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Saarlandschwein


Tja das Schwein ist so eine Sache! Da hat doch ein saarländischer Radfahrer eine schöne und böse Strecke zugleich geschaffen. Irgendwie kommt man als ambitionierter Radmarathonfahrer im Saarland nicht daran vorbei. Das Schwein ruft … und es will erlegt werden!

Was das Saarlandschwein ist? Man bewege sich in Richtung Südwesten und nehme das kleinste Flächenland der deutschen Bundesländer als Ziel.

Es gilt die 2.569,69 km² des Bundeslandes möglichst an den Rändern bzw. Grenzen zu umfahren. Werden die Daten mit einem GPS Gerät aufgezeichnet, so lässt sich nach der Runde ein Schwein erkennen. Start und Ziel ist variabel, es muss nur dort angekommen werden wo gestartet wurde. Es gelten ein paar Grundregeln bezüglich der Streckenführung etc., die gerne auf der offiziellen Seite unter www.saarlandschwein.de eingesehen werden können.


Klingt zunächst mal ganz simpel, groß ist das Saarland ja nicht, meinte auch Innenminister Horst Seehofer als er 2014 am politischen Aschermittwoch spottete: „Das ganze Bundesland sei nur so groß wie mancher bayerische Landkreis. Wenn man im Saarland sei und ein Fahrrad leihe, tauche deshalb die Frage auf: „Was machen wir nachmittags?“. Nun ja, im Saarland Radfahren war er noch nicht. Und die Antwort auf die Frage lautet, auch am Nachmittag wird auch noch Rad gefahren, wenn das Schwein bezwungen werden will. Denn die Strecke ist über 300 km lang.

Martin und Jochen vom Team TV Elm stellen sich der Herausforderung. Samstags morgens um 6 Uhr in Wadgassen beginnt die Jagd. Gefahren wird im Uhrzeigersinn. Nach einer heißen Woche sind für Samstag teils schwere Gewitter gemeldet. Morgens ist es aber noch trocken. Gute Bedingungen! Der Plan ist gemacht. Zunächst geht es ein Stück in die falsche Richtung zum Einstieg in Luisenthal. Dann wird der Warndt bezwungen, bevor es über den Saargau in Richtung Mosel und Luxemburg geht. Die Stimmung und Motivation sind super und die ersten Hügel und Kilometer laufen richtig gut. Dunkle Wolken über Frankreich zeigen aber schon erste Gewitter. Doch es geht zunächst alles glatt. Schwein gehabt!


Die 100 km Marke fällt in Perl, wo auch der erste Zwischenstopp ansteht. Flaschen füllen und was kleines Essen, schon geht es weiter entlang der Mosel, bevor die Strecke in die Weinberge führt. Teils steile und längere Anstiege zehren an den Kraftreserven. Auch die Temperaturen legen zu. Die Wolken sind weg und die Sonne gewinnt an Kraft. Nach einigen schweren Kilometern gelangen die beiden Elmer nach Mettlach, von wo es lange bergauf in Richtung eines der höchsten Punkte der Tour  geht. Hier machen sich die Beine zum ersten Mal richtig bemerkbar. Und zum ersten Mal müssen beide Schweine, der innere Schweinehund und das Saarlandschwein, bekämpft werden. Dafür entschädigt der tolle Ausblick hier oben.

Und auch der nächste gesetzte Zwischenstopp in Weiskirchen ist erreicht. Beim Km 160 gilt es nochmals Reserven auffüllen. Der Tag wird noch lang. Und auch für den Kopf ist es eine extreme Herausforderung. Die Hälfte der Strecke ist aber geschafft. Hinter Weiskirchen warten mit Wadrill und Richtung Nonnweiler weiter steile Anstiege. Auch Höhenmeter werden an diesem Tag genügend bezwungen. Entlang der nördlichen Grenze verläuft die Route über Türkismühle in Richtung Freisen. Zu zweit ist so eine Tour doch deutlich angenehmer, auch mental. Martin und Jochen treiben ihre Bikes voran und liegen noch gut im gesteckten Zeitplan. Im hohen Norden des Saarlandes wird das Wetter zunehmend schlechter. Einige Tropfen fallen. Nebenbei fällt auch gerade die 200 km Marke. Eigentlich könnte auch schon Schluss sein, aber das Schwein verlang nach mehr. Weiter, immer weiter. Kurz vor dem dritten Zwischenstopp in Höchen ist die Straße auf einmal klatschnass. Von oben bleibt es zum Glück trocken. Gewitter verfehlt. Ihr wisst schon, nochmal Schwein gehabt!


Bei km 228 macht sich die lange Tour aber schon richtig bemerkbar. 2/3 der Tour sind vorbei, bleiben ja nur noch 100 km übrig. Schweinzig! Es geht vorbei an der östlichen Landesgrenze und durch Homburg hindurch. Dann folgt die Bliesgaupassage. Schön ist es hier nebenbei auch noch, spielt nach 8 Stunden auf dem Bike aber nur eine untergeordnete Rolle. In Gersheim dann der letzte Zwischenstopp, km 274.

Nochmal auftanken und dann mit Vollgas in Richtung Heimat. Mit Martin als Diesellok geht es entlang der deutsch französischen Grenze nach Saareguemines und von dort über Saarbrücken zurück zum Start- und Zielort.

Das Saarlandschein ist bezwungen. Ohne Gewitter oder sonstige Probleme. Es stehen letztendlich unglaubliche 336 km und ca. 3800 Hm auf dem Tacho. Der Wahnsinn. Das Schwein ist nach ca. 10:30 h reiner Fahrzeit im 29. Schnitt erlegt.

Kleines Bundesland, große Herausforderung. Es war eine tolle Tour. J.K

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