07.11.2021 Wanderbericht "Weitblicktour"

Die schlechte Wettervorhersage ließ die Wanderführer befürchten, dass sich niemand zum Mitwandern einfindet. Auf dem Programm an diesem Novembersonntag, dem 07. des Monats, stand eine eher kleine Tour im Bereich des Ortes Bremen in der Gemeinde Ense; bei vielen Wolken war Regen angesagt, der in Schauern auch heftig daherkommen sollte. Auch die Windvorhersage war nicht uninteressant, wollten wir doch heute den Haarstrang erklimmen, der aufgrund seiner exponierten Lage recht windanfällig ist, was ja letztendlich auch für eine besondere Eignung für Windräder sorgt.

Bei noch trockenem Wetter fanden sich dann doch immerhin acht Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu einer kleinen Wandergruppe am Treffpunkt in Kirchwelver zusammen.

Der Start der eigentlichen Tour erfolgte nach der Anreise aus Welver direkt in der Ortsmitte am Rathaus in Bremen, dem kulturellen, wirtschaftlichen und verwaltungsmäßigen Zentrum der Gemeinde Ense.

Der ambitionierte Wanderer würde wahrscheinlich sagen, dass hier eher ein Sonntagsspaziergang unter dem Deckmantel einer Wanderung auf dem Programm stand, denn geplant waren lediglich 8 km Tagespensum. So sprechen die „Profiwanderer“ erst von einer „Wanderung“, wenn so um die 12 km erlaufen werden, bei annähernd mindestens 3 Stunden Gehzeit. Zur Rechtfertigung sei gesagt, dass immerhin über 100 Höhenmeter zu erwarten waren und die Wetterbedingungen im November erschwerend sein können.

Den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der heutigen Tour war dieser theoretische Kram ohnehin egal, Hauptsache bewegen an der frischen Luft, und Luft (sprich = Wind) sollten wir heute genug bekommen.

Zu Beginn der Wanderung führten die ersten Meter vorbei an der katholischen Kirche St. Lambertus und dem örtlichen Heimathaus durch noch urbanes Gebiet, bevor nördlich der Siedlungen die Feldflur erreicht wurde und der „Aufstieg“ zum Haarstrang begann.

Die Wanderung hatte an diesem Tag den Titel „Weitblicktour“. Nach diesem einleitenden kleinen Anstieg auf eine Höhe von mehr als 200 m eröffnete ein Blick zurück einen ersten Weitblick über den Ort Bremen Richtung Sauerland.

Kaum später erreichten wir eine schöne Winterlinde mit einem großen Kreuz, was uns bewusst machte, dass wir uns auf einem alten Pilgerweg befanden.

Genutzt haben wir diesen Platz für das obligatorische Gruppenfoto. Im Hintergrund sind die „Gipfelkreuze“ des Haarstangs zu erkennen, unser nächstes Zwischenziel.

Auf dem Haarstrang selbst trafen wir auf das „Mucher Kreuz“, wo der Wind dann erwartungsgemäß ein wenig heftiger blies. Diese exponierte Situation lässt nicht vermuten, dass dieser Höhenkamm bis ins Mittelalter komplett bewaldet war. „Haar“ bezeichnet in Nordwestdeutschland allgemein einen bewaldeten Höhenzug, verwandt mit dem Namen „Hardt“. Dabei dürfte Wald (abgeleitet vom Baumharz) die Grundbedeutung sein. Der Begriff „Haar“ findet sich auch als Namensbestandteil von anderen Höhenformationen, so die „Rothaar“ im südlichen Sauerland (Rothaargebirge) oder auch bei der „Haard“ nördlich des Ruhrgebietes. Entsprechende Sichtverhältnisse vorausgesetzt, kann man von hier im Norden bis tief in die Westfälische Bucht blicken (bis zum Teutoburger Wald und den Beckumer Bergen, im Nordwesten bis zu den Kraftwerken und Schornsteinen nördlich und westlich bei Hamm). Im Westen kann man bei guten Sichtbedingungen bis zu einer Entfernung von etwa 60 km den Dortmunder Fernsehturm erkennen. Der Blick nach Süden hingegen reicht tief ins Sauerland.

Am Mucher Kreuz

Das "Mucher Kreuz" auf der Haar.

Der Heimatverein Ense-Bremen erläutert am „Mucher Kreuz“ mit einer Tafel die Örtlichkeit: >>Dieses Kreuz wurde schon vor langer Zeit von den Pilgern aus Much (Rhein-Sieg-Kreis) errichtet. Von hier sehen sie zum ersten Mal das Ziel ihrer Wallfahrt: Die Türme der Wallfahrtsbasilika in Werl…. 2012 wurden das Kreuz und das Umfeld von der Werler Kreuzbruderschaft komplett erneuert. Das Kreuz trägt keinen Korpus, sondern die sogenannten „Leidenswerkzeuge“: Die Dornenkrone, den Speer des römischen Soldaten und den mit Essig getränkten Schwamm. Dies ist ein Platz, um die Aussicht zu genießen und inne zu halten.<<

An dieser Stelle war der Titel „Weitblicktour“ endgültig gerechtfertigt. Und da uns Regen bis hierhin verschont hatte, nutzten wir die Gelegenheit - wie auf der Info-Tafel empfohlen - zum kleinen Halt, um bewusst auf der Suche nach „Landmarken“ in die Ferne zu blicken.

Da sich zwischenzeitlich sogar die Sonne durch die Wolken kämpfte, haben wir dem ursprünglich geplanten Wegeverlauf noch eine kleine Runde nördlich des Haarstranges angehängt und so das Tagespensum um einen Kilometer verlängert. Anschließend verließen wir aber den Höhenweg mit seinen Windrädern südwärts und steuerten auf die Ortschaft Waltringen zu. Der hier abwärtsführende Weg eröffnete den Blick auf die „Bodenwellen“ des Sauerlandes.

Am Ortsrand von Waltringen legten wir auf Höhe des dortigen Sportplatzes eine windgeschützte Pause ein, bevor wir dann nach weiterem Abstieg das 42 ha große Naturschutzgebiet der Bremer Bachaue erreichten. Die Sonne hatte sich inzwischen soweit durchgesetzt, dass sogar erste Schweißtropfen entstanden und die eine oder andere Wanderjacke leicht geöffnet werden konnte.

Blick zur "Bremer Heide"


Der Weg parallel zum Bremer Bach lenkte uns zur sogenannten Bremer Heide; das Gewässer in Verbindung mit den umgebenden hügeligen Feldern und Wiesen, den vorhandenen Büschen und Bäumen führte in diesem Bereich zu uneingeschränktem Naturgenuss.


Letztendlich begleiteten wir das Gewässer teilweise unmerklich zurück bis zum Bremer Rathaus, unserem Startpunkt. Auf dem Weg dahin trafen wir noch auf eine kleine Kapelle als für heute letztes Merkmal des zuvor erwähnten Pilgerweges.

Zum Abschluss gönnten wir uns in der Ortsmitte von Bremen im Café Klapp noch ein Heißgetränk mit süßen Backwaren und ließen den kleinen Wandertag in gemütlicher Runde ausklingen.

Mit dem Wetter waren wir rückblickend sehr zufrieden, die angekündigten heftigen Regenschauer setzten erst nach unserer Rückkehr in Welver ein.

Wdf., Text und Fotos: Andrea und Dirk Große