grundlagen

Grundlagen des wissenschaftlichen Arbeitens
Wissenswertes zur Verfassung einer Semesterarbeit

Allgemeiner Überblick über generelle Kriterien und Fragestellungen von wissenschaftlichen Arbeiten im Folgenden.
Hier finden sich die Anforderungen für die Arbeiten im Orientierungsjahr 2015/16

Wissenschaftliches Arbeiten ist ein Vorgehen, bei dem die Ergebnisse der Arbeit für jeden anderen nachvollziehbar oder wiederholbar sind. Das bedeutet: Informationsquellen werden offen gelegt und Experimente so beschrieben, dass sie reproduziert werden können. Wer eine wissenschaftliche Arbeit liest, kann erkennen, aufgrund welcher Fakten und Beweise der/die AutorIn zu seinen/ihren Schlussfolgerungen gekommen ist und auf welche anderen WissenschaftlerInnen er/sie sich beruft.

In den Geistes- und Naturwissenschaften beruht der Anspruch an wissenschaftliches Arbeiten auf dem Grundsatz, dass es zu einem Thema nie nur eine Informationsquelle, sondern immer mehrere gibt.

Diese Vorgehensweisen sind für Humanwissenschaften charakteristisch:


1. Sichten von Quellen bzw. Sekundärliteratur. Recherche in Archive bzw. Bibliotheken Zusammenstellung einer Bibliographie. Im Literaturverzeichnis der Arbeit sind später nur die Werke zu erwähnen, die zitiert wurden.

2. Überblick über das Material, Vergleich von Quellen und Literatur mit dem Ziel, Unstimmigkeiten aufzudecken und eine eigene Meinung zu entwickeln.

3. Niederschrift der wissenschaftlichen Arbeit. Darstellung benutzter Publikationen und Hinweis darauf, was sie zum eigenen Projekt beitragen.

Die Herkunft der Ideen, Begriffe oder Gedanken müssen in wissenschaftlichen Anmerkungen (etwa in Form einer Fußnote) benannt werden. Angabe von AutorIn, Titel, Erscheinungsort, Erscheinungsjahr und Seite. Auch Textstellen und Ideen aus dem Internet müssen ausgewiesen werden (URL und Datum).

Warum? Der eine schreibt vom anderen ab. AutorInnen machen Fehler, begehen Irrtümer, die meist durch den Blick in weitere Veröffentlichung aufgedeckt werden können. D.h. Herkunftsangabe ist wichtig für die Belegbarkeit einer Behauptung.

Kriterium von Wissenschaftlichkeit: Eine Aussage muss zur Quelle zurück verfolgbar sein. (Dient auch zum Selbstschutz: wer ungeprüft Falschinformationen ohne Herkunftsangabe übernimmt wird selbst für die Fehler verantwortlich gemacht).

4. Ausdruck einer eigenen Idee:

Die Fragestellung legt das eigene Erkenntnisinteresse offen und hat Einfluss auf den Aufbau der Argumentation. z.B.: Zusammenstellung von Fakten u/o Beispielen nebst der Darstellung von Schlussfolgerungen; die  Argumentation soll dabei den Regeln der Logik folgen.

Nützliche Fragen vor der Erstellung einer wissenschaftlichen Arbeit:

Warum ist die beabsichtigte Behandlung eines Themas notwendig oder sinnvoll?

Wie ist die Behandlung des beabsichtigten Themas möglich? 

Welche Daten lassen sich als Belege heranziehen und mit welchen Mitteln werden sie interpretiert?
Welches Ergebnis wird angestrebt?

Weiterführende Fragen (insbesondere für umfangreichere wissenschaftliche Arbeiten):

Welcher (theoretische, praktische, soziale, künstlerische etc.) Fragebereich ist der Ausgangspunkt der Arbeit? 

    Kommentar: Das Ausgangsproblem ist nicht mit dem Titel der geplanten Arbeit gleichzusetzen. Die Arbeit kann einen Teilbereich des Ausgangsproblems behandeln.

Wie lautet die konkrete Forschungsfrage, auf die eine Antwort gesucht wird? 

