhr zu "Ski Total", einem coolen Shop ein paar Metrostationen von Las condes, nicht weit von der großen Shopping Mall. Bei "Ski Total" können wir eine Busfahrt kaufen und Material leihen, "Parle-moi en francais, ca va être plus facile pour nous deux", sagt der blonde wilde Typ mit dem Rossignol-T-Shirt hinter der Theke. Kurz ein paar Einkäufe, Bier, eine Cola, zwei Äpfel, im Supermarkt ein paar hundert Meter weiter, und um 8:45 Uhr geht es los, mit einem Sprinter, klimatisiert, nach La Parva, wo die Reichen und Schönen skifahren. Bzw. heute nicht, denn heute ist es hier menschenleer, und es fahren nur wir. Das Skigebiet beginnt 90 Minuten von Santiago entfernt, nach 38 Serpentinenkurven, auf 2600 m Höhe. Nur 200 Höhenmeter vorher durchbricht der Van die Wolkendecke und wir blicken zurück auf die graue, regnerische, versmogte Suppe im Himmel über Santiago. Blendendes Wetter hier oben. Der Skipass ist nicht geschenkt, aber Anlagen und unser Material sind topp in Schuss und das Geld wert. Die Sonne bombt. Maschinen, die Skipässe lesen, gibt es hier nicht, sondern an jedem Lift stehen mindestens 3 dunkelgebräunte Mitarbeiter(innen), die Sichtprüfung machen und unglaublich freundlich sind. Als würden sie sich freuen, dass wer da ist heute. Mit drei Sesselliften sind wir im Nu auf 3579 m Höhe, keine Probleme mit der dünnen Luft diesmal, wir sind trainiert. Das Pulver ist so großartig wie man es in den Alpen nur alle 10 Jahre mal erlebt.

Wir cruisen.

Gegen 15 Uhr ziehen die Wolken aus dem Tal herauf, es wird im Nu schneidend kalt, und es schneit, bzw., erklärt man uns, es ist nur Schnee, der vom Wind aufgewirbelt wird. Wir glauben das nicht so ganz, aber wie auch immer, es ist nicht angenhem im Gesicht. an einer Hütte trinken wir zwei Tassen Tomatensuppe, vermutlich sind wir die ersten Kunden heute, und legen eine atemberaubende letzte Abfahrt hin. Um 17 Uhr holt uns der Van wieder ab. Volle Packung.

Lorena bereitet Abendessen vor. Lecker Snacks, so ein bisschen wie Tapas. Hinterher ist sie besorgt, es könnte nicht genug gewesen sein, Robert nickt zustimmend, und kurzerhand fahren wir zu 4t noch mal in die Stadt. Wir finden erst in der dritten angesteuerten Kneipe einen Tisch, es ist Donnerstagabend, und vor allem Robert futtert sich durch die Fingerfood-Speisekarte. Tine und Tian versuchen endlich Pisco Sour. Erfrischend. Stark. Man schmeckt vor allem den Brandy raus und vor allem nicht das Ei. Da alle alles aufgegessen haben, müsste morgen schönes Wetter sein.


10., 11. August: Santiago de Chile

veröffentlicht um 17.08.2010, 12:01 von Bastian Nieschler   [ aktualisiert: 17.08.2010, 14:59 ]

Um 16:55 Uhr landet unsere Boeing 767 samt uns pünktlich, ein weiterer sehr angenehmer Flug mit LAN. Chile ist das Deutschland Südamerikas. Alles schön organisiert. Für die Einreise gibt's nicht 1 Formular, sondern 2. Darauf kreuzt man an, ob man irgendwas einführt, das die chilenische Flora oder Fauna schädigen könnte (ja/nein). Natürlich kreuzen wir "nein" an. Wir holen unsere Koffer ab und gehen Richtung Zoll.

Ein großes Plakat erinnert uns, was wir alles nicht einführen dürfen: Keine Feuerwaffen. Keine Blutkonserven. Keinen Salat. keine Pflanzensamen. Keine lebenden Hühner. Keinen Schinken. Kei... Schinken! Wir schlucken. Ein appetitliches Stück Südtiroler Speck, Marke "Schlemmermeyer", sowie 4 Paar Landjäger, Vakuum-verschweißt, sind Teil unseres Gepäcks. Kriegen wir das geschmuggelt? Einen Moment lang denken wir: ja, doch dann denken wir: nein, definitiv nein! Jedes Gepäckstück muss auf ein Förderband gestellt werden, das durch ein Röntgengerät führt. Das riskieren wir nicht. Wir scheren aus der Schlange aus, und Tian, auf dessen Namen der betreffende Koffer befördert wird, streicht sein "nein"-Kästchen durch und macht ein Kreuz bei "ja". Dann neu angestellt und die Koffer aufs Förderband. Noch bevor wir an der Reihe sind, unsere Tasche befindet sich gerade mitten im Röntgengerät, aufregung vor dem Monitor der Beamten: kommt alle, seht euch das an! Ein schinken!! (da hat wohl einer den Braten gerochen, sozusagen.). Zu viert stehen sie um den Computer und ihnen läuft das Wasser im Munde zusammen ob dieser fetten Beute (dabei ist es ein extra mageres Stück). "Wem gehört die blauä Taschä?" - Mir. Ich gebe der Senorita mein Formular. Aha. Ein durchgestrichenes Kästchen. So geht das aber nicht. Füllen Sie das mal neu aus, junger Mann. Mit einem sauberen Formular geht es dann an die Inspektion des Corpus Delicti. "Qué decláren?" Naja, nen Schinken. So so. Gesucht. Gefunden. Was noch? Naja, Würstchen. So so. Auch gesucht. Auch gefunden. War's das? Ja. Nein, nein, Sie haben da noch was anderes. Tine und Tian gucken sich mit großen Augen an. Was denn? Gesucht. Gefunden. Seitenbacher Fitness Müsli, große Packung. Ach so, das sind jetzt Samen, oder was? Kennen Sie das? Das ist Müsli; M Ü S L I. Hm. Genauestens wird der Anzahl Trockenbeeren inspiziert. Na gut, das gilt nicht als Obst. Das lass ich Ihnen. Aber den Schinken und die Würste muss ich Ihnen abnehmen. Eh, das ist ein Geschenk! Regalo! Für einen Amigo! Egal. Auch nicht eins von beiden, nein? Auch nicht eins von beiden, nein. Wollen Sie zusehen, wie wir es vernichten? (das Wort ist: "destrozamos"!). Nee, ist gut. Ordnung muss sein. Willkommen in Chile. etwas geknickt treten wir durch die Automatiktür.

Da steht Robert! Ein bisschen weniger Haare als beim letzten Mal, aber unverkennbar Robert. Sogar noch etwas stattlicher als damals. Wiedersehensfreude.

