Ötztaler Radmarathon

"Ich habe einen Traum..."
 
Der "Ötztaler" ist der Mythos unter den Radmarathons. Als Hobbyfahrer muß man sich einmal im Leben der Herausforderung stellen. Für einige Elmer Radsportler steht dieses Event auf dem Kalender. Der "Ötzi" hat für Ende August eingeladen und unter den ausgelosten Saarländern bilden wir die stärkste Truppe, vertreten sozusagen unser Saarland. Das ganze Jahr über war dieser Marathon ständiges Begleitthema während den Trainingsfahrten. Viel zu schnell ist nun der Zeitpunkt gekommen, wo keine Ausreden mehr zählen. Die Anspannung steigt, die Vorfreude auf dieses Event ist die schönste Freude.
Dennoch beginnt jetzt auch die mentale Phase. Sind wir den extremen Anstiegen gewachsen? Haben wir genügend Höhenmeter absolviert? Stimmt die Ernährung und ist das Material in Ordnung? Fragen, die sich jeder vermutlich insgeheim stellt.
Die Angst fährt immer mit! Einerseits wegen der langen Anstiege, bei denen stundenlang der Kettendruck nicht abreißen darf, andererseits wegen der ultraschnellen Bergabpassagen, die unsere volle Aufmerksamkeit und eine starke Nackenmuskulatur verlangen. Jeder bereitet sich individuell auf seine Ziele vor. So werden die Höhencharakteristiken studiert, die geplanten Zwischenzeiten notiert und womöglich gedanklich die letzten Kurven im Timmelsjoch gespeichert.
 
Unsere Ötzi-Finisher wissen, dass im Gipfeltunnel
am Timmelsjoch die Strapazen ein Ende haben, denn ab dort fährt man nur noch talwärts Richtung Sölden. Der kleine Zwischenanstieg während der Bergabpassage sollte aber nicht unterschätzt werden. Ich denke, dass dieses Jahr eine starke Mannschaft ins Rennen geht. Viele haben das ganze Jahr trainiert und haben ihre Stärken bei den vielen Vorbereitungsmarathons gezeigt. Die nötigen Trainingskilometer erreichten bei den Topfahrern die 10.000km Marke. Vermutlich werden die Vorjahreszeiten dadurch verbessert.
Andere wiederum müssen mit weniger Training auskommen, werden deshalb das Ziel unter erhöhten Schmerzen erreichen. Für unsere Ötzi-Neulinge habe ich keine Bedenken, der Eine oder Andere ist hier sogar für eine Überraschung gut. Die gelisteten Elmer Fahrer, die ihre Teilnahme aus unterschiedlichen Gründen leider absagen mußten, werden vermutlich das Geschehen nochmals per SMS verfolgen. Mir geht jedenfalls so langsam der Kackstift. Nicht wegen der fehlenden Trainingskilometer, sondern wegen der schlaflosen Nacht vor dem Event. Denn mein Zimmernachbar ist Weltmeister im schnarchen. Ich hoffe nur, dass er überhaupt mitfahren kann, da sein Urlaub noch nicht genehmigt ist.
 
Ich werde mir jedenfalls die Berichte der beiden letzten Jahre nochmals reinziehen und die DVD bis zum Abwinken anschauen. Vielleicht kompensiert diese Methode meine fehlenden Trainingskilometer!? Wir alle haben einen Traum, in diesem Sinne wünsche ich uns allen einen erfolgreichen Abschluß. Möge die Macht, äh - die Kraft mit uns sein und jeder seine Ziele erreichen. Vor allem gesund ankommen und hoffentlich spielt auch der Wettergott mit!
 
PS: Mark, bitte denkt an die Tischreservierung für Samstag. Hier findet die Teambesprechung statt, Matz
verteilt dann letzte Instruktionen, Strategie und Angriffsmöglichkeiten werden besprochen. Unser Mannschaftsarzt führt einen letzten Gesundheitscheck durch, üblicherweise werden hier nach ca. 3 Weizenbier die Reaktionsgeschwindigkeiten getestet. Des Weiteren werden die Laktatwerte dokumentiert und sollte ein evtl. parasympathicotone Übertrainingssyndrom festgestellt werden, so könnte ein Ungleichgewicht im Aminosäurestoffwechsel der Grund sein.
 
Man geht in Fachkreisen von einer Verschiebung des Gleichgewichts der Plasmakonzentration zwischen verzweigtkettigen Aminosäuren und freiem Tryptophan aus. Was das bedeutet, brauche ich euch nicht zu sagen. Dies könnte zu einer erhöhten Konzentration an Tryptophan und 5-Hydroxytryptamin (besser bekannt als Serotonin) im Gehirn und in den peripheren Nervenzellen führen. Die Ursache für dieses mögliche Aminosäuren-Ungleichgewicht könnte eine zu intensive Muskelarbeit mit erhöhtem Verbrauch an verzweigtkettigen Aminosäuren als Energiequelle sein bei gleichzeitiger Steigerung der freien Fettsäuren im Plasma durch zu umfangreiches extensives Ausdauertraining.
Nach Rücksprache mit meinem privaten Leistungsdiagnostiker stellt sich die Frage, ob diese Effekte, die eigentlich eher bei der akuten Ermüdungsreaktion der Muskulatur eine Rolle spielen, auch für das Übertrainingssyndrom verantwortlich gemacht werden können, oder ob das beschriebene Aminosäuren-Ungleichgewicht auch andere Reaktionen bewirken kann. Wie dem auch sei, am Sonntag sind wir schlauer!  A.P.
 

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