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Zwischen Mangel und Überfluss - Zur Situation der thailändischen Wasservorkommen (1)

                  Teil 1 Wasservorkommen, Bedarf, Verbrauch u. Qualität des Trink- u.   Grundwassers 

                        Teil 2 Wassermanagement, Verwaltung und Produktion

                        Teil 3 Küstenwasser, Strände, Küstenindex

                        Teil 4 Abwasserentsorgung, Bangkok sinkt, Überschwemmungsschutz

                        Teil 5 Wasserknappheit, Ausblick

Erster Teil

Wasservorkommen, Bedarf, Verbrauch und Qualität des Trink- und Grundwassers

Angesichts wachsender Bevölkerungszahlen, einer boomenden Industrialisierung und einem intensiven Ausbau der Landwirtschaft gerät auch in Thailand die Ressource Wasser zunehmend unter erheblichen Verknappungsdruck. Dabei leidet Thailand schon seit Jahrhunderten unter wasserbedingten Naturkatastrophen wie verheerenden Dürreperioden und vernichtenden Überschwemmungen, deren Schäden jedes Jahr den Staatshaushalt mit Milliardenbeträgen belasten. Allein die Jahrhundertflut während des Monsunregens im Jahr 2011 hat nach Schätzungen der Weltbank Kosten in Höhe von 1,425 Milliarden Thaibaht (35,2 Mia. Euro) verursacht und Thailand eine Einbuße seines wirtschaftlichen Wachstums in Höhe von 3% beschert (2011).

Ein Grund dafür sind die ungleichmäßig über das Land verteilten Regenfallmengen, die als einzige Regenerierungsquelle der landesweit etwa 410 Mia. Kubikmeter fassenden Wasserspeicher gelten. Dabei sind die über die letzten 40 Jahre gefallenen Durchschnittsregenmengen beständig gesunken. Waren es 1953 noch 1950 mm, so erreichten sie 1993 mit 1440 mm ihren Tiefpunkt. Seither steigen die  Niederschlagsmengen wieder und erreichten im Katastrophenjahr 2011 wieder einen Spitzenwert von 1950 mm.

                              Quelle: Thai Meteorological Department

Das Irrigation Department gibt die durchschnittlichen jährlichen Regenmengen mit 1200 bis 1600 mm an, wobei die regionale Verteilungsspanne große Unterschiede aufweist. Während in den nördlichen und nordöstlichen Landesteilen unter 1100 mm Regen fallen, können im regenreichen Süden bis zu 4000 mm erreicht werden (z. B. Ranong). Die Niederschlagsmenge für das ganze Land beläuft sich auf geschätzte 775 Milliarden Kubikmeter pro Jahr, wovon etwa 10% aufgefangen werden können und 25% in Flüsse und Binnengewässer gelangen. Der Großteil der Wassermengen versickert oder verdunstet.

     Quelle: Thai Meteorological Department

Der Gesamtwasserverbrauch der 62 Millionen Einwohner Thailands lag im Jahr 2004 bei 57 Milliarden Kubikmeter, doch schon im Jahr 2009 bei 70 Milliarden. 2024 wird die Bevölkerung auf 73 Millionen angewachsen sein und der Wasserbedarf wird bei geschätzten 77 Millionen Kubikmetern liegen. Doch diese Annahme dürfte bereits heute obsolet sein, da die Wassernachfrage nach Schätzungen der Weltbank in den nächsten 20 Jahren um 35% ansteigen wird, wobei die größten Zuwächse in der privaten und industriellen Nachfrage zu sehen sein werden.

Größter Wasserverbraucher im Land ist die Landwirtschaft, die zwar nur 12% zum BIP beiträgt, jedoch 90% der Wasservorkommen für sich beansprucht. Demgegenüber verbraucht der industrielle Sektor nur 10% des Wassers, ist aber mit 45% am BIP beteiligt.