Langsam lernen wir den Menschen (wieder) kennen, mit dem gemeinsam Tian vor 7 Jahren die Schulbank gedrückt hat und der ein neues Leben in Chile gefunden hat. Zwischen lauter neuen SUVs parkt sein 1er BMW. Auf dem Rücksitz ein Römer-Kindersitz. Über die Stadtautobahn fahren wir ins Viertel Las Condes, im Nordosten der 7-Millionen-Stadt, wo wohnt, wer es sich leisten kann. Unterwegs piepst es im Auto, die Autobahn-Maut wird automatisch über einen Badge an der Windschutzscheibe bezahlt. Pip. Regenwetter. Die Stadt sieht ungeheuer wohlhabend aus. Robert erzählt, in welchen der Bürotürme Kunden seiner Firma ihr Domizil haben. Pip. Wir fahren vorbei an dem Apartment-Block, wo er und Lorena zunächst gewohnt haben. Tunnel. Shopping Mall. Pip. Einige Häuser wurden hie und da von dem Erdbeben im Februar beschädigt, aber in Santiago nichts wirklich Schlimmes. Pip. Nur einige Autobahnbrücken sind eingestürzt, größtenteils sind sie schon wieder repariert. (Übrigens: das Beben hatte sein Zentrum in der 2tgrößten Stadt Chiles, Concepción, Heimatstadt Lorenas und Wohnort ihrer Familie. Mit 8,8 war es das 5t-stärkste Beben weltweit seit des Beginns seismischer Messungen in der Geschichte! Verheerend war nicht die Stärke des Bebens an sich, sondern die ca. 50 Nachbeben, die so ziemlich alles in Concepción und Umgebung brüchig gerüttelt haben. Dass in Santiago nicht mehr passiert ist, auf den Brücken, liegt vor allem daran, dass das Beben um 4 Uhr morgens passiert ist und so gut wie niemand unterwegs war. Sehr tragische Anekdote: Ein Autofahrer stürzte mit seinem Wagen eine eingestürzte Brücke hinunter und stieg, fast unversehrt, aus seinem Vehikel, als die Besatzung eines ihm folgenden Polizeistreifenwagen ebenfalls in das gleiche Loch und auf ihn auffuhr).

Zu Hause bei Robert, automatisches Tor zum Hof, es ist Abenddämmerung (es gibt hier Dämmerung!), erwarten uns sein 15 Monate alter Sohn Jan und die Nanny Nini. Lorena, seine Frau seit April, hat gerade Yoga. Wir kriegen das Haus gezeigt, alles ist sehr neu, weiße Wände, stilvoll, mit rot gebeiztem Holz. Die Familie wohnt hier seit Anfang des Jahres, das Haus wurde komplett saniert, ein paar Risse im Putz sind zu sehen vom Erdbeben, aber nix Schlimmes, wir trinken Eistee. Dann kommt Lorena. Bezaubernd. Rehaugen. Wir begrüßen uns und haben auf einmal den Eindruck, kein Wort Spanisch mehr zu sprechen. Robert führt uns zum "Stammitaliener" aus, fünf Minuten zu Fuß, vorbei an einem Burger King und jeder Menge großer Baustellen, dicke Autos, man wähnt sich in Luxemburg. Wir probieren Muscheln mit Käse überbacken und chilenischen Carmenère, eine Rebsorte, die in Frankreich ausgestobrben ist, nachdem sie hierher exportiert wurde. Es wird sehr spät.

Der nächste Tag, wir schlafen aus, Robert und Lorena sind längst aus dem Haus, Nini macht uns Frühstück, außerdem ist die Putzfrau da, und es gibt auch noch einen Gärtner, für die Palme, die wurde verpflanzt, stand zu nah am Haus, und für die Papaya. Ein kleines Gewächshaus für Küchenkräuter ist geplant.

Wir gehen zu Fuß zum Parque Arauco, der größten Shopping Mall Südamerikas. Überwältigend. Es gibt ca. 20 Schuhgeschäfte pro 100 laufende Meter Schaufensterfront. Wir tauschen Dollar. Für 400 US$ erhalten wir 202.000 Pesos. Das fühlt sich sehr viel an in der Hosentasche. Konsumflash total. Wir ziehen an einem Automaten eine Cola, und laden Tines Handy an einer Gratis-Aufladestation auf. Beim Öffnen der Cola schäumt die Flasche über. Keine 30 Sekunden später ist eine Putzfrau da und wischt die colapfütze von den weißen Granitfliesen. Quatre Temps in La Défense ist unwürdig!

Wir fahren mit der Metro weiter in die Stadt, sauber und schnell und stinkt nicht. Immer noch Regenwetter, nicht sehr gemütlich, aber was erwarten wir auch, es ist immerhin Winter. Hier gibt es nämlich Winter. Wir machen ein bisschen Sightseeing, kaufen uns zwei Hot Dogs mit Guacamole, einen "Italiener" nennen die das hier, und entdecken dann die Einkaufsstraßen mit ca. 35 Schuhgeschäften pro 100 laufende Meter Schaufensterfront. Dann ist uns kalt. Wir rufen Robert an, heute Abend wollen wir ausgehen im Viertel Bellavista. Er hatte bis eben Termine, wirkt ein bisschen außer Atem, wir verabreden uns für in einer Stunde, und beschließen, noch ein bisschen an dem Boulevard entlang zu schlendern bis zur Metrostation. Ein dunkler Tag, alles in allem. Dann entdecken wir einen Park auf einem Hügel, mitten in der Stadt, es dämmert, können wir noch rein? Klar, wir müssen uns nur ins Besucherbuch eintragen. Oben auf dem Santa-Lucía-Hügel eine verspielte Lustgartenanlage, knutschende Pärchen. Fotos von Santiago in Abendstimmung.

Abends Fisch, das muss sein hier, im "Azul Profondo", "Tief Blau", mit Robert und Lorena. Man fühlt sich wie auf dem Grund des Ozeans, urgemütlich, mollig, Kerzenlicht, sehr zuvorkommender Service, der Cabernet Sauvignon ist schnell leer zu viert. Die Stimmung taut auf, die alten Insider kommen Robert und Tian langsam wieder ins Gedächtnis. Drei Jahre Berufsakademie, das baut Kameradschaft. :-)

PS. Auf den Fotos sieht man die sprichwörtlich blendende Schönheit Santiagos nur wenig. Am Tag unserer Stadtbesichtigung war es dermaßen demoralisierend regnerisch, dass wir in den richtigen Momenten wohl die Kamera nicht gezückt haben. Sorry.


8. bis 10. August: Lima!

veröffentlicht um 17.08.2010, 10:36 von Bastian Nieschler   [ aktualisiert: 17.08.2010, 15:27 ]

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8. August: Nach einem letzten, sehr netten Abend in Cuzco fliegen wir am Morgen des 8. August nach Lima. Endlich mal wieder ein Klimawechsel! Der Taxifahrer bescheißt uns nicht, was einen sehr guten (vor)letzten Eindruck von Touritown bei uns hinterlässt.

