Der Agro-Khlong Mahasawat

Eine ökotouristische Khlongfahrt

Etwa 50 km vor den Toren Bangkoks murmelt  ein 150 Jahre alter Kanal durch eine traumhafte Gegend voller Blumenfarmen, Obstplantagen und Reisfelder, in der die Zeit einem anderen Takt zu folgen scheint, und wo die Luft noch von einer Reinheit ist, die man in dem nahen Bangkok nicht mehr vorfindet.

Der Kanal heißt Khlong Mahasawat und verbindet den Bangkok Noi Kanal mit dem Tha Chin Fluß. Er liegt bereits in der Provinz Nakhon Pathom und ist nur wenige Kilometer von dem Campus der Mahidol Universität in Salaya entfernt.

Der 27 km lange Kanal ist ein geschichtsträchtiger Wasserweg. Der Bau des Kanals wurde 1855 von König Mongkut (Rama IV) in Auftrag gegeben und 1860 in Betrieb genommen. Der Kanal diente dem König selber als bevorzugte Reiseroute nach Nakhon Pathom, wo er den 2000 Jahre alten Phra Pathom Chedi - die weltweit höchste Stupa – restaurieren ließ. Darüber hinaus diente er als Transportweg für die Anrainer.

Nakhon Pathom ist eine sehr fruchtbare Provinz und von vielen Kanälen und Bewässerungsgräben durchzogen. Die Gegend um Mahasawat ist ein rein landwirtschaftlich genutztes Gebiet, und Industrieansiedlungen sind hier verboten. Es gibt viele Obst- und Gartenbaubetriebe, sowie Orchideen- und Lotusfarmen, die sich traditionellen Anbauweisen verschrieben haben. Die Gegend ist als „Fruchtgürtel“ vor den Toren Bangkoks bekannt.

Rund um die Ortschaft Mahasawat besitzt das Crown Property Bureau (die Vermögensgesellschaft der Königsfamilie) 1.000 Rai (160 ha) landwirtschaftliches Nutzland. Unter Auflagen (das Land darf nicht verkauft werden) wurde es in Parzellen zu je 20 Rai (3,2 ha) örtlichen Bauernfamilien mit billigen Mieten zur landwirtschaftlichen Nutzung überlassen.

Die Menschen entlang des Kanals waren schon immer Bauern und Reisfarmer gewesen. Vor 60 Jahren noch lebten sie in Strohdachhäusern und schaukelten in hölzernen Paddelbooten über den Khlong. Langschwanzboote mit brüllenden Dieselmotoren gab es damals nicht. Bis zum heutigen Tag haben sich die traditionellen Lebensweisen der dörflichen Bevölkerung nicht wesentlich verändert, und die Kanalgemeinde von Mahasawat gestaltet ihr Dorfleben in Übereinstimmung mit der Suffizienz-Idee des Königs, die den Prinzipien von Einfachheit und Genügsamkeit folgt. Sie hat sich zu einer naturgemäßen Landwirtschaft mit natürlichen und biologischen Bewirtschaftungsmethoden bekannt. Regelmäßig treffen sich die Gemeindemitglieder, um sich gegenseitig auszutauschen und anstehende Probleme zu diskutieren. Eine Vereinigung von Farmern wirbt in Kampagnen für die Erhaltung der natürlichen Umwelt und den Verzicht von Chemikalien und Pestiziden und fördert ökotouristische Initiativen.

Heute ist eine Fahrt über den Khlong Mahasawat ein Ausflug in eine ländliche Idylle von unbeschreiblicher Schönheit. Hier kann man quasi in unmittelbarer Nähe zu Bangkok noch eine intakte tropische Agrarlandschaft erleben und an dem traditionellen Lebensstil der Anrainer teilnehmen.

Mehr als 1.000 Touristen kommen inzwischen monatlich in die Gegend. Sie machen Bootsfahrten über den Khlong und besuchen landwirtschaftliche Betriebe. Die agrotouristische Bootstour ist eine Gemeinschaftsinitiative der lokalen Gemeinde und der Landwirtschafts- und Tourismusbehörde Thailands. 2007 hat die Gemeinde Mahasawat von der TAT (Tourism Authority of Thailand) im Rahmen des Thailand Tourism Awards die Auszeichnung "Outstanding Community for Tourism" („Hervorragende Fremdenverkehrsgemeinde“) erhalten.


An der Anlegestelle des Wat Suwannaram warten die Boote. Es sind einfache Holzboote, die bis zu 6 Personen aufnehmen können. Die Bootsfahrt ist an keinen Zeitrahmen geknüpft. Jeder kann bleiben solange er möchte, und die Bootsführer begleiten die Besucher zu den einzelnen Agrarfarmen.

Thorn, meine Bootsführerin, wurde am Khlong geboren und ist hier aufgewachsen. Schon als Kind paddelte sie mit den alten Familienschaluppen über den Khlong. Heute ist sie Bootsführerin für die Touristen. Mit sanften Paddelschlägen rudert sie heran, um mich in ihr schwankendes Gefährt einsteigen zu lassen.

Sie begrüßt mich mit einem solch breiten, herzlichen Lachen, dass ich zweimal hingucken muß. „Hab keine Angst und setz dich“, ruft sie mir zu. Sie trägt Jeans, Unterarmschützer und einen speckigen Lederhut und sitzt schuhlos auf einem niedrigen Holzbänkchen vor dem aufgebockten Bootsmotor. „Warum kommst du allein? Hast du keine Frau?“ Thorn scheint nicht gerne drum herum zu reden.

Der Khlong ist ein schnurgerader Wasserweg, in dem sich das Wasser wohl zu fühlen scheint. Unbewegt und strömungslos reicht es die Uferböschungen hinauf. Wasserhyazinthenteppiche ziehen vorüber, und alte Uferbäume, deren ausladende Astkuppeln sich wie riesige Schirme über den Khlong spannen, ragen wie antike Wahrzeichen aus dem Wasser.
In die kaum bewegte Wasseroberfläche werfen malerische Khlonghäuser und krumme Kokospalmen phantastische Spiegelbilder, die das bedachtsam dahin tuckernde Boot in glitzernde Mosaiken zerteilt.

Sehen Sie hier eine Diashow: Der Khlong Mahasawat

►►► Lesen Sie hier weiter über die vier Farmen am Khlong von Mahasawat

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