Thailand verfügt über 25 große Flusseinzugsgebiete sowie 254 kleinere Gewässerläufe, und die Qualität seiner Oberflächengewässer gilt als überwiegend gut bis zufriedenstellend (Weltbank). Eine Ausnahme stellt das untere Chao Phraya Becken und das mittlere und untere Tha Chin Becken dar, wo das Wasser sehr geringe Sauerstoffgehalte aufweist und mit einem hohen Anteil an Kolibakterien verschmutzt ist. Grund hierfür sind industrielle Einleitungen, unbehandelte Abwässer der Privathaushalte, Rückstände aus der Landwirtschaft und Müll.

Die Oberflächenwasser werden fortlaufend von mehreren staatlichen Behörden kontrolliert, wie dem National Environmental Board, NEB, dem Pollution Control Department, PCD, und dem Ministry of Public Health, MOPH. Das PCD veröffentlicht einmal jährlich die Ergebnisse seiner landesweiten Wasserprüfungen. Im Jahr 2011 untersuchte das PCD Wasserproben aus 48 Flüssen und 4 Binnengewässern und stellte zu 39% schlechte bis sehr schlechte Wasserqualitäten fest. Belastet war das Wasser vor allem durch unbehandelte Abwassereinleitungen der Privathaushalte und durch Düngemittelrückstände aus der Landwirtschaft. In den nördlichen, südlichen, östlichen und nordöstlichen Provinzen konnte allgemein eine gute bis zufrieden stellende Wasserqualität der Oberflächenwasser festgestellt werden. Die PCD stellte eine erhebliche Verschlechterung in der Zentralregion des Chao Phraya Beckens fest. Hier war die Belastung des Wassers mit Fäkalbakterien, sauerstoffarmem Wasser und Stickstoffverbindungen besonders hoch.

    Qualität des Oberflächenwassers, Quelle: PCD-Report 2009

Das Flussbecken des Chao Phrayas ist mit 154.000 km³ das größte Wassereinzugsgebiet Thailands und ist Lebensraum für 23 Mio. Einwohner. Es umfasst 30% der gesamten Landfläche Thailands (513.000 km³), wo 40% der Gesamtbevölkerung des Landes leben. Hier arbeiten 78% der gesamten Erwerbsbevölkerung und 66% des Bruttosozialprodukts werden hier erwirtschaftet (ONWRC). Es ist die wirtschaftlich potenteste Region des Landes. Die Bevölkerung ist hier in den letzten Jahren beträchtlich gewachsen. Man schätzt, dass im Großraum Bangkok heute 12 Millionen Menschen wohnen. Mit dem Bevölkerungswachstum nahm auch der Wasserverbrauch zu. Lag er 1978 noch bei 0,46 Mio. m³ am Tag, so liegt die derzeitige Wassernachfrage bei 5,3 Millionen m³ täglich. Das sind 1,7 Milliarden m³ im Jahr. Davon stammen 1,514 Milliarden m³ aus Oberflächenwasser und 176 Mio. m³ aus Grundwasser. Das Department of Groundwater Resources gibt an, dass allein im Stadtgebiet von Bangkok 730 Mio. m³ Wasser von den privaten Haushalten und 772 Mio. m³ von der Industrie verbraucht werden.Schätzungen gehen davon aus, dass die Wassernachfrage in der Metropolregion bis zum Jahr 2017 um weitere 20% ansteigen wird.