Nächste unerwartete Nachricht: Unser Flug wurde gestrichen. Ohne Diskussionen (eigentlich: ohne ein Wort darüber zu verlieren) werden wir auf einen anderen Flug umgebucht, Abflug 10:00 Uhr statt 11:10 Uhr. Gut, dass wir rechtzeitig da waren!

Über eine Stunde vor der geplanten Uhrzeit landen wir um 11:15 Uhr in Lima. Auf eigene Faust ins Hotel ist nicht, denn das liegt im Viertel Miraflores, einem Bezirk verhältnismäßig weit im Süden der 9-Millionen-Stadt, und der Flughafen ist in Callao, ganz im Norden. 25 US$ für eine Taxifahrt haben wir gerade nicht übrig. Wir warten also auf unseren vorbestellten und -bezahlten Taxifahrer, was sehr amüsant ist, denn in der Ankunftshalle stehen ungefähr 40 davon, jeweils mit handgeschriebenem Schild mit dem Namen der entsprechenden Gäste. Da wir über 1 Stunde Zeit haben, beobachten wir eingehend die Reisenden und Chauffeure, lästern über verschwitzte Gesichter und falsch geschmierte Namen, und schließlich entdecken wir, auf dem "guck mal, wie doof, das Schild von dem Typen dort ist fast durchsichtig und auf der Rückseite ist irgendwas Dunkles aufgedruckt" unseren Namen: NESKLER! Eindeutig! Wir hin, es ist der Richtige, er wartet noch auf zwei Holländer, die aber nicht kommen, haben sich vermutlich auf eigene Faust ins Verkehrsgetümmel gestürzt. Wir fahren also zu dritt und genießen eine mit luxemburgischen Taxifahrern absolut undenkbare Konversation über das Lima und das Peru von heute, seine Probleme und Lösungen, alles sehr realitätsnah und zugleich voller schwarzen Humors (nun, zumindest bilden wir uns ein, dass das die Konversation war, deren engagierte, aber sprachlich etwas ohnmächtige Zeugen wir wurden).

Im Hotel haben wir keine Reservierung. Sie müssen sich irren. Wir sind erstmal perplex. Es ist Sonntag Nachmittag halb zwei, in Lima hat sozusagen alles zu, und wir haben keinen Plan, was wir machen sollen. Als wir nach unserer Tasche fragen (die mit den Geschenken für Robert und unseren Skisachen drin, die wir vor 3 Wochen in Lima bei dem ahnungslosen Typen von der Reiseagentur abgegeben haben und die eigentlich im Hotel auf uns warten soll), ist man zunächst ahnungslos, nach kurzen Recherchen wird man aber fündig - und glaubt uns schließlich doch, dass wir eine Reservierung haben (sollten). Nur Zimmer gibt es halt keine. "Gehen Sie mal in die Lounge, ich seh mal, was ich machen kann," sagt die Senorita. Wir verstehen nicht, was man da machen kann, und gehen erstmal in die Lounge. Wir gucken in die Tasche, alles noch drin, Skibrille, Bordeaux, Kinderschokolade. Nach 30 Minuten ist uns, obwohl um 2 Milchkaffee ärmer, kalt, wir fühlen uns eklig und wir fragen uns, was die Senorita da wohl am machen ist. Tian geht fragen, "gehen Sie bitte nochmal in die Lounge, ich seh mal, was ich machen kann." Daon wird es auch nicht wärmer, ich bin angesäuert, frage, mühsam meinen Zorn ob dieser Hinhalte-Taktik unterdrückend, wie lange wir denn noch warten sollen, und beruhige mich nach einem intensiven Hundeblick. 10 Minuten später steht sie da, die Senorita, und sagt: "Überraschung, wir haben jetzt doch ein Zimmer!". Wir verstehen gar nix mehr, aber unser detektivischer Spürsinn ist gerade etwas stumpf, wichtig ist: Hergerichtet ist es schon, wir können sofort rein, sehr schön ist es, wir ziehen uns etwas wärmer an und los geht's: Lima erobern! Endlich! Ist gleich 16 Uhr!

Wir verlaufen uns erst in dem friedlichen, aber weitläufigen und völlig menschenleeren Bezirk, bis wir den "Ovalo"-Platz finden, und dort finden wir einen Minibus, der "Todo Arequipa" fährt, die ganze Avenida Arequipa ins Stadtzentrum. Ist 52 Blocks entfernt, die Häuser hier haben Hausnummern zwischen 5200 und 5299. Wir schaffen es, den Fahrer zu bitten, uns zu sagen, wo wir aussteigen sollen, und das machen wir dann auch. Am Parque de las Exposiciones werden wir ins Leben Limas ejakuliert. Da ist Fiesta, es riecht gut nach Essen, die Animateure vor den Ständen laden uns ein (manche sogar mit Likör-Proben), es spielt irgendein Folklore-Orchester, und sofort hat Tine ihr schlaues Buch in der Hand: Hunger? Dann versuchen wir jetzt Hühnchen in Bananenblättern! Gesagt, getan.

Mit vollem Bauch fühlt man sich gleich wohler (wärmer), wir entdecken das Viertel zu Fuß, viel Verkehr, halbseidenes Wetter, uns laufen die Nasen. Irgendwo in der Stadt soll es ein Reiterstandbild des Eroberers und Staatengründers Pizarro geben, der, angeblich zu sehen in dem Standbild, "ein miserabler Reiter" gewesen sein soll. Wir glauben, ihn auf der Plaza San Martín gefunden zu haben. An dem Standbild hängt außerdem eine Jungfrau, der man aufgrund eines Missverständnisses ein Lama statt eines Heiligenscheins auf den Kopf gesetzt hat. Drollig.

In der Fußgängerzone entdecken wir viele Schuhgeschäfte und schließlich entdeckt uns Jean (!), Peruaner aus Trujilo, Surfer, Tätowierer, Sonnyboy, der zuerst Tine alleine anquatscht, aber selbst dann freundlich bleibt, als Tian wieder auftaucht. Jean ist angeblich mit nem Kumpel verabredet, der nicht kommt, und erzählt so lange von Gott und der Welt, so lange, bis unser Misstrauen fällt (er war tatsächlich kein Trickdieb) und wir gemeinsam ein Bierchen trinken gehen, in ein sehr cooles Lokal im 1. Stock mit Rockmusik und Blick auf die Panamerícana. Wir leeren 3 Pitcher gemeinsam, am Ende besoffen ist nur Jean, wir sind ein wenig erstaunt über die fast europäische Rechnung (sollte Jean ein Animateur gewesen sein und von der Bar ne Provision auf den Bierpreis abkriegen - glauben wir aber nicht, in Lima sind die Preise überall so -, hat es sich dennoch gelohnt, war ein sehr netter Abend!). Hunger haben wir keinen mehr, nur so zur Vollendung gönnen wir uns Maispudding mit Preiselbeeren, "Mazamorra Morada" heißt das, und fahren gegen 23 Uhr mit einem Linienbus, "Todo Arequipa", zurück zu Block 52 der Avenida Arequipa. Der Heimweg zu Fuß ist dann nicht mehr so gemütlich, aber alles geht gut.

