Der Phra Ram Ratchanivet Palast

Am Rande der Stadt Petchaburi auf dem Gelände der Royal Thai Army liegt auf einem 58 ha großen Grundstück am Westufer des Petchaburi-Flusses der Phra Ram Ratchanivet Palast (พระราม ราชนิเวศน์). Er wurde von König Chulalongkorn (Rama V) in Auftrag gegeben, der während der Regenzeit einen angenehmeren Standort außerhalb von Bangkok suchte. Am 19. August 1910 begannen die Bauarbeiten für den Palast, der 1916 fertig gestellt wurde. Leider verstarb der König am 23. Oktober 1910, doch sein Sohn König Vajiravudh (Rama VI) führte den Palastbau zu Ende. Während dessen Regentschaft hieß der Palast Son Phetch Prasat. 1918 erhielt er seinen jetzigen Namen.

Unter den Thais ist der Palast noch heute mit dem ursprünglichen Namen „Wang Ban Buen“ (วังบ้านปืน), etwa Kanonenpalast, bekannt. Im Hofgarten vor dem Palast umrahmen denn auch vier große Haubitzen, deren Kanonenrohre in die vier Himmelsrichtungen weisen, ein Standmonument von König Rama V.

Obwohl König Chulalongkorn (Rama V) absolutistisch regierte, war er ein aufgeschlossener Herrscher, der als erster Thaikönig eine durchgehend westliche Ausbildung genossen hatte. Er setzte politische Reformen durch, schaffte die Sklaverei ab und modernisierte das Land mit Hilfe ausländischer Experten. Mit dem Bau von Eisenbahnlinien und Telegrafenleitungen verband er die entlegenen Provinzen mit dem Zentrum und durch diplomatisch kluge Gebietszugeständnisse verhinderte er eine französische und eine britische Überwerfung. Er formte einen halbmodernen, zentralistischen Nationalstaat, dem eine Kolonialisierung erspart blieb.

Für seinen Palastbau engagierte der weltoffene und reformfreudige König den deutschen Architekten Karl Siegfried Döhring und den deutschen Ingenieur Dr. Bayer. Der Palast sollte ein Modellnachbau des Sommerpalastes von Kaiser Wilhelm in Deutschland werden.

Der elegante einstöckige Palast ist auf ein rechteckig angelegtes Grundstücksfundament gestellt mit einem Haupthaus und zwei Seitenflügeln, die einen zentralen Innenhof umschließen. Das Außengelände erhielt einen gepflegten Schlossgarten mit Springbrunnen und wurde mit Mahagoni- und Feigenbäumen bepflanzt.

Der von den damaligen europäischen Kunststilen beeinflusste Palast zeigt wechselvolle Stilmischungen aus Barock, Jugendstil und Art Nouveau auf. Vorherrschend sind bunte Pflanzenmotive und fließende Kurvenformen. Die Innenausstattung ist luxuriös. Jedes Zimmer weist hinsichtlich Farbe und Material jeweils ganz eigene dekorative Ausgestaltungen auf. So sind die Treppenaufgänge in dunklem Grün gefliest, während im Speisesaal die Farbe Gelb dominiert.

Die Räume und Flure haben hohe Decken und hohe, vom Flurboden bis zur Decke reichende Fenster. In den Fluren liegt Marmor und in den Zimmern Parket aus Teakholz. Das Schlafgemach der Königin ist mit Teakholztäfelungen verkleidet. Die Türeingänge haben schmiedeeiserne Beschläge und die Säulen im Schlafzimmer des Königs sind mit Kupferbänder verblendet.

Der königliche Speisesaal ist mit glasierten Wandfliesen ausgestattet, in die hervorgehobene Abbildungen von Tieren und Pflanzen eingearbeitet wurden. Vor seinem Eingang steht eine übermannsgroße Poseidonstatue, die inzwischen 100 Jahre alt ist.

Im Arbeitszimmer des Königs stehen verspielt wirkende Blutglasvitrinen. Das geräumige Badezimmer des Königs verfügt über ein in den Boden eingelassenes Marmorbad, eine eiserne Standbadewanne und einen breiten antiken Toilettensitz.

Zwei barocke, mit dunkelgrünen Fliesen dekorierte Treppenaufgänge winden sich in der Form eines Pik-Asses nach oben. Die Treppengeländer sind mit girlandenbekränzten Puppenfiguren aus Porzellan dekoriert. In dem Fußboden zwischen den Treppenaufgängen liegt im Erdgeschoß ein rundes Fliesenmosaik, das so raffiniert ausgelegt ist, dass es bei der Draufsicht aus dem oberen Stockwerk wie ein übereinander gelegtes Fischschuppenmuster aussieht.

Viele Werkstoffe und Ausstattungselemente wurden aus dem Ausland importiert. Die braunen Dachziegel kamen aus Deutschland, die Kronleuchter aus Italien, Fliesen und Keramiken aus China und Skulpturen aus Europa.

Der Palast diente später verschiedenen Einrichtungen als Ausbildungsstätte und Dienstsitz. Unter König Rama VII wurde er als Lehrerausbildungszentrum genutzt. Später nutzte man ihn als College für Landwirtschaftslehrer, als Pfadfinderausbildungslager, als Grundschule für Mädchen und zu Zeiten des zweiten Weltkriegs als Militärlager. Der Innenhof zwischen den Häusern, der einst Thailands erster Badminton Platz war, wurde zu einem schmucken Ziergarten umgestaltet.

Aufgrund der wechselvollen Nutzung des Palasts ist ein Großteil der ursprünglichen Originalmöbilierung verschwunden.

Der Palast ist täglich von 8 bis 16 Uhr für geöffnet. Der Eintritt kostet für Thais 20 Baht und für Ausländer 50 Baht. Hübsche Studentinnen führen durch die Räumlichkeiten.

In den Innenräumen darf leider nicht fotografiert werden. Da er in einem Militärcamp liegt, muß man sich zuvor bei der Einfahrt in das Gelände ausweisen.

Bericht und Bilder: ©Paul Martini, Mai 2011