Die Schwierigkeiten des einheimischen Marktes

Obwohl die thailändischen Konsumenten in hohem Maße für den Kauf von gesunden Lebensmitteln sensibilisiert sind, ist eine große Zurückhaltung spürbar. Die Gründe dafür liegen vor allem in einer erheblichen Verunsicherung der Kunden, weil sie mit der Kennzeichnungspraxis der Produkte nicht vertraut sind. Neben der mangelhaften Information und Aufklärung über die Produkte stiften mehrere gleichzeitig vorhandene Kennzeichnungen (umweltfreundliche, gesundheitsbewusste, hygienische, hochwertige und solche über „sichere“, unbelastete Lebensmittel) Verwirrung. Auch fallen Unterscheidungen von biologischen Produkten und so genannten Gesundheitsprodukten („health products“), die in den Geschäften vielfach nebeneinander verkauft werden, schwer.  Dies stellt eine spürbare Einschränkung für die einheimische Nachfrage dar. Zwar hatten in Umfragen 62% aller Konsumenten schon von biologischen Lebensmitteln gehört, doch wussten nur 19,3% was biologische Lebensmittel sind („Thailand`s Organic 2011“, Vitoon Panyakul).

Dennoch besteht gerade bei den gebildeteren Schichten (Bachelor und höher) eine hohe Akzeptanz zum Kauf von gesunden Lebensmitteln. Nach Konsumentenumfragen stehen für die Käufer von biologischen Produkten gesundheitliche Aspekte an oberster Stelle ihrer Kaufentscheidungen, gefolgt von Umweltbedenken, Schadstofffreiheit und einer Unterstützung der lokalen Erzeuger. Die Käufer sind in der Regel älter als 35 Jahre, besitzen ein monatliches Einkommen von über 250 Euro und haben Kinder im Haushalt. Der überwiegende Anteil der Käufer biologischer Produkte sind Frauen. („Developing Marketing Strategies for Organic Products Employed by Small and Medium Retailers in Bangkok“,Chusin Mateechaipong, und „Determinants of Consumer Willingness to Purchase for Organic Products in Thailand“, P. Sangkumchaliang).

Obwohl in Thailand ein großes Marktpotential für biologische Produkte besteht, bleibt die Herstellung von Glaubwürdigkeit und Transparenz durch anerkannte und verlässliche Kennzeichnungen eine große Zukunftsaufgabe. Vielen Naturläden in Bangkok ist diese Herausforderung bewusst. Einige haben sich daher zu einem „Green Market Network“ zusammengeschlossen und beraten und unterstützen sich gegenseitig. Die Geschäftsinhaber versuchen die mangelhafte Kennzeichnungspraxis dadurch zu umgehen, dass sie in persönlichen Gesprächen das Vertrauen der Konsumenten zu gewinnen suchen. („Sustainable Food in Urban Thailand“, K. Kantamaturapoj, et al, 2013)

Bei den folgenden beiden Emblemen können Konsumenten sicher sein, dass es sich um zertifizierte Produkte handelt:

Das Label der privaten, unabhängigen “Organic Agriculture Certification Thailand”, (ACT)

Das Label des staatlichen „Institute of Organic Crops“ des Landwirtschaftsministeriums

 

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©Paul Martini, April 2014