9 August: Am nächsten Tag probieren wir aus, was "Frühstück bis 10 Uhr" bedeutet (es bedeutet: bis 10:25 Uhr, mit einem Lächeln), und flaggen uns völlig fertig nochmal bis 12 ins Bett. Anschließend gehen wir zu Fuß zum Indianermarkt, auf der Suche nach den letzten Souvenirs zum Spottpreis. Montags sieht das Viertel gar nicht mehr so tot aus wie gestern. spottpreis ist fehlanzeige, man ist hier voll und ganz auf "uns" eingestellt. Gratis hingegen ist die Dance-Show, die "CompuMan" (menschgestaltige Werbefigur eines Elektronik-Supermarktes), den wir unterwegs treffen, speziell für uns hinlegt! Tian findet auf dem Indianermarkt, bei der einzigen freundlichen (unaufdringlichen) Verkäuferin, eine neue Mütze, handgemacht aus echt Alpaca, erklärt sie, ähnlicher Typ wie die auf Amantaní verschenkte, weiß er. 22 Soles, 5,50 Euro. Doppelt so teuer wie in La Paz. Macht nix, das ist es wert.

Auf einem anderen Markt findet Martine Kindermützen, Kinderhandschuhe und eine Alpaca-Decke (bei den Preisen haben wir, im Gegensatz zu den Existenzminimum-Händlern Boliviens, keine Hemmungen mehr, zu handeln, und siehe da, es funktioniert!, 15 Prozent Nachlass, immerhin). Außerdem kaufen wir 2 Weihnachtskrippen, eine zum Verschenken und eine, weil unwiderstehlich, für uns selbst. alles wird von Jacky gut verpackt. Tians Chef würden die Haare zu Berge stehen ob der verschwendeten Luftpolsterfolie. Hoffentlich müssen wir das am Zoll nicht alles auspacken.

Unser Weg führt uns (am Hotel vorbei, weil Tasche abstellen) in den Süden von Miraflores. Weil wir irgendwo falsch abgebogen sind, landen wir im Liebespark, Parque del Amor, Wolle' Rose kaufe'? Oder eine Surfstunde, mein Kumpel da oben verkauft welche? Oder wenigstens ein Amulett?  "Nein, die sind sehr schön, aber sie gefallen mir nicht, außerdem haben wir schon alle Mitbringsel beisammen!" - ich glaube, ich habe das recht gut gesagt, denn beleidigt trollt er sich. Ein Irrweg bringt uns runter ans Ufer des Pazifik. Wasser schmeckt salzig und ist sehr kalt (angeblich 12° C). Die Surfer sind dennoch völlig unerschrocken.

Unser Weg führt zu einem Shopping Centre, LarcoMar, exklusive Boutiquen, Blick auf den Pazifik, zwei Damen in Pelz trinken Kaffee auf der Freiterrasse, das ist Zivilisation wie dehoim!, Tine kauft nach ungeduldig erwartetem intensivem Probehören die neue CD der chilenischen Gruppe "Líbido", und Bastian kriegt einen Pulli, WINTERSCHLUSSVERKAUF! Wahnsinn!

Abends landen wir im Viertel Barranco, berühmt für seine leckeren Restaurants, aber die Animateure sind dermaßen unangenehem aufdringlich, dass wir sie angewidert stehen lassen und uns im "Las Mesitas" wiederfinden, eine Empfehlung unseres Reiseführers, eine Art Café-Restaurant im Stil des Paris der 1920er Jahre, Kellner mit Fliege, Senorita mit Spitzenhäubchen, Chicha als Apéritif (Chicha ist ein [mit Waldbeerensaft aromatisiertes und gefärbtes] leicht alkoholisches, weil gegorenes Getränk aus Mais. Früher goren [gärten] die Mönche das, indem sie den Mais im Mund herummantschten. Laut Jean gestern ist das heute nicht mehr so. Wir vertrauen ihm. Glups.) Tine probiert eine weitere Spezialität, ceviche in Scheiben, das heißt offiziell "Tiradito", und Tian nimmt den Fisch des Tages. Anschließend machen wir uns über die Dessert-Karte her. Der Kellner sieht unsere ratlosen Blicke und ist schnell hilfreich zur Stelle: Sie wissen nicht, was nehmen? Nehmen Sie "Unsere besten 3", da haben Sie von allem etwas! Gesagt, getan, und das Obstmus mit Meringe muss natürlich auch versucht werden.

Mit zum Platzen gespannten Bäuchen nehmen wir den Bus nach Hause, leider den falschen, wir bleiben einfach so lange sitzen, bis wir in einem Viertel vorbeikommen, das ordentlich aussieht. Außerdem haben wir einen Plan. Wir laufen heim und kommen an einem modernen, großen Supermarkt vorbei (die franzosen nennen das "un hyper"). Das müssen wir uns angucken! Erlebnisse siehe Fotos. Unseren Fußweg nach Hause finden wir diesmal sofort und sicher.

Zurück im Hotel bietet man uns an, uns zum Abendessen einzuladen (es ist ca. 23 Uhr), um sich für die Unannehmlichkeiten des Ankunftstages zu entschuldigen. Das finden wir nett, aber ein bisschen tölpelhaft spät, aber um sie nicht ungeschoren davon kommen zu lassen, bestellen wir für den kommenden Morgen einen Haarfön aufs Zimmer, was die Mannschaft nochmal gut ins Schwitzen bringt.

10. August: Frühstück. Zum Flughafen. Flug nach Santiago de Chile. Zwischendurch mit 2 Stunden Verspätung angesagt, heben wir dann doch pünktlich ab. Wir hatten noch ca. 286,51 Soles, um die horrende Flughafengebühr (62 US$ !) bar zu bezahlen (Karte geht nicht, und unsere Dollar brauchen wir später noch). Kostet aber 286,94 Soles. Der freundliche Beamte schenkt uns die 0,43 Soles (= 0,10 EUR). Kleine Geste mit großer Wirkung, in diesem geldgeilen Land.


Chuis toujours là ! / Uns gibt's noch!

veröffentlicht um 15.08.2010, 12:50 von Bastian Nieschler

On est de retour à Lululand. On a été un peu fainéants avec nos mises à jours ces jours-ci, faute de temps et de connexion internet performante. Nous sommes bien atteris aujourd-hui, dimanche 15 août, vers midi à Francfort et depuis 16h environ, nous lavons nos affaires et préparons la grande rentrée de demain matin. Nous allons nous rattraper demain et mardi soir, pour les dernières impressions et photos, promis! Bonne nuit!!

