09 politkunst

Das Politische in der Kunst

Offensichtlich sind Fragen nach künstlerischem Geschmack und kreativem Ausdruck mit Hinweisen auf soziale und psychologische Neigungen einzelner KünstlerInnen und ihren entsprechenden technischen Fertigkeiten nicht ausreichend zu klären, solange diese Vorlieben nicht mit gesellschaftlichen Phänomenen verknüpft werden. Das Kunstwerk ist keine einfache Ware, die unabhängig vom Interpretationshorizont seiner jeweiligen sozialen Umgebung zu bestehen vermag oder an Wert gewinnt. Diese Einsicht spiegelt sich nicht zuletzt in der Tendenz des zeitgenössischen Kunstschaffens, Situationen nicht länger künstlerisch darzustellen, sondern sie vielmehr herzustellen. Kunst ist ein zeitlich und räumlich durchaus bestimmbarer, affektiver und intellektueller Prozess. Dieser Zugang zur Kunst sieht sich jedoch einem kunstgeschichtlichen Zweifel konfrontiert, den Walter Benjamin in einer Frage zusammenfasst: "Ob sich nicht das Gefallen an der Bilderwelt aus einem düsteren Trotz gegen das Wissen nährt?"

Innerhalb dieses Spannungsfelds von individuellem Gefallen und gesellschaftlichem Wissen untersucht die LV unterschiedliche Ausdrucksformen des Politischen in der Kunst. Entwürfe phantastischer Architektur der französischen Revolution, künstlerische Einsätze der Pariser Commune und AgitProp der russischen Revolution werden dabei ebenso Thema der Auseinandersetzung wie etwa die Situationistische Internationale, der Wiener Aktionismus oder zeitgenössische Mischformen von politischem Aktivismus und künstlerischem Ausdruck. 

Zeugniserwerb: Anwesenheit, Mitarbeit, Referat, schriftliches Statement

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