Das Oldtimer Museum


60 km vor den Toren Bangkoks findet man in einer weit geschwungenen Schleife des Tha Chin Flusses, der hier Menam Chaisi heißt, ein Museum der besonderen Art. Hier hat der reiche Geschäftsmann Jesada Dejsakulrith eine private Sammlung von antiken Fahrzeugen aus aller Welt zusammengetragen und in einem großen offenen Hangar ausgestellt. An die 500 Autos, Motorräder, Flugzeuge und sogar Schiffe hat er hier gesammelt. Die Ausstellung trägt seinen Namen: Jesada Technik Museum.

Jesada Dejsakulrith ist schwerreicher Eigentümer der Chase Enterprise Group, die seit 40 Jahren Einsatzfahrzeuge für die Feuerwehr und das Rettungswesen, Kranwagen, Müllsammelfahrzeuge und Ausrüstungsutensilien zur Brandbekämpfung in Thailand produziert.

Seit vielen Jahren schon sammelt er alte Fahrzeuge aus aller Welt und 2004 öffnete er die Pforten seines Jesada Fahrzeugmuseums für die Besucher. Auf seinen geschäftlichen Reisen durch Europa hatte er Gelegenheit zum Besuch der dortigen Fahrzeugmuseen, und auf Auktionen erwarb er die Fahrzeuge, die er nach Thailand überführte. Da sie für sein privates Museum bestimmt waren, war die Einfuhr abgabenfrei.

Inmitten von grasgrünen Reisäckern und fruchtbaren jungen Bananenhainen mutet die Ansammlung von all den vielen alten Fahrzeugen etwas surreal an, und eigentlich würde niemand in diesem agrarisch geprägten Landstrich ein Automuseum vermuten. Schon an der Straße überraschen den Besucher zwei ausgediente Propellerflugzeuge und ein knallroter Doppeldeckerbus.

Die alte mattschwarze Cessna L-19 Bird Dog ist ein militärisches Spähflugzeug, das von den Amerikanern im Vietnamkrieg eingesetzt wurde.
Den Londoner Stadtbus kaufte Jesada für 1 Million Baht über Ebay, und einen weiteren erwarb er für 700.000 Baht von einem Schrottplatz.

Im Eingangsbereich steht ein quietschgelber amerikanischer Schulbus, und an einer Häuserwand lehnen museale Hochräder aus dem vorigen Jahrhundert sowie schnittige Holzradkonstruktionen, denen man heute noch ansieht, dass die damalige Fortbewegung auf zwei Rädern ein artistisches Unterfangen gewesen sein muß.

In dem riesigen Hangar begegnet man dann einer fast unüberschaubaren Anzahl von Fahrzeugen, die in mehreren Reihen ordentlich zusammengestellt sind. Da sieht man Busse mit eigenwilligen Aufbauten, ausgediente Hubschrauber und Oldtimer aus vielen Ländern. Es gibt Rikschas aus Indien und Singapur, Vespas aus Italien und Lambrettas aus Deutschland. Aus dem Zweiten Weltkrieg stehen Transportfahrzeuge herum wie z. B. der legendäre Kübelwagen von Volkswagen, der Willys Jeep der US-Armee oder der DKW-Geländewagen der Auto Union. Alle Fahrzeuge sind in einem einwandfreien optischen Zustand und fahrbereit!

Je weiter man in die Halle vordringt, desto erstaunlicher erscheint die Kollektion der Raritäten. Zwischen den langen Reihen klassischer Oldsmobile steht eine bronzefarbene amerikanische Stretchlimosine der Checkers Motor Corporation mit Weißwandreifen und 8 Einstiegstüren!

In farbenfrohen Kolonnen stehen knubbelige BMW-Isettas, mehrere Goggomobile, und ein paar drollige Fiat 500.

Dazwischen ein Citroen DS 19 mit hydropneumatischer Federung (bekannt als Gangsterlimosine), ein himmelblauer Borgward mit Rechtslenkung und der über 50 Jahre alte Kabinenroller Messerschmitt KR-200 mit seinen 9 PS und der zur Seite aufklappbaren Plexiglashaube. Im Volksmund bekannt als Schneewittchensarg.

