Theater in Hua Hin - eine Vorstellung in drei Akten (1)


Teil 1.  Andante! - Hua Hin im Wachschlaf

Thailändische Küstenurlaubsorte sind keine gesuchten Destinationen für Kultur- und Kunstliebhaber.

In Pattaya gibt sich thailandweit die größte Ansammlung der Vergnügungsindustrie mit Bars und Striplokalen ein Stelldichein, Phuket zieht ein eher gesetzteres und wohlhabenderes Publikum an, dem Sonne, Strand und Meer genügen, und Koh Samui ist seit jeher ein Ziel für Rucksack- und Pauschalurlauber mit dem kleinen Geldbeutel.

Doch wer fährt nach Hua Hin?


Seitdem die aristokratischen Bangkoker Eliten Hua Hin 1911 als ihren Ausflugs- und Erholungsort entdeckten, gilt Hua Hin als der älteste Strandferienort im Land. Doch über viele Jahrzehnte fristete der Tourismus in dieser kleinen verschlafenen Provinzstadt ein eher peripheres Schattendasein. Hua Hin blieb - trotz allmählich steigender Besucherzahlen - über viele Jahre ein nostalgisches Städtchen am Meer mit provinziellem Kleinstadtcharakter.


Breitentouristisch ist Hua Hin ein klassischer Badeort am Golf von Thailand mit feschem Strandurlaub, internationaler Küche und einem orientalisch-betriebsamen Nachtmarkt als folkloristischem Ferienhighlight. Doch Hua Hin ist kein Ziel für Tempel- oder Kulturbegeisterte, kein Ziel für Naturliebhaber oder Ökofreunde und auch kein Ziel für den Aktivurlauber.


Selbst die badefreudigen Sonnenanbeter haben es schwer. Das Meer ist hier nie türkis, der Strand ist weder puderweich noch traumhaft und malerische Sonnenuntergänge gibt es auch nicht. Dem Vergnügungsbetrieb sind gleichfalls die Zügel angelegt, da durch die Anwesenheit der Königsfamilie das öffentliche Bild der Stadt in einem moralisch einwandfreien Licht zu erscheinen hat. Darüber hinaus blieb die touristische Entwicklung weitgehend sich selbst überlassen und verlief planlos und wenig innovativ.


Bis heute ist die innerstädtische Infrastruktur in einer beschämenden Weise unterentwickelt. Sie weist schwere Missstände und Fehlentwicklungen auf und offenbart verheerende Versäumnisse und gedankenlose Vernachlässigungen, womit das erst jüngst vollmundig kreierte Signum der Stadt als „Paradise City“ bitterlich konterkarriert wird.

Die Verkehrslenkung ist völlig ungenügend und trägt dem gestiegenen Verkehrsaufkommen in keiner Weise Rechnung. Unfallschwerpunkte werden weder entschärft, noch beseitigt, noch überwacht. Die innerstädtischen Straßen sind das Resultat ideenloser Flickschusterei und befinden sich  in einem unerträglichen Verwahrlosungszustand. Die Gehwege sind trittunsichere Fußgängerfallen, rücksichtslos verbaut, zerstört oder bewusst zugestellt, ein Hindernislauf für Familien mit Kindern und unbenutzbar für Behinderte und Rollstuhlfahrer. Dauerparkende Taxen und Minivans belagern im Kernbereich ganze Straßenzüge und sind ein stetes Ärgernis für Anwohner und Besucher. Darüber hinaus leidet das Stadtbild an einer unkontrollierten Ausbreitung von Monobetrieben (Schneiderläden), die sich im Citykern wie wuchernde Straßenflechten zügellos neben einander vermehren dürfen, ein Ergebnis aufsichtsrechtlicher Inkompetenz und stadtplanerischer Konzeptlosigkeit.


Das veranstalterische Initiativpotential von Hua Hin erschöpfte sich bisher in gelegentlich abgehaltenen Essfesten, Modeschauen, Schönheitswettbewerben, Lifemusikveranstaltungen und Ausstellungsmessen von lokalen Produkten.

Dürftige stadtgestalterische Entwicklungskonzepte und kümmerliche, eher vom Zufall oder Terminkalender abhängige Gelegenheitsinitiativen waren wenig geeignet, einen verantwortungsvollen und durchdachten Tourismus in Hua Hin zu etablieren. So fuhr die Masse der Touristen woanders hin.

 

Teil 2. Allegretto - Hua Hin wacht auf