Bei Waranen und Wasserschlangen

Wer käme schon auf die Idee, einen Ausflug zu einem Biomüll-Kompostbetrieb zu unternehmen? Das wäre ja wohl eine famose Schnapsidee, was? Oder gar einer biologischen Kläranlage? Na, da würde wohl jeder zu Recht die Nase rümpfen! Doch in Laem Pak Bia tut das keiner. Im Gegenteil! Denn der kleine Ort in der Provinz Petchaburi ist sogar noch ein recht beliebtes Ausflugsziel!

Laem Phak Bia ist ein unscheinbares Küstenfischerdorf auf einer Sandzunge im Meer. Hier leben etwa 2200 Menschen, hauptsächlich vom Fischfang und der Salzproduktion.




Inmitten von verlassenen Salzäckern und zerstörten Mangrovenhainen ist hier ein bemerkenswertes und beispielgebendes Entwicklungsprojekt entstanden, bei dem der thailändische König als Ideengeber Pate gestanden hat, das „Laem Phak Bia Environmental Study, Research and Development Project“.

Die Forschungsstation ist ein Arbeitsprojekt der Chaipattana Foundation, einer Stiftung, die königliche Forschungs- und Entwicklungsvorhaben ausführt. Die Stiftung, die am 14. Juni 1988 gegründet wurde, versteht sich als ausführendes Organ königlicher Anregungen und Vorschläge. Sie ist unabhängig von politischen Entscheidungsprozessen und kann als Nicht-Regierungsorganisation Vorhaben auf unbürokratischen und direkten Wegen umsetzen.

Das Umweltprojekt in Laem Phak Bia wurde in den frühen 90er Jahren auf öffentlichen Flächen gegründet. Es ist 180 ha (1.135 Rai) groß. Zweck des Projekts ist die biologische Abfallkompostierung, die Renaturierung der Küstenmangroven und vor allem die natürliche Abwasserreinigung, mit dem Endziel, der Verwendung des aufbereiteten Wassers in der Landwirtschaft und der Fischzucht.

Die Abwasserbehandlung geschieht in vier unterschiedlichen Prozeßbereichen: Einer Vorreinigung in Lagunen, wo in 5 großen Landschaftsteichen täglich bis zu 20.000 m³ Schmutzwasser gereinigt wird, einer Klärung im Grasfilterbad, einem Mangrovenfilterdurchlauf und einer Reinigungsschleuse in künstlich angelegten Pflanzenklärbecken.

Das Vorzeigeprojekt

Unterdessen hat das Forschungsprojekt für landesweites Aufsehen gesorgt. Ganze Wallfahrermannschaften aus allen Landesteilen reisen mit Charterbussen an. Schulklassen unternehmen Lehrfahrten, und Abordnungen von Dorfgemeinschaften aus dem tiefsten Isaan treffen ein. Schon im Jahr 2003 besuchte eine über 100köpfige Delegation ausländischer Botschafter, Ministerialbeamter und hochrangiger Regierungsvertreter den Ort, und am 13. August dieses Jahres führte der thailändische Außenminister Kasit eine Abordnung des Diplomatischen Corps nach Laem Phak Bia.

Auch die thailändische Tourismusbehörde (TAT) ist auf die umweltfreundliche Forschungsstation von Laem Phak Bia aufmerksam geworden und preist sie unter ihrem „Green-Routes-Konzept“ als ökologisches Pilotprojekt.

Selbst für die renommierte Thai Asia Pacific Brewery, die bekannte Biersorten der Marken Heineken, Tiger und Cheers in Thailand herstellt,  ist die Musteranlage von Laem Phak Bia zum Vorbild für ihre eigene Abwasserreinigung geworden. Da bei der Herstellung von einem Liter Bier 10 Liter Schmutzwasser anfallen, ist die Abwasserbehandlung und der Gewässerschutz für die Brauerei ein virulentes Anliegen.

Projektführungen

In dem zentralen Besucherzentrum finden Filmvorführungen statt, die über die Aktivitäten in der Versuchsstation informieren.

Der ausländische Besucher erhält einen sehr detaillierten Faltprospekt in englischer Sprache, in dem die einzelnen Versuchsprojekte in Bildern und anschaulichen Grafiken dargestellt sind. Nach dem etwa halbstündigen Filmvortrag unternehmen die Besucher in offenen, fensterlosen Bussen eine Rundfahrt durch die landschaftliche schöne Anlage, begleitet von einer kundigen Führerin, die auf die einzelnen Versuchsstationen und Entwicklungsprojekte hinweist.