Im Umland der Metropole sind gerade die landwirtschaftlichen Betriebe für einen ungezügelten Wasserverbrauch verantwortlich. Wurden im Jahr 1930 nur 5.000 km² Flächen landwirtschaftlich genutzt, so sind es durch den Ausbau der Bewässerungseinrichtungen heute 46.000 km². Eine Verneunfachung! Diese Fläche entspricht immerhin 29% des gesamten Chao Phraya Beckens (ONWRC). Aufgrund dieser Entwicklung sind heute mehrere Reisernten im Jahr möglich, wohingegen vor 30 Jahren nur einmal im Jahr geerntet werden konnte. Voraussetzung hierfür war der massive Ausbau der Staudämme in der Zentralregion. Seit 1950 wurden in der Region mehr als 3000 Staudämme angelegt, die das Wasser des mächtigen Chao Phraya mit seinen vier Quellflüssen, dem Ping-, Wang-, Yom- und Nanfluss, sowie seinen Nebenflüssen Sakae Krang und Pa Sak stauten. Die Staudämme sind wasserwirtschaftlich von großer Bedeutung. Sie fangen während des Monsunregens die reichlichen Niederschläge auf und geben das Wasser zu Trockenzeiten wieder ab. Doch sie fungieren nicht nur als Wasserspeicher, Flutenregulierer und Bewässerungsreserve, sondern dienen gleichfalls als Erzeuger von Hydroenergie. Als größte Staudämme im Land gelten der Bhumipol-Damm mit einer Aufnahmekapazität von über 13 Milliarden Kubikmeter und einer jährlichen Stromausbeute von über 740 Megawatt und der Sirikit-Damm mit einem Speichervermögen von 9,5 Milliarden Kubikmetern und einer Erzeugungsleistung von 500 Megawatt hydroelektrischer Energie.

Trinkwasser

Trinkwasser wird in Thailand überwiegend aus dem Rohwasser von Flüssen und Stauseen gewonnen und zu einem geringen Teil aus Grundwasser. Im Allgemeinen ist die Trinkwasserqualität in Thailand heute als durchschnittlich bis gut anzusehen. 98% der Einwohner haben Zugang zu einer öffentlichen Versorgungsleitung, womit Thailand schon 2009 eines der für 2015 anvisierten Milleniumsentwicklungsziele erreicht hatte. Nach einer Untersuchung des thailändischen Gesundheitsministeriums (Department of Health, DOH) aus dem Jahr 2010 war die Wasserqualität in Bangkok mit über 96% zufrieden stellend, wohingegen die Werte in anderen Städten nur zu 39,5% zufrieden stellen konnten und in den ländlichen Gebieten gar mit 12,5% als mangelhaft bezeichnet werden mussten. Gerade in den ländlichen Gebieten, wo der Wasserbedarf vielfach noch aus unzuverlässigen Quellen wie Regenwasser, Flüssen, Kanälen und Teichen stammt, war das Trinkwasser zu 87,5% mit Keimen, Schwermetallen und Agrochemikalien belastet. In anderen Thaistädten lagen die Verunreinigungen bei Werten von 60,5% und in Bangkok bei 3,5%.

                           Qualität des Trinkwassers, Quelle: Dep. of Health, DOH, 2010

Grundwasser

Neben dem Wasser aus Flüssen und Stauseen stellen die Grundwasservorkommen eine wichtige Rohwasserbezugsquelle dar. Das Land verfügt schätzungsweise über 200.000 Grundwasserbrunnen, und ein Fünftel der thailändischen Städte und Gemeinden bezieht sein Wasser aus unterirdischen Lagen. Im Großraum Bangkok arbeiten heute 4000 lizensierte Brunnen mit einer Jahreskapazität von 580 Mio. m³. Größter Grundwassernutzer mit einem Anteil von 58% ist der industrielle Sektor, gefolgt von privaten Urbanisationen und Betreibern von Wohnanlagen, die mit 36% die zweite Gruppe der Grundwasserverbraucher stellen. Der Anteil der staatlichen Wasserwerke liegt bei 6%.

In der Zentralregion verfügt das Chao Phraya Becken über den größten unterirdischen Wasserspeicher mit 8 grundwasserführenden Schichten. Die oberste Grundwasserschicht ist nicht trinkbar, da sie durch eingedrungenes Salzwasser verunreinigt ist. Hauptsächlich wird das Grundwasser aus Lagen von 100 bis 250 m Tiefe gewonnen. Eine der produktivsten Schichten ist die Nonthaburi-Schicht in 200 m Tiefe mit einer erstklassigen Wasserqualität.

