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Bye, bye TIP


Der TIP ist eine thailandweit verbreitete deutschsprachige Zeitung, die zweimal im Monat erscheint. Im Internet ist die Zeitung mit ihrem TIP-Forum präsent. Dieses hat sich über die Zeit einen guten Ruf erarbeitet. Herausgeber des TIP ist Rolf Dettmar (Roy) und seine thailändische Frau.

Bevor ich überhaupt zum TIP kam, habe ich jahrelang die Entwicklung des Forums beobachtet und begleitet. Dabei war mir der streitbare Roy als ein aufgeschlossener Mensch mit allzeit offener Dialogbereitschaft und einem unverbiegbaren Gerechtigkeitssinn aufgefallen. Dies hatte mich sehr beeindruckt. Seine klaren Positionen empfanden manche Mitstreiter aber auch als heikle „Juckepunkte“, die nicht selten intensive Wortauseinandersetzungen hervorriefen. Häufig genug entarteten so manche kontroversen Cyber-Diskussionen in persönlichen Angriffen und Beschimpfungen. Obwohl hitzig im Ton, blieb Roy dennoch immer offen für die faire Redeschlacht. Er konnte austeilen, war aber beim Einstecken auch keine Mimose.

Mir persönlich war an solchen Debatten, die teilweise in völlig verfahrenen Polemisierungen und Rechthabereien ausarteten, nicht gelegen. Ich hielt meine Beiträge frei von persönlichen Attacken. Ich beschrieb meine Sicht der Dinge von einem Leben in einem fremden Land, doch vermied ich Polarisierungen. Jeder macht seine Erfahrungen, und jeder macht andere. Keiner kann seine persönlichen Erfahrungen in Gesetzesrang erheben. Keiner kann beanspruchen, dass seine individuelle Wahrheit ein Allgemeingültigkeitszertifikat besäße. Dies geht in der anonymen Forenwelt allzu leicht vergessen.

Über die Forumsbeteiligung ergab sich mit der Zeit eine Annäherung an den TIP als Zeitung. Ich schrieb Beiträge und machte Übersetzungen. Obwohl ich es gerne machte, musste ich bald einsehen, dass es sich wirtschaftlich nicht lohnte. Das gebotene Honorar war alles andere als zufriedenstellend und stand auch sonst in keinem guten Verhältnis zum Aufwand und zur Qualität der Beiträge. Gespräche mit Roy hierüber führten aber nicht weiter. Seine „Tarife“ waren nicht verhandelbar. Wir redeten offen darüber, aber wir haben uns nicht gestritten. Da es nichts zu verhandeln gab, akzeptierte ich seinen Standpunkt. In der Folge zog ich mich zurück und schrieb keine Beiträge mehr. Dies wurde von Roy hingenommen und respektiert. Später versuchte Roy, mich als „Mann für die Region Hua Hin“ zu gewinnen. Doch auch hierüber erzielten wir keine Einigkeit, da meine Tätigkeit hauptsächlich darin bestanden hätte, den Werbeauftritt des TIP in Hua Hin zu stärken. Meine Interessen liegen aber in anderen Bereichen.

Das Forum

Nach Roys schwerer Erkrankung mussten die Verantwortlichkeiten neu geregelt werden. Soweit es das TIP-Forum betraf, trat ein neuer Mann an seine Spitze, Hans Michael Hensel. Hensel ist Schreiber des im TIP-Verlag erscheinenden Bangkok-Führers, der in Auszügen auch schon mal ganze TIP-Seiten füllt. Überhaupt lässt jener Herr Hensel kaum einen Forenbeitrag aus, um in einer schon fast peinlich-penetranten Weise auf sein Bändchen aufmerksam zu machen. „Unabhängig und kritisch: echt TIP!“ – so preist Hans Michael Hensel seinen Bangkokführer an, und spart auch nicht mit Übertreibungen: Sie werden nichts Aktuelleres und Informativeres über Bangkok auf dem Markt finden.“ Naja, halt echt Hensel!

