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Biofood in Thailand - ein Nischenmarkt vor dem Boom


Thailand ist einer der größten Nahrungsmittelproduzenten in der Welt und der achtgrößte Nahrungsmittelexporteur (WTO). Im Jahr 2012 hat Thailand Nahrungsmittel im Wert von US$ 30 Milliarden exportiert. Agrarprodukte rangierten mit einem Anteil von über 12% des BIP an fünfter Stelle aller thailändischen Exporte. Den größten Anteil an den agro-industriellen Exporten hatten Reis mit 15%, Zucker mit 13%, Garnelen mit 10%, Dosenthunfisch mit 9% und Geflügel und Maniok mit jeweils 7% (NFI, National Food Institute). Im Zuge dieses ungebrochenen Exportbooms bewirbt Thailands Regierung das Land als „Kitchen of the world“.

Doch Thailand ist auch einer der größten Verbraucher von Agrarchemikalien. So hat Thailand im Jahr 2011 mehr als 160.000 Tonnen Agrarchemikalien importiert. Eine Steigerung gegenüber dem Jahr 2005 (78.000 Tonnen) von mehr als 100%.

In diesem Umfeld erhielten in den letzten Jahren Initiativen zum Aufbau einer ökologischen Landwirtschaft immer mehr Auftrieb. Im Jahr 2012 betrug das Ausfuhrvolumen an biologischen Produkten US$ 135 Millionen, wovon allein US$ 60 Millionen in die EU gingen. Doch die inländische Produktion von biologischen Lebensmitteln ist mit einem Anteil von nur 1% an der gesamten Nahrungsmittelerzeugung sehr gering. Der Markt steckt insgesamt noch in den Kinderschuhen und weist eine Reihe typischer Entwicklungsschwächen auf. So sind die meisten Erzeuger kleine familiengeführte Farmbetriebe, die Vertriebswege sind schlecht organisiert und die unübersichtliche Kennzeichnungspraxis der Produkte verwirrt die Konsumenten. Dennoch weist der Markt mit jährlichen Zuwachsraten von 10% ein erstaunliches Marktwachstum auf.

Weltweit ist die ökologische Landwirtschaft der am schnellsten wachsende Sektor innerhalb der globalen Nahrungsmittelerzeugung. Allein in der EU hatte der Markt für biologische Nahrungsmittel im Jahr 2011 ein Volumen von 21,5 Milliarden Euro. Innerhalb der EU war Deutschland 2011 mit 6,6 Milliarden Euro der größte Markt für biologische Erzeugnisse und Getränke, nach Frankreich mit 3,7 Milliarden Euro und Großbritannien mit 1,9 Milliarden Euro. Die gesamte ökologische Bewirtschaftungsfläche in der Europäischen Union betrug 9,5 Millionen ha mit 240.000 Erzeugern .

In Asien betrug die gesamte ökologische Bewirtschaftungsfläche 3,7 Millionen ha mit 600.000. Erzeugern . Darunter war China 2011 mit 1,9 Millionen ha das führende Land mit der größten ökologischen Anbaufläche, gefolgt von Indien mit 1 Million ha. Thailand rangierte an siebter Stelle mit nur 34.829 ha. Obwohl hier inzwischen über 7500 Betriebe zertifiziert worden sind, ist der Anteil des zertifizierten biologischen Bodens an der gesamten landwirtschaftlichen Fläche mit nur 0,12% einer der niedrigsten in der Welt.

Der Inlandsmarkt für biologische Lebensmittel wird auf US$ 135 Millionen geschätzt. 2012 bestand die biologische Nahrungsmittelproduktion in Thailand zu 70% aus Reis, 15% aus Gemüse und Kräuter (Süßmais, Spargel, Zitronengras, Soyabohnen, grüne Okra), 10% Früchte ( Mango, Banane, Ananas, Mangostan) und 5% aus zumeist verarbeiteten Nahrungsmitteln wie Kokosnussmilch, Zucker, Tapiokamehl, Garnelen Reisnudeln, Essig, Würzsaucen und Tee und Kaffee. (Quelle: Forschungsinstitut für biologischen Landbau, FiBL, Organic Agriculture Worldwide, 2011)

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Eine Liste von Öko-Farmen

©Paul Martini, April 2014