Die Windmühlen des Königs

Tief im Hinterland von Hua Hin liegt zwischen freundlichen Hügeln und friedvollen Zuckerrohrfeldern ein ökologisches Pilotprojekt, das zum persönlichen Eigentum des Königs gehört. Es heißt Kroong Gaan Chang Hua ManWindmühlen-Projekt Chang Hua Man, und seine Adresse lautet: Baan Nong Korgai, Tamboon Khao Krapuk, Ampoe Thayang, Petchaburi.

Chang Hua Man ist ein 250 Rai (40 ha) großes landwirtschaftliches Versuchsfeld, das im Jahr 2009 gegründet worden ist. Es soll dazu dienen, der Landbevölkerung Wissen über den biologisch-natürlichen Anbau von landwirtschaftlichen Nutzpflanzen zu vermitteln und die Gewinnung umweltfreundlicher Energien, wie z. B. Wind- oder Sonnenenergien zu demonstrieren. Das Forschungsvorhaben versteht sich als Lehrprojekt inmitten eines agrarischen Randgebiets und will beispielgebend und aufklärend wirken.

Die ersten Arbeiten bestanden darin, ein 280.000 Kubikmeter fassendes Wasserreservoir auszugraben, 3 Tiefbrunnen zu bohren und Bewässerungsleitungen über das gesamte Gelände zu verlegen.

Im nächsten Projektschritt wurde die Installation einer kleinen Windkraftanlage in Angriff genommen, die umweltfreundliche Elektrizität erzeugen sollte.

Im dritten Abschnitt ging es um das Anlegen landwirtschaftlicher Kulturen. Es entstanden Feldbeete mit Küchenkräutern und Gemüse wie Tomate, Basilikum, Limette, Koriander.

Auf vorbereitetem Ackerland wurden Feldfrüchte wie Zuckerrohr, Süßkartoffel, Spargel und Reis angebaut, und in Obstfeldern wurden Frucht- und Nutzbäume mit Drachenfrüchten, Papayas, Bananen und Kokosnüssen angepflanzt.

Als königliches Privatprojekt steht die Anlage unter einer ganz besonderen Aufsicht. Das gesamte Gelände ist umzäunt und wird nachts von starken Scheinwerfern ausgeleuchtet. Eine eigens stationierte Rangereinheit, die an den Rändern der Anlage wichtige Kontrollstellen errichtet hat, gewährleistet eine stringente Rundumbewachung. Trotzallem können private Besucher das gesamte Gelände frei besichtigen. Doch bis auf einige Schulklassen, die Lehrfahrten hierher unternehmen, kennen bisher nur wenige Thais das Projekt.

In einem offenen Präsentationspavillon finden lehrreiche Vortragsveranstaltungen statt und informative Wand- und Schautafeln künden von der Arbeit des Projektes. Leider ausschließlich in Thai.

Zur Besichtigung des Projektgeländes stehen Tandemfahrräder zur freien Benutzung zur Verfügung, mit denen man zwischen den Versuchsfeldern, dem Feldhaus des Königs und dem Windpark umhergondeln kann.

Der Windpark

Ein besonderer Schwerpunkt des Projektes ist die kleine Windfarm, wo Strom aus Windenergie gewonnen wird. In Zusammenarbeit mit der RMUTT (Rajamangala University of Technology Thanyaburi, Pathumthani) hat die Energiefirma Prapai Technologies Co. Ltd. einen aus 20 Windturbinen bestehenden Windpark aufgebaut.

Zu Zwecken der umweltfreundlichen Energiegewinnung experimentiert man ferner mit einer kleinen Solaranlage, die zwischen den Windtürmen steht. Geografisch wäre Thailand für die Solarenergiegewinnung zweifelsohne ein optimaler Standort, doch der Flächenverbrauch und die Investitionskosten sind sehr hoch. Für die umweltfreundliche Windenergie sprechen die niedrigen Investitionskosten, die schnelle Errichtung und die niedrigen Betreiberkosten. Dies verdeutlichen auch die folgenden Zahlen: Zur Erzeugung von 1 MW elektrischer Energie aus Solarpanelen müssen 5 Mio US Dollar aufgewendet werden, wohingegen dieselbe Energiemenge aus Windenergie nur einen Investitionsaufwand von 1,2 Mio US Dollar erfordert (Quelle: http://www.thailawforum.com/green-policies-take-off.html).

Trotz dieser günstigen Ausgangslage ist eine wirtschaftliche Windkraftnutzung in Thailand wenig attraktiv, da die Windvorkommen gering sind. Nach einer Einstufung der Weltbank, die das Windpotential in 5 Klassen eingeteilt hat, rangiert Thailand in der niedrigsten Stufe bei 6 m/s (Meter pro Sekunde). Auf dieser Stufe wird mit 92,6% das höchste Windvorkommen erzielt. In der Klasse „ausreichend“ (6 – 7 m/s) erreicht Thailand nur 7,2%, und in der Einstufung “gut” mit 7 – 8 m/s ereicht es nur 0,2%. Windgeschwindigkeiten von 8 – 9 m/s (Klasse „sehr gut“) und mehr als 9 m/s (Klasse „ausgezeichnet“) werden in Thailand nicht erreicht.

