Allegretto! - Hua Hin wacht auf


Viel zu spät erkannte man die jahrelang verschlafenen Fehler und begann Ideen umzusetzen, die den Ort zu einem Touristenmekka machen sollten. Doch viele hochtrabenden und schlecht durchdachten Hauruck-Versuche scheiterten, wie es der neu gebaute Flughafen zeigt, dem es noch nicht einmal gelang, an das inländische Liniennetz eingebunden zu werden, von internationalen Verbindungen ganz zu schweigen, und der heute als militärischer Übungsflugplatz in die Bedeutungslosigkeit abgerutscht ist.

Bis ins Jahr 2006 besaß Hua Hin kein einziges größeres Einkaufszentrum. Man kaufte seine Lebensmittel traditionell auf dem zentralen Tagesfrischmarkt oder einem aus allen Nähten platzenden kleinen Kaufhaus, und für die Dinge des täglichen Bedarfs ging man wie seit alters her in jene alteingesessenen Krämerläden, die über die ganze Stadt verstreut waren. Erst mit der Eröffnung des Market-Village-Centers, einem neuzeitlichen Einkaufszentrum, zu dem ein Tesco-Markt, eine HomePro-Niederlassung und viele Einzelhandelsgeschäfte gehörten, hielt eine moderne Shoppingkultur in Hua Hin Einzug.

Wenn auch der Großteil der Touristen um Hua Hin einen Bogen machte, so entwickelte sich dennoch mit der Zeit ein exquisiter Spartentourismus, vornehmlich mit Golf-, Wellness- und Wassersportreisen, der sich wachsendem Zulauf erfreute.

Golfreisen haben eine lange Tradition in Hua Hin. Schon 1924 wurde mit der Gründung des „Royal Golf Club“ in Hua Hin Thailands ältester Golfplatz eröffnet. Heute gibt es in der Region mehr als 12 Golfplätze, die wegen ihrer topgepflegten Anlagen, den preiswerten Greenfees und den guten Platzbedingungen auch in der Regenzeit nationale und internationale Anerkennung finden und Hua Hin zu einer beliebten Golf-Destination gemacht haben.

Große Bedeutung erreichte Hua Hin in den letzten Jahren durch den verstärkten Ausbau vieler exklusiver Spa- und Wellnessbetriebe. Bei Kompressionsmassagen mit Kokosmilch und Klebreis, bei Aromatherapie, Körperpeeling und Verjüngungsbädern erholen sich nicht nur Golfer und Pauschaltouristen. Sie sind auch zunehmend das Ziel einer internationalen Klientel, die einem gesundheitsbewußten und spirituellen Lebensansatz folgt.


Eine recht neue Entwicklung stellt die Ansiedlung mehrerer Kitesurfer-Unternehmungen dar. Da an der Küste mit Windgeschwindigkeiten von 12 bis 20 Knoten im Jahresmittel konstant gute Windbedingungen herrschen, kommen immer mehr Wassersportbegeisterte nach Hua Hin, um das „Kiten“ - das Surfen mit einem Lenkdrachen - zu erlernen oder an einem jener Kite-Festivals teilzunehmen, die inzwischen immer mehr junges internationales Publikum anziehen.

Die wirkliche Wende für den Tourismus in Hua Hin kam aber erst mit einer Naturkatastrophe. Nach dem Tsunami im Dezember 2004 wollte niemand mehr in gefährdeten Strandregionen Urlaub machen. Die Wahl fiel schnell auf Hua Hin, denn Hua Hin galt als ruhiges und sicheres Ausweichziel. Nun strömten die Touristen herbei und lösten einen nie da gewesenen Tourismushype aus. In den folgenden zwei Jahren berichteten die Hotels der Stadt von einer boomhaften Auslastung.

Dies blieb nicht unbemerkt und die Stadt wurde von einer haussierenden Bautätigkeit erfasst. Von den 260 Hotels in Hua Hin sind alleine in den letzten 3 Jahren 120 neu entstanden, wovon über 70% zur Kategorie der Vier- und Fünf-Sterne-Hotels zählen. Schmucke, mondäne Boutique-Resorts schossen wie Pilze aus dem Boden, stilvolle Condoanlagen entstanden überall in der Stadt und internationale Hotelgiganten wie das „Sheraton“ und das „Intercontinental“ drängten mit Macht in diesen bisher vernachlässigten, aber exklusiven Markt. Nun tauchten auch Edelbistros und schicke Musikpubs auf, die das hippe Bangkoker Jungvolk anzogen, dem die 2stündige Fahrt nach Hua Hin in seinen hochpreisigen Nobelkarossen wie eine vergnügliche Spritztour vorkam. Endlich hatte auch die feierfreudige Hauptstadtboheme Hua Hin als neues Ziel für ihre selbstverliebten Partys entdeckt.


Mit dem Zustrom der Bangkoker Geldschickeria  war Hua Hin bereit für den Aufbau von kulturellen Einrichtungen. Zwar gab es schon seit 2001 ein alljährlich im Juni stattfindendes Jazz-Festival, das landesweit und international schnell an Bedeutung gewann, und auch die regelmäßige Parade von Oldtimer-Kutschen in den Weihnachtsfeiertagen war zu einem festen Veranstaltungshöhepunkt im Jahreskalender geworden, doch kulturell konnte der Ort in keiner Weise glänzen. Es gab kein Museum, keine Konzerthalle und kein Theater, ja, selbst das erste Kino entstand erst im Jahre 2006 mit der Eröffnung des Market-Village-Einkaufszentrums.


Weiter mit dem 3. Teil:

Allabreve! The Vic – das erste Theater in Hua Hin