23./24.Mai: Thüringen, wir sind wieder da und die BRD war kein Unrechtsregime!!!

Liebe Welttouristen, wenn Ihr nach Thüringen wollt, wählt den Weg aus Süddeutschland, verlasst die A9 bei Lobenstein und fahrt über die Bleichlochtalsperre, Rudolstadt, Bad Berka nach Weimar und Ihr habt das schönste Thüringen gesehen. Wir kamen heute aus Prag, kamen bei Sonnenschein in Weimar an und sind jetzt wieder zu Hause. Doch die Fahrt geht weiter.

Doch wieder einmal: Der Reihe nach. Wir verließen heute morgen bei strahlendem Sonnenschein unseren Campingplatz in Prag-Troja.
Von dort nur ein Katzensprung zum Prager Zoo, der uns so oft als "Viert-Schönster" der Welt verkauft wurde, dass ich ihn mir mal anschauen musste. Ich weiß nicht, wer die drei schöneren sind, aber JA, dieser Zoo überzeugt. Er ist riesig, in eine Naturlandschaft eingebettet, beim Hochwasser 2002 zum Teil abgesoffen und wunderbar wiederhergestellt.
Am Abend mussten wir noch eine unschöne Begegnung mit den berüchtigten Taxifahrern erleben. Wir fuhren 4 Kilometer zum annoncierten Fahrpreis von 17 Kronen pro Kilometer, macht nach Adam Riese 68 Kronen (rund 2,50 Euro) und sollten 260 Euro zahlen. Um die Geschichte kurz zu machen, wir zahlten 70 Kronen und mussten uns als "xxx German, xxx you" beschimpfen lassen, aber seis drum.

Also fuhren wir heute von dannen und machten erstmal Zwischenstopp bei den 1989 aus Thüringen gelfüchteten Thomas und Heike, die jetzt in der Nähe von Wunsiedel leben. Wir lernten sie auf dem Campingplatz in der ungarischen Puszta kennen und sie luden uns zu aufgetauter und frisch gerosteter, original Thüringer Bratwurst ein und diese Einladung nahmen wir an und bekamen somit einen Vorgeschmack auf die Heimat.
Wir sprachen über dies und das und über Holgers Zeckenbiss, den er sich in der Hohen Tatra eingefangen hat und dessen Bißstelle just heute angeschwollen ist. Morgen geht er zum Arzt.
Und dann sind wir zu Hause in Weimar. Wir erleben dies als weiteren Zwischenstop unserer Reise, denn wir wollen jetzt hier, in Thüringen und anderswo über unsere Erfahrungen ins Gespräch kommen.

Unsere Fahrt hieß "Reisewege/Fluchtwege" und aus der Distanz der sechs Wochen und 7180 Kilometer, der Begegnung mit MENSCHEN in sechs osteuropäischen Länddern- die nach aktueller Diskussion alle lediglich in Unrechtsregimen gelebt haben, möchte ich hier noch folgende aktuelle Polemik anfügen, die Hogler ebenfalls so unterschreibt.:

Picasa-Webdiaschau

Die BRD war kein Unrechtsregime (SATIRE)

Wer sich heute hinstellt und die BRD vor 1989 als Unrechtsregime darstellt, macht es sich ein wenig einfach. Wer sich weigerte, Wehr- oder Ersatzdienst zu leisten wanderte ohne großes Federlesen für zwei Jahre ins Gefängnis. Einige hundert Beamte verloren ihren Beruf, weil ihnen Kontakte zu verbotenen kommunistischen Organisationen nachgesagt oder sogar nachgewiesen wurden. Einige unverbesserliche Subjekte wanderten ins Gefängnis, weil sie es nicht lassen konnten, für die im Westen verbotene FDJ tätig zu sein. Die vorschnellen Kritiker sollten wissen, dass es dafür Gesetze gab.

