Naturwunder Schwäbische Alb

Einleitung

Die Schwäbische Alb beinhaltet hunderte größere und kleinere Naturwunder. Die Auswahl der hier behandelten zehn Naturphänomene mit den dazugehörenden Beispielen fiel deshalb sehr schwer. Wenn ein bestimmtes Naturwunder hier nicht auftaucht, bedeutet dies in keiner Weise, dass dieses Naturwunder weniger sehenswert und weniger wertvoll ist als die hier beschriebenen Naturwunder. Das Gegenteil ist beabsichtigt: vielleicht wird der eine oder die andere Leserin und Leser angeregt, sich näher mit der Schwäbischen Alb und den unerschöpflichen Möglichkeiten der Beschäftigung mit ihrer Natur zu befassen. Es lohnt sich.

 

Die Nordabdachung der Schwäbischen Alb wird auch Albtrauf genannt. Auf über 200 Kilometer Länge durchzieht der Albtrauf fast ohne Schwachstelle das Land Baden-Württemberg.
 

Schwäbische Alb

Die Schwäbische Alb ist ein Mittelgebirge im deutschen Bundesland Baden-Württemberg. Mit einer Länge von ca. 220 Kilometern und einer durchschnittlichen Breite von ca. 40 Kilometern erstreckt sie sich von der Grenze zu Bayern beim Nördlinger Ries bis zum Randen an der Grenze zur Schweiz. Die Schwäbische Alb ist ein Teil des südwestdeutschen Schichtstufenlands, dessen jüngste Stufe sie bildet. Gleichzeitig ist die Schwäbische Alb ein Teil eines großen Gebirgszugs aus Juragestein, der sich von der Fränkischen Schweiz über die Fränkische Alb, die Schwäbische Alb, den Schweizer Jura und den Französischen Jura über weite Bereiche Mitteleuropas erstreckt.
 
Das Juragestein und die damit zusammenhängenden Phänomene wie Felsen, Höhlen, Dolinen, Karstlandschaften, Quelltöpfe, Wasserfälle und vieles mehr prägen die Schwäbische Alb. Zusammen mit den lokal begrenzten Sonderphänomenen wie den Meteoreinschlagskratern Nördlinger Ries und Steinheimer Becken, dem Schwäbischen Vulkan und dem Durchbruch der Donau durch die Juratafel machen sie aus der Schwäbischen Alb ein geologisches Wunderland. Dazu kommt die besondere Flora und Fauna, die sich einerseits als Relikt einer jahrhundertealten Bewirtschaftungsweise erhalten hat und die andererseits mit den natürlichen Schlucht- und Hangwäldern im Rahmen des neuen Unesco-Biosphärengebeits jetzt Weltgeltung erhalten hat.    


Hundersingen im Großen Lautertal mit der Ruine Hohenhundersingen als Beispiel für die Donauseite der Schwäbischen Alb.

Zehn Naturwunder

Die folgenden Naturwunder werden näher beschrieben:

  • Der Uracher Wasserfall als Beispiel für die fließenden Wasser der Schwäbischen Alb
  • Die Limburg, das Randecker Maar und das Schopflocher Moor als Erscheinungen des Schwäbischen Vulkans
  • Das Kesselfinkenloch und die küssende Sau sind zwei der vielen hundert Massenkalkfelsen der Schwäbsichen Alb. 
  • Der Blautopf als bekanntestes Beispiel für einen Quelltopf
  • Der Mössinger Bergrutsch als Repräsentant für den Albtrauf und sein erosionsbedingtes langsames Rückschreiten
  • Die Bärenhöhle als bekannteste Schauhöhle der Schwäbischen Alb und Süddeutschlands
  • Das Digelfeld und die Buttenhausener Eichhalde sind Wacholderheiden und damit Relikte einer jahrhundertealten Kulturlandschaft. 
  • Der Zollerberg als perfektes Beispiel für einen Zeugenberg
  • Das Brucktal und die Trailfinger Schlucht als Beispiele für die Kernzonen des noch jungen Biosphärengebiets Schwäbische Alb
  • Die Aussicht vom Eichfelsen als kleiner Mosaikstein des Naturwunders des Durchbruchs der Donau durch die Juratafel  

