Die Farmen am Khlong


Die Lotusfarm

Geschmeidig biegt Thorn in einen versteckten Nebenkhlong ein, der so schmal ist, dass man ihn fast für ein vergessenes Rinnsal halten könnte. Hinter den wilden Uferböschungen gleiten gepflegte Mangoplantagen vorbei. Die Welt scheint sich hier noch langsamer, noch behäbiger zu drehen als anderswo. Sanft manövriert Thorn das Boot an eine Anlegestelle und hilft mir beim Aussteigen.

Wir sind bei der Farm zweier alter Schwestern angelangt, die seit mehr als 25 Jahren Lotusblumen züchten. In je zwei 20 Rai großen Lotusteichen bauen sie weiße und rote Lotusblumen an.
Jeden zweiten Tag steigen sie früh am Morgen in das hüfthohe Teichwasser, um die Blumen zu pflücken. An jedem Erntetag sammeln sie über 3.000 Blumen ein. Die weißen Lotusblumen duften angenehm nach Eukalyptus und finden bei religiösen Zeremonien Verwendung.

Die Teiche sind nahezu komplett von den blattreichen Lotuspflanzen bedeckt. Unter der Flickendecke von tausenden der schildförmigen Blätter ist das Wasser kaum zu sehen. Ein Holzsteg führt zu einer offenen Sala in den Teich hinaus.

Unter den Bodendielen der Sala zieht Thorn ein kleines Metallboot hervor und bittet mich einzusteigen.
Dann paddelt sie mit mir hinaus in diesen phantastischen grasgrünen Wasserblumenteppich, aus dem uns ein Heer dürrhalsiger Lotusköpfchen huldvoll zunickt. Im Wasser begleiten uns neugierige Buntbarsche und Karpfen.
Wir pflücken Blumen, und Thorn zeigt mir die Kunst des Lotusblütenfaltens. Der Kahn steht jedem Besucher zur freien Verfügung. 

Sehen sie hier eine Diashow: Die Lotusblüte

Die Reiswaffelproduktion

Der nächste Stopp auf unserer Agro-Khlong-Tour ist bei einem Reiscrackerbetrieb, der von einer khlongansässigen Familie betrieben wird. Die Reiswaffelfabrikation geht auf eine Initiative der Mahasawat Landfrauengruppe zurück. Die gesamte Herstellung der Reissnacks kann besichtigt werden. Eine Besonderheit stellt der solarbetriebene Trocknungspavillon dar.

Dies ist eine mit transparenter Plastikfolie bespannte Reifeglocke, worin im Innern durch Sonneneinstrahlung die zweifachen Außentemperaturen erreicht werden.

Die herrlich duftenden Reiscracker heißen Khanom Khao Tang. Sie werden aus hochwertigem Jasminreis hergestellt und sind mit weißen und schwarzen Sesamkörnern bestreut. Zur Auswahl stehen ferner verschiedene Beilagen bereit, mit denen die Cracker verfeinert werden können: geriebene trockene Schweinefleischbrösel, Getreideflocken oder eine wohlschmeckende Bananencreme. Dazu wird eine Auswahl von Trockenfrüchten, insbesondere getrocknete Bananen, gereicht. Jeder Besucher kann von den köstlichen Reiscrackern soviel probieren wie er mag.

Die Obstfarm

Der nächste Besuch gilt einer biologischen Obstfarm. Hier werden auf einem 80 Rai (12,8 ha) großen Gelände verschiedene Pomelosorten angebaut. Pomelos sind Thaipampelmusen, die für ihre außerordentliche Süße bekannt sind. In den Monaten September und Oktober findet die Haupternte statt. Daneben werden auch Starfrüchte, Mangos, Kokosnüsse und Santols angebaut. Die Farmerfamilie bekennt sich zu einer biologischen Anbauweise und setzt schon seit 8 Jahren keine Chemikalien mehr ein.

Dem Besucher werden aufgeschnittene süße Pomelostückchen angeboten, dazu eingelegte süße oder saure Mangos, Thaisüßigkeiten wie Khanom Phing (eine gebackene Knabberei aus Mehl und Kokosnussmilch) und Khao Tu (eine Klebreisspezialität).

Ein besonderes Erlebnis ist eine Besichtigungstour mit einem einachsigen Traktor durch den ausgedehnten Obstwald.

Die Orchideenfarm

Der letzte Stopp der Klongtour ist bei einer Orchideenfarm.

Ein Familienbetrieb unterhält auf einem 12 Rai großen Gartenland (etwa 2 ha) eine Orchideenzucht von einmaliger Schönheit.
Unter langen, schattenspendenden Gazenetzen wächst hier Thailands schönste Orchideenart, die legendäre Tassanee-Orchidee aus der Dendrobium-Familie.
Diese Orchidee mit ihren dunkelvioletten Blütenblättern ist von märchenhafter Eleganz und hat es weltweit zu einzigartiger Bewunderung gebracht. Sie wird fast ausschließlich in der Mahasawat Gegend angebaut.

Die professionelle Orchideenzucht ist in Thailand ein beachtlicher Wirtschaftszweig. Mit dem Geschäft von Zuchtorchideen werden jährlich Exporterlöse von 2 Milliarden Thaibaht erzielt. 

Ein Ausflug zu den Agrarfarmen in Mahasawat ist eine Stipvisite in eine ungemein reizvolle tropische Agrarlandschaft. Der Besuch vermittelt den Eindruck, unmittelbar dabei zu sein, und die überaus paradiesische Wasserfahrt über den naturhaften Khlong versetzt den Besucher in eine unwirklich erscheinende Bilderwelt, die er im Umfeld des Großstadtmolochs nicht erwartet hätte. 

Die Bootsfahrt kostet 350 Baht pro Person, und 70 Baht kostet der Besuch bei den einzelnen Agrarfarmen. Damit leistet man einen Beitrag zur Erhaltung der lokalen ökologischen Strukturen und unterstützt die Familienbetriebe. Boote können täglich in der Zeit von 8 bis 17 Uhr gemietet werden.


Anfahrt mit dem eigenen Wagen:

Verlassen Sie Bangkok über den Borommaratschachonnani Highway Nr. 338. Biegen Sie nach rechts in den Putthamonthon Sai 4, National Highway Nr. 3310, ab. Linkerhand passieren Sie die Mahidol Universität. Biegen Sie dahinter links in die Thammasop Landstraße Nr. 4006 ein. Die Straße führt verläuft schnurgerade durch Reisfelder. Biegen Sie nach einigen Kilometern in die Straße 3096 nach rechts ab, und anschließend nochmals rechts. Die Bootstouren sind hier bereits ausgeschildert. Rechterhand liegt die kleine Bahnstation Wat Suwan. Am Ende der Straße erreichen Sie den Wat Suwannaram.

Hier die Google Earth Koordinaten: 13°48'22.57"N, 100°17'5.01"E

Anfahrt mit der Eisenbahn:

Täglich verlässt der Zug Nr. 257 um 7.45 Uhr den Bahnhof in Bangkok-Thonburi. (Auf der anderen Flussseite.) Etwa eine halbe Stunde später erreichen Sie die kleine Bahnstation Wat Suwan. Der Wat liegt direkt hinter dem Bahnhof und ist fußläufig erreichbar. Zur Rückfahrt nehmen sie den Zug Nr. 258 gegen 17 Uhr.

Bericht und Bilder: ©Paul Martini, Feb./Mai 2011

Letzter Besuch im Januar 2014. Die Farmen sind wie beschrieben besuchbar; die Preise sind noch immer gültig.

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