Der Wat Boafai

Boafai ist der nördlichste Ortsteil von Hua Hin und grenzt bereits kurz vor dem Flughafentunnel an den Landkreis Cha Am, der in der Provinz Petchaburi liegt. Von allen Ortsteilen Hua Hins ist Boafai der mit Abstand ursprünglichste und reizvollste. Obwohl auch hier die Bauwut der letzten Jahre nicht spurlos vorüber gezogen ist, findet man doch noch immer urige Thaiholzhäuser inmitten von großen gepflegten Gartengrundstücken, die von keiner Mauer umgeben sind, und bestenfalls von blühenden Hecken und tropischen Bäumen begrenzt werden.






Das Leben im wuseligen Ortskern findet auf dem kurzen Straßenstück der Soi 6 zwischen dem Bahnübergang und der Kanalstraße statt. Dies ist das geschäftige Zentrum des Ortsteils mit dem zentralen Gemeindehaus, in dem alte Frauen Blumengestecke basteln, und wo in einem offenen Versammlungsraum gelegentlich kommunale Aufführungen stattfinden. Im Umkreis haben sich allerlei kleine Geschäfte angesiedelt. Hier kann man sich zu einer Nudelsuppe niederlassen, in einer Apotheke einkaufen, sein Moped reparieren lassen oder in einem Sanitärgeschäft einen Wasserhahn kaufen. Ein privater Kleinmarkt bietet täglich Frischgemüse, Obst und Curries an und schräg gegenüber gibt es frittierte Hähnchenschenkel direkt aus einer gurgelnden Ölwanne.



Der Wat

Wenn man die Kanalstraße überquert und nach rechts abbiegt, gelangt man zum Tempel des Ortes, dem Wat Boafai.

Dies ist eine altertümliche, naturbelassene Tempelanlage mit gefegten Baumgrundstücken und alleenartigen Wegen, die von hohen Casuarinenbäumen umstanden sind. Wie bei den meisten Tempelanlagen in Thailand, so betritt man auch den Wat Boafai durch einen hohen Torbogen. Dahinter vermeint man, sich in einer anderen Welt zu befinden.
Hunde liegen dösend in Sandkuhlen und in den schattenspendenden Bäumen zwitschern Vögel. Große bunte Schmetterlinge torkeln lautlos vorüber, prachtvolle Hähne liefern sich Krähgesänge und gackernde Hühner ziehen pickend durch die Büsche.
Gelegentlich tippelt ein Mönch in seiner knallorangen Kutte vorüber.

In der Morgensonne glänzt majestätisch der herrliche, nach Osten ausgerichtete Bot, der von einer umlaufenden weißen Mauer umgeben ist. Leider ist er verschlossen.

Zwischen den steinalten Bäumen stehen elegante Buddhafiguren auf dekorativen Podesten, und unter einem mächtigen Tamarindenbaum ruht eine schwarze Mönchsskulptur im Lotussitz.






Im Zentrum des Parks trifft man auf eine Modellgruppe schwarzer Sitzfiguren vor einem Kuhgespann mit schlohweißen Ochsen - Szenen aus einer vergangenen Alltagswelt.

Im hinteren Teil stehen zeitlos schöne Motivfiguren, an denen erkennbar schon viele Wetter vorüber gezogen sind, und auf einem verwitterten Mauersockel kann man sogar eine liegende Buddhastatue entdecken.

Zu Füßen einiger Sitzbuddhas lagern steinerne Kanonenkugeln in unterschiedlicher Größe, und die Kanonenrohre zweier alter Artilleriehaubitzen liegen drohend am Ufer eines zugewachsenen Wasserhyazinthenteichs. 



Der Park

Die Mönche des Wats haben einen feinen Sinn für natürliche Beschaulichkeit und heimeliges Wohlgefühl entwickelt, denn der Wat ist ein einziger, paradiesischer Regenerationspark. Auf dem gesamten Gelände trifft man Hängeschaukeln an, teils von kräftigen Baumästen, teils unter skurrilen Krüppelgewächsen baumelnd.

Unter hoch aufschießendem wildem Bambusgesträuch steht ein vergittertes Tiergehege, in dem sich ein schwarzes Hängebauchschwein das Revier mit einem Pfauenpärchen teilt. Davor warten ein paar Spielgeräte auf tobende Kinder.

Die Hauptattraktion für Besucher sind die drei großen Fischteiche, in denen sich eine unübersehbare Anzahl großer Welse und schwimmende Schildkröten tummeln. Auf Schwimmfässern befestigte Metallstege gestatten es, über die Teiche zu wandeln und die wilden Fischrudel zu füttern.

Das Fischfutter ersteht man in einem Schreinhäuschen von einem Mönch. Das Eimerchen für nur 10 Baht. Und eine Schöpfkelle gibt es auch noch dazu!
Üppiger tropischer Baumbestand umrahmt die Teiche, und die unbewegten dunklen Wasser verleihen dem Ort eine weihevolle Stimmung. In einem der Teiche steht der begehbare Andachtsviharn von Luang Por Pichai. Er wurde vor 11 Jahren für knapp 1.5 Mio Baht erbaut.  

Das Motto

Jeder Wat in Thailand hat sich je einem ganz eigenen Themenmotto verschrieben. Der Wat von Boafai verfolgt die Idee, die Natur als Ganzes zu achten und alle Lebewesen zu respektieren. Er will einen Schutzraum für jede Form von Leben darstellen. Wer ein Tier in den Wat bringt, kann sicher sein, dass das Tier sein Leben hier unbehelligt weiterführen kann. Jeder Besucher, der die Tiere des Wats füttert, unterstützt damit die Ziele des Wats.

Die Sala

Auf einem Mauerfundament steht eine große schattige Sala, die über zwei Treppen zu erreichen ist. Die Sala wie auch die in den Seitentrakten untergebrachten Wohnkutis der Mönche sind komplett aus Holz gebaut. Hier leben 10 Mönche des Wats. Die Sala ist ein Versammlungsort für Andachten, und ein Treffpunkt für Gläubige, die um den Segen der Mönche bitten. Am Ende einer langen, mit Teppichen ausgelegten Sitzpassage befindet sich ein kleiner Altarraum mit vielen goldglänzenden Buddhastatuen.




An den Wänden hängen die Konterfeis alter Mönche, Porträtaufnahmen des Königs und Abbildungen aus der indischen Mythologie.


                                      Die Mönche beim Abendgebet

Zwischen zwei Hirschgeweihen steht eine voll intakte, antike hölzerne Standuhr, und an einem Pfosten hängt eine Übersichtstafel mit den Konterfeis der letzten 40 Herrscher in diesem Land. Der älteste Landeskönig hat demnach im Jahr 1218 thailändischer Zeitrechnung, also vor mehr als 1000 Jahren, das Land regiert.

 Der Wat von Boafai ist eine idyllische alte Parkanlage mit weitgehend naturbelassenem Ambiente. Wer Ruhe und Entspannung sucht, wird sich hier sehr wohlfühlen. Es ist ein idealer Ort für einen Kurzausflug. Hua Hin ist nur 5 km entfernt.

Der Wat kann täglich frei besucht werden.


Bericht und Bilder: ©Paul Martini, Dez. 2010

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