Susanne K. Langer

Es gibt keine Ästhetik ohne Empfindung – aber was ist Empfindung / Gefühl?
Die Schwierigkeit besteht vor allem darin, wie über subjektive Eindrücke objektiv gesprochen werden kann.

Die Erklärung von Empfindungen und phänomenalen Qualitäten, wie sie etwa präsent sind, wenn man einen Roteindruck hat und weiß, wie es ist, etwas Rotes zu sehen, stellt in der Erkenntnistheorie eine  große Herausforderung dar.  Phänomenale Qualitäten scheinen sich einer objektiven, naturwissenschaftlichen Erklärung zu entziehen.

Farbkreis nach Goethes Farbenlehre 1809



 Johann Wolfgang von Goethe:
„Kunst und Wissenschaft sind Worte, die man so oft braucht und deren genauer Unterschied selten verstanden wird, man gebraucht oft eins für das andere, und schlägt dann gegen andere Definitionen vor: ich denke, Wissenschaft könnte man die Kenntnis des Allgemeinen nen nen, das abgezogene Wissen, Kunst dagegen wäre Wissenschaft zur That verwendet. Wissenschaft wäre Vernunft, und Kunst ihr Mechanismus, deshalb man sie auch praktische Wissenschaft nennen könnte. Und so wäre denn endlich Wissenschaft das Theorem, Kunst das Problem.







Susanne K. Langer (1895-1985)

Gegen die Auffassung, dass nur das dem menschlichen Geist zugänglich sei, was in der linearen und sukzessiven Ordnung der Sprache - und damit in "diskursiver Symbolisierung" - formulierbar sei, zeigt Susanne Langer, dass das "Feld der Semantik" weiter reicht als das der Sprache: Es gibt für die menschliche Intelligenz nichts "Unausdrückbares“.

Langer versucht eine "Morphologie des Fühlens" zu entwickeln und sie zeigt in detaillierten Analysen, wie die Kunst "präsentative" Formen bereitstellt und entwickelt, mit denen wir fähig sind, der Welt und unseren Erfahrungen Formen zu geben, die Inhalt, Bedeutung und eine "logische Form" jenseits der Diskursivität der Sprache haben.

1925 übersetzt sie „Sprache und Mythos“ von Ernst Cassirer, dessen Philosophie der symbolischen Formen ihr Denken nachhaltig beeinflusst.

1942 veröffentlicht sie „Philosophy in a New Key“, das mit über 500.000 verkauften Exemplaren zum all-time Best steller von Harvard wird. Es ist das einzige Buch von ihr, das auf Deutsch übersetzt wurde (Philosophie auf neuem Wege. Das Symbol im Denken, im Ritus und in der Kunst, Frankfurt a.M.: Fischer, 1965).

1953 veröffentlicht sie „Feeling and Form“, eine Weiterentwicklung von „Philosophy in a New Key“ und der Anwendung der darin entwickelten Ideen auf das Gebiet der Kunst.

1957 erscheint „Problems in Art“ als Überarbeitung ihrer Ästhetik-Vorlesungen. Langer widmet es Helen Sewell, der Illustratorin ihres ersten Buches, einer Märchensammlung von 1923.

"Feeling and Form"

Im gleichnamigen Buch entfaltet Langer eine Theorie der Kunst, welche diese als eine eigenständige "Erkenntnisform" bestimmt; sie lässt sich auf den Satz zuspitzen: "Kunst ist die Erzeugung von Formen, die menschliches Fühlen symbolisieren"
[Susanne K. Langer: Feeling and Form: A Theory of Art Developed From Philosophy in a New Key. New York, N.Y.: Scribner, 1953. S.40.]

„Feeling“ ist in Langers Kozeption der Oberbegriff für alle erlebten psychisch-geistigen Zustände und „Bewusstsein“ ist kein eigener Seinszustand, der an eine bestimmte geistige Substanz gebunden ist, sondern eine Qualität ganz verschiedener psychischer Funktionen.

Gegen die Auffassung, dass nur das dem menschlichen Geist zugänglich sei, was in der linearen und sukzessiven Ordnung der Sprache - und damit in "diskursiver Symbolisierung" - formulierbar sei, zeigt Susanne Langer, dass das "Feld der Semantik" weiter reicht als das der Sprache: Es gibt für die menschliche Intelligenz nichts "Unausdrückbares“

Das steht im Gegensatz zu Positionen der analytischen Philosophie, wie sie etwa von Ludwig Wittgenstein formuliert wurden. Wittgenstein behauptet im "Tractatus", dass die "Grenzen meiner Sprache [...] die Grenzen meiner Welt" sind und fordert, dass wir darüber schweigen sollen, "wovon man nicht sprechen kann" [Ludwig Wittgenstein: Logisch-philosophische Abhandlung. Tractatus logico-philosophicus. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1998 <1922>, Sätze 5.6 und 7.]

Langer vertritt die These, dass "der Bereich der Bedeutung weitaus umfangreicher ist als die Bereiche mathematischer oder sprachlicher Repräsentation". Sie gelangt zu der Überzeugung, dass nicht die Logik Instrument einer Analyse der Kunst sein kann, sondern vielmehr die nichtdiskursiven Symbolisierungsformen der Kunst die Funktion haben, Ausdrucksformen für Bereiche zur Verfügung zu stellen, für welche diskursive Symbolsysteme erst noch erzeugt werden müsse n.

Was aber sind Symbolisierungsformen, Symbolsysteme, Symbole?

Symbole

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