Der Kunstflohmarkt von Hua Takhe

Hua Thake heißt Kopf des Krokodils, doch Hua Takhe ist auch ein winziges Stadtviertel in Bangkok und liegt in dem östlichen Verwaltungsbezirk Lat Krabang. Es ist vom Zentrum Bangkoks etwa 25 km entfernt. Hier findet täglich ein äußert lebendiger Frischemarkt statt, der schon um 2 Uhr in der Nacht beginnt. Der Markt vor den Toren einer alten chinesischen Tempelkapelle liegt direkt am Kreuzungspunkt zweier Kanäle: dem Khlong Prawet Burirom und dem Khlong Hua Takhe.

Der Khlong Prawet Burirom ist eine alte, 50 km lange Wasserstraße. Er wurde im Jahr 1877 nach einer Bauzeit von 3 Jahren fertig gestellt und verbindet den Chao Phraya Fluss mit dem Bang Pakong Fluss im östlichen Thailand. In alter Zeit war er eine wichtige Handelsstraße. Frachtkähne verbanden den Hafen von Khlong Toey mit der fernen Provinz Chachoengsao, und Krämerboote belieferten die anliegenden Kanalgemeinden. Doch diese Zeiten sind lange vorbei.

Vor mehr als 100 Jahren gab es hier sogar einen alten Wassermarkt, der am Ufer des Khlong Prawet Burirom stattfand. Doch da der Wassertransport im Verlaufe der Zeit immer weiter zurück ging, starb auch der alte Khlongmarkt aus und das Marktgeschehen verlagerte sich auf das heutige Marktgelände, das von der Straße leichter anzufahren ist. Doch die Anwohner blieben in ihren jahrhundertealten Holzhäusern wohnen und betrieben weiterhin ihre kleinen Handwerksgeschäfte.

Ist der Stadtteilmarkt von Hua Takhe mit seinen engen Durchgängen und seinem orientalischen Treiben alleine schon einen Besuch wert, so ist es der auf der anderen Khlongseite entstandene Künstlermarkt erst recht. Zwar wirken die altersgeplagten Kanalhäuser mit ihren löchrigen Blechdächern, die düsteren Gänge und die voll gestopften, an Rumpelkammern erinnernden Krämerläden alles andere als einladend, doch wird dies von dem Engagement der Initiatoren und dem unbekümmerten Charme der jungen Künstler weitgehend wett gemacht. 

Eine steile Khlongbrücke führt hinüber in das Wohnviertel der kleinen Khlonggemeinde Chumchon Luang Pod, wo alte abgeschabte Bohlengänge an den offenen Haustüren der alt eingesessenen Verkaufsläden vorbeiführen. Nur 57 Häuser zählt die kleine Kanalgemeinde, und nicht mehr alle davon sind heute noch bewohnt. Hier hat im Juni 2012 eine ideenreiche Ortsteilinitiative den Talat Nat Silapa, den Künstlermarkt, ins Leben gerufen, in Zusammenarbeit mir dem Bangkok College of Fine Arts und dem King Mongkut Institute of Technology.

Zwischen dampfenden Nudelsuppen und einfachen Reisgerichten werden nun Bilder und Lithografien ausgestellt. Töpfer bieten ihre handgeformten Erzeugnisse an, und ein Drachenbauer gibt Anleitungen zum Bau von kunstvoll gestalteten Thaidrachen. Am Khlongufer kauern Gruppen von Kunststudenten, die die Köpfe tief in ihre Zeichenarbeiten gesenkt haben, während eine Tanztruppe aus einer nahen Schule klassische Khontänze aufführt. Es gibt Mal- und Handarbeitsworkshops und Bilderwerkstätten.

Insgesamt wirkt die Atmosphäre entspannt, und nur die gelegentlich im Landeanflug über die Köpfe brausenden Flugzeuge reißen den Besucher aus seinen versonnenen Wachträumen. Auch die Bewohner des Viertels sitzen ein wenig ungläubig vor ihren aufgeklappten Eingangstüren und sehen dem Treiben mit einer Mischung von Erstaunen und Lethargie zu. Sollte das alte Quartier, das in seiner Geschichte zwei vernichtende Feuersbrünste über sich ergehen lassen musste, tatsächlich noch einmal zu neuer Blüte aufsteigen?

Der Talat Nat Silapa findet jeden ersten Samstag und Sonntag des Monats statt. Wer Bangkok von einer beschaulichen, ja fast ländlichen Seite kennen lernen möchte, sollte ihn besuchen.


Lage

Der Markt befindet sich am Ende der Soi 17 der Tanon Lat Krabang auf dem gegenüberliegenden Ufer des Khlong Prawet Burirom. Wer mit dem eigenen Auto kommt, kann auf dem Gelände des chinesischen Tempels oder auf dem Parkplatz des Hua Takhe Marktes in der Soi 17 seinen Wagen abstellen.

Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreist, nimmt am besten den Airport Link bis Lat Krabang Station und von dort ein Taxi (60 Baht).

©Paul Martini, Okt. 2013