Das Krankenhausmuseum




Wer der Hitze in Bangkoks Straßen kurzzeitig entfliehen möchte, mag vielleicht an einen Museumsbesuch denken. In Bangkoks erstem staatlichen Krankenhaus, dem Sirijai Hospital, wo sich sogar König Bhumipol behandeln lässt, gibt es ein Krankenhausmuseum der besonderen Art. Das Krankenhaus wurde von König Rama V. im Jahre 1886 gegründet und hat im Jahr 1890 an der medizinischen Fakultät den Lehrunterricht aufgenommen. 

Das Sirijai Hospital (gesprochen: Siriraat) liegt am Flussufer des Menam Chao Phraya und ist mit den Flussbooten über die Anlegestelle Nr. 10, Wang Lang Pier, leicht zu erreichen. Es beherbergt ein einzigartiges medizinisches Museum, das von jedermann von Montag bis Freitag in der Zeit von 9 bis 16 Uhr besucht werden kann. Eintritt 40 Baht. Keine Fotos!

Das Museum befindet sich im Gebäude Nr. 28 und besteht aus vier Abteilungen: der pathologischen Abteilung, der Abteilung für forensische Medizin, der Abteilung für historische Thaimedizin und der Abteilung für Parasitologie.


Im Gebäudeblock 27 ist ein anatomisches Museum und ein Labor mit prähistorischen Ausstellungen untergebracht.


Eingangs künden große Wandbilder anschaulich von der Zerstörungskraft des Tsunamis in Südthailand und in einem Minikino kann man in einem Film nachverfolgen, in welcher Weise Forensiker und Pathologen des Siriraj Hospitals die Hilfsmaßnahmen nach dem Tsunami in Phuket unterstützt haben. Am interessantesten, aber auch ein wenig grauenhaften, ist die Abteilung der forensischen Medizin.

Auf der rechten Seite des Eingangsflurs hängen schaurige Bilder von Unfallopfern. Ein halber Kopf und ein halbes Gesicht nach einem Verkehrsunfall, abgetrennte Füße, Arme und Unterschenkel, Stichwunden auf toten Körpern, in die luftgesprengte Leiber, abgetrennte Hände nach einem Zugunfall, von einer Axt abgehackte Köpfe.

Mumifizierte Verbrecher stehen mitten im Raum in einem Glaskasten. Zum Beispiel die noch gut erhaltene Mumie eines namenlosen Kindervergewaltigers und der in Thailand landesweit bekannte chinesische Kindermörder See-Uey, der seine Opfer nicht nur tötete, sondern sogar ihre Innereien aufaß. Man sieht viele missgebildete Föten in Konservierungslösungen, und viele präparierte Schnitte durch Gehirne, Lungen, Herzen. Herzdurchschüsse, schwarze Raucherlungen, zirrhotische Lebern, infarkte Herzen, Gehirnödeme. 


Etwas weniger grauslig geht’s dann in der parasitologischen Abteilung zu. Doch auch hier sind präparierte Schlangen, Insekten, Mücken, Fliegen, Skorpione, Vielfüßler und Spinnen ausgestellt. In vielen Bildern wird dargestellt wie die von einem Spulwurm verursachte Elefantiasis-Krankheit entsteht, wie Malaria durch Mücken übertragen wird und wie Milben Krätze und Allergien verursachen.

Insgesamt ein lehrreicher Rundgang. Aber man sollte morgens schon gut gefrühstückt haben.


©Paul Martini, Sept. 2008-2010

                                                                         ----------------------------------------------