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La Doyenne



Der Frühjahrsklassiker Lüttich-Bastogne-Lüttich, auch La Doyenne genannt, ist das älteste Eintagesrennen im Radsportkalender und eines der 5 Radsportmonumente neben der Primavera Mailand-San-Remo, der Flandernrundfahrt, Paris-Roubaix und der Lombardeirundfahrt. Seit 1892 wird dieser Frühjahrsklassiker ausgetragen.

Am Tag vor dem Profirennen dürfen sich alle Radsportenthusiasten am Klassiker in Belgien versuchen. Dabei führt die Strecke auf der Originalroute, lediglich der Start- und Zielort liegen etwas abseits direkt an der Maas.

Lüttich Bastogne Lüttich führt über 277 km und ca. 4.300 Hm zunächst in südlicher Richtung nach Bastogne und von dort über viele kleine Umwege und Schleifen wieder zurück nach Lüttich. Dabei werden die Ardennen mit ihren vielen Steigungen durchquert.

Im Vergleich zu den Vorjahren herrschen bei der Austragung 2018 sonnige und hochsommerliche Bedingungen mit bis zu 30° C. So etwas gab es selten bei der Doyenne. Das Radsportmonument zu bestreiten haben sich dieses Jahr auch die beiden Elmer Teamfahrer Martin und Jochen zum Ziel gesetzt. Dabei war die Unterbringung im Hotel in Maastricht schon ein Volltreffer. So haben sich neben uns die beiden Profiteams Lotto Soudal und Sundweb einquartiert. Das hat die Vorfreude auf das Event gleich mal verdoppelt.

Nach einer kurzen Nacht ging es um 6:30 Uhr an den Start nach Lüttich. Bereits jetzt liegen die Temperaturen bei 14° C. Die Stimmung ist aufgeladen. Über 8.000 Starter auf 3 Strecken tummeln sich im Start- und Zielbereich. Dann geht es los. Lüttich Bastogne Lüttich 2018 ist gestartet.

Zunächst geht es durch die Stadt. Kreuzungen, schlechte Straßen und Verkehr machen den Start etwas nervös. Dann geht es aus der Stadt ins hügelige Umland. Mit den ersten ansteigenden Metern kommt auch die Sonne heraus. Ein schöner Sommertag kündigt sich an. Die Marschtabelle mit den wichtigsten Bergen der Tour hat jeder Teilnehmer auf dem Oberrohr angebracht.

Doch auch neben den markanten Stellen, gibt es unzählige weitere Steigungen in den Ardennen. Flach wird es hier ohnehin nie. Aus den vielen Startern bilden sich nach den ersten Bergen immer wieder kleinere und größere Gruppen mit denen es in Richtung Süden geht. Martin und Jochen versuchen dabei möglichst wenig Energie zu verschwenden. Der Tag wird noch lang genug!

Bei km 78 steht mit der Côte de Bonnrue der erste klassifizierte Anstieg an. Dieser stellt noch keine großen Probleme da. Landschaft und Wetter präsentieren sich von der besten Seite, als die beiden Elmer Fahrer den Wendepunkt der Strecke in Bastogne passieren und sich wieder in nördlicher Richtung nach Lüttich bewegen.

Nun nimmt der Marathon aber erst richtig Fahrt auf. Die Côte de Saint-Roche im Örtchen Houffalize weist gleich mal 20 % Steigung auf. Da muss der kleinste Gang her und trotzdem ist der volle Kraftaufwand von Nöten um die Steigung zu bezwingen. Kreuz und Quer führt das Rennen nun durch die Ardennen. Martin und Jochen halten sich noch immer gut. Doch die Kilometer machen sich langsam bemerkbar. Ein solch langer Radmarathon so früh im Jahr ist auch nicht zu unterschätzen. Bei Kilometer 187 wird Lüttich Bastogne Lüttich aber erst so richtig hart. Die Côte de la Ferme Libert ist wieder eine der extrem steilen Steigungen, so steil dass einige ihr Rad schieben müssen. Die beiden Elmer kommen auch hier noch gut hinüber, aber die Beine machen sich schon gut bemerkbar. Doch es geht Schlag auf Schlag weiter, keine Pause mehr, kaum Erholung. Ein Highlight gibt es dann auch noch entlang der Strecke, als der berühmte Rennkurs in Spa Francorchamps passiert wird. Dort heulen die Motoren auf Hochtouren, während sich der eigene Motor langsam an der Grenzdrehzahl bewegt.

Auf die steilen Steigungen folgen mit dem Col du Rosier (km 202) und dem Col de Maquisard (km 216) zwei längere und nicht ganz so steile Steigungen. Dann steht eines der großen Highlights der Route auf dem Plan. Eine längere Abfahrt bringt die Radfahrer zur Côte de la Redoute (km 228), wieder ein unglaublich steiler Anstieg.

Hier wird Radsport gelebt. Bereits heute am Samstag vor dem eigentlichen Profirennen ist die Straße von Wohnmobilen und Radsportfans besiedelt, die jeden anfeuern und ihre Leidenschaft leben. Die Straße ist mit den Namen der Profis bemalt. Das gibt alles noch mal einen Extraschub Motivation, auch wenn die Côte de la Redoute nach bereits 228 km richtig schmerzt. Doch das Ende naht und das Finale ist eingeläutet. Die Fahrer befinden sich bereits in den Vororten von Lüttich. Zwei Steigungen müssen Martin und Jochen noch bezwingen.

Das extrem lange Rennen macht sich aber mehr und mehr bemerkbar, über 8 Stunden im Sattel sind bereits vorüber und Beine, Rücken und Arme schreien verlangen endlich nach dem Ziel. Nach der Côte de la Roche Aux-Faucons (km 246) steht zum Finale noch die Côte de Saint – Nicolas (km 260) an. Hier heißt es nochmals alles geben. Wieder ist es richtig steil. Doch das Ziel ist zum Greifen nahe.

Und dann ist es geschafft. Nach 10:30 h sind die 277 km und 4.300 Hm des Frühjahrsklassikers Lüttich-Bastogne-Lüttich überstanden. Total platt aber überglücklich rollen Martin und Jochen am Ufer der Maas über den Zielstrich. Das war ein einmaliges Erlebnis und ein richtiges Highlight in der noch frühen Radsportsaison. Das nächste Frühjahr und die Klassiker kommen wieder. Wer sich dann wieder an der Startlinie befindet wird sich zeigen….  
J.K.


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