    Kommentar: Es ist zu empfehlen, die Formulierung einer solchen Forschungsfrage in Hinsicht auf unterschiedliche Adressaten zu versuchen, etwa gegenüber WissenschaftlerInnen, Kindern, KollegInnen etc. 


Warum habe ich das Thema gewählt, was motiviert mich dazu?
    Kommentar: Manche Motivationen bergen Gefahren, derer man sich bewusst sein sollte. Z.B. können Fragestellungen, die mit der eigenen Identität sehr eng zusammenhängen, die Gefahr bergen, den nötigen Abstand und damit die Urteilsfähigkeit zu reduzieren. 


Welche Erkenntnisse liegen zum Thema bisher vor, wie soll ich mich darauf beziehen?
    Kommentar: Eine Kenntnis der Literatur ist erforderlich. Die Antwort muss daher erkennen lassen, dass (elektronisch zugängliche und andere) Bibliotheken konsultiert wurden.

Zu welchem Ziel soll die Arbeit führen, für wen soll sie brauchbar sein? 

    Kommentar: Wem stellt sich das Problem oder die Frage, die ich klären will? Wie können mögliche AdressatInnen etwas mit meiner Arbeit anfangen? 


Welche Arbeitsschritte und welche Vorgangsweisen sollen zur angestrebten Lösung führen?
    Kommentar: Ist es etwa notwendig, Literaturstudien durchzuführen? Ist dies ausreichend? Welche Untersuchungen oder Ergebnisse von welchen Einzelwissenschaften sind unbedingt, welche sind sinnvollerweise heranzuziehen?

Welche Quellen gibt es und welche will ich  bearbeiten? Wie sind sie zugänglich?

Welche Grenzen will ich in der Literatur- oder Quellenarbeit einhalten? 

    Kommentar: Wenige Themen sind unter der Voraussetzung bearbeitbar sein, dass man alles vorhandene Material kennen könnte. Daher ist eine überlegte Abgrenzung notwendig. 


Wie werden die Quellen ausgewertet? 

    Kommentar: Überlegen, welche Analysen der Quellen es bereits gibt und wie sich meine eigene Analyse darauf bezieht bzw. davon unterscheidet.

Bis wann sollen die Etappen der Arbeit getan werden? Wann soll die Arbeit fertig sein?

    Kommentar: Eine realistische Zeitplanung kann Hektik vermeiden. Insbesondere die Abschlussphase (Korrektur, Endredaktion, Quellenangaben bedarf ausreichender Zeit).

Wie kann ich am Beginn der Arbeit das Material strukturieren? 

    Kommentar: Man kann kaum früh genug ein Inhaltsverzeichnis verfassen, auch wenn es sich im Verlauf der Arbeit bestimmt verändern wird.

Warum Zitieren und wie? Wann zitiert man?

Man zitiert einen Text, wenn man ihn analysiert und interpretiert.
Man zitiert einen Text, um mit Hilfe der "Autorität" des/r Autors/in eine eigene Aussage zu unterstützen, zu bestätigen bzw. abzusichern.
Man zitiert einen Text, weil er etwas Neues enthält.
Man zitiert keinen Text aus Faulheit (weil man sich das Zusammenfassen einer Aussage, das Ausformulieren eines Gedankens usw. ersparen will).
Man zitiert keinen Text, der länger als eine halbe Seite ist.

Zitat
 Zitate müssen wortgetreu sein. Es dürfen keine Textstellen ausgelassen werden, ohne dass das angezeigt wird ( ... ). Es darf auch nichts eingefügt werden. Einschübe sind jedenfalls in Klammern zu setzen und mit dem Vermerk der Initialen des/der AutorInnen zu versehen.
Eigene Unterstreichungen oder Hervorhebungen sind zu kennzeichnen (als Klammerbemerkung Hervorhebung + Initialen).
Verweise müssen genau sein, sie müssen von jedermann kontrolliert werden können.

Sinngemäße Wiedergabe
 Sinngemäße Wiedergabe (Paraphrase): Stellen des Textes wurden kürzer zusammengefasst, mit eigenen Worten wiedergegeben usw. (werden gekennzeichnet durch vgl. plus Quellenverweis).
 
