Ried-Echo: Fachmännisches Töten will gelernt sein

Originalbericht der Ried-Echo online mit Foto findet sich hier
 
Projektwoche: Zwölf Achtklässler der Gernsheimer Johannes-Gutenberg-Schule lernen Angeln in Theorie und Praxis
GERNSHEIM: Eigentlich ist der Dosenmais für die Fische gedacht. Aber Angeln macht hungrig, und so verputzt einer der vierzehn- bis fünfzehnjährigen Jungs zwischendurch die Reste. Die anderen Köder sind weniger appetitanregend für Menschen: Maden und Würmer.
Während der Projektwoche an der Gernsheimer Johannes-Gutenberg-Schule zieht es zwölf Achtklässler für drei Tage an den Anglersee am südlichen Ende Gernsheims. Am ersten Tag gab es Theorie zur Einführung, nun dürfen die Jugendlichen unter Aufsicht von Mitgliedern des Sportfischervereins Frühauf (SFV) selbst zur Angel greifen: Je zwei Teilnehmer des Projekts werden von einem Vereinsmitglied betreut.
Die kleinen Grüppchen haben sich rund um den See verteilt, nur die Laichzone wird ausgespart, denn Angeln ist dort tabu – eines der Dinge, die die Jungangler am Vortag gelernt haben. „Wir betreiben heute vor allem Grundangeln, bei dem der Köder mit einem Blei beschwert wird, so dass er in Grundnähe bleibt“, erklärt Marcel Stockburger (14 Jahre). Er hatte die Idee, während der Projektwoche an seiner Schule Angeln anzubieten und überzeugte davon auch Vater Andreas. Der sprach mit dem Verein, und die halfen gern.
„Zu zweit hätten wir das allein aus rechtlichen Gründen gar nicht machen können. Schließlich darf nur mit Angelschein geangelt werden“, erklärt Andreas Stockburger. Er kam durch seinen Sohn vor gut zwei Jahren zum Sportfischen. Seitdem angeln Vater und Sohn gemeinsam im Verein.
Auch am Vortag waren bereits andere Vereinsmitglieder des SFV eingespannt. So erklärte ein Doktor der Biologie allerhand Wissenswertes rund um Fische und Angeln, so dass auch die Profis unter den Jugendlichen noch Neues erfuhren. Wie Patrik, der den anderen Teilnehmern stolz ein Foto seines letzten Fangs zeigt: „Das war ein 16-Kilo Karpfen“, erklärt er. So große Fische werden an diesem Tag nicht aus dem Wasser gezogen. Aber doch jede Menge Rotaugen, Sonnenbarsche und normale Barsche.
Auch das fachmännische Töten will gelernt sein. Marcel zeigt, wie der Fisch mit einem gezielten Schlag aufs Kleinhirn betäubt und anschließend mit einem Stich ins Herz getötet wird.
Neben dem einfachen Grundangeln probieren die Projektteilnehmer auch noch andere Angelmethoden aus. Wie zum Beispiel das Feederfischen, bei dem ein Futterkorb nach dem Einwerfen in der Nähe des Köders Futter auf dem Grund verteilt und so die Fische zum Haken lockt. Selbst Hightech hat längst Einzug bei den Hobbyfischern gehalten. Marcel präsentiert elektronische Bissanzeiger, die Alarm schlagen, sobald ein Fisch angebissen hat. „Es gibt auch welche, die es ans Handy weiterleiten“, erläutert der jugendliche Angler.
Am Ende des Angelvormittags gibt es eine reiche Ausbeute. „Ich habe 20 Sonnenbarsche gefangen“, verkündet Tim. Doch auch die anderen Teilnehmer hatten reichlich Gelegenheit zu testen, wie der gehakte Fisch sicher gelandet wird – der schwierigste und spannendste Teil des Angelns, findet nicht nur Patrick. Der Fang soll am nächsten Tag am Anglersee gegrillt werden – ergänzt durch Steaks und Würstchen, denn nur Fisch wollen die Jungs dann doch nicht auf dem Teller haben.
Heute, Freitag, dem letzten Tag der Projektwoche, werden die Jungfischer dann in der Schule präsentieren, was sie alles gelernt haben rund um das Thema Angeln.
Comments