In vielen Beiträgen macht Hensel keinen Hehl aus seiner Überzeugung, dass es nur einen einzigen Weg zum Bereisen und Kennenlernen Bangkoks gibt, nämlich seinen. Heftig zieht er über tollpatschige Touristen her, die sich nach seiner Meinung über den Kamm balbieren lassen, wobei er nicht verstehen will, dass es manchen gar nichts auszumachen scheint, wenn sie mal etwas mehr bezahlen sollen. In noch viel schlimmerer Manier zieht er über junge Rucksackreisende in Gesundheitslatschen und Achselhemd her, die aus einer kleinen Straße in Bangkok inzwischen eine eigene touristische Attraktion gemacht haben. Über sie kippt er kübelweise seinen Abscheu aus.

O-Ton Hensel aus der 3. Auflage:

„Wenn Sie sich gerne wie ein Penner … kleiden, sich ungern rasieren und selten die Haare schneiden, es lieben, halbnackt in Plastiklatschen auf offener Straße zu watscheln, um Ihre Tätowierungen vom letzten Gefängnisaufenthalt … zu zeigen, und wenn es Ihnen vor allem nichts ausmacht, dass man Sie für einen merkwürdigen Charakter hält, dem man nach dem Mund lächelt, solange er die Dummenzuschläge für schmutzige Ausländer anstandslos zahlt, fallen Sie … in Banglamphu kaum auf.“

Dass jeder einen anderen Reisestil hat und sich mit diesem womöglich auch noch wohl fühlt, ist für den Herrn Hensel wohl nicht vorstellbar. Als vorgeblicher Thailandinsider, der nicht nur belehrende Stadtführer schreibt, sondern in langatmigen Forenbeiträgen auch noch pedantisch auf den prinzipiellen Feinheiten der thailändischen Schriftsprache herum reitet, schwebt er zweifelsohne in etwas höheren Sphären. Jedenfalls ist anders kaum erklärbar, woher sonst jener Dünkel stammt, mit dem er so manche gewöhnlichen Thailandfahrer gerne abkanzelt.  

Als Chef des TIP-Forums konnte auch ich seinen Willkürattacken nicht entgehen, die schlussendlich dazu führten, dass ich mich von dem TIP-Forum verabschiedet habe. Im Folgenden möchte ich darstellen wie es dazu kam.

Vor einiger Zeit schrieb ich einem anerkannten Forenschreiber eine Dankesadresse über seine ausgesprochen unterhaltsamen und lesenswerten „Geschichten aus Hinterindien“, doch schon kurz darauf musste ich feststellen, daß mein Beitrag in eine andere Rubrik verschoben worden war. Auf meine verdutzte Anfrage, beschied mich „Chef Hensel“ knapp, dass ich mit meinem Beitrag die Kontinuität der Geschichtenfolge stören würde. Naja, ein bisschen weit hergeholt, aber mit einigem guten Willen konnte man das schon so sehen. Nur wunderte ich mich, dass andere Schreiber ihre Beiträge nach wie vor in derselben Rubrik platzieren durften. Merkwürdig, sehr merkwürdig…

Mitte 2010 startete ich mit www.thailandprivat.com einen eigenen Webauftritt, doch schon vorher veröffentlichte ich Ausflugs- und Reiseberichte im TIP-Forum. Mehrfach rügte mich der neue „Chef“, meine Beiträge seien zu bildlastig und würden die Ladezeit der Seiten für in der Provinz lebende Teilnehmer zu einem Geduldspiel machen. Ich sah das ein, stellte aber in der Folge fest, dass andere Teilnehmer sehr wohl komplette Bildberichte ins Forum stellen konnten und von Kritik völlig unbehelligt blieben! Da entstand erstmals der Eindruck, dass hier mit zweierlei Maß gemessen wurde. Wollte hier etwa ein missgünstiger Groß-Zampano einen vermeintlich konkurrierenden Störenfried loswerden? Kaum vorstellbar!

Ich baute meine Webseite weiter aus und veröffentlichte fernerhin meine Beiträge im TIP nur noch in Textanrissen mit einem Link als Verweis. Doch auch dies erregte das Missfallen von „Chef Hensel“, der mir nunmehr unterstellte, von dem tollen Pagerank des TIP-Auftritts profitieren zu wollen. Es war ihm einfach nicht recht zu machen.