Die Windfarm des Königs liegt in der Provinz Petchaburi, die mit durchschnittlichen Windgeschwindigkeiten von 5,6 m/s zur Windklasse „ausreichend“ zählt. Dies deckt sich mit den Aussagen des Managers der königlichen Windanlage, wonach im monatlichen Mittel die Windgeschwindigkeiten zwischen 2 und 9 m/s schwanken. Die Windgeneratoren des Königs sind daher für die Niedrigwindklasse von 4 – 7 m/s ausgelegt. Schon ab 2,5 m/s erzeugen sie Strom. Durchschnittlich produziert die kleine Windfarm 1.500 kW Strom im Monat. Der erzeugte Strom wird nicht gespeichert und auch nicht für den Eigenverbrauch verwandt, sondern direkt in das öffentliche Versorgungssystem eingespeist. Hierfür werden nach dem 2006 aufgelegten VSPP-Förderprogramm („Very Small Power Producer“) 4,5 Baht pro kW Windstrom und 8 Baht pro kW Solarstrom vergütet. Für den eigenen Bedarf wird der Strom aus dem Netz bezogen, der mit nur 3 Baht pro kW zu Buche schlägt.

Das Projekt der Prinzessin

Auf einem Nebengelände ist ein landwirtschaftliches Forschungsprojekt der Prinzessin Sirindhorn im Entstehen.

Hier werden auf einem über 30 Rai großen Grundstück in rein biologischer Anbauweise und ohne den Einsatz von chemischen Hilfsmitteln Kräuter, Gemüse und Obst angebaut. In gepflegten Feldreihen stehen Bohnen und Möhren neben Basilikum, Koriander und Minze, und in einem feuchtschwülen Feldschuppen gedeihen Austernpilze.

Das Projekt hat für die einheimische Landbevölkerung 17 Arbeitsplätze als Gärtner und Feldarbeiter geschaffen. In einem kleinen Marktshop auf dem Gelände werden die biologisch erzeugten Nahrungsmittel an die Dörfler bzw. Markthändler verkauft.

Die Pilzzucht im dunklen Schuppen                           Prächtige Kanun (Jackfrucht)

Originell und einzigartig ist ein Strohschuppen, der als „natürlicher Kühlschrank“ funktioniert. Er ist mit schweren Jutesäcken behangen, die durch eine Bewässerungsvorrichtung kontinuierlich nassgehalten werden. Durch die entstehende Verdunstungskälte kann das in den Regalen lagernde Gemüse und Obst auch bei Umgebungstemperaturen von 33 Grad lange frisch gehalten werden.

                                       Der natürliche Kühlschrank  (Tuu Yen Thamma-tschaat)

Beide Projekte können jederzeit besucht werden. Sie kosten keinen Eintritt. An der Zufahrtsschranke zu dem Windparkgelände findet allerdings eine Ausweiskontrolle statt. Lediglich der neuneckige Königspavillon auf einer Erhebung über dem Stausee als auch das Feldhaus des Königs in der Anlage dürfen nicht betreten werden.

Die duftenden Kräuterbeete, die friedvollen Obsthaine und die warmen Landwindchen werden Sie für den langen Anreiseweg entschädigen.

Anreise

Fahren Sie von Hua Hin Richtung Cha Am auf dem Petchkasem Highway Nr. 4. Biegen Sie bei der Ausschilderung zum Springfield Golfplatz nach links in die Landstraße Nr. 1001 ab. Nach ein paar Kilometern erreichen Sie die Autobahn. Überqueren Sie sie geradeaus. Sie sehen folgendes Schild: 

                               (Darauf steht Kroong Gaan Chang Hua Man 27 km.)

Folgen Sie der Straße 1001 und passieren Sie den Springfield Golfplatz. An der nächsten Dorfkreuzung weist ein ähnliches blaues Schild zum Rechtsabbiegen. Nach etlichen Kilometern gelangen Sie in einem weiteren Dorf an eine T-Kreuzung. Hier biegen Sie nach links ab. Unmittelbar danach sehen Sie dieses Schild:

                                         (Darauf steht Kroong Gaan Chang Hua Man.)

Folgen Sie der Straße und weiteren großen  blauen Schildern mit Thaibeschriftung. Falls Sie nicht mehr weiter wissen, fragen Sie nach Chang Hua Man. Die Leute wissen Bescheid und weisen den Weg. Leider gibt es keine Ausschilderung in Englisch.

(Entfernung von Hua Hin etwa 45 km.)

Bericht und Bilder: ©Paul Martini, Jan. 2011

Update April 2017:

Das Projekt ist inzwischen auf den zuführenden Straßen auch in Englisch sehr gut ausgeschildert.

Der Besuch kostet inzwschen 20 Baht pro Person.

Die Fahrräder sind inzwischen verschwunden. Dafür fahren offene Besichtigungsbusse die Besuchergruppen durch die schöne Anlage. Die Gruppen müssen sich anmelden und werden nach einer Wartezeit aufgerufen. Sie begeben sich dann in einen großen luftigen Vortragsraum, wo sie ein halbstündiges Video über die Entstehung der Anlage sehen (nur in Thai). Anschließend werden sie mit den offenen Bussen zu den einzelnen Projekten gefahren.

Es gibt inzwischen ein Restaurant, das aber nur ein paar wenige Speisen anbietet.

In einem "Golden Place-Shop" kann man direkt frische Produkte des Projekts erwerben.

Der auf dieser Webseite noch zu sehende Technikraum des Windparks ist inzwischen geschlossen.