Der Zauberwald bei Hua Hin

Vor über 50 Jahren entdeckte der König im Umland von Hua Hin einen flachen unscheinbaren Hügel, der mit einem wilden Bergwald bewachsen war. Er war fasziniert von dem alten tropischen Baumbestand, den er hier noch vorfand, und daher kaufte er das Gelände von der örtlichen Bevölkerung.

Obwohl der ehemalige „Baa biak“ („feuchter Wald“) viele schützenswerte Baumarten enthielt, so war ihm doch ein schlimmes Schicksal beschieden. Denn infolge ungenügender Regenfälle verdorrten die wertvollen Bäume zunehmend und begannen abzusterben. Dem wollte der König entgegen wirken und veranlaßte im Jahr 1986 die Aushebung eines Stausees.



Hierauf ließ er auf dem Berg Wasserdepots anlegen und ein künstliches Bewässerungssystems installieren.

Im Jahr 1995 übernahm die Prinzessin Sirindhorn die Verantwortung für das 70 Rai große Berggelände. Sie begann, alteingesessene Baumarten zu identifizieren, analysierte die vom Aussterben bedrohten Bäume und startete Neuanpflanzaktionen. Sie schulte die Waldarbeiter und ließ sie in den Eigenheiten der verschiedenen Baumarten unterrichten. Darüberhinaus veranlasste sie die Montage von solarbetriebenen Wasserpumpen, die das Wasser in die Bergdepots pumpten. Heute ist aus dem sterbenden Dornenwald im unteren Teil des Hügels ein prächtiger Bergwald geworden, der täglich künstlich beregnet wird.

Der Eingang in den Wald ist nicht so leicht zu finden. Doch sobald man die Staudammstraße überquert hat und an einem Waldgeisterhaus vorbeigefahren ist, sieht man einen sorgsam angelegten Treppenaufgang, der in den Wald hinein führt.

Im Inneren wird es schnell dunkel, denn die vielen hohen Bäume lassen das Sonnenlicht kaum herein. Die Luft ist stickig und windlos, und aus dem Unterholz tauchen große schwarze Mücken auf, die die freien Waden der Besucher zielsicher im Visier haben.
Der Treppenweg ist sauber gefegt und leicht zu ersteigen. Anfangs sind es gemauerte schräge Steinwege, später bequeme Treppenstufen, und nur weiter oben wird der Weg zum gerölligen Bergpfad, der mit trockenem Blattwerk bedeckt ist.

Im welken Bodenlaub stehen Namenstafeln mit thailändischen und lateinischen Bezeichnungen vor den Bäumen. Ein rostiges Täfelchen weist einen „Mangifera griffithii“ aus, ein Mangobaumgewächs, von dem es 35 Arten geben soll.  Der „Protium serratum“ stammt aus der Familie der Balsambaumgewächse („Burseraceae“) und ist ein Baum, der bis zu 35 m hoch wachsen kann. Der „Bombax anceps“ ist ein bis zu 25 m hoch wachsender Laubbaum mit dornenartigen Stacheln auf der Rinde, und der „Shorea siamensis“ aus der Gattung der „Dipterocarpaceae“ ist ein tropischer Laubbaum, der bis zu 80 m hoch werden kann. Er wird von der IUCN (International Union for Conservation of Nature) in einer roten Liste geführt, da er durch intensive Abholzung in seinem Bestand gefährdet ist.

Je weiter man dem schmalen Bergweg hügelan folgt, desto abenteuerlicher und skurriler wird der Bergtann.

Aufschießende Bambusbüsche beugen sich wie schwankende Torbögen über die Wege, und verflochtene Wurzelstämme stehen wie vergessene urzeitliche Fanale am Wegesrand.


