Geschichtlicher Abriß

Zu Beginn der 80er Jahre gründeten Gruppen von Umweltaktivisten und Farmern das Alternative Agriculture Network (AAN) und experimentierten mit alternativen biologischen Anbaumethoden. Sie orientierten sich an der Genügsamkeitsidee des Königs („sufficiency economy“) und entwickelten in kleinen bäuerlichen Gemeinschaften erste ökologische Grundsätze für eine nachhaltige Landwirtschaft. Obwohl viele Bauern später wieder aufgaben, wuchs der Markt innerhalb eines Netzwerks von grünen Initiativen. Mitte der 1990er Jahre brach der inländische Markt infolge einer landesweiten Rezession zusammen, doch die Ausfuhren von biologischen Erzeugnissen nahmen weiter zu. Seit Anfang 2000 findet eine Erholung des einheimischen Marktes statt. Unter dem Schirm der AAN wurden Umstellungs- und Fairtrade-Programme entwickelt und die Farmer in biologischen Anbaumethoden geschult.

2001 gibt das Landwirtschaftministerium erstmals Richtlinien für eine ökologische Landwirtschaft heraus.

Im Oktober 2002 wird das National  Bureau of  Agricultural  Commodity and Food Standards (ACFS) unter dem Dach des Landwirtschaftsministeriums gegründet. Aufgabe der Behörde ist die Festlegung von Standards zur Lebensmittelsicherheit, Kontrolle der Standards, Lizensierungen von Erzeugern, Importeuren und Exporteuren. Auf internationaler Ebene agiert das Amt als Vermittlungspartner zur Reduzierung von Handelsschranken.

2002 legt die Organic Agriculture Certification Thailand (ACT) Standards zur Produktion, zur Verarbeitung, zur Kennzeichnung und zur Vermarktung von biologischen Agrarerzeugnissen, von biologischen Nutztieren und Wassertieren fest. Im selben Jahr gründet das Landwirtschaftsministerium mit dem „Institute of Organic Crops“ eine eigene Zertifizierungsbehörde und führt das Kennzeichen „Organic Thailand“ in Thailand ein.

Im Jahr 2003 wird die Nationale Innovationsbehörde (National Innovation Agency (NIA) unter dem Dach des Wissenschafts- und Technologieministeriums gegründet. Sie ist in den Feldern Bio-Business, Öko-Industrie und Design tätig. Hauptaufgabe ist die Förderung von agrarbiologischen Erzeugnissen und die Förderung des Exports, insbesondere in die EU. Hierzu bringt sie mit Unterstützung von UNCTAD und WTO 2008 einen Richtlinienreport heraus.

2005 nimmt die Regierung die ökologische Landwirtschaft in ihre Nationale Agenda auf und wirbt mit sicheren Lebensmitteln. Ziel ist die Steigerung des Exports von Bio-Produkten. Im gleichen Jahr wird die Thai Organic Trader Association (TOTA) gegründet, ein Zusammenschluss von privaten Erzeugern und Händlern für biologische Erzeugnisse. Die TOTA ist die wichtigste Anlaufstelle für alle, die mit Fragen der ökologischen Landwirtschaft in Thailand befasst sind. Sie ist die größte Interessengemeinschaft von Vertretern des ökologischen Landbaus in Thailand. TOTA repräsentiert sowohl Erzeuger, Zertifizierungsorganisationen und eine Reihe weiterer NGOs.

2008 stellt die Regierung einen nationalen Aktionsplan für den ökologischen Sektor auf und stattet ihn mit einem Budget von 5 Milliarden Baht aus. Im gleichen Jahr wird das Richtliniengesetz für die Landwirtschaft (Agricultural Standards Act) verkündet. Hierin werden erstmals Standards zur Lebensmittelsicherheit gesetzlich festgelegt. Für biologische Erzeugnisse gelten nun drei Standards: Der TACFS 9000-2003 regelt die Produktion, die Verarbeitung, die Kennzeichnung und die Vermarktung von biologischen Agrarerzeugnissen, der TACFS 9000-2005 umfasst die Aufzucht und Vermarktung von biologischen Nutztieren, der TACFS 7413-2007 regelt die Aufzucht und Vermarktung von biologischen Wassertieren.

Für die Jahre von 2014 bis 2016 sieht die thailändische Regierung das Land zu einem Kernanbieter von biologischen Agrarprodukten heranwachsen. Hierzu hat das National Organic Agriculture Committee einen Vier-Punkte-Plan erarbeitet. Schwerpunkte sollen die Vermittlung von Wissen, Verbesserung der Produktion und der Versorgungsketten, Verstärkung von Marketingmaßnahmen und Erhöhung des Konsumentenvertrauens sowie eine verbesserte Zusammenarbeit aller beteiligten Behörden sein. Ziel ist eine Volumensteigerung der Exporte und eine Verbesserung der Qualität der Produkte.

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©Paul Martini, April 2014