Blick vom Brucker Fels über das Lenninger Tal auf den Teckberg mit Burg Teck (links) und Gelbem Fels (Mitte) am Nordrand der Schwäbischen Alb

Die zehn ausgewählten Naturwunder im Einzelnen

Uracher Wasserfall

Dies ist nicht nur der bekannteste Wasserfall der Schwäbischen Alb und Württembergs. Er ist auch weit über Baden-Württemberg hinaus ein Begriff. An schönen Wochenenden das ganze Jahr über schiebt sich ein nicht endenwollender Strom von naturbegeisterten Menschen von den großen Parkplätzen am Eingang des Meisentals hinein zum Talschluss mit dem Wasserfall. Viele gehen weiter die Stufen hinauf bis zur Hochwiese oberhalb des Falls.


Das hintere Meisental, von der Burgruine Hohenurach aus gesehen. Im Taleinschnitt rechts befinden sich die Rutschenfelsen, der Uracher Wasserfall befindet sich im Taleinschnitt links.

Wie die meisten anderen Wasserfälle der Schwäbischen Alb ist der Uracher Wasserfall ein sogenannter konstruktiver Wasserfall. Das bedeutet, dass der Wasserfall die Neigung hat, stets weiter zu wachsen. Im Gegensatz dazu steht der sogenannte destruktive Wasserfall. Die Mehrzahl der Wasserfälle weltweit sind destruktive Wasserfälle. Dazu gehören auch so promintente und große Vertreter wie die Niagarafälle in Nordamerika oder die Iguacufälle in Südamerika. Diese Fälle zerstören sich in relativ kurzer Zeit von einigen tausend oder einigen zehntausend Jahren selbst. Denn die ungeheure Energie der stürzenden Wasser zerstört das Gestein und trägt es immer weiter ab. Dadurch wandern die Fälle immer weiter rückwärts, bis sie sich schließlich selbst eliminieren.


Der dichte Wald gibt einen ersten Blick auf den Wasserfall frei.

Ein konstruktiver Wasserfall ist anders. Auch er verfügt selbstverständlich über eine hohe Bewegungsenergie, die versucht, das Gestein abzutragen. Diese Energie wird jedoch durch einen chemischen Vorgang überlagert, der stärker ist als die zerstörende Energie. Das Wasser, das nur wenige Meter oberhalb des Wasserfalls aus dem Berg strömt, hat auf seiner teilweise tagelangen Reise im Berg viel Kalk gelöst. Dieser Kalk wird nach dem Austritt des Wassers aus dem Berg wieder ausgeschieden und abgelagert. Dies erfolgt, indem das Wasser durch eine langsame Erwärmung Kohlendioxid verliert. Damit vermindert sich seine Fähigkeit, den gelösten Kalk zu binden. Das Bachbett erhöht sich dadurch immer weiter. Der ausgeschiedene Stein wird Kalksinter oder Tuff genannt. Die Tuffschnauze des Wasserfalls baut sich immer weiter nach vorne, bis sie irgendwann einmal abbricht. Dann beginnt das Spiel von vorne. Der letzte Abbruch war im Jahr 1951.


Die unmittelbare Fallhöhe des Wasserfalls beträgt fast 40 Meter.

Das Einzugsgebiet des Wasserfalls ist durch Färbeversuche relativ gut bekannt. Bei diesen Versuchen wird eine ungiftige farbige Flüssigkeit an verschiedenen Stellen der Hochfläche der Schwäbischen Alb ausgeschüttet. In den darauffolgenden Tagen werden verschiedene Quellen beobachtet. Daraus lässt sich schlussfolgern, ob das Wasser von einem bestimmten Punkt der Oberfläche bei der Quelle austritt. Die Größe des Einzugsgebiets beträgt im vorliegenden Fall ca. 20 km².