Tückisch pendelnde Schwingäste und niedrig hängende verdrehte Baumzöpfe verlangen sportliches Geschick von den Kletterern.
Federnde Baumrohrschlingen, voller spitzstacheliger Dornen, geistern meterweit durch das labyrinthische Ästegewirr, und urtümliche Baumgestalten, die wie längst verdorrte Gehölzruinen anmuten, präsentieren in luftiger Höhe selbstgefällig eine frische, blattreiche Krone, während sich im Niederholz junge Palmschösslinge in leuchtenden Grünfarben dem Licht entgegen kämpfen.

So surreal und fantastisch ist dieser museale Wunderwald, dass man ihn fast für ein psychedelisches Bühnenbild halten möchte. Oder war hier etwa ein übergeschnappter Drechselmeister am Werk, der mit diesen gespensterhaften Baumskulpturen die Besucher erschrecken wollte?

Mitnichten! Der Stachelwald ist eine authentische Schöpfung der Natur und beherbergt vor allem eine ganz besondere Baumart: Rattan! Rattan, dessen botanischer Name „Calamus Rotang“ lautet, ist eine schnell wachsende, lianenartige Kletterpalme, die im asiatischen Regenwald beheimatet ist. Ihre dornenbesetzten Äste können über 100 Meter lang durch das Geäst anderer Bäume wuchern und sind häufig über die gesamte Länge gleich stark. Ohne die Hilfe anderer Bäume würde die Pflanze am Boden verkümmern. Die meterlangen Astrohre stellen eine besondere Herausforderung für die Wasserversorgung der Pflanze dar, weshalb ihr Wurzelkern so beschaffen ist, daß das Wasser mit hohem Druck in die feinen kapillaren Leitungsbahnen der Rohre gepresst wird. Daher sind Rattanstängel auch nicht hohl wie beim Bambus, sondern porös, mit vielen winzigen Löchern. Rattanrohre sind leicht, biegsam und elastisch.

Auf halber Höhe rasten die Waldarbeiter in einem Unterstand. Sie fegen die Wege, kümmern sich um neue Anpflanzungen, doch vor allem regeln sie die Bewässerung. Zahlreiche Leitungsrohe verlaufen kunterbunt durch den Wald, durch die das Wasser zu den Beregnungspunkten gepumpt wird. Über das gesamte Waldareal sind Wasserdepots angelegt worden, die aber scheinbar nicht mehr alle in Betrieb sind.

Im oberen Teil trifft man vorwiegend trockenes, lichtes Busch- und Bambusgelände und bizarres Felsgestein an.

Auf der Spitze des Hügels steht ein Aussichtsturm, der über die Baumwipfel hinausragt und einen Blick in die weite Landschaft gestattet. Doch die Besteigung des Turms über die senkrechte Metallleiter mit ihren weit auseinanderliegenden Sprossen ist nicht jedermanns Sache.

Beim Abstieg empfiehlt es sich vor dem Waldarbeiterpavillon nach links in einen zweiten Weg abzubiegen. Man gelangt zu einer kleinen Plattform, von der man einen herrlichen Ausblick über den Stausee hat. Später wird man wieder auf den ursprünglichen Weg zurückgeführt.

Der Wald kann jederzeit in der Zeit von 7 bis 20 Uhr besucht werden. Da es ein Schutzgehölz ist, ist jegliches offenes Feuer verboten.

 

Anfahrt:

Fahren Sie von Hua Hin Richtung Cha Am auf dem Petchkasem Highway Nr. 4. Biegen Sie bei der Ausschilderung zum Springfield Golfplatz nach links in die Landstraße Nr. 1001 ab. Nach ein paar Kilometern erreichen Sie die Autobahn. Überqueren Sie sie geradeaus. Folgen Sie der Straße etwa 4 oder 5 km und biegen dann bei dem Schild „Huai Ta Paet Reservoir“ nach links ab. Überqueren Sie die Staudammstraße und fahren Sie durch die geöffnete Schranke. Folgen Sie dem Weg hügelabwärts. Der Eingang zum Wald befindet sich gegenüber von dem Königspavillon am See.

(Entfernung von Hua Hin etwa 25 km.)

 Bericht und Bilder: ©Paul Martini, Jan. 2011