Zeichentheorie

Das Vorhandensein von Empfindungen im Bewusstseinsstrom ist die unmittelbare Möglichkeit des Denkens. Dieser Empfindungen werden wir uns in einem Prozess der Wahrnehmung bewusst. Das führt zu einen Erkenntnisprozess, der darüber reflektiert, dass die Bedeutung von Zeichen sich nicht allein aus den Sinnesdaten ergibt.

Wenn Erkenntnis durch Symbolisierungsprozesse vermittelt wird und sich Symbole als besondere abstrakte Zeichen beschreiben lassen, dann ist Erkenntnis untrennbar mit dem Zeichengebrauch verknüpft.

Was aber sind Zeichen, wie lassen sich Funktion und Gebrauch von Zeichen beschreiben?
Exkurs zu den Anfängen der philosophischen Auseinandersetzung mit Zeichen.

Platon

Der antike griechische Philosoph Platon (Athen, 428-348 v.u.Z) sieht statt der Namen das Wesen der Dinge (eidos) für die Erkenntnis als grundlegend an.


Aristoteles


Der griechische Philosoph Aristoteles (384-322 v.u.Z) vertritt gegen das Verständnis seines Lehrers Platon eine konventionalistische Auffassung, nach der sprachliche Ausdrücke auf Vorstellungen oder Begriffe verweisen und nicht unmittelbar auf Gegenstände Bezug nehmen.

Der Name ist ein „Laut, der konventionell etwas bedeutet, ohne eine Zeit einzuschließen, und ohne dass ein Teil von ihm eine Bedeutung für sich hat“ (De Interpretatione, 16a)

„Wie aber die Gedanken in der Seele bald auftreten, ohne wahr oder falsch zu sein, bald so, dass sie notwendig eins von beidem sind, so geschieht es auch in der Rede. Denn Falschheit und Wahrheit ist an Verbindung und Trennung der Vorstellungen geknüpft. Die Nomina und Verba für sich allein gleichen nur dem Gedanken ohne Verbindung und Trennung, wie z. B. das Wort Mensch oder weiß, wenn man sonst nichts hinzusetzt: Hier gibt es noch nicht Irrtum und Wahrheit.“ (De Interpretatione, 16a)

Tim Noble und Sue Webster: Dirty white Trash, 1998

Charles S. Peirce

Der Mathematiker, Logiker und Philosoph Charles Sanders Peirce (1839-1914, Pennsylvania) gilt als Begründer moderner Zeichentheorien. Er hält fest:

„Wir denken nur in Zeichen. Diese mentalen Zeichen haben eine gemeinsame Natur; die symbolischen Teile von ihnen nennt man Begriffe. Wenn jemand ein neues Symbol schöpft, geschieht dies durch Gedanken, die Begriffe einbeziehen. Nur aus Symbolen können neue Symbole wachsen. Ein Symbol, einmal geschaffen, verbreitet sich unter den Leuten. Im Gebrauch und in der Erfahrung wächst seine Bedeutung.“ (CP 2.302)

Wenn wir das Licht äußerer Tatsachen aufsuchen, so sind die einzigen Fälle von Denken, die wir finden können, die vom Denken in Zeichen. Offensichtlich kann kein anderes Denken von äußeren Tatsachen bezeugt werden. Das einzige Denken, das möglicherweise erkannt wird, ist Denken in Zeichen. Aber Denken, das nicht erkannt werden kann, existiert nicht. Alles Denken muss daher Denken in Zeichen sein. (CP 5.251)

Sinn und Bedeutung


Philosophische Aspekte des Wortes Bedeutung:

(1) Bedeutung als besonderer Gegenstand: der Gegenstand, auf den Bezug genommen wird, der Referenzgegenstand
(2) Bedeutung als besonderer Gebrauch: der von einer Regel in einem Sprachspiel bestimmte Gebrauch eines Zeichens

Denotation und Konnotation
Denotation als Hauptbedeutung eines Begriffs, zum Beispiel „Mensch“ im Sinne eines gesamten Wesens. Konnotationen als mit gemeinte Nebenbedeutungen, in unserm Beispiel etwa: „zweibeinig, sprachbegabt, etc.“.

Während die Denotation der allgemeine Begriff ist, mit dem alle Individuen, die zu dem Begriffsumfang gehören, bezeichnet werden, sind Konnotationen alle die Attribute, die zur Bestimmung des Grundbegriffs geeignet sind.

Syntax, Semantik und Pragmatik

Syntax ist die Relation von sprachlichen Zeichen innerhalb eines Ausdrucks untereinander.
Semantik gibt die Bedeutung von sprachlichen Ausdrücken als Beziehung zu den bezeichneten Gegenständen an.
Pragmatik ist jener Teil der Bedeutung eines Ausdrucks, der sich aus den im jeweiligen Kontext gegebenen Relationen ergibt.

Das Schachspiel als Beispiel einer starren Verbindung von Zeichen/Bedeutung
Aus: Alonso X, El libro de los Juegos, 1283

Das Go-Spiel als Beispiel einer relationalen Verbindung von Zeichen/Bedeutung
Eizan, Frauen spielen Go, 1811


Poststrukturelle Semiotik

Bedeutung lässt sich nicht auf Referenz reduzieren, sondern ist immer auch eine Differenz zwischen Zeichen!

Bedeutend ist daher nicht nur das Ausgesagte, sondern auch das nicht Ausgedrückte, das durch Schweigen oder Lücken entsteht.

Symbolische Formen
zur Philosophie der symbolischen Formen von Ernst Cassirer

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