Majestätisch und unbewegt liegen die imposanten Wasserteiche zwischen den schmalen umlaufenden Wirtschaftswegen, und sehen aus wie riesige glatte Spiegel, in denen das stille tropische Landschaftspanorama in einer unfassbaren Klarheit widerscheint.

Die Böschungen sind mit kurz geschorenen Rasenrabatten begrünt, und zum Schutz der Ufer liegen lange Bambusbündel im Wasser, die an Holzpflöcken befestigt sind. Darauf rasten Reiher und Kormorane, die ihre Flügel spreizen, um ihr Gefieder in der warmen Sonne zu trocknen.

Die Anlage ist ein Paradies für Wasservögel, denn in den fischreichen Seen finden sie ein reichhaltiges Nahrungsangebot vor.
Doch so mancher Vogel verhebt sich an den schweren Fischbrocken und muß ihn wieder fallen lassen. Dies ist die Stunde der Warane, die rund um die Seen leben.


An die hundert dieser urzeitlichen Reptilien will man hier gezählt haben. Sie gehören zur Gattung der Bindenwarane (Varanus salvator), die neben den Komodowaranen zu den größten Echsen in Südostasien zählen.

Viele der auf dem Gelände lebenden Prachtexemplare sind an die drei Meter lang. Lauernd liegen sie im Wasser, den flachen Kopf über der Wasserlinie, und scannen mit ihrer langen riechempfindlichen Zunge die Umgebung nach einem sich bietenden Schmaus ab.

Mit ihren kurzen Beinchen schieben sie ihre schweren bauchigen Körper über die Uferböschungen und krauchen wie prähistorische Ungeheuer phlegmatisch über die Wege. Zwar sind sie die Besucher gewöhnt, aber sie mögen sie nicht, denn beim Näherkommen verschwinden sie schnell im Teichwasser.
Wer mit dem eigenen Wagen durch die Anlage fährt, kann sie aus dem Autofenster gut beobachten, da sie vor den Fahrzeugen keine Scheu haben. Mitunter liegen sie reglos im Gras des Wegesrandes, und laufen Gefahr, überfahren zu werden, da sie vor den Fahrzeugen nicht fliehen!

Wo sonst in Thailand kann man eine solch große Anzahl dieser freilebenden urzeitlichen Kriechdrachen antreffen und ihnen auch noch bis auf nur wenige Meter nahe kommen?

Der Mangrovenwald

Ein Teil des Versuchsgeländes besteht aus wieder aufgeforstetem Mangrovenwald am Meeresrand, wo die Ergebnisse der Versuchsanpflanzungen unter natürlichen Lebensbedingungen umgesetzt werden. Der Mangrovenforst liegt wie ein breiter Schutzgürtel vor dem offenen Meer und die Besucher können ihn auf geländerlosen Plankenstegen durchwandern.
Die Stege führen geradewegs ins Meer hinaus, wo sie an einer abführenden Leiter enden.
Schattenspendende Pavillons entlang des Weges laden zum Rasten in diesem außerordentlichen Meereshain ein.

Bei Niedrigwasser ist der schlammige Untergrund voller Leben, und der Besucher kann Schlammspringern und schwarzen Krebsen zuschauen, und mit etwas Glück entdeckt er sogar Wasserschlangen beim Durchstöbern der Schlammlöcher.

Die Anlage kann täglich in der Zeit von 9 bis 15 Uhr besucht werden. Samstags und sonntags finden keine Vorträge und Führungen statt. Gleichwohl ist sie geöffnet. Sie kostet keinen Eintritt.

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Vogelbeobachtung

Das Küstendorf Laem Phak Bia liegt an einem Sandstreifen am Meer, der eine bekannte Vogelraststätte ist. Wer Interesse an dem Beobachten von Vögeln hat, kann eine Bootsfahrt durch die Küstenmangroven zu der Sandzunge unternehmen.

Bei diesem Schild sollte man abbiegen und den schmalen Weg bis zum Ende durchfahren. Man gelangt direkt zum Haus von Khun Daeng, der mit einem überdachten Boot Ausflüge über das Meer unternimmt.
Sie kosten 600 Baht für 4 Personen. Der Ausflug dauert 2 Stunden. Da die Sandzunge durch den Gezeitenwechsel zeitweise überschwemmt ist, empfiehlt es sich, Mr. Daeng einen Tag vorher anzurufen, um die beste Zeit für einen Ausflug zu erfahren. Hier ist seine Telefonnummer: 080 223 5250 (seine Frau und seine Tochter sprechen Englisch).

Bericht und Bilder: ©Paul Martini, Sept. 2010

Letzter Besuch der Anlage im Januar 2014. Wer die Warane sehen will, sollte die späten Nachmittagsstunden wählen. Tagsüber sind sie nicht zu sehen.

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