Wir sind wieder daheim. In den letzten Tagen waren wir nicht gerade zuverlässig mit den Aktualisierungen, zu wenig Zeit und zu wenig Internetanschluss. Heute, Sonntag, 15. August, sind wir gegen Mittag gut in FRA gelandet und seit ca. 16 Uhr waschen wir unsere Sachen und bereiten unsere Rückkehr in die Realität morgen vor. Morgen und Dienstag Abend gibt's die fehlenden Berichte und Fotos, versprochen! Gut' Nacht!!


6° & 7° agosto: Machu Picchu, die verlorene Stadt der Inkas, und Cuzco, die verlorene Stadt der Touristen

veröffentlicht um 07.08.2010, 17:00 von Bastian Nieschler   [ aktualisiert: 07.08.2010, 18:23 ]

So, heute also die disneylandischste Etappe der gesamten Reise. Geht das überhaupt, nach Titicaca-See und Cuzco?
 
Machu Picchu ist eine von den Incas geplante und bewohnte Siedlung und Kultstätte, die bei der spanischen Eroberung nicht entdeckt und deswegen grösstenteils heil geblieben ist (trotzdem spricht man heute, 500 Jahre später, von "Ruinen").
 
Los geht's mit einem Minibus-Transfer in die Stadt Ollantaytambo. Wir reisen heute mit GANZ kleinem Gepäck, nur Tagesrucksack ´¨ur diese 2-Tages-Tour. Die Strasse ist gut, der Minibus auch, und Füsse ausstrecken ist angesagt denn wir sind die einzigen Passagiere. Unser Fahrer brettert wie Sau, wodurch wir nicht wie geplant 1:40, sondern nur 1:20 h brauchen. Hat er gut gemacht, so haben wir fast 1 Stunde Wartezeit am Bahnhof, wo es vor den Verkaufsbuden von aufdringlichen Verkäufern nur so wimmelt, und hinter den Verkaufsbuden nach Urin stinkt.
 
Der Zug, den wir dann nehmen, um von Ollantaytambo nach Aguas Calientes zu fahren, ist voll von Touristen, was daran liegt, dass er ausschliesslich Touristen vorbehalten ist ("Locals" fahren mit einem einfacheren [günstigeren] Zug, den wiederum Touristen nicht buchen dürfen). Die Waggons sehen zwar aus wie aus den 60ern, sind aber top in Schuss, klimatisiert und es gibt ein kleines Frühstück. Gemütlich zuckelt man damit 2 Stunden durchs Urubamba-Tal, vorbei an jeder Menge völlig neuer Vegetation, u. a. Kakteen, Bäume in denen Palmen wachsen!, und eine Art Aloe-artiger Sträucher (wir sind hier nur noch auf ca. 2500 m Höhe), bis man an der Endstation, Aguas Calientes, ankommt.
 
Aguas Calientes liegt am Fuss von Machu Picchu. Man kann die 8 km entweder hinauf wandern, oder man nimmt einen Shuttle-Bus. Wir haben uns bei Ankunft immer noch nicht entschieden. Raus aus dem Bahnhof befinden wir uns zunächst in einem Schwarm Rucksäcke, dann in einem Schwarm fliegender Händler, und plötzlich, nach eifrigem Durchkämpfen, stehen wir alleine auf weiter Flur. Haben wir was verpasst? Wir drehen uns verblüfft nach hinten um. Alle sind am Tickets kaufen. Ha, waren wir schlau, das bereits in Cuzco zu erledigen!
 
Nun, wenn wir es einen-Bus-nehmend offenbar als ERSTE nach oben zu Machu Picchu schaffen können, dann ist die Entscheidung allerdings schnell getroffen! Wir hechten quer durch die Markthalle, über eine abenteuerliche Fussgängerbrücke, und da sehen wir sie unten auch schon golden blitzen, die Schlange der wartenden Busse! Wir laufen die Schlange entlang nach vorne, zwei Tickets bitte, kurzer Blickkontakt, nein danke nur Hinfahrt, kein Studentenrabatt (Tian zählt ja seit letztem Jahr wieder als Student! :-), seven dollars per person, rein in den Bus, eine adrett uniformierte und perfekt geschminkte Hostess fragt fürsorglich, ob wir auch unsere Machu-Picchu-Tickets schon haben (denn oben am Eingang kann man keine mehr kaufen), und während sich die Tür des Busses mit einem satten Zischen schliesst, hören wir von draussen einen mittelalte0, teuer ausgerüsteten Franzosen ausrufen: "Quoi? Combien? Quatorze dollars? Mais non, mais ca, c'est vraiment abusé!!" (wir fragen uns, wie man es an all den Reisebüros, Agenturen, Schaltern, Prospekten, Reiseführern, Plakaten und Guides vorbeischaffen kann, OHNE mitzukriegen, dass eine Hin- und Rückfahrt mit einem der Busse eben 14 verdammte Dollar kostet!)
 
Nach 15 Minuten sieht man das Machu-Picchu-Gelände. Sieht toll aus. Irgendwie genauso wie auf all den Fotos. :-) Beeindruckend ist, wie hoch oben das liegt - 400 Meter höher als Aguas Calientes, auf einem fast senkrecht abfallenden Berg. Nach 5 weiteren Minuten sind wir oben. Ja, es ist schon einiges los hier, vor allem, da es einen Rundweg über das Gelände gibt, auf dem man den Massen folgt. Darauf haben wir keine Lust und hechten erst einmal blindlings quer übers Gelände, um vor Ort eines der 400 täglichen Wayna-Picchu-Tickets zu bekommen (Wayna Picchu ist der Berg "hinter" Machu Picchu, von dem aus man auf die Stadt runtergucken kann), aber wir sind zu spät dran, Wayna Picchu bleibt für uns verschlossen.
 
Immerhin beginnt unser Rundweg jetzt "azyklisch", "hinten". Wir gehen bis zur alten Inka-Hänge-Brücke, die zum Glück geschlossen ist, sonst hätten wir das auch noch versucht. Auf einer der vielen Terrassen (es gibt Terrassen für Ackerbau, für Statik, als Drainage und als Wege) machen wir ein ausgedehntes Picknick. Dabei fällt uns auf, dass das ganze Gelände top suaber ist, keine Abfälle nirgendwo!
 
Dann entdecken wir den "oberen" Teil der Stadt und lernen, dass das einst die Kultstätte war: Tempel, Wohnung des Priesters, (rituelle) Badanstalt. Und dann: Lamas! Auf Machu Picchu grasen Lamas!
 
