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Woher kommt das Geld


Artikel

Woher kommt das Geld für die Proteste?

Veröffentlicht am 9. Januar 2014 von Tan Hui Yee, Korrespondent der in Singapur erscheinenden Straits Times

Übersetzt in Auszügen von P. Martini, Hua Hin

Die bereits in den dritten Monat gehenden Straßenproteste gegen die Übergangsregierung von Ministerpräsidentin Yingluck Sinawatra zeigen keinerlei Anzeichen einer Abkühlung. Im Gegenteil. Die Protestler haben angekündigt, Bangkok am 13. Januar komplett abzuriegeln. Sie wollen ihr jetziges Hauptquartier am Demokratie Denkmal verlassen und mehrere wichtige Kreuzungen innerhalb der Hauptstadt besetzen. Sie wollen nicht eher aufgeben bis sie alle Reste des von Frau Yingluck repräsentierten „Thaksin Regimes“ ausgerottet haben. Die angekündigten Neuwahlen zum 2. Februar wollen sie boykottieren. Sie fordern politische Reformen und die Einsetzung eines sog. „Volksrats“.

Akanat Promphan, der Sprecher des Volksdemokratischen Reformkomittes (PDRC), bestätigt, dass diese kolossalen Protestoperationen tagtäglich einen Betrag von zwei bis fünf Millionen Thaibaht (45.000 -110.000 Euro) verschlingen. Damit sind bis heute bereits 60 Millionen Baht (1,3 Mio EUR) ausgegeben worden.

Wer finanziert das alles? Aus der Vergangenheit wissen wir, dass reiche Thaiunternehmen die Proteste unterstützen. Einige hatten enge Geschäftsverbindungen zu dem ehemaligen Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra. Andere wollen im Hintergrund bleiben und unterstützen unterschiedliche Gruppierungen.

Herr Akanat widerspricht der Vermutung, dass größere Firmen beteiligt sind. „Im Internet kann man eine Menge von Gerüchten lesen. Es heißt, wir erhalten Spenden von CP, ThaiBev, Red Bull , von reichen Gönnern oder von großen Konzernen. Nichts davon ist wahr,“ sagt er.

CP steht für den Nahrungsmittel- und Einzelhandelskonzern Charoen Pokphand, der im Land die überaus erfolgreiche 7-Eleven-Kette betreibt. ThaiBev steht für Thai Beverage, ein an der Singapurer Börse gelisteter Bierkonzern, dessen Gründer Charoen Sirivadhanabhakdi  2012 den Singapurer Mischkonzern Fraser and Neave übernahm. Und die Yoovidhya Familie, die den Energiedrink Red Bull in Thailand vertreibt, ist eine der reichsten Familien im Land.

Herr Akanat sagt, dass die PDRC „kaum“ finanzielle Zuwendungen von großen Unternehmen erhält, weil „viele von ihnen in engen Beziehungen zu der Regierung stehen“.

Akanat betont, dass die meisten Spenden und Unterstützerzahlungen aus einem breiten Spektrum der gesamten Thaigesellschaft kommen. Um die Proteste zu finanzieren, verkaufte Protestanführer Suthep Thaugsuban anfangs familieneigenes Land in Südthailand. Aus offiziellen Quellen ist bekannt, dass er als einstiger stellvertretender Ministerpräsident und Mitglied der oppositionellen Demokratischen Partei im Jahr 2012 ein Vermögen von 207 Millionen Thaibaht erklärt hat.

Seit dem Thaksin durch einen militärischen Coup in Jahr 2006 gestürzt wurde, kam es in Südostasiens zweitgrößter Volkswirtschaft immer wieder zu Unruhen. Der Tycoon hatte es gewagt, lange bestehende protektionistische Verbindungen zu kappen und sich mit seinen populistischen Maßnahmen, wie der universalen 30-Baht-Gesundheitsversorgung, viele Feinde unter der alten Geldelite, dem royalistischen Establishment und der städtischen Mittelklasse gemacht.

Thaksins Vertraute hatten damals den Kronratsvorsitzenden Prem Tinsulanonda im Verdacht, hinter dem Umsturz gestanden zu haben, was allerdings heftig bestritten wurde.

Doch es sind wohl dieselben diskreten Taschen, die seinerzeit Thaksins Sturz finanzierten, und die auch heute als mächtige Schlüsselspieler hinter der Kampagne zum Sturz der jetzigen Regierungschefin stehen.

Mit der Ausweitung der Proteste nahm auch der Spendenfluss zu, sagt Akanat. Als im letzten Monat die Konten der Protestführer von einer Sonderermittlungsabteilung eingefroren wurden, wurde Suthep von Anhängern am Straßenrand bündelweise Bahtscheine überreicht. Allein am 22. Dezember nahm er 10 Millionen Baht ein.

Das Gros der PDRC-Anhängerschaft ist ein finanziell überaus gesundes Klientel. In einer Untersuchung der Asia Foundation vom 30. November 2013 wurde festgestellt, dass 30 Prozent der Spenden aus Unterstützer-Haushalten stammt, die über mehr als 60.000 Baht im Monat verfügen.

Der Analyst Kann Yuenyong des Think-Tanks Siam Intelligence sagt, dass das Big Business regelmäßig an solch groß angelegten Demonstrationen beteiligt ist, wenn es auch immer sorgsam darauf achtet, nicht in den Fokus der Öffentlichkeit zu geraten. „Es ist schwer, die Geldbewegungen im Hintergrund abzuschätzen, sagt er.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass diese zutiefst kontrovers geführten Auseinandersetzungen von Geschäftsinteressen gestützt werden. Der Inhaber der zweitgrößten Brauerei im Land, der Boon Rawd Brauerei, die das Singha Bier herstellt, hat seine 27 Jahre alte milliardenschwere Tochter, Chitpas Bhirombhakdi, die als aktive  Regierungskritikerin in den vordersten Protestreihen mit marschiert, im letzten Monat aufgefordert, ihren Nachnamen zu ändern, da regierungsfreundliche Rothemden damit gedroht hatten, die Produkte zu boykottieren. Doch solche Kleinigkeiten haben den Geldfluss sicherlich nicht versiegen lassen.

„Im Hinblick auf die finanzielle Ausstattung kann es diese Bewegung lange aushalten,“ sagt Akanat.

http://www.stasiareport.com/the-big-story/asia-report/thailand/story/wheres-the-money-fund-protesters-coming-20140109

14. Jan. 2014

Paul Martini ist Übersetzer für Englisch und Deutsch.

info at thailandprivat.com