Grundprinzipien

Grundprinzipien

 

Eins der wichtigsten Merkmale des Systema ist, dass es keine feste Techniken oder Bewegungsabläufe enthält, sondern es basiert auf grundlegenden Prinzipien. Dies sind: Richtige Atmung, richtige Form und richtiger Zustand. Diese drei Faktoren sind eng miteinander verbunden und hängen stark voneinander ab.

 

Die Atmung

 

Die Atmung ist der wichtigste physische Faktor im Systema. Sie steuert alle Aktivitäten unseres Körpers und unterstützt psychologische Vorgänge in uns. Aber wie atmet man richtig?

 

Man soll konstant und ununterbrochen atmen. Viele halten ihre Atmung bei großer körperlichen oder psychischen Belastung an und machen damit einen Fehler. Sie unterbrechen damit ihren eigenen Lebensrhythmus, Bewegungsrhythmus, sogar den Denkrhythmus. Viele Funktionen brechen zusammen, und man verliert die Kontrolle über sich selbst und über die Situation.

 

Man soll durch die Nase einatmen und durch den Mund ausatmen. Unsere Nase ist eine perfekte Klimaanlage. Sie reinigt die Luft, die in unsere Lungen hereinkommt, sie reguliert ihre Temperatur und Feuchtigkeit. Wenn wir durch den Mund einatmen, ist das genauso, als ob wir verschmutzte, heiße oder tiefgekühlte Lebensmitteln essen würden. Langfristig zerstört man seinen Körper. Kurzfristig verliert man sehr schnell eigene Kräfte, man kommt aus dem Atem, man verliert an Kondition und Ausdauer.

 

Man soll seine Atmung den Umständen anpassen. Das bedeutet, wenn die körperliche bzw. psychische Belastung steigt, und der Körper nicht mehr mitkommt, wird dies durch eine intensivere Atmung ausgeglichen. Oder wenn man merkt, dass man die Kontrolle über sich verliert (aus Panik, Angst, Aufregung, Unsicherheit etc.), beruhigt man seine Atmung, die ihrerseits beruhigend auf die Psyche wirkt und hilft, das Gleichgewicht herzustellen.

 

 

Die Form

 

Unter der Form versteht man im Systema die stabile Haltung des Körpers und die Ökonomie der Bewegung. Und hier gibt es auch bestimmte Faktoren, die die richtige Form fördern:

 

Man soll stets einen geraden Rücken haben. Das ist die erste und gleichzeitig die wichtigste Bedingung für ein sicheres Gleichgewicht im Kampf und bei jeder anderen Aktivität. Solange man sich mit einem geraden Rücken bewegt, kontrolliert man eigene Bewegungen und die des Gegners. Demzufolge, wenn man seinen Gegner aus dem Gleichgewicht bringen will, soll man eine schräge Position seines Rückens erreichen.

 

Man soll kleine Schritte machen. Dies sorgt zusätzlich für ein sicheres Gleichgewicht. Wenn man kleine Schritte macht, ist man eher in der Lage einen geraden Rücken zu halten. Man ist auch beweglicher und entspannter im Kampf.

 

Man soll Hüfte und Schulter stets parallel zum Boden halten. Dadurch wird der Rücken stabilisiert, der Gang wird gerader und sicherer. Die Körperhaltung wird stabiler, das Gleichgewicht ist stets vorhanden.

 

Man soll sich ununterbrochen bewegen. Während des Kampfes darf man nicht ständig voll bremsen und dann beschleunigen oder nach jeder Bewegung anhalten, um dann die nächste Bewegung auszuführen. Solche Bremsvorgänge destabilisieren die Psyche und bringen einen sowohl aus dem psychischen wie aus dem körperlichen Gleichgewicht. Demzufolge müssen alle Bewegungen auf einer unendlichen, in sich geschlossenen Bahn verlaufen.

 

Man soll Bewegungen mit minimalem Krafteinsatz ausführen. Sie müssen ökonomisch und entspannt sein. Dies bringt eine bessere Mobilität und sichere Kontrolle der gesamten Situation. Man ist in der Lage auch unter erschwerten Bedingungen (verletzt, verwundert, krank etc.) zu kämpfen.

 

 

Der Zustand

 

Darunter versteht man im Systema den geistigen, seelischen und psychischen Zustand, in dem man sich gerade befindet. Nur wenn der Zustand stimmt, kann man einen Kampf führen oder Menschen heilen. Der Zustand ist der eigentliche Kern des Systema und unterliegt keiner wörtlichen Beschreibung. Er hängt aber sehr stark von der Atmung und der Form ab. Deswegen ist es äußerst wichtig, seine Atmung und Form stets zu verbessern und zu perfektionieren, um einen stabilen Zustand zu haben.

Andererseits wenn man seelisch und geistig schwach ist, erreicht man auch keine gute körperliche Form. Man bleibt einfach irgendwo stehen und entwickelt sich nicht mehr weiter. (Andreas Weitzel)

 

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