Gegen halb vier sind wir fertig mit dem Kultstätten-Teil. Der Besucher-Ansdturm hat sich ein bisschen gelegt, aber wir gönnen uns trotzdem nochmal ein Päuschen. Gegen viertel nach Vier wird es merklich leer (der Laden schliesst um fünf), wir machen uns auf zur Entdeckung der "Unterstadt" im Abendlicht, gekrönt von einer Fotosession mit den Lamas, und nutzen die Zeit richtig aus, bis gegen 16:55 Uhr entfernd trillernde Trillerpfeifen vernehmen lassen, dass die Aufseher dabei sind, zu schliessen (das Gelände wird regelrecht "geräumt", Prinzip Treibjagd). Der Sonnenuntergang ist übrigens unspektakulär, da die Sonne, zack, völlig weissgelb wie immer, hinter einen Berg taucht. Romantisch ist daran nix. Wir lassen uns gemütlich mit den letzten Besuchern Richtung Ausgang treiben, und ergattern tatsächlich ein Foto von uns vor einem LEEREN Machu Picchu! (müsste man mal auf dem Eiffelturm versuchen). Absolut beeindruckend, was die vor 500 Jahren auf die Beine (bzw. auf den Berg gestellt haben), inkl. Wasserversorgung und allem! Und das, ohne das Rad zu kennen, geschweige denn eine Schrift zu haben.
 
Da uns die 14 Dollar für den Bus zu viel waren, müssen wir jetzt runter laufen, und zwar 400 Meter über Treppen. Gefühlt sind es ca. 2000 Stufen, quer durch den dämmerigen Nebelwald. Als wir fast unten sind, ist es gegen 6 Uhr, d. h. die Sonne ist lang weg und ausserdem ist das Tal so eng, dass ohnehin kaum ein Lichtstrahl dort hin vor drängt. Glühwürmchen funkeln grün. Wir packen die Taschenlampe aus. 30 Minuten später sind wir zurück in Aguas Calientes, und fragen uns zu unserem Hotel durch. Im Ort nach wie vor so viel Leben wie in einem Ameisenhaufen. Hotel super, Dusche tut gut, oh, Sonnenbrand! Wo kommt der denn her? :-)
 
Schliesslich die Suche nach einem Lokal zum Abendessen. Wir sind heute entschlossen, uns mit Touristen einzulassen. Über die Brücke, ist das erste Lokal ein China-Imbiss. Nö, das dann doch nicht. Wir gehen ins zweite, direkt nebenan, und finden uns im vielleicht lokalsten aller Lokale hier wieder: inmitten staubiger Guides und Bauarbeiter, bestellen wir "Pollo Broaster" (ist so eine Art fritiertes Huhn in Stückchen, kommt mit Reis, Salat und den obligatorischen, extrem fettigen Papas [Pommes]) bzw. "Pollo al curri" (ist auch Huhn, aber mit irgendwas anderem ausser Curry, und den obligatorischen, extrem fettigen Papas [Pommes]). Ist schliesslich ein sehr netter Abend. Und wir haben kein Wort Englisch gehört in dem Lokal.
 
Am nächsten Tag frühstücken wir um 8:00 Uhr und sind damit die letzten! des gesamten Hotels (Frühstück gibt's hier ab 4:30 Uhr, so dass man's zur morgendlichen öffnung des Machu Picchu pünktlich schaffen kann). Wir gucken ein Museum an und nehmen um 10:50 Uhr unseren Zug zurück. Diesmal haben wir den Luxus-Waggon erwischt. Alle anderen waren ausgebucht, aber nun gut, soll uns nicht stören, es gibt ein Super-Menü von einer super-hübschen Hostess und einem super-schwulen Steward. Die Klima-Anlage ist leider kaputt. Auf der gegenüber liegenden Seite sitzt eine Gruppe Amis, die Lunchpakete vom Machu-Picchu-Sanctuary-Lodge-Hotel bei sich haben. Das ist das einzige Hotel "oben" am Machu Picchu, die Nacht ab 700 (!!!) US-Dollar. Diese Leute amüsieren uns, als sie das im Zug angebotene Top-Menü ablehnen: Nicht steril genug? Ob die überhaupt peruanisches Geld bei sich haben? Ob die überhaupt wissen, in welchem Land sie sind? Und doch müssen sie neben UNS sitzen, im Luxus-Waggon, mit unseren Käsefüssen. (Beim Aussteigen später, in Ollantaytambo, wartet Tian in der Schlange neben einem (peruanischen?) Jungen, ca. 13 Jahre alt, der auf seinem Handy "American Idiot" von Green Day abspielt. Ironie des Schicksals. Ob sie's gehört haben?)
 
Fahrt zurück nach Cuzco mit einem sehr sympathischen Fahrer, Júvenil heisst er, 29 Jahre, sieht aus, als hätte er seine besten Jahre hinter sich, aber ist voller Optimismus und guter Laune. Wir schenken ihm eine Packung Kekse für seinen 3-jährigen Sohn. Ankunft gegen 15 Uhr am Hotel, man erkennt uns wieder, sehr nettes Zimmer diesmal. Was machen wir mit dem angefangenen Tag?
 
Wir schlendern eine andere Strasse entlang Richtung Zentrum, "Massage? Pedicure?", und laufen ein bisschen ziellos hin und her, wir haben den Stadtplan nicht dabei, und plötzlich stehen wir vor einer Markthalle. Alles wuselt geschäftig, aber kein Verkäufer quatscht uns an, hier ist man unter sich. Wir gehen rein, lassen uns von einer Verkäuferin, vielleicht 18, zu einem Maracuja- bzw- Ananas-Saft verführen, dann schenkt sie uns noch jeweils einen zweiten, wir kaufen anderswo ein Stück frischen Kuhmilchkäse (inzwischen trauen wir unseren Mägen das zu), und als wir die Markthalle an ihrem gegenüber liegenden Ende verlassen, befinden wir uns mitten im "alten", dem "einheimischen" Cuzco, wo die Menschen Schuhe besohlen lassen und sich einen Fernseher kaufen. Wir halten die Kamera sehr fest und verstecken die Armbanduhr im Ärmel, und erleben ein völlig anderes Peru als bisher. Die Strassen verlaufen alle mehr oder weniger rechtwinklig, so dass wir uns anstandslos zurecht finden.
 
Und da es hier natürlich auch Internet-Cafés gibt, kommt Ihr zu diesem Bericht. Heute Abend packen wir wieder mal die Koffer, um 11 Uhr morgen früh geht der Flieger ins 1.100 km entfernte Lima.
 
Es ist hier jetzt viertel nach acht, wir spüren noch keine verdauliche Reaktion auf den Saft von vorhin, was ein gutes Zeichen ist, und suchen uns jetzt ein leckeres Abendessen.
 
Gruss und Kuss von Tine und Tian!
 
 

4° y 5° agosto: Cuzco, la capitale des Incas

veröffentlicht um 05.08.2010, 17:53 von Bastian Nieschler   [ aktualisiert: 07.08.2010, 18:35 ]

Nous sommes arrivés tard la veille dans un hotel tres sympa, ce dont nous nous rendons compte seulement le lendemain en prenant le petit déjeuner dans la cour. On rechange d'hotel comme c'était prévu et on part a la découverte de la ville la plus ancienne du continent américain.

