Lunch in den Muschelgärten

Ban Laem ist ein Küstenort in der Provinz Petchburi und liegt etwa 120 km südlich von Bangkok. Schon die Anfahrt über die hervorragend ausgebaute Küstenstraße 4028 ist ein wunderbares Erlebnis, denn die Straßendecke ist neu und makellos und die weich gerundeten Kurven sind der reinste Fahrspaß.




Die klaren Fahrbahnkennzeichnungen, die akkurat in den Asphalt eingelassenen Markierungsreflektoren und die sauberen, rot eingefärbten Zweiradseitenstreifen(!) sind ein sehr seltenes Paradebeispiel für gelungene thailändische Straßenbaukunst. Elegant windet sich das Sträßchen durch weite, flache Verdunstungsfelder, in denen Salz gewonnen wird, vorbei an alten windschiefen Holzschobern, die bis unter die Decke mit Meersalz gefüllt sind.

 


Ban Laem liegt an einem der drei Seitenarme des Petchaburi-Flusses mit einem über 150 Jahre alten Flusshafen.

Von hier wurden Jahrzehnte lang Meersalz, Palmzucker und Fischprodukte nach Südostasien und China verschifft. Dies brachte ausländische Arbeitskräfte und eingewanderte Händler in den Ort. Chinesen, Inder, Burmesen und Mon siedelten sich an, was bis in die heutige Zeit im Straßenbild zu sehen ist. So ist Ban Laem zu einem wohlhabenden Flecken geworden. Prunkvolle Hausbauten und prächtige Tempelanlagen sind beeindruckende Wahrzeichen im Ortsbild.


Die Bunker

Rund um Ban Laem stehen Dutzende kastellartige Gebäudetürme, die mehrere Stockwerke hoch sind, aber weder Fenster noch Türen noch Dächer besitzen. In den Mauern befinden sich schießschartenähnliche Löcher oder Rohröffnungen, und bei näherem Hinsehen gewahrt man Vogelschwärme über ihnen kreisen.  Es sind Schwalbenhäuser, in denen Schwalbennester gewonnen werden.

Nachdem man die Schwalben vor Jahren in einem buddhistischen Tempel entdeckt hatte, ist seit 2002 die Schwalbenzucht zu einem rasant wachsenden Geschäftsmodell geworden. Reiche Investoren aus Bangkok und anderen Provinzen kommen nach Ban Laem, um neue Appartementblocks für die Schwalben zu bauen, wobei jeder versucht, die flinken Flieger mit eigenen speziellen Tricks anzulocken. Manche spielen sogar Musik-CDs ab oder beschmieren die Wände mit Schwalbendung, um ein vertrautes höhlenartiges Geruchsmilieu herzustellen.

Das Geschäft ist eine Langzeitinvestition, denn der Gebäudebau ist teuer. 150 fleißige Schwalben sind vonnöten, um ein einziges Kilogramm Schwalbennestmasse zu produzieren. Doch für die aus der Spucke der Schwalben bestehenden Nester werden je nach Reinheit traumhafte Preise von weit über 1.000 US$ pro Kilogramm erzielt. Wer weniger ausgeben möchte, kann bei Straßenhändlern vor Ort gestreckte Schwalbennestmischungen für 150 Baht den Beutel erhalten.

Das Lokal im Meer

Außerhalb von Ban Laem führt ein schmales Fahrsträßchen durch ein Straßendorf zur Küste. An dessen Ende gelangt man zu einem Parkplatz, der zeitweise von wilden Affenhorden heimgesucht wird. Ein beplankter Holzsteg führt aufs Meer hinaus. Anfangs ohne Geländer, dafür mit beständiger Affenbegleitung. Die Affen sind hungrig und klauen wie die Raben. Doch haben sie Respekt vor einem Stock.

Man passiert ein paar übers Wasser gebaute Wohnhäuser der Thais und eine Reihe adretter, Blumen geschmückter Holzbungalows, die im schwappenden Meerwasser stehen. Am Ende des Stegs betritt man ein komplett aus Holz gebautes Freiluftrestaurant mit rustikalen Tischen und Bänken, das weit aufs Meer hinaus gebaut ist.
Hier kann man in den seidenweichen Meeresbrisen sitzen und den Blick über die Muschelfarmen im Meer und die ein und aus fahrenden Fischtrawler schweifen lassen.


Das Restaurant heißt Thaptimthong Laem Leo und ist nur unter Thais bekannt.





Bis auf einen in der Nähe wohnenden Deutschen, der gelegentlich mit seinen Besuchern hier her kommt, wird man kaum Ausländer antreffen. Bei Niedrigwasser wird der schlammige Meeresboden freigelegt und man erkennt, dass die luftige Restaurantkonstruktion inmitten eines Muschelgartens steht.

Wer das Glück hat, die sehr nette Mitbesitzerin beim Schmaus zu treffen, sollte sich vielleicht zu einer kleinen Bootsfahrt durch die Muschelfarmen im Meer überreden lassen. Ausflüge zu Glühwürmchengebieten in den Mangroven werden erforderlichenfalls ebenfalls organisiert. Die Eignersfamilie, die im Fischbusiness tätig ist, besitzt weit draußen im Meer ein Homestay, das sie bislang touristisch nicht verwertet hat. In jüngster Zeit steht es aber auch Tagesausflüglern zur Verfügung, die dort für die Nacht logieren können. Die Preise richten sich nach der Anzahl der Gäste. Der Bootstransfer ist inklusive. Das Homestay besteht aus zwei über dem Wasser gebauten Stelzenhäusern mit je einem großen bequemen Wohnraum für mehrere Personen.



Der Wat Khao Takrao

Auf der Nachhausefahrt kann noch die antike und überaus prächtige Tempelanlage des Wat Khao Takrao besichtigt werden.

Sie liegt im Unterdistrikt von Bang Khrok und ist von Ban Laem über die Straßen 3176 und 1004 zu erreichen. Der weitläufige Tempelpark, in dem häufig Tempelfeste stattfinden, stammt aus der Ayutthaya Periode und beherbergt eine Vielzahl schöner alter Andachtsgebäude, eine Tempelschule und eine umfangreiche Devotionaliensammlung.


Zu bestaunen ist der Luang Por Khao Takrao, eine große sitzende Buddhafigur.
Inmitten der Anlage erhebt sich ein kleiner Hügel, der von respektlosen Affenmeuten bevölkert ist. Eine Zahnradbahn führt zu einer mit hohen Bäumen bewachsenen Plattform hinauf, von wo man schöne Rundblicke über das weite flache Reisland hat.


Durch die Uferlage des Wats am Petchaburi-Fluß konnten in früheren Zeiten Bootsausflüge nach Petchaburi und ins nahe Küstenmeer unternommen werden. Doch wegen der guten Straßenverbindungen ist dieser Service inzwischen eingestellt geworden.

Bericht und Bilder: ©Paul Martini Sept. 2010

Das Restaurant wurde zuletzt im Dezember 2013 besucht. In den Abendstunden ist ein Mückenschutz unerlässlich.

                             ------------------------------------------