Geschichtliche Entwicklung Hua Hins

Die geschichtliche Entwicklung Hua Hins zu Anfang des 20. Jahrhunderts begann mit Prinz Nares, einem Sohn von König Chulalongkorn (Rama V) und Minister für Öffentlichkeitsaufgaben, der von der malerischen Lage Hua Hins am Meer begeistert war. Er baute südlich von Hua Hin, das damals noch Lam Hin hieß, eine Residenz, die er Saen Samran nannte. Ihm folgten 1916 weitere Mitglieder der Königsfamilie nach, die ebenfalls einen Häuserkomplex in Meeresnähe errichten ließen. In den Folgejahren wurde von Bangkok aus eine Eisenbahnlinie in den Süden gebaut, die an Hua Hin vorbei bis nach Britisch-Malaysia führte. Da die beschwerliche Reise von Bangkok über Butterworth nach Singapur volle 3 Tage in Anspruch nahm, stellte die Eisenbahngesellschaft auf der Strecke Verpflegungs- und Übernachtungsmöglichkeiten zur Verfügung. Der erste Stopp war planmäßig immer in Hua Hin, wo zu jener Zeit nur sehr primitive Unterbringungsmöglichkeiten vorhanden waren.

Mit dem Eisenbahnanschluss begann ab 1920 die eigentliche touristische Entwicklung des Fischerortes. 1922 ließ der Direktor der staatlichen Eisenbahngesellschaft, Prinz Purachatra, das erste große Hotel auf einem Strandgrundstück der Eisenbahngesellschaft erbauen. Der italienische Architekt A. Rigazai entwarf ein einstöckiges Ressorthotel im typischen Kolonialstil jener Zeit, und der Prinz überwachte die Bauarbeiten persönlich. Am 1. Januar 1923 wurde das Railway-Hotel offiziell eröffnet. Es war damals das modernste und luxuriöseste Hotel in der Gegend und die erste komfortable touristische Unterkunft in Hua Hin. Schnell wurde es zu einer Lieblingsdestination für Thais und viele ausländischen Gäste.

Am 26. Oktober 1922 wurde Thailands erster 9-Loch-Golfplatz in direkter Nähe der Eisenbahnstation von Hua Hin von König Vajiravudh (Rama VI) eingeweiht. Nun begann die Eisenbahngesellschaft ihr Hotel intensiv zu bewerben, um Urlauber und Golfspieler aus allen Teilen der Welt nach Hua Hin zu holen. Die Bungalows des Hotels konnte man damals nur über den Verkehrsinspektor der Eisenbahngesellschaft in Bangkok buchen. In einer Werbebroschüre hieß es im Originaltext: „Zusätzlich zu den herrlichen Bademöglichkeiten im Meer kann man auf die Jagd nach Leoparden, Hirschen, Hasen und Tauben gehen.“ Das waren noch Zeiten!

1923 ließ König Vajiravudh (Rama VI) einen Sommerpalast zwischen Hua Hin und Cha Am erbauen. Es war ein auf Stelzen stehender Palastkomplex, der komplett aus Teakholz erbaut wurde. Die einzelnen Pavillons waren über luftige Laufstege miteinander verbunden. Die Dächer waren mit Schindeln in kräftigen Rotfarben bedeckt, und die Gebäudeanstriche erhielten warme Komplementärfarben in beigen Pastelltönen und weichen Blaufarben.

Der Palast steht inmitten eines traumhaften tropischen Parkgrundstücks in direkter Meereslage, und der König nannte ihn Marukhatayawan Palast: „Palast der Liebe und Hoffnung“. Nach mehreren gründlichen Renovationen, ist der betagte Palast inzwischen in einem ausgezeichneten Pflegezustand. Er kann heute von jedermann besichtigt werden. Der Eintritt kostet 30 Baht.

Später baute König Prajadhipok (Rama VII) mitten in Hua Hin seinen Sommerpalast, der noch heute von dem amtierenden König Bhumibol Adulyadej (Rama IX) benutzt wird. Der Palast heißt Wang Klaigangwon (Palast fern von Sorgen).

Als ab 1926 neue Expresszüge mit Liegewagen eingesetzt wurden, die die Reisezeit angenehmer machten und verkürzten, wurde der Zwangshalt in Hua Hin für die gestressten Bahnreisenden überflüssig. Doch nun kamen vermehrt sonnenhungrige Urlauber aus anderen Ländern nach Hua Hin, die sich am Strand erholen wollten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg weitete Thailand den Straßen- und Brückenbau massiv aus, womit das Zugreisen an Bedeutung einbüßte. 1986 vergab die Eisenbahngesellschaft als Eigentümer des kolonialen Railway-Hotels die Rechte zum Betrieb an die Central- und Accor-Gruppe, die das Hotel 2 Jahre lang umfangreich restaurierte und 1988 unter dem neuen Namen Hotel Sofitel Central Hua Hin neu eröffnete. Es ist bis heute das eleganteste und luxuriöseste Hotel mit altem Kolonialcharme in Hua Hin.

Durch die schnellen Verkehrswege und den exklusiven Hauch der königlichen Präsenz hat sich Hua Hin zu einem beliebten Ausflugsziel am Meer für die Bangkoker Geschäftswelt und für eine kultivierte internationale Besucherklientel entwickelt. Gerade in den letzten Jahren vollzog sich in Hua Hin eine rasante Entwicklung. Überall entstanden neue Wohnanlagen, exklusive Ressorts und komfortable Apartmentanlagen. Feine Boutique-Hotels und Luxusherbergen der großen Hotelketten eröffneten ihre Niederlassungen für die betuchten ausländischen Feriengäste und den neureichen Jet-Set aus Bangkok. Vor allem letztere suchten der hektischen Großstadt übers Wochenende zu entfliehen und schmückten sich mit strandnahen Apartmentdomizilen, die als Zweitwohnsitze dienten. Darüber hinaus entwickelte sich ein exquisiter Spartentourismus, vornehmlich mit Golf-, Wellness- und Wassersportreisen, der sich eines wachsenden Zulaufs erfreute. Mit mehr als 12 Golfplätzen in unmittelbarer Nähe und mehreren Driving Ranges ist Hua Hin zu einem Eldorado für Golfer aufgestiegen.



Als Residenzstadt der Königsfamilie genießt der Ort thailandweites Ansehen, was ihm zusätzlichen Auftrieb als Ferienort der Oberklasse verleiht. Doch auf hohem Niveau geht es betulich zu. Gogo-Bars und Strip-Lokale sind verboten. Eine Referenz an die zeitweilig anwesende Königsfamilie. Willkommene Besucher sind Familien mit Kindern, Honeymooner und Wochenend-Urlauber. Jedes Jahr kommen über 1 Million Besucher nach Hua Hin, 70% davon sind Thaitouristen. 


Bericht und Bilder: ©Paul Martini, Jan. 2013