Befestigungsbauten - Eine kleine Enzyklopädie

Zusammenstellung von Steve Lippmann

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Beispiele Personen


Observatoires cuirassés (auch Cloche observatoire) wurden die gepanzerten Beobachtungsstände bezeichnet, die in Frankreich erstmals in den Forts vom Typ Séré de Rivières der Barrière de fer eingebaut wurden. Aufgabe der Kuppeln war die Beobachtung des Gegners und auch die Feuerleitung der eigenen Geschütze, dabei der Schutz der Beobachter vor Granatsplittern und sonstigen Projektilen. Siehe Barrière de fer.

Offene Stadt Im Kriegsrecht bezeichnet offene Stadt eine Stadt oder Ortschaft, die nicht verteidigt wird und daher nicht angegriffen oder bombardiert werden darf. Grundlage ist Artikel 25 der Haager Landkriegsordnung, der den Begriff offene Stadt jedoch nicht verwendet: "Es ist untersagt, unverteidigte Städte, Dörfer, Wohnstätten oder Gebäude, mit welchen Mitteln es auch sei, anzugreifen oder zu beschießen." Davon abweichend wird der Begriff offene Stadt auch als Synonym für unbefestigte Stadt verwendet. Siehe Stadt.

Oikos (agr. οἶκος) war im antiken Griechenland die Haus- und Wirtschaftsgemeinschaft, die den Lebensmittelpunkt bildete. Die Begriffe Ökonomie und Ökologie sind davon abgeleitet. Die Wirtschaft des Oikos war in erster Linie auf Autarkie ausgerichtet – was allerdings nicht immer möglich war, wenn man z.B. an Metallverarbeitung denkt. Die wirtschaftliche Prosperität des Oikos sicherte auch die soziale Stellung der Familie. Aristoteles grenzte Oikos gegenüber der griechischen Polis – deutlich ab, womit er seinem Lehrer Platon widersprach. Platon sah keinen Unterschied zwischen einem großen Oikos und einer kleinen Polis. Bautypologisch wird mit Oikos der familiäre oder sakrale Versammlungsbau einer Gemeinschaft bezeichnet. Siehe Polis und Synoikismos.

Onager ist eine Bezeichnung für ein spätantikes Katapult. Siehe Belagerungsgerät.

Operation Gatekeeper war eine 1994 von der US-Regierung unter Bill Clinton umgesetzte neue Kontrollstrategie zur Eindämmung der Migrantenströme im San-Diego-Sektor der Grenze zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko. Ziel der Strategie war die Verringerung der unerlaubten Einwanderung in die Vereinigten Staaten, die Verschiebung der Migrantenströme nach Osten und die Erhöhung des Risikos der Festnahme von Migranten ohne Einreisevisum bzw. Aufenthaltstitel, was durch eine erhebliche Aufstockung von Personal und Ausstattung der Grenzschutzbehörden sowie stärkere bauliche Sicherungen der Grenze erreicht werden sollte. Siehe Fluchtbewegung.

Operative Grenzschleusen (OGS) waren von der DDR eingerichtete geheime Übergänge an der innerdeutschen Grenze und der Berliner Mauer zur verdeckten Überwindung der eigenen Grenzsicherung. Die Schleusen dienten als Materialschleuse (OGS/M) dem Austausch von Dokumenten zwischen Ost und West oder als Personenschleuse (OGS/P) dem Passieren der Grenze durch Agenten der DDR. Bis in die frühen 1960er Jahre nutzten DDR-Behörden Grenzschleusen auch bei Entführungen vermeintlicher Staatsfeinde aus dem Westen in den Osten. Die Zahl der geheimen Übergänge an der innerdeutschen Grenze wird auf etwa 60 geschätzt.

Oppidum (Kelten) Unter einem Oppidum (lat. oppidum Befestigung, Schanzanlage, fester Platz; Plural: oppida) versteht man eine befestigte, stadtartig angelegte Siedlung der La-Tène-Zeit (späte Eisenzeit). Die Bezeichnung geht auf Caesars Schrift De Bello Gallico (Vom Gallischen Krieg) zurück, in der er gallische Schanzanlagen beschrieb. Oppida waren in ganz West- und Mitteleuropa verbreitet. Charakteristisch sind vor allem die Befestigungen durch eine mit Erde oder Steinen verfüllte Schalmauer aus Holz, den sogenannten Murus Gallicus. Jedoch ist Manching das östlichste Oppidum mit einem Murus Gallicus, weiter östlich sind sogenannte Pfostenschlitzmauern als Befestigungen nachgewiesen. Als Oppida werden oft frühe stadtartige Siedlungen bezeichnet; über ihre Infrastruktur ist jedoch wenig bekannt.

Oppidum (lat. für befestigte Landstadt) bezeichneten die Römer befestigte Siedlungen. Im Mittelalter wurde unter einem oppidum eine kleine stadtähnliche Siedlung mit Marktfunktion verstanden, der jedoch das Stadtrecht fehlte.

Opus caementicium (auch Gussmauerwerk oder Römischer Beton) ist die lat. Bezeichnung für eine betonähnliche Substanz bzw. ein bestimmtes Herstellungsverfahren, mithilfe derer die Römer spätestens ab dem 3. Jahrhundert v. Chr. Teile von Mauern, später ganze Bauwerke errichteten. Der ähnlich zusammengesetzte Opus signinum enthielt feinere Zuschlagstoffe und wurde als wasserdichter Estrichmörtel verwendet und zu dekorativem Sichtestrich verarbeitet. Je nach Ausbildung der Außenschalen wurde zwischen den Bauformen des opus quadratum (große, behauene Kalksteine), opus incertum (unregelmäßiges Natursteinmauerwerk), opus reticulatum (netzförmig angeordnete kleine Tuff-Steine in Pyramidenform mit der Spitze ins Bauteilinnere zeigend, ca. 80 v. Chr.) und opus testaceum (keramische Mauerziegel, um die Zeitenwende) unterschieden. Sie traten in der Entwicklung nacheinander oder in Mischformen (opus mixtum) auf. Später werden anstelle der Schalen aus Mauersteinen auch – den heutigen Schalelementen im Betonbau ähnlich – Holzbalken oder -bretter für die Dauer des Erhärtungsprozesses verwendet, die später entfernt und wiederverwendet werden konnten.

