Pawel J. Dybenko 19171100 Mitteilung über Verhandlungen in Gatschina

Dybenkos Mitteilung über Verhandlungen in Gatschina

[Nach Bote der Russischen Revolution. Organ der ausländischen Vertretung des Zentralkomitees der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands (Bolschewiki) Nr. 11, 28. Nov. 1917, S. 10 f.]

Die Delegation (Dybenko und Genossen) kam nach Gatschina um 6 Uhr morgens. Sie wurde entwaffnet und in den Stab geführt. Dybenko erklärte, er sei nicht gekommen um mit den Offizieren zu unterhandeln, sondern mit Kosaken und forderte, dass man eine Versammlung einberufe. Aus den Reden der Kosaken erwies es sich, dass sie unzufrieden, demoralisiert und auf Kerenski empört sind. Sie wollen nicht länger in seinen Händen als Waffe gegen das revolutionäre Volk dienen. Nach der Versammlung kam das Divisionskomitee zusammen, in welchem die Offiziere die Mehrheit bilden. Sie erklärten Dybenko, sie hoffen noch aushalten zu können und warten auf Hilfstruppen, um für die provisorische Regierung zu kämpfen. Dybenko sagte, er wisse ganz gut, dass Kerenski keine andere Truppen außer Tausend Kosaken habe. Die Kosaken, die im Komitee eine Minderheit bildeten, traten gegen die Offiziere auf und setzen den Vorsitzenden ab. Während der Debatte erschienen Ussurische Kosaken und erklärten, sie werden dem Kerenski nicht folgen. Die Donkosaken erwiderten, sie werden nach dem Don heimziehen, wogegen die Ussurischen behaupteten, man solle mit dem revolutionären Volke zusammen kämpfen. Die Diskussion dauerte bis 2 Uhr nachts. Dann kamen Delegationen von der fünften Armee und erklärten, dass, falls die Kosaken gegen die Revolution auftreten, sie einige Schutztruppen gegen den Feind zurücklassen und selber gegen die Kosaken marschieren werden. Das hat auf die Kosaken großen Eindruck gemacht und sie äußerten den Wunsch, dem Bürgerkrieg ein Ende zu machen. In diesem Augenblick kam Woitinski zurück und erklärte, er habe acht Züge Hilfstruppen kommen lassen. Trotzdem beschließen die Kosaken Kerenski zu verhaften und den Bürgerkrieg aufzugeben. Sie sagten, Kerenski sei ein Falschspieler, der mit dem Lande und der Revolution gespielt hat und soll jetzt vor ein öffentliches Volksgericht treten. Sie gingen Kerenski zu verhaften, aber sein Zimmer war leer. Er entkam, als Matrose verkleidet mit einer Chauffeursbrille auf der Nase. Es gelang Dybenko folgendes festzustellen:

Als morgens am 14 November Kerenski erfuhr, dass nach Gatschina Matrosen kamen, ließ er General Krasnow zu sich kommen und folgendes Gespräch fand unter ihnen statt:

Kerenski: General, sie haben mich verraten, sie ließen hierher Matrosen kommen, welche mich verhaften wollen. Ich werde mich heute erschießen.

Krasnow: Wenn sie ein ehrlicher Mensch sind, so müsse sie sich in das revolutionäre Kriegskomitee begeben und vor das öffentliche Volksgericht treten.

Kerenski: Ich fürchte mich vor Lynchgericht seitens des Volkes. Ich werde nachts fahren.

Krasnow: Ich garantiere ihre Unantastbarkeit. Ich gebe ihnen Wache, Wenn sie nachts fahren, werden sie beweisen, dass sie ein Feigling sind. Sie müssen am hellen Tage fahren.

Kerenski: Gut, ich werde am Tage fahren, aber mit weißer Flagge.

Gener. Krasnow war damit einverstanden und ließ Eskorte aufmarschieren, aber Kerenski entfloh.

Kerenski Flucht machte den tiefsten Eindruck auf die Kosaken und untergrub ihr letztes Vertrauen zu ihm. Sie fingen selbst an, ihn in Gatschina zu suchen. Nach Kerenskis Flucht, fragte Dybenko Woitinski: „meinen sie, dass ihr Kollege ehrlich gehandelt hat?", worauf Woitinski antwortete: „ich gestehe, dass er ein Abenteurer und Verbrecher war", und fügte hinzu: „laut Vereinbarung sind die Kosaken, die von Kerenski irregeführt waren und den Kampf fallen gelassen haben, frei. Ich gehöre zu dieser Kategorie. Darf ich nach Petrograd reisen? Dybenko erwiderte Woitinski, dass er verhaftet sei, da er Militär gegen Petrograd schickte.1 Woitinski war verwundert wie er – ein Kommissar – verhaftet werden kann. Außer Woitinski wurden noch drei Offiziere verhaftet. General Krasnow hat bei Verhör erklärt:

Dybenko, ich bin Soldat und habe den Befehlen des Oberbefehlshabers gehorcht. Jedoch, nach der Flucht Kerenskis, nachdem er sein Wort gebrochen hat, verachte ich ihn. Er ist ein Feigling und Verräter.

1 Zur Unterstützung Kerenskis. Woytinski ist einer der ultrapatriotischen Menschewiki