Die Eisenbahnbücherei


Wenn man einigen Zeitungs- und Internetberichten glauben schenken darf, so wird Hua Hin jährlich von 2,5 Millionen Touristen besucht, wobei die Thais selber mit einem Anteil von 80% in der Überzahl sind. Damit sind auch von offizieller Seite die Auswirkungen des Tourismus in der Stadt nicht länger zu übersehen, und man war gezwungen, über Anstrengungen zur Verbesserung der Infrastruktur und des Kulturangebots nachzudenken. Wenn ersteres auch noch immer erhebliche Defizite aufweist, so gilt es in kultureller Hinsicht von einer anerkennenswerten Initiative zu berichten.

Am 26. September 2009 wurde im Beisein der Prinzessin Sirindhorn auf einem öffentlichen Parkgelände Hua Hins erste und einzige Eisenbahnbücherei eröffnet. Die „Railway Library“, die bei den Thais als „Hong Samut“ bekannt ist, befindet sich gegenüber der zentralen Bahnstation in einer gepflegten Außenanlage mit Rasenflächen, blühenden Blumenbeeten und Büschen. Hier stehen in einem künstlichen Gleisbett zwei ausrangierte Eisenbahnwaggons, die zu einer modernen Volksbücherei umgebaut worden sind. Es sind ehemalige Diesel betriebene Airconwagen mit Führerkabine, gebaut von der japanischen Eisenbahnfirma JR West. Die ungewöhnliche Lesestube ist ein Projekt der Provinzverwaltung von Prachuab Khirikhan und der staatlichen Eisenbahngesellschaft und steht unter Aufsicht der lokalen Erziehungsbehörde. Neben Nong Khai im Norden und Buriram im Isaan hat Hua Hin damit als dritte Stadt in Thailand eine Eisenbahnbücherei erhalten.


In den beiden liebevoll und detailreich restaurierten Eisenbahnwagen stehen an die 2000 Bücher, wovon jedoch nur ein verschwindend kleiner Anteil in Englisch, Deutsch oder Holländisch zu finden ist. Das Spektrum reicht von Romanen über Fachbücher, Kinder- und Jugendliteratur, sowie tagesaktuelle Zeitungen und viele Journale. In bequemen Sitzabteilen mit stabilen Lesetischen kann sich jeder gemütlich niederlassen und nach Herzenslust schmökern. Für Kleinkinder gibt es sogar eine Spielecke mit Holzspielzeug und Bilderbüchern. Außerdem stehen zwei Computer mit Internetanschluß bereit, deren Benutzung eine ganze Stunde lang kostenlos ist. Die Bücher können sogar 7 Tage lang beitragsfrei ausgeliehen werden, sofern man sich vorher in einer dicken Kladde als Mitglied der Lesegemeinschaft eingetragen hat.


Alles wirkt pieksauber und aufgeräumt, und man spürt, daß die Einrichtung mit viel Bemühen um Detailtreue und Originalität gestaltet worden ist. An den Wänden hängen in goldverzierten Rahmen zahlreiche historische Fotografien, die von den einstigen Bahnreisen des Thaikönigs künden oder die Prinzessin Sirindhorn auf ihren volksnahen Landausflügen begleiten. Dekorative Wandlampen baumeln über Schatten spendenden Fensterjalousien und gemütlich brummende Deckenventilatoren wirbeln die warme Luft herum. Und hier ist auch schon der einzige Malus der ansonsten löblichen Initiative zu finden, denn die Wagen sind nicht klimatisiert, weshalb der Aufenthalt gerade zu Zeiten der späten Nachmittagssonne nur sehr schwer zu ertragen ist.



Der Lesesaal ist für alle Bürger Hua Hins, für Durchreisende, Touristen und hier lebende Expats von Montag bis Samstag in der Zeit von 9 bis 17 Uhr geöffnet. Sonntags und an Feiertagen ist er geschlossen. Der Besuch kostet keinen Eintritt.

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Da das Angebot an ausländischer Literatur doch sehr dünn ist, möchte ich noch darauf aufmerksam machen, daß ein privater Buchladen neben den Waggons eine überreichliche Auswahl an internationaler Literatur bereithält, die allerdings nur käuflich oder im Austausch erworben werden kann.

Bericht und Bildcr: ©Paul Martini, Juni 2010

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