Mit dem Tretboot über den Klong (2)


Ein Erlebnis der besonderen Art ist ein Ausflug mit einem kippeligen Tretboot über den engen Klong. Gegen eine Spende an den Tempel kann man eines der drei Tretboote ausleihen und so lange benutzen wie man möchte. In langsamer Schleichfahrt und völlig geräuschlos gleitet man entlang eines über dem Wasser konstruierten Betonsteges klongaufwärts.

In dem ruhigen grün-braunen Klongwasser spiegelt sich eine unfassbar schöne tropische Szenerie. Malerische, alte Klonghäuser, duftende Blumengärten, grasgrüne Bananenhaine, stille Obstplantagen und hoch aufragende Kokospalmen.
Abgerissene
Wasserhyazinthenbüschel schwimmen vorbei. Gelegentlich kreuzt ein lautloses Paddelboot mit einer unter einem ausladenden Reisstrohhut gebeugten Greisin. Linkerhand taucht ein Wat auf, an dessen Anlegestelle Thais vor einer Schale Suppe auf Bastmatten kauern.
Die pittoreske, beschauliche Klongwelt mit ihren gedämpften Tönen hüllt den Besucher ein, und er kommt sich vor als säße er inmitten einer wundervollen Filmkulisse, in der die Bilder mit ihrer ganz eigenen Geschmeidigkeit vorbei gelaufen kommen. Kann es sein, daß er noch vor einer halben Stunde auf den Schnellstraßen Bangkoks durch ein Hochhäusermeer gefahren ist?





Je weiter er das kleine Klongbächlein hinaufschippert, umso mehr vermeint er, hinter jeder Biegung in eine neue Raumdimension vorzudringen, die immer surrealer und fabelgleicher wird. Und wundersam wird es tatsächlich, denn plötzlich taucht ein bejahrtes, silberhaariges Hutzelmännlein aus einer Bananenplantage auf. Keck und locker steht er plötzlich da wie ein verwunschener Klongrübezahl, als sei er geradewegs vor seinem Obsthain aus der Erde gewachsen. Vergnügt blinzelt er in die Morgensonne und ist kein bisschen verwundert über den ulkigen Farang in seinem lächerlichen, quietschorangenen Tretboot.

Gestützt auf eine Eisenstange ruft er über den Klong. Auf dem Kopf einen speckigen Basthut, um den Hals ein wildes Amulettenknäuel, die schlammverschmierten Füße ohne Schuhe. Das weit geöffnete Schlotterhemd vor dem faltigen Nabel zusammengerafft, und die viel zu großen Flattershorts hochgebunden, aus denen seine dünnen Beinchen wie kurze, kantige Holzstäbchen herausragen. Sein offenes Lachen ist eine einzige herzliche Einladung, und es kümmert ihn nicht die Bohne, unter seinem vergilbten Schnauzbart schaurige Zahnbrachen herzuzeigen.

Der altersgraue Fabelgnom aus dem Obstwald ist die perfekte Besetzung in diesem unwirklichen, skurrilen Klongplot und vermittelt mehr als die schon restliche traumhafte Kulisse den Eindruck, sich in einer gänzlich anderen Welt zu befinden.


Klongabwärts wird die Szenerie immer märchenhafter.
Verwilderte Gärten, verblichene Holzbauten, verwucherte Wasserwege, verträumte Seitenkanäle. Stelzenhäuser mit schattigen Dachvorständen und farbenfrohe Galerien blühender Topf- und Hängeblumen. Ein alter Mann wäscht seine Teller in dem Klong. Eine Hausfrau reinigt ein Glasaquarium mit Klongwasser.
In einem offenen Klonghaus sitzen ein paar Thais beim Kartenspiel.


Ein Klonganrainer gondelt auf einer schäbigen Schwimminsel aus Styropor um die Häuser. Eine Bratnudelverkäuferin paddelt an die Hausanlegestege. Kinder plantschen in der Klongbrühe. Waschechtes Klongleben - unmittelbar, natürlich und familiär.
 

Kaum merklich dehnt sich der Klong und vereinigt sich schließlich mit dem großen, breiten Klong Bangkok Noi. Hier ist es schlagartig mit der Beschaulichkeit vorbei, denn der Klong Bangkok Noi ist ein betriebsamer Wasserhighway. Transport- und Verkaufsboote breschen auf ihm hinauf und hinunter und hinterlassen ein brodelndes Durcheinander schwappender Wassermassen. Etwas unbeholfen und verschreckt tänzelt das kümmerliche Tretboot auf den heranbrandenden Wellenkämmen, denn die vorbei donnernden Langschwanzboote mit ihren PS-starken Dieselmotoren scheren sich wenig um die sonderbare und schlecht zu navigierende Klonggondel. Es ist Zeit umzukehren.

Der Klongwassermarkt von Wat Thakien findet täglich in der Zeit von 7 Uhr bis 16 Uhr statt. Zur Anreise benutzt man am besten ein eigenes Fahrzeug oder Mietboote ab Tha Chang.

Zur Anreise hier die Google Earth Markierung: 13°49'38.63"N, 100°25'22.03"E

Anreise per Auto:

Fahren Sie über den Highway Nr 9 (Kanchanaphisek) nach Norden.

Biegen Sie nach rechts in die Nakron In Road ab.

Halten Sie sich links und fahren Sie die nächste Möglichkeit links ab.

Sie sehen diese Schilder:


Folgen Sie dem Schild Wat Ta Kien und nehmen Sie die zweite Abbiegung nach links.
Sie überqueren eine steile kleine Khlongbrücke, dahinter befindet sich direkt der Wat Ta Kien.
Parken Sie auf dem Watgelände
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Bericht und Bilder: ©Paul Martini, März 2010

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