Aufgepaßt im Kräuterparadies

20 km vor den Toren Hua Hins liegt ein weithin wenig bekannter botanischer Gartenpark, der Suan Somdej Phra Sri Nakharin. Eigentlich handelt es sich um eine ökologische Forschungsstation, die mit natürlichen landwirtschaftlichen Anbaumethoden experimentiert. Sie ist aufgrund einer königlichen Anregung entstanden und steht heute unter der Führung der Chaipattana Foundation. Diese königsnahe Stiftung, die königliche Ideen in sozialen und ökonomischen Förder- und Entwicklungsprojekten umsetzt, arbeitet unbürokratisch zum Wohle der Bevölkerung und ist frei von politischer Einflussnahme.

Der Park, der nach der Königsmutter Somdej Phra Sri Nakarindra benannt ist, bezeichnet sich selbst als „Museum für lebende Dinge“ und gewann schon 2002 den „Tourism Award“ in der Abteilung Agrotoursimus.

Vom König entdeckt

Bei einer Fahrt durch das Hinterland von Hua Hin gewahrte der König vor vielen Jahren ein durch aggressive Waldzerstörung unfruchtbar gewordenes Brachland, welches allmählich zu versteppen drohte. Daher regte er auf einem 340 Rai großen Gelände eine Rekultivierung an. Dabei sollte die Landbewirtschaftung ökologischen Grundsätzen folgen. Biologische Abfälle sollten wiederverwendet und der Einsatz chemischer Düngemittel vermieden werden. Die Landnutzung sollte sowohl ökonomisch, ökologisch als auch sozial verträglich gestaltet werden. Vetiver Gras sollte als Mulchmittel die Bodenfeuchtigkeit verbessern, und mit dem Anbau des aromareichen Zitronellgrases sollte dem Parasiten- und Insektenbefall entgegengewirkt werden. Als Feldfrüchte sollten Mais, Sorghum (eine Hirseart), Mungo-, Soja- und Kuhbohnen, Sesam, Chilli, und Auberginen zum Einsatz kommen, und Bioabfälle wie z. B. Mungobohnenschoten, Wasserhyazinthen, Bananenblätter und Vetiver Gras sollten bei der Anzucht von Reisstroh- und Austernpilzen eingesetzt werden.

Die „Neue Theorie“

Die königlichen Leitgedanken für eine nachhaltige Selbstversorgerlandwirtschaft sind in seinen „New Theory“-Richtlinien beschrieben. Dabei wird dem Anlegen von ausreichenden Wasservorräten und dem eigenen Anbau von Reis die oberste Priorität eingeräumt, denn Wasser ist eine Grundvoraussetzung für jegliches Leben und Reis ist in Thailand ein Grundnahrungsmittel – beide stellen daher eine notwendige Bedingung zum Erreichen von Unabhängigkeit dar.

Gemäß der königlichen Idee wird das zur Verfügung stehende Land im Verhältnis 30:30:30:10 aufgeteilt.

Auf den ersten 30% des landwirtschaftlichen Landes werden Wassserauffangbecken von 4 Metern Tiefe angelegt. Das Wasser dient zur Bewässerung und zur Aufzucht von Fischen und zur Kultivierung von  wasserlebenden Pflanzen. Die Uferböschungen werden mit Vetvier Gras, Kokospalmen und Tamarindenbäumen bepflanzt.

Die zweiten 30% stehen dem Reisanbau zur Verfügung.

Die nächsten 30% werden zum Anbau von Feldfrüchten und Gemüse sowie Obstbäumen (z. B. Jackfruit, Bananen und Rosenapfel) benutzt.

Die letzten 10% sind zum Gebäudeaufbau (Wohnhaus, Lager- und Ernteschuppen, Ställe), und für umlaufende Wege und Teichdämme etc. vorgesehen.

Der Kräutergarten

In einem botanischen Kräutergarten experimentiert die Forschungsstation mit Unterstützung der pharmazeutischen Fakultät der Mahidol Universität mit mehr als 300 medizinischen und aromatischen Heilpflanzen. Hintergrund der Idee ist, dass sich die Landbevölkerung bei allfälligen Krankheitserscheinungen wie Bluthochdruck, Appetitlosigkeit, Herzbeschwerden oder Harnstörungen selbst kurieren kann, und ihr der Gang zu einer entfernt liegenden Apotheke erspart bleibt.

In großen schattigen Beeten wachsen Kräuter zur Herzkräftigung und Fiebersenkung, gegen Blähungen und Durchfall, gegen Hautkrankheiten und Verstopfung.