Wer Glück hat, darf mit einer grasgrünen dreirädrigen Kabinenisetta der niedersächsischen Streifenpolizei aus dem Jahr 1956 auf dem Hof eine kleine Runde drehen. Doch nur einem deutschen Besucher wird auffallen, dass die grüne Knutschkugel keine Zulassung aus Mannheim haben kann. Aber solcherlei Feinheiten seien dem emsigen Sammler verziehen.

Viele alte Fahrzeuge sind so rar, dass man sie in der ganzen Welt kaum mehr finden kann, wie beispielsweise ein Mercedes Benz 170 H mit Heckmotor, oder ein NSU RO80 mit original Wankelmotor, oder das Zündapp Motorrad Mokick 517, oder der 10 PS starke Austin 7 Chummy, aus dem Jahr 1929, mit Speichenrädern, Anlasskurbel und prächtig geschwungenen Vorderkotflügeln, vom Volksmund liebevoll „Schnauferl“ genannt wegen seiner lokomotivähnlichen Ventilgeräusche.

Eine Rarität ist auch der aufsehenerregende Sportwagen De Lorean DMC-12 der De Lorean Motor Company mit seinem futuristischen Styling und seinen nach oben zu öffnenden Flügeltüren. Er wurde in Nordirland gefertigt und besitzt eine Karosserie aus rostfreiem Edelstahl.

Doch Jesada sammelte nicht nur Kraftfahrzeuge, sondern auch Boote, Panzer und Flugzeuge. Von der kambodschanischen Armee kaufte er einen russischen Helikopter und von der Orient Thai Airlines kaufte er eine altgediente Boeing 747-200 zum Preis von 2 Millionen Baht sowie eine Lockheed L-1011 Tristar für etwas mehr als eine Million Baht. Der Boeing Jumbo ist in einem Technikmuseum in der Nähe des Flughafens von Korat ausgestellt und die Tristar wurde auf dem Flugplatz Utapao zerlegt und per Schiff in sein Museum nach Ayutthaya gebracht.

Doch seinen spektakulärsten Deal machte er mit einem finnischen Geschäftsmann, von dem er für 46 Millionen Baht das 2000 PS starke russische Unterseeboot U-194 erstand, das er in Polen überholen ließ. Warner Brothers bot ihm zwar die doppelte Summe an, doch als leidenschaftlicher Sammelfreak lehnte Jesada selbstverständlich ab. Leider es hat das 75 m lange und 1350 Tonnen schwere Uboot nie nach Thailand geschafft, denn während der Schleppfahrt ging es in der Straße von Malakka bei schlechtem Seewetter unter.

Das Jesada Oldtimer Museum beherbergt die größte und umfangreichste Sammlung alter Fahrzeuge in Thailand. Inzwischen kaufte Jesada ein 100 Rai (16 ha) großes Grundstück bei Ayutthaya, und hat Pläne, das gesamte Museum dorthin zu verlegen. Doch vorerst kann es noch immer in Nakhon Chaisi besucht werden.

Es ist täglich außer montags von 9 bis 17 Uhr geöffnet. Der ist Eintritt frei, doch werden die Besucher um eine Registrierung gebeten. Es liegt im Distrikt Nakhon Chaisi in der Provinz Nakhon Pathom. Von Bangkok erreicht man es in einer knappen Stunde.

Das Museum ist so gut wie überhaupt nicht ausgeschildert. Hier eine Anfahrtsbeschreibung:

Man verlässt Bangkok über den Highway 338, den Borommaratchachonnani Highway. An der Kreuzung Putthamonthon Sai 4 biegt man nach rechts auf den Highway 3310 ab. Linkerhand passiert man das riesige Gelände der Mahidol Universität. Dahinter biegt man in die Landstraße 4006 nach links ab. Man folgt der Landstraße bis zum Ende und biegt dann bei diesem Schild

nach rechts ab. Das Jesada Museum erreicht man nach knapp 500 Metern.

Hier die Google Earth Koordinaten: 13°48'42.83"N, 100°11'52.11"E

In den folgenden beiden Videos präsentiert der deutsche Partner des Museumsgründers, Arthur Bohnert, einige Fahrzeuge für thailändische Filmaufnahmen.

Teil 1: http://www.youtube.com/watch?v=yHqFN5hwkLg 

Teil 2: http://www.youtube.com/watch?v=JAUV_h5nj-U&feature=related

 Bericht und Bilder: ©Paul Martini, Feb. 2011

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