08 wandbild–graffiti

Höhlenmalereien zählen zu den ältesten Äußerungen des menschlichen Kunstschaffens und deren Ausdrucksformen, die von realistischen Tierdarstellungen bis hin zu abstrakten, zu Zeichen verdichteten Menschendarstellungen reichen, vermochten die Vorstellungen von Kunstgeschichte als einem evolutiven Entwicklungsprozess auf den Kopf zu stellen. Dennoch (oder vielleicht gerade deswegen) wurde und wird solchen und ähnlichen künstlerischen Ausdrucksformen vor allem ein Kultwert zugesprochen, durch den die Kunstwerke dem Anblick der Öffentlichkeit entzogen werden. So bemerkt etwa Walter Benjamin in seinem Essay Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit: "Das Elentier, das der Mensch der Steinzeit an den Wänden seiner Höhle abbildet, ist ein Zauberinstrument. Er stellt es zwar vor seinen Mitmenschen aus; vor allem aber ist es den Geistern zugedacht. Der Kultwert als solcher scheint heute geradezu daraufhinzudrängen, das Kunstwerk im Verborgenen zu halten."

Im Ausgang davon widmet sich die LV unterschiedlichen historischen Strategien, die darauf abzielen, Kunstwerke öffentlich zugänglich zu machen. Entlang von Fragen nach den Funktionen von Kunstwerken im öffentlichen Raum, den Veränderungen der Bedeutung des künstlerischen Werks durch die Art seiner Zugänglichkeit und den damit einhergehenden Verschiebungen in der Wahrnehmung von Kunst, werden unterschiedliche Ausdrucksformen wie Fresko, Wandmalerei und zeitgenössische Graffitis untersucht. Ist die  anonymisierte tag-line als namenlose Signatur des künstlerischen Protests im öffentlichen Raum der Versuch, den Kultwert des Kunstwerks dem Verborgenen zu entreißen?

Zeugniserwerb: Anwesenheit, Mitarbeit, Referat, schriftliches Statement

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