Bootsausflüge auf dem Wassermarkt von Tha Kha (2)


Ein Erlebnis der besonderen Art sind die Bootsausflüge durch die engen, halbzugewucherten Nebenkanäle des Wassermarkts von Tha Kha. Sie haben nichts zu tun mit den lauten Ausflugsfahrten anderer Wassermärkte, wo brüllende Motorboote die Besucher verschrecken. Hier gibt es nur hölzerne Paddelboote, die lautlos und geschmeidig wie Relikte aus einer vergangenen Zeit durch diese phantastische Wasserwelt schaukeln. Hier spielt auch die Zeit keine Rolle, denn man kann bleiben, solange man möchte. Und der Fahrpreis hört sich eher wie ein Hörversehen an, doch es stimmt tatsächlich: man zahlt wirklich nur 20 Baht pro Person!

Sobald das Boot in die Nebenkhlongs eingebogen ist, befindet man sich inmitten einer überwältigenden tropischen Pflanzenwelt, deren hinreißende Schönheit den Besucher atemlos macht. Orange blühende Papageienschnäbel wuchern in wilden Büscheln am Khlongufer und prachtvolle Kokospalmalleen reihen sich an stillen Wassergräben, die mit einem grasgrünen Film aus winzigen schwebenden Wasserblüten überzogen sind. Exotische Vogelrufe hallen aus den Tiefen des Kokoshains, und hin und wieder löst sich aus dem Wedeldickicht der stammlosen Nipapalmen ein Holzboot mit einer alten Paddlerin, die mit unhörbarem Paddelschlag aus einem mystischen Schattenreich zu kommen scheint.

Dieser verworrene Mikrokosmos mit seiner überreichlichen Naturfülle und seinem kontrastreichen Farbenspiel schlägt den Besucher unrettbar in seinen Bann, und er fragt sich, ob sein Gehirn ihm nicht Trugbilder vorspiegelt. Aus den wispernden Palmwedeln, die wie hellhörige Schallsauger alle Geräusche einzusammeln scheinen, schlüpft nur ein einziges tonloses Flüstern, und der Bootsgast fühlt sich zurückversetzt in eine motorlose Welt wie es sie vor hunderten von Jahren hier gegeben haben mag.

Mit gelassenem Paddelschlag navigiert das Bootlein durch die schmalen Gewässerpfade und lässt die sonderbare Wasserwelt mit einer Grazie vorüberziehen als wären es Bilder aus einem entrückten Naturfilm, die ihren Zauber nicht preisgeben wollen.

Mittendrin steht das 150 Jahre alte Haus von Kamnun Jun, einem ehemals reichen Dorfbewohner. Es ist komplett aus Holz gebaut und ruht auf Stelzen in einem blühenden Wassergarten. Ein geschickt konstruierter Viereckbau mit einer zentralen dachlosen Bretterbühne in der Mitte.

Das Haus erlangte in der kleinen Gemeinde ein ungewöhnliches Ansehen, weil es von König Rama V am 23. Juli 1904 persönlich besucht wurde. Seinerzeit befand sich der König auf einer Landfahrt, bei der er sich davon überzeugen wollte, ob die Landbevölkerung seinen neuen Anordnungen auch Folge leistete. Er hatte nämlich kurz zuvor die Sklaverei per Gesetzesdekret abgeschafft. Der reiche Kamnun Jun aber war ein Sklavenhalter, der für die Feldarbeit Menschen in Ketten legte. Doch der König konnte mit Kamnun Jun zufrieden sein, denn dieser hatte alle seine Sklaven bereits freigelassen, und so erhielt er von dem König eine Auszeichnung und Geschenke.

Heute ist aus dem ehemaligen Sklavenhalterhaus ein kleines Museum geworden, in dem altertümliche Gerätschaften und Haushaltsgegenstände ausgestellt sind. Noch immer ist der termitenzerfressene Sklavenbaum vor den Gesindegemächern zu sehen und auch die schweren rostigen Sklavenketten liegen noch davor.

