Der kleine Dschungel von Cha Am

Cha Am ist eine charmante Kleinstadt am Golf von Thailand. Sie liegt von Hua Hin nur 25 km entfernt und ist durch einen pfeilgeraden 3-spurigen Superhighway erreichbar. Die Stadt ist zweigeteilt. Links des Highways erreicht man den alten Stadtkern mit seinem traditionellen Thaileben und rechts davon liegt der Badeort am Meer mit seinen Hotels, Restaurants, Bars und Karaokeläden. Dennoch geht es beschaulich zu, denn Cha Am ist überwiegend noch ein Ausflugsort mit Thaicharakter. Während der Woche scheint der Ort sogar in einen Dämmerschlaf zu verfallen. Nur während der beiden Wochenendtagen erwacht er zum Leben.

Wenn man das Städtchen Richtung Norden verlässt, passiert man eine Reihe monströser Felsenbatzen, die die wie groteske Fremdkörper  unvermittelt aus dem flachen Reisland emporragen. Zu ihren Füßen liegt der Khao Nang Phanthurat Forest Park (วนอุทยานเขานางพันธุรัต). 




Obwohl der Waldpark bereits vor 11 Jahren eröffnet wurde, ist er dennoch vielfach unbekannt. Dabei kann er besonders für den aktiven Naturfreund ein aktionsreiches Erlebnis sein. Die Thais aus der Region kennen ihn, und einige kommen zuweilen zu einem Spaziergang durch den schattigen Bergwald oder zu einem Picknick auf den weichen Wiesenstücken vorbei. 


Der Park ist 2,5 km² (1.562 Rai) groß. Er verfügt über einen Kiosk, ein malerisch an einem Reisfeld gelegenen Restaurant mit Palmwedel gedeckten Gartenlauben sowie mehrere Toilettenanlagen. 

Es gibt keine Unterkünfte, doch Camping ist möglich. Der Park stellt Zelte und Decken zu einem Preis von 300 Baht pro Zelt bereit. Seitlich wird unter dichtem Gehölz ein Rehgehege unterhalten.

Eine Solaranlage zur Erzeugung von Strom für die Brunnenwasserpumpe ist leider ausser Betrieb.


Die Anlage empfängt den Besucher mit raspelkurzen Rasenflächen, blühenden Sträuchern und gehegten Blumenrabatten.

In den zentral liegenden Empfangspavillons des “Visitor Centers” hängen viele Schautafeln aus, die über die Pflanzen- und Tierwelt des Parks Auskunft geben. Leider überwiegend in Thai. Darüberhinaus sind Lagepläne mit den Wanderwegen durch den Bergforst ausgestellt. Die Errichtung des Parks geht auf eine königliche Initiative zurück, weshalb viele Fotografien von dem Besuch des Königs in dem Park aushängen. Faltprospekte mit dem verzeichneten Wanderrundweg und Bildern der einzelnen Besichtigungshighlights sind erhältlich.


 








Der Mythos

Der Name des Parks geht auf eine legendenumwobene Geschichte aus der lokalen thailändischen Sagenwelt zurück. Einst bewohnte eine “Jak”, ein Halbwesen aus Mensch und Tier, diesen Felsen. Sie hieß Panthurat. Aus der Menschenwelt erzog sie einen Adoptivsohn, doch als jener erfuhr, daß seine Mutter eine “Jak” war, floh er und kehrte auch auf ihr inständiges Bitten nicht mehr zurück. Die “Jak” litt unter dem Trennungsschmerz derart, daß sie schließlich daran zugrunde ging. Die Silhouette der Felsenformation sieht noch heute so aus wie die liegende “Jak” im Todesschlaf, daher heißt der Felsen auch “Khao Nang Noan” (Felsen der schlafenden Frau) oder “Khao Nang Panthurat” (Felsen der Frau Panthurat).

Der Spaziergang

Über einen mit alten Eisenbahnschwellen ausgelegten Treppenaufgang erreicht man den in einer wilden Felsenspalte hergerichteten Heiligenschrein der toten “Nang Panthurat”, und ein paar Stufen weiter kommt man zur Aussichtsplattform "Kratschok Nang Phanthurat".

Durch eine zerklüftete Felsenöffnung tritt man auf ein windiges Holzbohlenpodest hinaus, von wo man einen atemberaubenden Ausblick über die grasgrün schimmernden Reisfelder und die fernen Strandblocks von Cha Am hat.

Nach dem Abstieg dieses ohne große Mühen erreichbaren Felsenausgucks kann der Besucher den eigentlichen Rundweg beginnen.
Allerdings muß darauf hingewiesen werden, daß dieser sehr anspruchsvoll und anstrengend ist. Stabiles Schuhwerk und ein Mückenmittel sind von Vorteil. Wer die Berghöhle besichtigen will, sollte eine Taschenlampe dabei haben. Die Mitnahme von Trinkwasser ist eine Voraussetzung.

Die Bergtour

Der Rundweg

ist insgesamt 2 km lang und führt durch junge Bambushaine und dichten, urwaldähnlichen Bergwald. Unter dem kompakten Blätterdach gibt es keine Luftbewegung und die saunaähnlichen Temperaturverhältnisse bescheren dem Besucher umgehend Schweißausbrüche.

Es ist stickig und eine Unzahl tanzender Mücken begleiten den Wanderer. Die Waldpfade sind sehr steil und durchwegs schwierig zu begehen. Sie erfordern teilweise großes Geschick und eine sehr gute Beweglichkeit. Gerade in der Regenzeit stellen die vermoosten Steintreppen und die glitschigen Holzbohlen eine große Herausforderung dar.

Mitunter muß über scharfkantiges Felsgestein geklettert werden, und Bäume und herunterhängende Lianen müssen zum Aufstieg mitbenutzt werden. Die oberen Etagen der Bäume sind voller Affen, die zeitweise lautes Spektakel machen. Doch sie sind nicht aggressiv und kommen nicht zu den Besuchern herunter.


Nach dem kräftezehrenden Aufstieg erreicht der Kletterer den „Chomview“, einen vielversprechenden Ausguck, der aber leider durch hoch wachsende Bäume etwas verstellt ist.
 
Gleichwohl kann er in einem luftigen Unterstand eine Rast einlegen, bevor er den Einstieg in die „Tham Mayom“ wagt, eine begehbare unbeleuchtete Felsenhöhle. Über dunklen Kavernen hängen helle Tropfsteingebilde und an den Felsenwänden kleben massige kristalline Auswaschungen mit grünlichen Verwitterungsüberzügen.

Über einem weiten Lichtschacht sind uralte Bäume zusammen gewachsen, die meterlange Luftwurzeln wie schnurgerade Bindfäden in die Höhle fallen lassen. Im Schein der Taschenlampe gewahrt man in den dunklen Höhlendecken Kolonien von Fledermäusen, die mit ihren hochfrequenten Schreien den Kletterer bei seinem Abstieg über die gerölligen Steintreppen begleiten.

Wer nach der schweißtreibenden Kletterei und dem nicht weniger anspruchsvollen Rückweg wieder unten gekommen ist, wird dankbar sein, wenn er in einem der sauberen Servicehäuschen eine erfrischende Dusche nehmen kann. Fürwahr wohltuender Genuß!

Beim Verlassen des Parks passiert der Besucher die Reste eines über 1000 Jahre alten, halbüberwucherten Backstein-Chedis hinter einem Schutzzaun, der als Ehrenmal für die Nachwelt aufbewahrt wird.

Der Forest Park kann täglich besucht werden. Er kostet keinen Eintritt.

Bericht und Bilder: ©Paul Martini, Sept. 2010

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