Was ist Systema

WAS ist Systema?

 

Systema ist eine altrussische Kampfkunst. Sie beinhaltet die Verteidigung gegen einen und mehrere Angreifer, Waffenkampf, psychische Ausbildung und andere Fertigkeiten, die für einen Menschen im Alltag und in Extremsituationen nützlich sein können.

 

Systema ist eine ganzheitliche Lehr- und Ausbildungsmethode, die körperliche, psychologische und geistige Übungen enthält. Diese Methode eignet sich für jeden Menschen unabhängig von seinem Geschlecht, Alter, der körperlichen Verfassung, Konfession oder Nationalität. Sie fördert die psychologische und geistige Entwicklung, sowie die Körperkultur des Menschen.

 

Was macht man als Erstes, wenn man mit dem Systema-Training anfängt?

 

1. Man lernt, richtig zu atmen, und stärkt das Nervensystem. Im Training werden immer die eigenen Handlungen bewusst kontrolliert. Dies ist in der Regel mit der Synchronisierung von Bewegung und Atmung sowie von Atmung und Puls verbunden. Mit Hilfe der Atmung, sowie der An- und Entspannung der Muskulatur lernt man den Stress, die Aufregung und die Angst zu bekämpfen. Denn die Atmung ist die Grundlage zur Regulierung von physiologischen Vorgängen, die den Hauptmechanismus von Stressreaktionen darstellen.


2. Man lernt, sich beim Fallen zu sichern. Ein Training beginnt mit Gehen, Laufen, Fall- und Rollübungen verbunden mit unterschiedlichen Arten der Atmung. Dabei ist die Fall- und Rolltechnik so konzipiert, dass man jederzeit in der Lage ist, einen Gegenstand in den Händen zu halten.


3. Man stärkt seinen Stütz- und Bewegungsapparat. Im Systema gibt es viele körperliche Übungen, bei denen der Schwerpunkt nicht auf der Zunahme der Muskelmasse liegt, sondern auf der Stärkung von Gelenken und Sehnen, Konditionsaufbau, Ausdauer und Schnellkraft.

 

Außerdem entwickelt man im Systema Geschicklichkeit, Koordination und Reaktionsgeschwindigkeit. Man trainiert seinen Vestibularapparat („Gleichgewichtsorgan“), den Blutkreislauf und das Atmungssystem, lernt Schläge zu absorbieren, mit Schmerzen umzugehen und stärkt seinen gesamten Körper.

 

Die oben aufgezählten Aspekte gehören zu den Grundlagen von Systema. Mit dem steigenden Können geht man zum angewandten Teil über, und zwar zur Kunst des Kampfes. Das Lehren von Kampffertigkeiten geschieht durch eine direkte Weitergabe des Wissens vom Ausbilder zum Studenten, aber auch vom Studenten zum Studenten. Die Grundlagen kann man im Selbststudium erlernen. Dagegen braucht man für den angewandten Bereich unbedingt einen qualifizierten Ausbilder und einen Trainingspartner. Die Grundlagen sind eine wichtige Voraussetzung für das Weiterkommen im Systema, denn um das Wissen von Systema-Ausbildern zu bekommen, muss man wenigstens richtig fallen und sich sichern können.

 

Im Systema gibt es weder besondere Kampfstellungen, noch formelle Übungen. Im Kampf verwendet man natürliche Positionen und Bewegungen. Dadurch lernt man, jederzeit bereit für einen Angriff zu sein. Der Nahkampf im Systema hat keine Schablonen und basiert auf einem Feingefühl für den Gegner. Um ein solches Feingefühl zu entwickeln, braucht man einen entspannten und beweglichen Körper, sowie eine sehr aufmerksame, feinfühlige, achtungsvolle Haltung seinem Gegner gegenüber. Auf diese Art und Weise wird Systema nicht aggressiv. Das Ziel von Systema ist nicht, dem Gegner zuvorzukommen oder ihn zu besiegen, sondern ihn zu lenken. Denn wenn es mehrere Gegner sind, reicht die Kraft nicht aus, alle zu überwinden. Aber durch entsprechendes Können ist es möglich, sich auch in solchen Situationen zu verteidigen.

 

Ein aufmerksames Verhalten gegenüber dem Gegner führt dazu, dass ein Kampf eher an einen Dialog erinnert, und im Training eine sehr freundschaftliche Atmosphäre herrscht. Die Kunst den Gegner zu lenken, erlaubt es, in einer realen Situation einen Kampf oft zu beenden, bevor er begonnen hat. Außerdem entsteht durch das Systema-Training die Gewohnheit, jedem Menschen gegenüber aufmerksam und höflich zu sein, was ohne Zweifel sinnvoll für das alltäglichen Leben und zwischenmenschliche Beziehungen ist. Dies führt insgesamt zu einem geistigen Wachstum des Trainierenden. (Andreas Weitzel)

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