Avant de pouvoir atteindre le premier site, nous devrons nous frayer un chemin entre les milliers de vendeurs, de shoeshine boys, de masseuses, et autres touristes. Une d'entre elles n'est autre que Carolyn que nous avions quittée la veille et qui a connu le meme sort que nous. On se donne RDV pour diner le soir.
L'apres midi, visite de Qorikancha, un ancien temple Inca et recherche de la fameuse pierre a 14 faces. Au premier étage, expo d'art contemporain dans un tout autre style que les techniques Incas mais pas moins interessante!

A 20h, on passe prendre Carolyn et on part a la recherche du restaurant qui pourra nous proposer du cuy (cochin d'Inde). On nous l'apporte une permiere fois entier afin de pouvoir prendre une photo. Carolyn, végétarienne, et meme 2 personnes des tables voisines, souhaitent également pouvoir le photographier! Ils en ont revés, ils l'ont fait!!! Le gout pourrait se définir entre du lapin et du poulet mais la consistance reste étrange: il faudrait un peu plus de viande...pourquoi pas un cuy géant!!?? On finit la soirée en regardant sur TV du resto un spécial musique des années 80.

Pour Carolyn: Tainted Love est une chanson interprétée tout d'abord en 1964 par Gloria Jones, puis par Ruth Swan en 1975. La popularité vient avec la reprise de Soft Cell en 1981. Le single se classera premier des charts britanniques et huitième au Billboard Hot 100. Ce morceau est aussi l'un des plus repris de l'histoire de la musique.

2eme jour: grasse matinée. Longue balade. Musée Inca. Faufilage entre les vendeurs. Tian essaie de retrouver le jumeau bonnet laissé a Isabella mais sans succes. Préparatifs: demain, grand départ pour Machu Picchu!
 
Edit: Am Abend haben wir pl*otzlich Lust auf viel Fleisch und wenig klasse, ganz im Gegensatz zum sehr gediegenen Meerschweinchen einschl. sehr gediegener Konversation mit Carolyn gestern. Wir erinnern uns, dass wir tagsüber an einem australischen Pub vorbei gekommen sind, in dem Alpaca-Burger (!) serviert werden. Nichts wie hin. Unterwegs: Sonnenuntergang hinter den schneebedeckten Bergen. Dann: McDonalds entdeckt, ein BigMag kostet hier 15,50 Soles, ist also nur unwesentlich günstiger als bei uns (Big-Mac-Index: siehe Wikipedia). Stattdessen kaufen wir einer Strassenhändlerin für 2 x 1 Soles zwei sehr leckere Donuts ab, "mit Puderzucker, bitte!" - "Das ist kein Puderzucker, das ist Kokosstaub!" und schmatzen Richtung Pub. Auf der Karte: gutes, deutsches Pils! FLENSBURGER in 3 Geschmacksrichtungen als partytaugliches Fünf-Liter-Fass. Es bleibt heute Abend dann doch bei der "Cuzceña", dem lokalen Bier im handlichen Stubbi, gibt's in blond und in indianerbrünett. Der Burger ist geil.
 

2° y 3° agosto: Lago Titicaca

veröffentlicht um 05.08.2010, 16:50 von Bastian Nieschler

Nach copieusem Frühstück werden wir um 7:45 vom Hotel abgeholt, um eine 2-tägige Tour auf dem Titicaca-See zu unternehmen. Wir fahren Mercedes (Sprinter)! Am Hafen kaufen wir "vernünftige" Geschenke für die Quechua-Familie, bei der wir wohnen werden: bitte keine Süssigkeiten, denn es gibt keinen Zahnarzt!

Wir werden zu 25st auf ein Motorboot verfrachtet. Moíses heisst unser Guide für die nächsten zwei Tage, my friends! (ya, er speak Inglish!).

Erste Station nach ca. 45 Minuten sind die Schilf-Inseln "Uros": Sie schwimmen! Die Unterkonstruktion besteht aus einer Art kompostiertem Schilf, Torf-artig, das hält 6 Jahre. Jede Insel ist mit bis zu 8 Ankern am Seegrund befestigt, der See ist hier nur ca. 10 m tief. Obendrauf wird frisches Schilf-Stroh gelegt, man nennt das "Totora". Und da wohnen Menschen! Es gibt 60 dieser Inseln, mit Schulen, Kirchen (katholisch UND adventistisch!), Krankenstation usw.

Mit "Totora" kann man so ziemlich alles machen: Häuser bauen, Spielzeug basteln, Feuer machen, die Wurzel essen - und man kann es sich sogar unter die Mütze stecken, um einen kühlen Kopf zu bewahren. Nur: es fault halt mit der Zeit, und man muss z. B. sein eigenes Haus jedes Jahr erneuern. Nicht so schlecht, man hat immer einen Neubau. :-)

Wir kaufen an einem Stand ein ziemlich wertvolles, hand-besticktes Tuch, das WIRKLICH hier gemacht wurde. Der Mann der Verkäuferin=Handarbeiterin ist darüber so froh, dass er uns zu einer kleinen Besichtigung in ihr gemeinsames Haus einlädt. Von den Einnahmen, erklärt er uns, finanziert die Familie die Ausbildung der beiden Söhne in Puno.

Weiter geht's. Wir werden mit einem Schilf-(!)Schiff zur "Hauptinsel" gerudert. Zum Abschied singen die 3 (!) Frauen der Insel einige Lieder für unsere Gruppe: das erste ist auf Aymará, das nächste auf Spanisch, dann kommt "My bonnie is over the ocean", und schliesslich "Vamos a la playa". Die haben's echt verstanden. :-| Von den Schiffen gibt es "einfache" (5 Soles p. P.) und "Mercedesse", die sind aber teurer (20 Soles p. P.), erklärt uns unser Käptn (derselbe übrigens, der uns eben noch sein Haus gezeigt hat).

Mit unserem Motorboot geht's zu 25st weiter zur Insel Amantani, my friends! Dort werden wir in Gastfamilien "eingeteilt". Isabella führt uns, das sind Tine + Tian, die Holländer Gwen und Christian und die Amerikanerin Carolyn, zum Haus der Familie, das sie für die nächsten 2 Tage mit uns teilen werden.

Auf dem zweit-höchsten Berg der Insel, dem Pachapapa, gucken wir dem Sonnenuntergang zu. Auf der Insel leben 4000 Quechua in 9 Comunidades (Dörfern). Sie beherbergen heute Nacht ca. 12 Boote mit je 25 Passagieren, so ursprünglich wie erhofft ist es also ganz und gar nicht, vor allem nicht auf dem Pachapapa bei Sonnenuntergang.