Wasserführende Schichten, Quelle: N. Phien-wej, P. H. Giao, Asian Institute of Technology

Grundwasserführende Lagen werden in der Zentralregion seit 1950 angebohrt. Anfänglich lag die tägliche Entnahmemenge unter 0,2 Mio. m³, doch nahm das Abpumpen der Grundwasservorräte von Jahr zu Jahr zu. 2004 lag die Gesamtausbeute bei 2,2 Mio. m³ am Tag, wobei die Industrie mit 1,8 Mio. m³ Hauptabnehmer war. Die Gründe für die hohe industrielle Nachfrage liegen in der angeblich schlechten Qualität des Leitungswassers, und deren Chlorzusätzen, die für manche Industriezweige, wie z. B. die Textil-, Nahrungsmittel- oder chemische Industrie, ein Problem darstellen. Grundwasser ist von einer guten Qualität, preiswert und verlässlich verfügbar.

In ihrem Umweltzustandsbericht 2009 untersuchte die PCD landesweit Grundwasserproben und fand starke Wassertrübungen, sowie hohe Konzentrationen von Eisen, Mangan, Arsen, Blei, Chlorverbindungen und Sulfaten. Alle Proben aus dem Großraum Bangkok und den Nachbarstädten wiesen hohe Verunreinigungen mit Kolibakterien auf. In den Distrikten Chonburi und Rayong wiesen die Brunnenproben, die in der Nähe mehrerer Mülldeponien entnommen worden waren, hohe Anteile an Schwermetallen wie Eisen, Mangan, Arsen, Blei, Selen und Quecksilber auf. In Provinzen mit hoher Industriedichte und Bergbauunternehmungen wurden hohe Konzentrationen von Blei im Grundwasser gefunden. Im Bergbaugebiet entlang des Klity Flusses in der Provinz Kanchanaburi war das Flusswasser mit 0,17 – 0,40 mg/l mit Blei angereichert, und in Brunnenwasserproben aus der Nähe von Rayong fand man eine Bleibelastung von 53,5 mg/l (der Standardwert für Thailand liegt bei 0,05 mg/l). In Gebieten mit starker landwirtschaftlicher Nutzung fand man hohe Konzentrationen von Nitraten (Kanchanaburi und Suphanburi). Ähnliche Werte fand auch eine Greenpeace-Studie aus dem Jahr 2007, wo in 30% der Proben von untersuchtem Brunnenwasser eine Nitratbelastung oberhalb des von der WHO tolerierten Wertes von 50 mg/l gefunden wurde. Die höchste Belastung mit 150 mg/l fand man in der Nähe der stark überdüngten Spargelfelder in Kanchanaburi.

Zum Schutz des Grundwassers wurde 1977 ein Grundwassergesetz beschlossen. Mit den Ergänzungen aus den Jahren 1992 und 2003 traten Lizensierungsauflagen zum Abpumpen in Kraft. Es wurde ein Fonds gegründet, und 1985 wurden zwei Grundwasserabgaben beschlossen, eine Grundwasserverbrauchsabgabe von 3,5 bis 8,5 Baht pro m³ und eine Grundwasserschutzgebühr von 1 bis 8,5 Baht pro m³. Um dem illegalen Abpumpen einen Riegel vorzuschieben, wurden Gefängnis- und Geldstrafen (bis 20.000 Baht) vorgesehen. Genehmigungen für Grundwasserbohrungen werden durch das Innenministerium, MOI, vergeben, und die Groundwater Control Divison, eine untergeordnete Kontroll- und Aufsichtsbehörde, erhebt die festgesetzten Grundwasserabgaben und kontrolliert die illegalen Brunnenbohrungen. Doch Mangel an politischem Willen, Fehlen von verantwortlicher Behördenführung und laxe Überwachungsmaßnahmen verhindern die Durchsetzung der bestehenden Gesetze.

                      Grundwasserentnahmen, Quelle: Department of Groundwater Resources

Teil 2 Wassermanagement, Verwaltung und Produktion

Teil 3 Küstenwasser, Strände, Küstenindex

Teil 4 Abwasserentsorgung, Bangkok sinkt, Überschwemmungsschutz

Teil 5 Wasserknappheit, Ausblick