Plagiate sind Zitate ohne Anführungszeichen.
Plagiat (vom lat. Wort plagium, Menschenraub abgeleitet) ist die Vorlage fremden geistigen Eigentums bzw. eines fremden Werkes als eigenes oder Teil eines eigenen Werkes.
Das kann sowohl eine exakte Kopie, eine Bearbeitung (Umstellung von Wörtern oder Sätzen), eine Nacherzählung (Strukturübernahme) oder eine Übersetzung sein. Entscheidend, ob es sich um ein Plagiat handelt oder nicht, ist in der Wissenschaft immer die Vorgabe der eigenen geistigen Urheberschaft, d.h. wenn z.B. Zitate oder verwendete Literatur nicht als fremdes geistiges Eigentum kenntlich gemacht wurden.

Allgemeine Zitierregel:  GUT
Das heißt: Genau, Unmittelbar und Treffend

Genau ist ein Zitat, wenn es der Quelle buchstabengetreu entnommen ist. Bei Veränderungen ist ein entsprechender Hinweis anzubringen.
Unmittelbar ist ein Zitat, wenn es direkt der angegebenen Quelle entnommen ist. Das spielt vor allem eine Rolle bei sogenannten Sekundärzitaten.
Treffend ist ein Zitat, wenn es inhaltlich zur vertretenen oder kritisierten These eine Erweiterung oder ein Argument enthält, bzw. wenn es eine Auffassung oder Idee präzise wiedergibt.

Zitierregeln - Literaturverzeichnis
"Mindestbestandteile" von bibliographischen Angabe:

1. Autor/in: 
Verfasser- oder Herausgebername (im letzteren Fall mit Zusatz (Hg./Hrsg.) ohne akademischen Titel und Berufsbezeichnung.

2. Werk:
der genaue Titel (inkl. Anführungszeichen, Interpunktion (z.B. ?) im Titel).
Bei unselbständig erschienen Arbeiten (Beiträge in Sammelwerken, Zeitschriftenaufsätze) kann der Titel in Anführungszeichen gesetzt werden; dann folgt nach „in:“ die übergeordnete Veröffentlichung (z.B. Name der Zeitschrift Jahreszahl und Seitenangabe, Autor/Herausgeber, Titel, Ort, Seite)

3. Ort:
Bei mehreren Erscheinungsorten genügt der erstgenannte, bei unbekanntem Ort die Angabe: o.O. Nach dem Ort wird der Verlag genannt.

4. Jahr:
Das Erscheinungsjahr richtet sich nach der benützten Ausgabe. Gegebenenfalls o.J. bei Werken ohne Erscheinungsjahr. Dazu kommen allenfalls nähere Hinweise (Auflage, Übersetzungsangaben, Buchreihe, Zahl der Bde).

5. Zitieren aus dem Internet: komplette URL (Adresse) und Datum der letzten Überprüfung.

Beispiele

(selbständige Quelle)
Ernst H. Gombrich, Kunst und Fortschritt. Wirkung und Wandlung einer Idee, Köln: DuMont 1996

(Beitrag in Sammelband)
Tom Waibel, „Sprache, Magie und sozialer Affekt“, in: Tom Waibel / Hansel Sato (Hg), Handlungsmacht, Ausdruck, Affekt, Wien: LIT Verlag 2013, S. 43–56.

(Internetquelle)
Grundlagen wissenschaftlichen Arbeitens, in:
https://sites.google.com/site/theoriekunstschule/Home/kunstgeschichte/grundlagen
(15. November 2013)

Formen wissenschaftlicher Texte

Abstract
Ein Abstract ist die Zusammenfassung eines Textes (Buch oder Artikel), wobei das Wesentliche dieses Textes abstrahiert werden soll - d.h. es geht um die Verdichtung des Textes auf das Wesentliche unter Verzicht auf das Unwesentliche. Ein Abstract soll aber dennoch unabhängig vom Text verständlich sein. Im Abstract sollen das Thema bzw. die Fragestellung, die Hauptthesen sowie die Ergebnisse bzw. Schlussfolgerungen des Textes angeführt werden. Je nach Text sind verwendete Quellen, die Charakteristik des Textes oder die Methode zu erläutern. Da das Abstract unabhängig vom Text verständlich sein soll, ist darauf zu achten, dass die Argumentationslogik nachvollziehbar ist.

