Befestigungsbauten - Eine kleine Enzyklopädie

Zusammenstellung von Steve Lippmann

A  B  C  D  E  F  G  H  I  J  K  L  M  N  O  P  Q  R  S  T  U  V  W  X  Y  Z

Beispiele Personen


Zangentor wird bei einer Befestigungsanlage ein Tor genannt, das zwischen nach innen schwenkenden Außenmauern tief eingebettet ist. Ankömmlinge mussten sich dem Tor durch den auf diese Weise entstehenden Hohlweg nähern und konnten beidseitig von der Mauer aus abgewehrt – in die Zange genommen – werden.

Zaun ist eine Einfriedung. Er trennt zwei Bereiche dauerhaft oder auf Zeit durch eine von Menschen geschaffene Grenze. Geschieht dies speziell um Tiere einzuschließen, spricht man auch von Gatter oder Pferch. Das deutsche Wort Zaun ist verwandt mit dem englischen Wort town für Stadt und dem niederländischen Wort tuin für Garten. Es bezeichnete also ursprünglich nicht das Hindernis selbst, sondern das von ihm umschlossene Gebiet. Mit 5.400 Kilometer ist der Dingozaun im Südosten Australiens der längste Zaun der Welt. Siehe Gatter.

Zebra-Paket Das Zebra-Paket waren 141 Minen mit Nuklearsprengköpfen, die im Kalten Krieg von der US Army an der innerdeutschen Grenze für den Fall eines Angriffs als Sperre eingeplant waren. Sie wiesen eine Sprengkraft von jeweils zwischen 0,01 und 10 Kilotonnen TNT-Äquivalent auf (Hiroshima-Bombe: ca. 13 Kilotonnen).

Zernierung (frz. cerner für umzingeln) ist die Einschließung einer Örtlichkeit, insbesondere einer Festung oder einer Insel, mit Truppen und die damit bewirkte Absperrung derselben nach außen. Die Zernierung pflegt der Belagerung vorauszugehen. Zuweilen beschränkt sich der Angreifer auf eine reine Zernierung, um den Platz auszuhungern. Zernierungslinie nennt man die Linie rund um die Festung, in welcher das Zernierungskorps steht. Man sichert sie durch Verschanzungen, früher selbst durch eine zusammenhängende Zirkumvallationslinie. Siehe Circumvallation.

Zerschellschicht Der militärische Begriff bezeichnet eine Steinpackung an einem Mauerwerk oder an einer Betonwand eines Festungswerkes, mit deren Hilfe auftreffende Geschosse frühzeitig zur Explosion gebracht werden sollen, damit diese die eigentlichen Festungswände nicht wesentlich beschädigen können.

Zeughaus wird ein Gebäude bezeichnet, in dem Waffen und militärische Ausrüstungsgegenstände gelagert und instand gesetzt wurden. Heute erfüllen Arsenale die ursprüngliche Aufgabe der Zeughäuser, nur in der Schweiz wird der Begriff Zeughaus noch im eigentlichen Sinn verwendet. Siehe Arsenal.

Zingel (lat. cingulum für Gürtel) bezeichnete man einen Teil der Vorburg. Ursprünglich verstand man darunter die Palisade mit voranliegendem Wall und einem Burggraben, im Hoch- und Spätmittelalter schließlich die äußere Ringmauer einer Burg oder Stadt, auch Zingelmauer genannt, die dem umgebenden Gelände angepasst war. Oft auch Mantelmauer oder Bering genannt, lebt der Begriff selbst heute noch in Straßennamen wie zum Beispiel in Hildesheim oder Salzgitter weiter.

Zinne (von ahdt. zin für Stab) ist ein gemauerter Aufsatz auf einer Brustwehr. In ihrer ursprünglichen Funktion diente die ungefähr mannshohe Zinne dazu, einem dahinter auf einem Wehrgang oder einer Wehrplattform stehenden Verteidiger Deckung gegen feindliche Fernwaffenzu geben. Die zwischen den Zinnen liegenden Lücken (auch als Zinnenfenster oder -scharten bezeichnet) reichen innenseitig bis auf die Höhe einer Brüstung hinab und erlauben den Verteidigern Zugriff auf das Schussfeld.