 

Bald darauf machte ich eine komplette Datenerhebung aller Krankenhäuser in und um Hua Hin und schrieb mehrere Reports darüber. Auch jene Berichte stellte ich dem Forum in Anrissen in der Rubrik Hua Hin zur Verfügung. Doch die nächste Attacke gegen mich war bereits unterwegs. Man hatte inzwischen im Forum eine Unterrubrik mit dem Titel „Meine Gesundheit“ mit einem neuen Moderator geschaffen und verschob meine Beiträge dorthin. Nach Auffassung der Moderatoren seien sie dort besser aufgehoben als in der Rubrik Hua Hin. Die starke lokale Bezogenheit wollte man nicht sehen. Ich meldete mein Erstaunen an, doch was blieb mir als ohnmächtiges Forums-Würstchen anderes übrig, als das Verfahren gezwungermaßen zu billigen?

Trotz Hinweisen aus der TIP-Gemeinde, der die fehlgeleiteten Artikel ebenfalls aufgefallen waren, und trotz eines Schriftverkehrs mit dem zuständigen Moderator (TiT) wurde an der einmal eingeschlagenen Linie festgehalten. Die starke Regionalbezogenheit wurde zurückgewiesen, und eine Erörterung mit mir wurde abgelehnt. Es könne ja nicht sein, dass man einen Beitragsschreiber über seine Meinung zur Veröffentlichung befrage!

Die Statuten eines Forums bringen es mit sich, dass ein Forum keine basisdemokratische Veranstaltung sein kann, und Mitspracherechte nicht vorgesehen sind. Eine Mitwirkung wird zwar gerne gesehen, da viele Beitragende („Nutzer“ genannt) die allgemeine Internetakzeptanz heben, aber Kritik ist unerwünscht. Da die meisten Moderatoren so ein Forum nur nebenbei betreuen, will man den Aufwand gering halten. Doch leider bringt es dieses Verfahren mit sich, dass eitlen und selbstgerechten Moderatoren Tür und Tor für eine absolutistische Regentschaft geöffnet wird. „Kaiser Hensel“ jedenfalls wusste seine Position zu nutzen. Wenn er schon einen mißliebigen Schreiber, den er wegen Wohlverhaltens nicht loswerden konnte, an seiner Seite dulden musste, dann wollte er ihm das Verbleiben wenigstens so unangenehm wie möglich machen.

Ich wehrte mich mit einer empörten Replik, in der ich meine Enttäuschung zum Ausdruck brachte und meine gegenteilige Auffassung klar darlegte. Ich nahm kein Blatt vor den Mund und gab meiner Verbitterung über die neuen Methoden Ausdruck. Ich kritisierte die unzugängliche und selbstherrliche Herrschaft der Moderatoren, die sich mit ihrer Ignoranz über die Anliegen der Teilnehmer hinwegsetzten.

Hierauf passierte etwas Merkwürdiges. Der zuständige Moderator TiT war erstaunt über meine Reaktion und willigte in die Rückverschiebung der Beiträge ein. Er bedauerte, dass ich mich darüber geärgert hätte und versicherte, dass dies nicht beabsichtigt gewesen sei.

 

Nun hätte alles in bester Ordnung sein können, doch die Rechnung war ohne „Kaiser Hensel“ gemacht. Er holte zum finalen Dolchstoß aus. Er löschte den kompletten Beitrag nebst Folgebeiträgen, bezichtigte mich der Manipulation der Klickzahlen, verhöhnte mich über meinen Anmeldungsnamen und drohte mir den Ausschluß aus dem Forum an.

Nun war das Maß voll. Als einfacher Forumsteilnehmer, der niemals in irgendeinen Streit verwickelt war, stand ich plötzlich als halbseidener Ganove da. Gut, es war ein Fehler, die Moderatoren öffentlich zu kritisieren. Das ist nach den Forumsregeln nicht erlaubt. Doch kann ich versichern, dass ich niemals meine eigenen Beiträge zur Manipulation von Klickzahlen aufgerufen habe. Wofür sollte so ein Unfug gut sein? Das wird wohl nur der Herr Hensel wissen. Es mag das beschämende Niveau von Herrn Hensel sein, Tatsachen zu verdrehen und unbewiesene Falschheiten zu verbreiten. Mir ist dieses Niveau zu niedrig. Ich nahm meinen Abschied von dem TIP-Forum.