Abends ist Fiesta in der Salle Polyvalente. Zurück bei Isabella werden wir dafür traditionell eingekleidet. Während die Jungs mit einem Poncho und einer bunten Mütze davonkommen, kriegen die Mädels eine Art Dirndl mit Stola, Rock und Schärpe an. Sieht richtig gut aus! Im Saal erwarten uns ein paar Dutzend Jungs mit Poncho und bunter Mütze sowie Mädels in Dirndl, Stola, Rock und Schärpe. Wir tun unser Bestes beim Tanzen (es ist mehr "Schunkeln") und laden Isabella auf ein Getränk ein, aber zwischen lauter Australiern, Neuseeländern und Israelis, alle in Poncho bzw. Dirndl, können wir das Gefühl nicht abschütteln, zahlende Teilnehmer eines arrangierten Spektakels geworden zu sein.

In unserer Familie jedoch fühlen wir uns sehr wohl, und wir sind ehrlich überzeugt: Isabella mag uns auch (ein bisschen). Tians Mütze LIEBT sie regelrecht, und zum Abschied am nächsten Tag kriegt sie sie schweren Herzens geschenkt. Da ist ihre Freude echt!

Prochaine étape: Taquile. Hier leben nur 2000 Menschen, und alle tanzen, als wir ankommen! Angeblich ist es der jährliche Feiertag, der am 29. Juli war und immer eine Woche lang dauert, my friends! Vor allem angesichts der ca. 30 Souvenirstände rings um die Plaza, Kunsthandwerk zu horrendesten Preisen, zweifeln wir an dieser Behauptung. Mittagessen im vorbestellten Restaurant, vorbestelltes Gericht für alle. Die Idee ist grauenhaft, aber das Essen ist sehr gut und obendrein günstig.

Die Rückkehr nach Puno ist für 15 bis 16 Uhr geplant. Gegen halb vier kommt der Hafen in Sicht. Moíses kriegt erst einen Anruf auf seinem Handy und hat dann eine wichtige Nachricht für Tine und Tian, my friends! Morgen ist in Puno Streik angekündigt. Wenn wir nach Cuzco kommen wollen, müssen wir unbedingt noch heute Abend fahren. Und zwar um 16 Uhr. Unsere peruanische Agentur hat alles umgebucht. Hammer! Mission (im)possible?

Um 15:40 Uhr gehen (rennen) wir von Bord. 300 Meter Fussmarsch (Run) durch den verkehrsberuhigten Hafen zum nächsten erreichbaren Rikscha-Taxi. 15:46 Uhr. Fahrt (Raserei) zum Hotel. Rush Hour. 15:51 Uhr. Einen Block vom Hotel entfernt geht gar nix mehr. Tian steigt aus und rennt. Wir glauben, der Taxifahrer fand die Aktion cool. Im Hotel, 15:53 Uhr, ausser Atem, bitte, Reservierung stornieren. Kein Problem, Ihre Agentur hat das schon erledigt, Momentchen grad, die Señorita hat gebeten, dass wir sie eben zurückrufen, wegen der Bustickets. 15:56 Uhr. Die Señorita kann grad nicht und ruft zurück. Wir kriegen unseren Koffer und unseren Wäschesack, diesmal vollständig. 15:58 Uhr. Die Señorita ruft zurück. "Morgen ist in Puno Streik angekündigt. Wenn Sie nach Cuzco kommen wollen, müssen Sie unbedingt noch heute Abend fahren. Und zwar um 16 Uhr. Wir haben alles für sie umgebucht. Por favor, tomar un taxi ahora, ahora mismo! Ja, genau, wir waren grade dabei. Wir bezahlen unsere Wäsche und rennen vors Haus, um ein Taxi zu nehmen. 16:01 Uhr. "Señor! Telefon!" Scheisse. Wieder zurück. "Tomorrow, there will be a strike, so ... and please take a taxi, NOW!" (ah, jetzt haben auch wir's verstanden!)

16:09 Uhr sind wir am Busbahnhof, ein Typ von der Agentur drückt Tine zwei Tickets in die Hand und ein Mädel ruft Tian von weitem zu: "Your hotel, it's called: Niños Uno!". Der Busfahrer ist wütend und tippt wild auf seine Armbanduhr, wir werfen die Taschen in die Soute und ab geht's. 7 Stunden, ohne Pause, nach Cuzco.

The show must go on!


Danke / Merci / Thanks / Gracías

veröffentlicht um 01.08.2010, 18:41 von Bastian Nieschler

wollten wir Euch mal sagen, zwischendurch, die Ihr unser Blog lest und uns per E-Mail gruesst und die Daumen drueckt. Schoen, Euch zu haben, Freunde, am gegenueber liegenden Ende der Welt! Hoffentlich habt ein bisschen Spass mit uns, aus der Ferne!

Un grand merci intermédiaire a vous tous qui lisez le blog et nous passez vos encouragements et bonjours par mél. C'est bien de vous savoir avec nous, les amis, a l'autre bout du monde. Amusez-vous bien avec nous, de tres loin!

to everyone who's reading our news and feeding us in return with hellos and encouragewments. Great to have you, guys, at the other ends of this world. Come enjoy yourselves with us, keep going!

Tine + Tian.

Domingo, 1° agosto: Hasta luego Bolivia!

veröffentlicht um 01.08.2010, 18:34 von Bastian Nieschler   [ aktualisiert: 05.08.2010, 17:53 ]

Puenktlich um 7:15 Uhr holt uns ein Bus vom Hotel ab. Heute ist fertig Bolivien, es geht weiter nach Peru, Puno am Titicacasee heisst das Ziel unserer heutigen Etappe. Wegen dem Ticket muessen wir wieder mal diskutieren, aber schlussendlich nimmt man uns doch mit, sogar ueber die Grenze. Vorher aber muessen wir auf eine Insel uebersetzen, der Bus faehrt mit dem Floss und wir mit der Faehre neben her.

Tian, der sein Einreise-Formular verschlampt hat, kauft sich am Grenzposten fuer 20 B$ ein neues. Glueck gehabt. (EDIT: übrigens hat das nur funktioniert, weil wir das Formular mit einem mitgebrachten RENAULT-Kuli ausgefüllt haben, der auf mysteriöse Weise in der Schublade des Beamten verschwand.)

Der erste Eindruck von Peru: mehr Wohlstand, weniger Herzlichkeit. Man merkt es am besseren Strassenbelag, Neuwagen hier und da, die Haeuser haben verputzte Fassaden und Glasscheiben in fast allen Fenstern, und die Strassenhaendler sind selbstgefaelliger und von geschaeftstuechtiger Aufdringlichkeit.

Gegen 16 Uhr Ankunft in Puno. Transfer in der Moped-Rikscha vom Bus-Terminal ins Zentrum. Super Hotel. Seit 16 Uhr Sonne untergegangen (1 h Zeitverschiebung vs. Bolivien) und scheisse kalt. Morgen 2-taegige Bootstour auf dem Titicaca-See. Jetzt gehen wir essen, Alpaca oder Fisch, vielleicht beides. Bilder gibt's von Cuzco aus. Bleibt dran, wir haben Euch lieb!


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