Zisterne (lat. cisterna für unterirdischer Wasserbehälter) ist ein unterirdischer oder abgedeckter Sammelbehälter für Trink- oder Nutzwasser. Zisternen wurden bereits in der Stein- und Bronzezeit verwendet. Im Mittelalter findet man sie oft in Höhenburgen, da Burgbrunnen aufgrund des großen Höhenunterschiedes zum Grundwasser besonders aufwendig zu erstellen sind. Gleiches gilt für Festungen in der Neuzeit.

Zitadelle ist ein selbstständiger, besonders stark ausgebauter Teil einer Festungsstadt, der von dieser üblicherweise durch eine Esplanade getrennt ist. Bei einer Erstürmung der Stadt durch feindliche Truppen diente die Zitadelle als Rückzugsort für die Garnison.

Zollburg ist eine Burganlage, die im Mittelalter und der Frühen Neuzeit eine Zollstation sichern und überwachen sollte. Sie stand deshalb immer in deren Nähe an wichtigen Fernhandelsstraßen wie zum Beispiel den Alpenpässen oder dem Mittelrhein. Eine solche Burg war meist strategisch günstig an Grenzübergängen, Flussquerungen oder Bergpässen gelegen, damit die Zolleinziehung nicht umgangen werden konnte, und verfügte über bewaffnete Wachen.

Zombeck-Turm (offiziell: Luftschutzturm der Bauart Zombeck, umgangssprachlich auch „Rundbunker“) ist ein normierter deutscher Hochbunkertyp aus dem Zweiten Weltkrieg. Im Jahr 1937 ließ der Konstrukteur Paul Zombeck den nach ihm benannten Rundturmtyp patentieren, Zombeck-Türme sind aus Beton erbaut, besitzen jedoch meist eine Fassade aus Klinkern. Auch das kegelförmige Betondach, das Bomben abweisen soll, ist mit Dachpfannen verkleidet. Damit vermittelten sie der Bevölkerung das Gefühl einer Trutzburg und fielen bei Luftangriffen im Wohnumfeld weniger auf.  Die meisten Zombeck-Türme stehen noch heute in Hamburg. Siehe Hochbunker.

Zonenrandgebiet war ein etwa 40 Kilometer breiter Gebietsstreifen der Bundesrepublik entlang der Grenze zur DDR. Er ging hervor aus der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und setzte sich entlang der deutschen Grenzlinie zur Tschechoslowakei bis zu deren Anstoßen an die Grenze Österreichs fort. Siehe Innerdeutsche Grenze.

Zuchthaus Haftstrafen sind ein geschichtlich junges Pendant zu Leibes- und Lebensstrafen. Das erste Zuchthaus wurde in der frühen Neuzeit in den Niederlanden eröffnet, das Rasphuis. Kurz darauf wurden nach diesem Konzept in den meisten deutschen Städten ebenfalls Zuchthäuser errichtet. Die Idee des Zuchthauses machte in weiten Teilen Europas Schule. Die ersten deutschen Zuchthäuser entstanden in Bremen (1609), Lübeck (1613) und Hamburg (um 1620). Siehe Gefängnis.

Zugbrücke Bewegliche Brücke über einen Graben, die im Falle einer Belagerung hochgezogen werden kann. Die Zugbrücke lässt sich als Bauelement bis ins 20. Jahrhundert verfolgen.

Zutrittskontrolle (auch Zugangskontrolle) steuert den Zutritt über ein vom Betreiber festgelegtes Regelwerk „Wer – wann – wohin“, damit nur berechtigte Personen Zugang zu den für sie freigegebenen Bereichen in Gebäuden oder geschützten Arealen auf einem Gelände erhalten. Die Zutrittsberechtigungen können zeitlich begrenzt werden (Ablauffrist, Uhrzeit). Die Zutrittsberechtigung kann von Menschen, z.B. Mitarbeitern eines Sicherheitsdienstes, oder auch von technischen Zutrittskontrollsystemen anhand von Identitätsnachweisen überprüft werden. Als Identifikationsmerkmal für die Zutrittskontrolle können sowohl materielle, geistige als auch biometrische Identmittel dienen.

