Die Griechen: Ein Volk mit Eiern

Griechenland. Ob es zu einer Koalition kommt, oder doch zu Neuwahlen, hängt allein von der Frage ab, ob die PRO-Sparkurs Parteien PASOK und ND eine ANTI-Sparkurs Partei überreden können, sich an einer Koalition zu beteiligen. Das Zünglein an der Waage ist Dima. Die Demokratische Linke (Abspaltung von Syriza) konnte sich offenbar kurz nach Veröffentlichung des Wahlergebnisses eine breite Koalition aus PASOK, ND, Dima und Syriza vorstellen. Mittlerweile bestreitet Dima, ein derartig "unmoralisches" Ansinnen auch nur in Erwägung gezogen zu haben. Vermutlich hat jemand in der Partei nachgerechnet.

Die ehemaligen Großparteien PASOK und ND haben keine Regierungsmehrheit. Mindestens eine weitere Partei wäre notwendig. Der Wahlgewinner und die nunmehr zweitstärksten Partei Syriza spricht sich vehement gegen eine Regierungsbeteiligung mit Parteien aus, die auch nur an die Einhaltung der Sparauflagen für das internationale Rettungspaket denken. Solange PASOK und ND davon nicht abrücken, fällt Syriza als Koalitionspartner aus. Auch für die anderen sparfaulen Parteien wäre eine Koalition mit den ehemaligen Großparteien ein wahltaktischer Irrsinn.


Nichts wäre unklüger von den ANTI-Sparkurs Parteien Dima & Co, den ehemaligen Großparteien PASOK und ND in die Regierung zu hieven. Kleinparteien, die als Steigbügelhalter fungieren, sind mit ihren paar Mandaten zu schwach, um wirklich mitzuregieren, und werden bei der nächsten Wahl abgestraft. Sich mit PASOK und ND in eine Koalition zu begeben, wäre politischer Selbstmord. Daher kommt für Dima eine Koalitionsbeteiligung nur in Frage, wenn auch Syriza dabei ist -in der Hoffnung, gemeinsam ein linkes Gegengewicht zu PASOK und ND zu bilden. Syriza hat besser gerechnet: Bleiben die ANTI-Sparkurs Parteien stur, können sich PASOK und ND brausen.  


Allen Prognosen zur Folge würde Syriza bei Neuwahlen noch mal an Stimmen zulegen, vielleicht sogar stärkste Partei werden. Aber auch die anderen Parteien würden profitieren. Einzige Stimmenverlierer wären PASOK und ND. Es gibt also überhaupt keinen Grund für irgendeine ANTI-Sparkurs Partei, sich den beiden bürgerlichen Parteien anzunähern. Neuwahlen wären eine historische Chance für Griechenland. Erstmals könnte eine breite Koalition aus Syriza und diversen Kleinparteien die Regierung übernehmen, unter Ausschluss von PASOK und ND. Eine Regierung ohne bürgerliche Parteien! Das wäre sensationell und einzigartig in ganz Europa. Werden die Parteien soviel Mut beweisen, oder schert doch noch eine aus?


Nico Schiefer


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