Essay ("Versuch, Abhandlung")
Ein Essay ist eine Erläuterung eines Themas, ohne es erschöpfend zu behandeln. Ein Essay braucht vor allem einen Standpunkt, den es (theoretisch) zu begründen und (empirisch) zu verankern gilt. Essays sind anspruchsvoll, sollten logisch stimmig sein und einen erkennbaren Argumentationsgang aufweisen. Meist gehen sie kommentierend vor, können also durchaus "subjektiv" sein. Eine Ordnung des Textes sollte erkennbar sein. Zitate und Beispiele sind gefragt, sollten jedoch kurz sein.

Rezension
Eine Rezension hat die Aufgabe, eine Orientierung zu einem Buch, zu einem Text zu geben. Was erwartete den/die LeserIn? Warum soll er/sie das Buch lesen? Welchen Erkenntnisgewinn kann das Buch/der Text vermitteln? Kann das Buch/der Text spezielle Informationsbedürfnisse befriedigen bzw. Fragestellungen beantworten? Aber auch: Warum lohnt es nicht (eventuell auch nur für ganz bestimmte Lesebedürfnisse), das Buch/den Text zu lesen? Eine Rezension ist keine bloße Inhaltsangabe eines Buches, sondern setzt sich kritisch mit dem Inhalt auseinander. Eine Rezension sollte die Vor- und Nachteile bzw. die starken und die schwachen Seiten eines Buches/eines Textes zusammen tragen.
Diese Wertungen, die eine Rezension vornehmen soll, müssen begründet sein, d.h. der/die RezensentIn muss seine/ihre Bewertungsmaßstäbe offen legen. Rezensionen sind also nicht bloße "Geschmacksurteile". Freilich können neben Beurteilungen und Einschätzungen nach objektiven Bewertungskriterien auch politische und/oder Geschmacksurteile abgegeben werden.
Wichtig ist, dass in einer Rezension klar ersichtlich ist, welche Teile sich mit der Darstellung des Inhalts (Thesen, Argumente, Beispiele u.a.m.) des Buches/Textes befassen und welche werten bzw. die eigene Stellungnahme des/der RezensentIn enthalten.

Forschungsexposé
Ein Forschungsexposé ist das Rohkonzept einer wissenschaftlichen Arbeit, es soll einen Überblick über Thema, Problemstellung, Thesen und den Gang der Argumentation (Gliederung) der Arbeit vermitteln. Es sollte Hinweise auf den theoretischen Zugang sowie auf die Methode (Forschungsansatz) der Arbeit geben. Die wichtigsten Literaturhinweise bzw. verwendeten Quellen sollten angegeben und kommentiert werden. Ein Zeitplan sollte erstellt werden. Das Forschungsexposé bildet im Kern die Einleitung zur wissenschaftlichen Arbeit.


Äußere Form der Arbeiten


12 pkt. Schrift (Arial, Times oder Helvetica).
    Kommentar: Die äußere Form einer wissenschaftlichen Arbeit ist kein Kunstwerk! Übersichtlichkeit und klare Lesbarkeit sind die wichtigsten Kriterien.

1 1/2 facher Zeilenabstand

Seitenzählung (sehr wichtig; am Besten am rechten unteren Blattrand).

Verwendete Bilder sind als Anhang hinzuzufügen und mit Bildunterschriften zu versehen.

ACHTUNG: Bilder werden nicht in die Seitenzählung eingerechnet. Die Anzahl der Seiten bezieht sich ausschließlich auf den Text. 


Die Arbeiten sind ausgedruckt und geheftet (bzw. geklammert) abzugeben.

Hier finden sich die Anforderungen für die Arbeiten im Orientierungsjahr 2012/13
Untergeordnete Seiten (2): oj 12/13 oj 15/16
Comments