Zutrittssteuerung ist ein System, das die Aufgabe hat, die Zutrittsberechtigung von Personen zu Gebäuden, Gebäudeteilen oder Arealen zu prüfen. Aus dieser Prüfung muss das System eine Handlungsfolge ableiten können (Zutritt gewähren/Zutritt unterbinden).  Häufig werden Zutrittskontrolle (oder Zugangskontrolle) und Zutrittssteuerung synonym zueinander verwendet. Dies ist jedoch umstritten, da unter dem Begriff der Zugangskontrolle häufig alle technischen und organisatorischen Maßnahmen verstanden werden, die zur Steuerung und Abrechnung der Benutzung von Diensten gehören, wohingegen sich die Zutrittssteuerung auf die Sicherung beschränkt. Zutrittssteuerungen regeln somit meist den Zutritt zu empfindlichen Anlagen wie Labors.

Zwangsarbeit (Nationalsozialismus) Der Zwangsarbeit wurden im nationalsozialistischen Deutschen Reich und in den von der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg besetzten Gebieten mehr als zwanzig Millionen Menschen unterworfen. Zwangsarbeiter wurden in allen Bereichen eingesetzt, in der Landwirtschaft, im Handwerk, für die Kirche, in der Industrie, besonders der Rüstungsindustrie, im staatlichen Sektor und bei der SS. Zwangsarbeiter wurden beim Bau von Militäranlagen eingesetzt. Die bekanntesten Großprojekte waren der Westwall, der Atlantikwall, die U-Boot-Bunker, Luftschutzanlagen und die Untertageverlagerung von kriegswichtigen Industrieteilen. Nach Luftangriffen wurden Zwangsarbeiter zur Brandlöschung, Trümmerbeseitigung, Leichenbergung, Hilfe bei der Beisetzung und zur Beseitigung der Schäden herangezogen.

Zwingburg ist eine stark befestigte, festungsartige Burg, von der aus das sie umgebende Land beherrscht wird. Zwingburgen wurden vor allem in Hochmittelalter und Spätmittelalter zur Sicherung herrschaftlichen Territoriums in Gebieten errichtet, deren Bevölkerung als dem Herrscher gegenüber nicht ausreichend loyal eingeschätzt wurde.

Zwinger Das Gelände zwischen der Ringmauer und einer zusätzlichen, vorgeschobenen Mauer (Zwingermauer).

Zwischenraumstreiche (auch Traditor) Hier stationierte Artillerie wies nicht zur Front- bzw. Feindseite, sondern gegen Feindsicht gedeckt in Tote Winkel, in Zwischenräume und in die Vorfelder benachbarter Befestigungen. Manchmal waren sie als Bestandteil eines Forts / Festung, manchmal als Zwischenwerk angelegt.

Zwischenwerk (frz. Ouvrage) ist im Festungsbau ein befestigter Stützpunkt zwischen den Forts einer Festung. Im Inneren eines Zwischenwerks kann sich eine Kasematte als Unterkunft für militärische Einheiten befinden, vor allem für Infanterie.Zwischenwerke dienen im Normalfall zur Verteidigung der Räume zwischen den größeren Forts. Meist sind sie mit schweren Maschinengewehren und / oder PaKs, manchmal auch mit leichten Geschützen ausgerüstet. Auf Fernartillerie wurde in der Regel verzichtet, da diese Aufgabe eher von den benachbarten Forts übernommen wurde. Nicht immer sind die Grenzen zu anderen Typen von Forts eindeutig.

Zyklopenmauerwerk (auch Polygonalmauerwerk) ist eine Sonderform des Bruchsteinmauerwerks aus sehr großen, unregelmäßigen Steinen, welche sorgfältig aufeinander geschichtet sind. Bei lagerhaftem Material und einem mehr oder weniger geometrischen Aussehen der Sichtseite der Mauer spricht man von Bruchsteinmauerwerk, bei einer unregelmäßig polygonalen Sichtfläche von einem Zyklopenmauerwerk. Das Fugenbild ist unregelmäßig und ohne waagerechte Fugen. Oft handelt es sich um eine in zweischaliger Bauweise gebaute Mauer mit einer Füllung aus Steinen und Lehm. Der Name der Zyklopen-Technik wurde abgeleitet von den Zyklopen, den mythischen Erbauern der Stadtmauern in Tiryns und Mykene. Es trat erstmals in Archaischer Zeit in Griechenland auf. In Italien wurde das Polygonalmauerwerk als opus siliceum bezeichnet.