Opus isodomum (auch Isodomes Mauerwerk vom agr. ἴσος gleich und δόμος Schicht) ist eine Mauertechnik aus Natursteinquadern. Mit isodom wird ein Mauerwerk bezeichnet, dessen Quader alle die gleiche Höhe haben. Beim pseudoisodomen Mauerwerk (Opus pseudoisodomum) sind die Steine innerhalb einer Schicht gleich, aber von Lage zu Lage unterschiedlich hoch. Die in der Archäologie und im Bauwesen verwendeten Bezeichnungen sind bekannt seit Vitruvs Werk De Architectura. Siehe Vitruv.

Opus spicatum (lat. Ährenwerk von lat. spica für Ähre) ist ein Mauerwerk aus Steinen oder dünnen Ziegelsteinen, die in Lagen hochkant abwechselnd schräg gegeneinander versetzt angeordnet werden und so ein ähren- bzw. fischgrätenartiges Muster bilden. Schon im Altertum wurde Opus spicatum zu dekorativen Zwecken im Mauerwerk sowie als Packlagenfundament verwendet. Im Mittelalter wurde diese Technik ebenfalls eingesetzt. Man verwendete sie vorrangig als Füllmauerwerk für sogenanntes Schalenmauerwerk. Diese Mauertechnik stellte eine enorme Kosteneinsparung gegenüber der massiven Bauweise aus Quadern dar. Siehe Schalenmauerwerk.

Ordensburg Als Ordensburgen bezeichnet man die meist im 13. und 14. Jahrhundert von Ritterorden erbauten Burgen. Siehe Deutschordensburg.

Organisation Todt (Abk. OT) war eine paramilitärische Bautruppe im NS-Staat, die den Namen ihres Führers Fritz Todt (1891–1942) trug. Die 1938 gegründete Organisation unterstand ab März 1940 diesem auch als Reichsminister für Bewaffnung und Munition (RMfBM sowie dem Nachfolgeministerium unter Albert Speer). Sie wurde nach Beginn des Zweiten Weltkrieges vor allem für Baumaßnahmen in den von Deutschland besetzten Gebieten eingesetzt. Bekannt wurde sie durch den Ausbau des Westwalls, den Bau der U-Bootstützpunkte an der französischen Küste sowie des Atlantikwalls (verbunkerte Artillerie- und Verteidigungsstellungen). Ab 1943 baute sie die Abschussrampen der V1- und V2-Raketen. Im Sommer 1943 folgte im Reichsgebiet der Ausbau von Luftschutzanlagen für die Zivilbevölkerung (Erweitertes LS-Führerprogramm) und die Untertageverlagerung von Industriebetrieben. In der Organisation kamen seit Kriegsbeginn vielfach Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge zum Einsatz. Siehe Atlantikwall und Konzentrationslager.

Orillon (auch Bastionsschulter oder Bollwerksohr) Flanke einer Bastion oder auch eines Stadttores. Es konnte sowohl abgerundet als auch eckig sein und deckte die zurückgezogene Flanke.

Ostrog bezeichnet man befestigte, von vier bis sechs Meter hohen Palisadenwänden umgebene Siedlungspunkte, die in Russland bis zum 17. Jahrhundert errichtet wurden. Etymologisch ist das Wort mit dem Verb strogat verbunden, was so viel wie schnitzen bedeutet. Ostroge spielten eine wichtige Rolle bei der russischen Expansion nach Sibirien, wo sie den Eroberern Schutz vor den Angriffen der einheimischen Bevölkerung boten. Viele sibirische Städte sind aus Ostrogen hervorgegangen – unter anderem Tomsk, Jakutsk, Irkutsk und Krasnojarsk. Im 18. und 19. Jahrhundert wurden in Russland auch Gefängnisse, die von einer Mauer umgeben waren, als Ostrog bezeichnet.

Oubliette (von frz. oublier für vergessen) in Frankreich und auch in England gebräuchliche Bezeichnung für Verlies.

Ouvrage (frz. für Werk als Vorwerk oder Zwischenwerk) Gemeint ist ein neuzeitliches Befestigungswerk, das als Einzelglied einer Kette eines ganzen Befestigungssystems zu sehen ist, wie zum Beispiel die Ouvrages der Maginot-Linie.

Ouvrage d’infanterie war ein französischer befestigter Infanteriestützpunkt und Teil einer Gürtelfestung. Sie ist nicht zu verwechseln mit dem nur als Ouvrage bezeichneten Festungswerk, das ungleich größer war und mit der Deckung des Raumes zwischen zwei Forts als Zwischenwerk eine gänzlich andere Aufgabenstellung hatte.

Oxybeles  griechische Belagerungswaffe. (gr. ὀξὺς für scharf und βέλος für Geschoss) Die Oxybeles bestand aus einem Kompositbogen, der auf einer Holzkonstruktion montiert war. Sie war also somit, anders als die Balliste, kein Torsionsgeschütz. Als Geschosse dienten Pfeile, die nur einen Schaft hatten und eine dreikantige Spitze besaßen. Siehe Belagerungsgerät.