Nun mag man einwenden, was regt sich der Herr Martini da so auf? Vielleicht ist da wirklich etwas ganz blöd gelaufen. Doch bedauerlicherweise trifft es mich ja nicht alleine! Zahllose Teilnehmer, die von der Knute des Herrn Hensel genug hatten, haben das TIP-Forum inzwischen verlassen oder ihre Teilnahme massiv eingeschränkt.

In den letzten sechs Monaten hat das TIP-Forum 45% seiner Mitglieder verloren. Statt knapp 4000 registrierten Mitgliedern Mitte 2010 sind zum Jahresende 2010 nur noch 2170 Mitglieder übrig geblieben. Die Anzahl der monatlichen Neuanmeldungen ist seit Juni 2010 im Vergleich zu dem gleichen Zeitraum im Vorjahr gar um 60% eingebrochen (von etwa 320 auf nur noch 120).

Das einstige TIP-Forum, das sich wie kein anderes zu Aufgeschlossenheit und dem kritischen Gedankenaustausch bekannt hatte, scheint unter einem selbstgefälligen Schulmeister zu einer Sandkastenveranstaltung von einigen Wenigen zu werden. Gut, in seiner langen Geschichte hat es das TIP-Forum nie leicht gehabt und stand nicht nur einmal am Rande der Selbstauflösung. Doch es war durchwegs eines der informativsten Foren unter Thailandenthusiasten. Ein bemerkenswertes Verdienst der Schreiber und nicht der Veranstalter!

Ein Forum ist eine virtuelle, zwanglose Zusammenkunft von einigen Interessierten hinter einem gemeinsamen Thema. Mit der Anmeldung unterwirft man sich den Forenregeln. Der Beitritt ist freiwillig und der Austritt auch. Die Mitglieder finden eine Plattform zum Gedankenaustausch vor, und der Betreiber erhöht seine Bekanntheitsreichweite (man könnte auch Werbung sagen) zum Zwecke der dahinter liegenden kommerziellen Aktivitäten. Auch das TIP-Forum ist kein selbstloser Samariterverein, denn der Betreiber und der große Zampano haben glasklare Absichten. Und wenn sie darüber jammern, dass sie einen undankbaren Dienst übernommen hätten, für den sie ihre Freizeit opfern müssten und für den sie keine Entschädigung erhielten, so tönt das ein wenig scheinheilig. Auch für die anderen Moderatoren hält sich das Bedauern in Grenzen. Schließlich hat es ja jeder selber in der Hand, ob er sich freiwillig und unentgeltlich für die Ziele anderer einspannen lässt.

Ein Forum lebt von den Teilnehmern, und die Qualität eines Forums ist an deren Beiträgen ablesbar. Gute und interessante Schreiber ziehen Lese- und Mitmachpublikum an und erhöhen die Attraktivität der Webseite im Internet (siehe: Autor Low mit seinen „Geschichten aus Hinterindien“). Ein „Brain Drain“ von Schreibern trifft ein Forum mehr als die Schreiber. Ein Schreiber kommt ohne ein Forum aus, aber ein Forum ohne Schreiber ist wie ein Theater ohne Akteure. Fatal für den Betreiber, denn er möchte doch einem möglichst breiten Publikumsstock seine Produkte bekannt machen! Außer für den Betreiber und seinen Zampano ist so ein Forum also für niemanden wirklich wichtig.

Und: Ein Forum ist wirklich nur ein Forum. Wenn man beitritt, gesundet man nicht von irgendwelchen Gebrechen und wenn man es verlässt, stirbt man nicht an irgendwelchen Entbehrungen.

Ich möchte Roy eine weiterhin gute Genesung wünschen und dem Herrn Hensel ein Karl-Marx-Zitat mit auf den Weg geben:

 „Die neue Ära des Genius unterscheidet sich von der alten Ära dadurch, dass die Peitsche sich einbildet, genial zu sein.“

 

Paul Martini, Jan. 2011