Der schönste Spaziergang in Hua Hin

Naja, um ehrlich zu sein, einen schönen Spaziergang in Hua Hin kenne ich eigentlich nicht, drum müsste es korrekterweise eigentlich heißen bei Hua Hin. Hierzu fahren wir etwa 15 Kilometer hinaus auf dem Petchkasem Highway Richtung Pranburi. Nach etwa 14 Kilometern biegen wir nach links zu dem kleinen Dorf Khao Tao ab. Es liegt vor einem gewaltigen Felsmassiv, von dessen Kuppe eine imposante goldglänzende Buddhafigur herunter grüßt.

Das Dorf selbst liegt direkt am Wasser, dort, wo ein Verbindungskanal von einer Süßwasserlagune ins Meer fließt. Hier wohnen noch ein paar Fischerfamilien in windschiefen Bambushütten und fristen ein Leben wie aus einer vergangenen Zeit. Bei einem Bummel über die engen sandigen Pfade des Dorfes kann man noch altes Fischerleben sehen, Frauen die die Netze sortieren und Fische zum Trocknen in der Sonne ausbreiten, Kinder, die barfuß durch den Sand laufen und mit Hunden, Katzen oder toten Krebsen spielen und wettergegerbte Fischerburschen, die sich nach dem Fang bei einem Gläschen Lao Khao ausruhen. Am Strand ankern noch die farbenfrohen kleinen Fischerkähne im seichten Wasser, die den seltenen Touristen, die hier her kommen, für pittoreske Fotoschnappschüsse dienen. (Das Dorf ohne Zeit)

Hinter dem Verbindungskanal führt ein Weg durch eine buddhistische Tempelanlage, die an den Felsenhang gebaut ist. Dies ist der Wat Khao Tao, ein chinesischer Tempel. Auf dem schmalen Fußweg, der über dem Kanal entlang führt, gelangt man zu einer künstlich angelegten Felsenhöhle, der Tham Khao Tao.

Hier begegnet man einer täuschend echt aussehenden Modellgruppe weißhaariger alter Mönche in rostroten Gewändern, die zu Füßen eines weißen Elefanten meditieren. In einem Andachtsraum mit einer geschmückten großen Buddhafigur können Besucher den Segen eines anwesenden Mönchs erhalten.

Nun führt ein Korridor über blank gewaschene Uferfelsen am Meer entlang zu einem malerischen sechseckigen Rundpavillon, vor dem eine übergroße goldglänzende Modellschildkröte zu ihrer Namensschwester ins Meer hinaus blickt, der Koh Tau (Schildkröteninsel), neben Koh Singto, (der Löweninsel) - zwei putzige Felsbuckel, die wie vergessene Pretiosen im blau schimmernden Meerwasser liegen.

Der Pavillon bietet eine letzte Rastmöglichkeit bevor über eine urwüchsige Felsentreppe der Bergaufstieg beginnt. Vorbei an kriegerisch aussehenden Wächterbüsten, die auf gemauerten Urnengräbern sitzen, verschluckt das dichte Gesträuch alsbald die Kletterer, die sich unter wild rankenden Hängelianen hinweg ducken müssen.




Ein Pfad zweigt zu einer Oktagon-Rotunde ab, wo eine stattliche Buddhafigur über zwei Totengräbern Wache hält.

Immer dunkler und enger wird der steile, ausgewaschene  Waldpfad, und loses Geröll und hervorspringende Gesteinsbrocken erschweren den Aufstieg. 
Unter dem dichten Blätterdach steht die Luft still. Nicht eines der frechen Meereswindchen verirrt sich hier her. Beim Luftschnappen gewahrt man mächtige Würgefeigen, die mit ihrem tentakelartigen Wurzelgeflecht gewaltige Felsbrocken im Schwitzkasten halten, und getarnt hinter undurchdringlichem Gedörn lugen einsame Mönchskutis hervor, die wie verwunschene Hexenhäuschen am Abhang kleben.

Der Weg endet auf einer Felsenkuppe mit einer windfrischen Plattform. Über dem blauen Kuppeldach einer höhlenartigen Andachtskammer thront eine übermannshohe Buddhastatue, die die Bucht von Khao Tao mit steinerner Miene fest im Blick hat.