Vor einer ehemaligen Feuerstelle liegt ein schmales Holzbrett, das als Lagerstatt für frisch entbundene Frauen diente. Hier mussten die gebärenden Frauen zwischen 5 und 15 Tagen bei einem offenen Feuer ausharren, damit das Fruchtwasser eintrocknete und sich der Uterus zurückbildete.

Heute wohnt in dem betagten Stelzenhaus ein liebenswürdiger alter Mann von 73 Jahren, ein ehemaliger Soldat der Thaiarmee. Mit seiner Tochter bewirtschaftet er einen 8 Rai großen Obstgarten. Gerne gibt er Auskunft und zeigt den Besuchern seine Ausstellungsstücke.

Nach dem Besuch gleitet das lautlose Holzboot weiter durch das prachtvolle Naturpanaroma und macht bald an einem weiteren Stelzenhaus unter hohen Palmbäumen fest.



Es ist ein über 130 Jahre alter Teakholzbau, der ohne die Verwendung von Schrauben und Nägeln gebaut worden ist.
Die Eigentümer haben aus dem ehemaligen Palmzuckerbetrieb eine Homestay-Einrichtung für Touristen gemacht. Für nur 350 Baht kann man in dem geräumigen Teakhaus wohnen und bekommt sogar noch 2 Mahlzeiten serviert. In einer offenen, schuppenähnlichen Werkhalle längsseits des Khlongs sind alte Landwirtschaftsgeräte und Utensilien für die Zuckerproduktion ausgestellt.

Weiter geht es mit dem Boot durch die engen Palmen gesäumten Wasserrinnen zu einem Palmzuckerbetrieb. In einem Längsofen brodelt über fünf Feuerstellen Palmsirup in großen Kochtiegeln, die mit einem Bastgeflecht ummantelt sind. Von Zeit zu Zeit muß der blubernde Sirup umgeschöpft werden. Aus 9 Litern Zuckermasse gewinnt man einen Liter Palmzucker. Der Palmzucker wird mit 20% Rohrzucker versetzt, damit er eine feste Konsistenz erhält. „Ab Fabrik“ kostet so ein runder Einkilobatzen nur 30 Baht.

Die Palmzuckerfirma ist ein Familienbetrieb, der in einem 8 Rai großen Palmengarten steht. Die Söhne des Inhabers konnten an der Palmzuckerproduktion kein rechtes Interesse entwickeln und haben auf dem Gelände 12 schmucke Bungalows gebaut, wo sie Homestay-Aufenthalte anbieten. Eine Nacht in den Aircon-Zimmern kostet 600 Baht für zwei Personen. Für nur 200 Baht organisiert die Familie auch abendliche Glühwürmchenausflüge mit dem Boot.


Hiernach schaukelt das Bootchen wieder zurück zum Markt von Tha Kha, wo inzwischen mehr Besucher eingetroffen sind.

Ich habe drei schöne Dia-Shows zusammengestellt. Sie können sie unter folgenden Links anschauen:

Markt

Bootsfahrt

Palmzuckerbetrieb

Anfahrt

Man verlässt den Petchkasem Highway bei Samut Songkhram und biegt in den National Highway Nr. 325 nach Amphawa ab. Man durchfährt Amphawa und folgt der Straße 325. Nach einigen Kilometern biegt man rechts in die kurvenreiche Landstraße Nr. 3011 Richtung Bang Krabue ab. Nun ist der Floating Market Tha Kha mehrfach ausgeschildert. Man erreicht ihn nach etwa 6 Kilometern.

 Hier die Google Earth Koordinaten: 13°28'16.64"N, 99°59'42.44"E

 

Bericht und Bilder: ©Paul Martini, Feb./Jul. 2011

Letzter Besuch im März 2017: Die Paddelbootsfahrt kostet inzwischen 200 Baht für bis zu 5 Personen. Das Sklavenhalterhaus und auch das alte Teakhaus werden nicht mehr angefahren. Ausführlich kann man in einem traditionellen Palmzuckerbetrieb von der Ernte des Palmssirups bis zur Herstellung des Palmzuckers dabei sein.

Hier geht es zu Teil 1: Tha Kha - der flüsternde Wassermarkt