Blaue Schilder vor den Beeten weisen auf die Gattungen hin und innerhalb der Beete ist jede Pflanze mit einem weißen Schild einzeln beschrieben. Ein besonderes Augenmerk gilt dem Giftpflanzenbeet.
Hier steht der hochgiftige „Gemeine Stechapfel“ mit seiner fünfzipfeligen Trompetenblüte neben der „Königin der Nacht“, einem atropinhaltigen Kaktusgewächs, das nur in der Nacht blüht. Auch den in der letzten Zeit als Energiepflanze ins Gerede gekommenen Jatrophastrauch („Bellyache bush“)  kann man hier antreffen, dessen Früchte und Blätter hochgiftig sind.


Der Park

Suan Somdej ist eine erholsame Parkanlage in einer großartigen abgeschiedenen Natur. Breite Sandwege führen durch das schattige, baumreiche Gelände, und die unterschiedlichen landwirtschaftlichen Versuchsfelder verströmen ein vielfältiges Aroma.


Hohe Kokospalmen umrahmen stille Seerosenteiche, von denen manche komplett zugewachsen sind, so dass man sie fast für herrlich blühende Blumenwiesen halten könnte.


Hinter aufschießendem Bambusgehölz lugen einsame Pavillons hervor, und prachtvoll leuchtende Bouganvillea-Hecken blühen in den unwirklichsten Farbkompositionen.
Gelegentlich taucht eine Windmühle hinter ein paar jungen Palmen auf, und zwischen zwei mächtigen Baumriesen lädt eine Schaukel überraschend zu einer Rast ein.



Nur der künstlich angelegte Wasserfall im Bambushain ist in der Trockenzeit ohne Wasser und unter dem anmutigen Holzsteg, auf dem sich der Besucher unter armdicken Schwingästen hinweg ducken muß, hat der Bach nur eingetrocknete Pfützchen zurück gelassen.

Die Kräutermassage

Wer sich nach einem Spaziergang durch das weitläufige Gelände etwas ausruhen möchte, sollte sich auf dem zentralen Picknickplatz einen jener unschlagbar köstlichen Eistees gönnen oder sogar eine wohltuende Kräutermassage in Erwägung ziehen.

Der „Massagesalon“ befindet sich in einer schuppenähnlichen Holzkate. Das gesamte Bauwerk wurde ausschließlich mit Naturmaterialien erstellt. Der Aufbau besteht aus rohen, krummen Eukalyptusstangen und gründet auf einem Natursteinfundament. Die Seitenwände sind mit Bambusstöcken und Flechtmatten verkleidet, und das Dach ist mit Schilfgras bedeckt. Vor die offenen Fensterluken hat man ein Rechteckengeflecht aus Eukalyptusstäben gesetzt, das den warmen Windchen den Durchzug erlaubt. Durch die Verwendung natürlicher Baustoffe und die offene Bauweise ist es im Innern stets angenehm temperiert, wodurch der Aufenthalt zu einer Wonne wird.








Zur Massage kommen heiße Kräuterpackungen zum Einsatz, mit denen einzelne Körperteile abgerieben werden. Die Massagestunde kostet nur 150 Baht!

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Aus einem einstmals kahlen, vertrockneten Steppenland mit vereinzelten Baumruinen, ist ein fruchtbares Garten- und Landwirtschaftsgebiet entstanden.

Auf einer Schautafel kann man die stufenweise Entwicklung des Geländes seit der Gründung im Jahr 1987 nachverfolgen. Heute ist der Park ein beliebtes Ausflugsziel für die Thais. Schulklassen werden durch das Forstgelände geführt und Gemeindeabordnungen aus entfernten Landesteilen machen Lehrfahrten hierher. In offenen Versammlungspavillons finden Vorträge statt und geleitete Rundgänge führen durch das Areal. Leider nur auf Thai, dennoch kann man sich ihnen anschließen. Im zentralen Eingangsbereich des Geländes sind in einem großen Demonstrationspavillon viele lehrreiche Bilddokumente, Versuchsanordnungen und Ernteexponate ausgestellt.

Besuchen Sie dieses einmalige Gartenbauprojekt in der schönen Natur!

Der Park ist täglich geöffnet und kann eintrittsfrei besucht werden.Gruppen melden sich telefonisch unter 032 593 100 an.

Anfahrt:

Fahren Sie von Hua Hin Richtung Cha Am auf dem Petchkasem Highway Nr. 4. Biegen Sie bei der Ausschilderung zum Springfield Golfplatz nach links in die Landstraße Nr. 1001 ab. Nach ein paar Kilometern erreichen Sie die Autobahn. Überqueren Sie sie geradeaus. Folgen Sie der Straße etwa 4 oder 5 km und biegen dann zum Suan Somdej nach rechts ab.

(Entfernung von Hua Hin etwa 25 km.)


Bericht und Bilder: ©Paul Martini, Jan. 2011