Sie ist 10 m hoch und wurde vor 55 Jahren von den Mönchen gebaut. Das Baumaterial wurde mit einem eigens hierfür errichteten Rollwagensystem hinauf transportiert, dessen rostiges Schienengerippe sich noch heute an den steilen Hang klammert. Von hier oben hat man einen grandiosen Blick über das endlos erscheinende Meer. Weit draußen schippern vereinzelte Fischerboote und jenseits des Khao Takiab Felsrückens glitzern die ersten weißen Hochhäuser von Hua Hin. 
Hinter der Bucht von Khao Tao ruht der Binnensee des Dorfes mit den vielen neugebauten Resortanlagen der letzten Jahre, die sich geschickt in die tropische Ufervegetation ducken.

Ein weiterer Buschweg führt nun durch baumhohe stachelige Sukkulentenbüsche und hochaufschießendes Bambusgesträuch zu einem „Hilltop Viewpoint“ auf einer schroffen unbewachsenen Felsenglatze. Da es weder eine Brüstung noch ein Geländer gibt, sollte dieser Besuch von nur wirklich angstfreien Kletterern unternommen werden, denn stellenweise geht es steil abwärts. Der Ausblick entschädigt aber für jede Anstrengung.

Während das breite Hinterteil des Goldbuddhas gravitätisch aus dem strubbeligen Buschwerk ragt, und die grandiose Meereskulisse mit den beiden verlorenen Eilanden vor dem entrückten Küstenpanorama von Hua Hin den Atem stocken lässt, schmiegt sich tief unten eine verträumte Sandbucht zwischen zwei eierköpfige Felsenkegel. 

Weit spannt sich das azurblaue Meer wie ein horizontloses unbewegtes Wasserfeld, und mit den wenigen schmalen Gischtwellen, die über den makellosen Sand krabbeln, sieht es aus, als wolle es sich mit weißen Saumschleifen schmücken. Es ist still. Kein Ton dringt nach hier oben. Gelegentlich kommt ein Vogel vorbei, der sich lautlos in die aufsteigenden Meereswindchen fallen lässt. Überwältigt von der Schönheit der Meeresszenerie stehen die Felsenkletterer für ein paar Momente still und genießen das traumhafte Panorama und sind froh dabei, wenn ihnen ein paar flinke Lüftlein unters verschwitzte Hemd huschen.

Zum Abstieg folgt man den Schildern „Hat Sai Noi Beach“. Breite, gemauerte Gesteinsstufen führen durch dichtes Baumwerk den Hügel hinab. Nun ist der Pfad nicht mehr so wild und geröllig. Sachte schlängelt er sich abwärts. Über einen letzten großen Felsbrocken hüpft man in den weichen Sand von Hat Sai Noi.

Hat Sai Noi ist der bei weitem schönste Strand rund um Hin Hin! Der von klotzigen Felsenblöcken eingerahmte Strandstreifen ist nur ein paar hundert Meter lang.

Der Sand ist weich und sauber, und das Wasser ist klar und rein und lädt zu einem erfrischenden Bad ein.
Ein paar geschäftstüchtige Thaifamilien haben Liegestühle in den Sand gestellt und servieren kleinere Gerichte und kühle Getränke.
Hierher kommen nur Thaiausflügler und ein paar ganz wenige Farangs mit ihren Thaifreundinnen. Der Kuschelstrand von Hat Sai Noi ist nie überlaufen.

Nach einer Rast am Meer führt eine Asphaltstraße zurück. Man folgt ihr eine Weile und biegt nach knapp 200 Metern rechts in einen unbefestigten schmalen Fußweg ab, der zwischen ein paar Thaibehausungen und dem mit hohen Schilfgräsern bewachsenen Ufer der Süßwasserlagune entlang führt.

Hier werden dem Spaziergänger nur Hunde, Hühner und Enten begegnen. Vereinzelt kommt auch mal ein Moped vorbei. Nachdem er ein paar wuchtige, kahle Felsschrägen passiert hat, erreicht er wieder den Ausgangspunkt der Wanderung, den Tempel von Khao Tao.

Für diesen Rundwanderweg muß man keine besonderen Vorkehrungen treffen. Stabiles Schuhwerk und eine Flasche Wasser könnten aber nützlich sein.


 Bericht und Bilder: ©Paul Martini, Dez. 2010

Update im Januar 2014.

Für Liegestühle am Hat Sai Noi Strand werden inzwischen 60 Baht pro Person verlangt, unabhängig von einer Getränkebestellung.