Das Retromusem Plearn Wan


Seit April 2009 gibt es in Hua Hin eine neue thaitypische Touristenattraktion, den Plearn Wan Komplex. Er befindet sich auf einem 3 Rai großen Grundstück an der Phetkasem Road zwischen der Soi 38 und 40, und soll traditionelles Thaileben aus vergangenen Zeiten darstellen, wo der Mensch noch im Einklang mit der Natur lebte.


Schon von außen her macht die gesamte Gebäudekonstruktion mit ihren angepappten Bretterwänden und vernagelten rostigen Wellblechversatzstücken einen etwas verwitterten und dekadenten Eindruck. Doch das ist gewollt! Denn Plearn Wan soll so eine Art von antikem Erlebnismuseum im Retro-Look sein, wobei die Betonung Sanuk adäquat eher auf dem ersten Wortteil liegt. Beim Bummel durch die traditionellen Kleinläden soll sich der Besucher wie auf einer zeitgeschichtlichen Reise durch das historische Thailand fühlen. Doch selbstverständlich, ohne auf neuzeitliche Annehmlichkeiten verzichten zu müssen wie Eiscreme aus der Kühltruhe und Cola in riesigen Halbliterbechern. Schon vor dem Eingang steht eine aufgearbeitete alte Fahrrad-Rikscha mit einem Korbstuhl im Beiwagen(!), und ein blauweiß bemaltes Tuk-Tuk kündet von den „Memories of classic romance“. (Was damit nur gemeint sein könnte?)


In den Shops in Antik-Look sind alte Tonbandgeräte und Fotoapparate ausgestellt, vorsintflutliche Trichtermegafone, sowie schrecklich unbequeme Kinderwagen aus Holz, die eher an Kohlekästen erinnern.
Die nostalgisch wirkenden Verkaufsbuden kontrastieren merklich zu dem in den Wandelgängen ausgelegten grünen Kunstrasen aus der Neuzeit.

Zur Müllentsorgung stehen Plastiktonnen an den Wegen. Überhaupt hat sich Plearn Wan mit recycelten Papierverpackungen und Mülltrennung einen umweltfreundlichen Umgang mit den Ressourcen auf seine Fahnen geschrieben. Hier findet die meines Wissens thailandweit einzige real praktizierte Mülltrennungskampagne statt - und die skurrilste zugleich: Unterschieden wird zwischen „trockenen“ und „feuchten“ Abfällen!



Im hinteren Teil der Anlage kann man am Wochenende bei vergangenheitsverklärten Gesangsvorführungen sitzen und alten Schnulzen aus den siebziger Jahren lauschen. Doch anscheinend vermag das aus dem nahen Bangkok heran gereiste hippe Jungvolk an der vergangenen Handwerks- und Gesangskunst nicht so das rechte Interesse zu entwickeln, da es in aufgeregter Selbstverliebtheit einzig damit beschäftigt ist, sich pausenlos und in affigen Posen gegenseitig selber zu fotografieren, womit es ihm vermutlich auch reichlich egal ist, daß der Espresso in dem doch ach so postmodernen Thai-Coffeeshop aus einer ganz und gar hochmodernen Kaffeemaschine kommt.


Die Knipsmanie ist ohne Beispiel. Fotografiert wird unterschiedslos, was vor die Linse kommt. Harmlos herumstehende Mülleimer, eine Frauentoilette, doch am liebsten sich selber in jeder möglichen Stellung. Kein Motiv ist zu trivial, kein Gegenstand zu belanglos, keine Pose zu albern. Ein gutes Beispiel dafür ist folgende Webseite:  http://blog.nationmultimedia.com/panalwayscute/2010/01/30/entry-2

In der Anlage kann man im sogenannten „Holiday House“ auch übernachten. Selbstverständlich in altmodisch hergerichteten Zimmern, in denen Transitorkofferradios, alte Wählscheibentelefone, TV-Geräte aus den 50er Jahren und eine Standtrockenhaube herumstehen. Selbst die Badezimmereinrichtung ist mit bauchigen Schöpftonnen und eckigen Standwaschbecken dem altertümlichen Geschmack angepasst, was man von den Preisen keineswegs behaupten kann. Zwei Personen bezahlen inklusive Frühstück immerhin 3200 Baht für das Zimmer!

Plearn Warn öffnet täglich morgens um 10 Uhr und schließt seine Pforten zwischen 22 und 24 Uhr. An Wochenenden kommen inzwischen tausende von Besuchern mit eigenen Fahrzeugen und in wahren Buskonvois angereist. Inzwischen sind außerhalb des Komplexes eigene Budengassen entstanden mit Suppenküchen und T-Shirt-Ständen sowie großen privaten Parkflächen auf den Grundstücken einiger findiger Nachbarn. Der Eintritt ist frei.

 

Webseite (Thai und Englisch) mit Veranstaltungskalender:

http://www.plearnwan.com/

Bericht und Bilder: ©Paul Martini, Mai 2010

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