Wie durchschaubar sind Fragen, was die BRD mit ihrem vielen Geld veranstaltet hat. Warum es kein Geld für Polikliniken gab, warum die staatliche Kinderbetreuung niemals mehr als Dritte-Welt-Niveau erreichte. Die Errungenschaft im Westen, dass die meisten Frauen nicht arbeiten, sondern ihre ganze Kraft auf Heim und Herd konzentrieren konnten, wird fälschlicherweise als Ergebnis eines zutiefst patriachalischen Familiendenkens denunziert. Zu leicht machen es sich die, die verfassungswidrige Waffendeals mit Diktaturen anprangern und eine fast sklavische Bindung an die USA unterstellen, auch zu einem Zeitpunkt, an dem die Aktionen der größten Weltmacht durch kein humanitäres Völkerrecht mehr zu rechtfertigen waren. Wie billig die Unterstellungen einer verfehlten Wirtschaftspolitik angesichts von Milchseen, Butter- oder Tomatenbergen in den achtziger Jahren in Westeuropa. Zynisch fast der Verweis auf die Aufnahme undemokratischer Staaten wie Portugal oder Griechenland in die Europäische Union, die zu diesem Zeitpunkt noch Militärdiktaturen waren. Geradezu unanständig die These, das Einverständnis der Westdeutschen mit dem demokratischen System habe seine Ursache lediglich in dem Umstand, das der wirtschaftliche Aufschwung für jeden spürbar war – unter den guten Bedingungen hätten sie auch jedes andere System akzeptiert.

Ein Ablenkungsmanöver der Verweis auf die Reformbedürftigkeit des föderalen Systems Ende der achtziger Jahre, in dem mehr Lähmung als Entwicklung zu spüren gewesen sei. Es ist eine Verhöhnung der weitsichtigen, demokratisch gewählten Volksvertreter, wenn kritisiert wird, dass Ausländer in Millionenstärke angeworben wurden, um Westdeutschland bis in die siebziger Jahre auf- und auszubauen. Als dann die Arbeitslosigkeit stieg, wollte man diese gerne wieder loswerden. Wer diese gängige Praxis der Leiharbeit, ohne die keine flexible Volkswirtschaft existieren kann, in Frage stellt, hat wirklich nichts verstanden. Zumal die eingekauften Ausländer ja immer nur als „Gastarbeiter“ bezeichnet wurden. Jede und jeder sollte sich mal überlegen, ob es ihm ode ihr gefallen würde, wenn der entfernte Onkel zu Besuch käme und einfach nicht mehr abreiste.

Der Beweis für die Überlegenheit des westdeutschen Systems waren doch die Millionen Ostdeutschen, die dem Unrechtsregime jenseits der Elbe den Rücken gekehrt haben, die lieber D-Mark als Ost-Mark wollten und sicher mit großer Mehrheit für die Wiedervereinigung gestimmt hätten, wenn sie die Möglichkeit gehabt hätten. 1204 Tote an der deutsch-deutschen Mauer klagen an und sind der eindeutige Beweis, dass die DDR ein Unrechtsregime, ein Gefängnis war, das verkrüppelte Existenzen hervorgebracht hat. Wie tapfer sind jene westdeutschen Politiker zu nennen, die trotzdem dafür plädieren, die Lebensleistung der in abhängig gehaltenen ostdeutschen Menschen zu würdigen. Welche Lebensleistung kann es geben, in einem System von Schießbefehl und Mauerbau. Lasst Euch nicht den Blick verwischen durch Bildungsangebot, Kinderbetreuung, Polikliniken, Hochqualifizierung oder Entwicklungshilfe in Dritte-Welt-Ländern. Die korrupte Kaste der Politiker hat in Einfamilienhäusern gelebt, fuhr Volvo, aß frische Ananas und hatte sogar Videorekorder. Ein Schlaraffenland, wie es auch heute noch für keinen West-geschweige denn Ostdeutschen nachvollziehbar ist.

[Wer so einen Text schreibt, verkennt offenbar komplett alle Realitäten. Richtig ist, dass dieser Text erst nach sechs Wochen Abwesenheit aus Deutschland, nahezu abgeschnitten von der Tagespolitik und Gesprächen mit vielen Menschen in vielen osteuropäischen Ländern – die ja jetzt aus deutscher Sicht auch irgendwie zu Europa gehören – möglich war.] ENDE

Und zum Schluss: Wir danken all den Menschen in Deutschland, Tschechien, der Slowakei, Ungarn, Polen und Rumänien und Bulgarien, mit denen wir sprechen durften, die uns zugehört haben, von denen wir lernen durften. Den Botschaften, den Stiftungen, den Vereinen und den Schulen, die uns ihr Vertrauen geschenkt haben. Den Hostels, Hotels und Campingplätzen, die uns - auch finanziell- entgegengekommen sind. Den Werkstätten und Teilehändlern, die uns oft selbstlos unterstützt haben. Den Medien, die uns befragt, uns zugehört und über unsere Fahrt berichtet haben. Ihnen allen versprechen wir: "Die Fahrt ist zu Ende, der Weg nicht ".21./22.Mai

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