Der Brühlbach entspringt ca. 150 Meter oberhalb des Uracher Wasserfalls am Fuß einer Geröllhalde. 

Es stellt sich die Frage, weshalb das versickerte Wasser überhaupt an der Stelle oberhalb des Uracher Wasserfalls aus dem Berg austritt. Hierfür ist ein Wechsel des Gesteins verantwortlich. Das Juragebirge der Schwäbischen Alb ist aus einer Folge von wasserdurchlässigen und wasserundurchlässigen Gesteinsschichten aufgebaut. Die wasserdurchlässigen Schichten bestehen hierbei aus Kalkgestein, die undurchlässigen Schichten bestehen aus Mergel oder im Einzelfall auch aus Vulkangestein. Die Quelle oberhalb des Uracher Wasserfalls entspringt unmittelbar über einer Mergelschicht im von den Geologen so genannten Weißen Jura delta.

 

Über die Schnauze, die sich immer weiter vorbaut, stürzen die Wasser zu Tal.

Von der Quelle aus fließt das Wasser zunächst ca. 150 Meter über die Hochfläche oberhalb des Uracher Wasserfalls. Die gesamte Hochfläche ist nichts anderes als ein Werk des Uracher Wasserfalls bzw. seiner Vorgänger. Seit dem Ende der letzten Eiszeit vor ca. 9.000 Jahren begann die Abscheidung von Kalk. So wurde seitdem diese riesige Hochfläche Zentimeter um Zentimeter aufgebaut. Man schätzt, dass Tag für Tag ca. 20 Kilogramm Kalk ausgeschieden werden. Die Hochflächenterrasse ist in etwa 240 Meter lang, 120 Meter breit und 30 Meter hoch. Die bei näherem Hinsehen zu beobachtenden Moose und Algen spielen bei der Kalkausscheidung eine wichtige Rolle. Der abgelagerte Kalksinter oder Tuff ist mit Hohlräumen durchsetzt, er ist also nicht so schwer wie ein massiver Stein.

 

Ein Gischtregen breitet sich in der Umgebung des Wasserfalls aus.

Am Ende der Hochfläche fließt das Wasser über die Nase oberhalb des Falls und stürzt hinab. In Bezug auf die Nase des Wasserfalls hat der Mensch ein wenig nachgeholfen, indem das Wasser nach der Quelle über die Hochfläche leicht kanalisiert wurde. Ohne diesen Eingriff würden die Wasser sich in mehrere Äste teilen und es ergäbe sich möglicherweise ein Bild wie z.B. beim Nationalpark Plitvicer Seen in Kroatien. 

Der Uracher Wasserfall ist eine komplexe Erscheinung. Er kann in zwei Abschnitte unterteilt werden. Zunächst stürzt das Wasser im freien Fall ca. 40 Meter hinab. Anschließend fließt es über mehrere hintereinanderliegende Kaskaden noch einmal ca. 60 Meter hinab. Hier fließt es über Gesteinsfragmente, die früher einmal die Nase des Wasserfalls gebildet haben und dann abgestürzt sind. Sobald die Wasser im Talboden angekommen und etwas ruhiger geworden sind, tragen sie den Namen Brühlbach. Der Brühlbach mündet schließlich in die Erms. Die Erms fließt nach Norden aus dem Albkörper heraus und mündet in den Neckar. Am Beginn des Brühlbachs nimmt die Wassermenge noch einmal zu. Dort befinden sich weitere Quellen. Auch hier ist eine wasserundurchlässige Schicht für den Austritt des Wassers verantwortlich. Dies ist der Weiße Jura alpha.

 

Kalksinterterrassen am Fuß des Wasserfalls: Moose und Algen spielen bei der Kalkausscheidung ebenfalls eine Rolle.

Die Wassermenge, die über den Uracher Wasserfall stürzt, ist großen Schwankungen unterworfen. Dies sollte man vor einem Besuch ein wenig berücksichtigen. Die durchschnittliche Wassermenge beträgt 5 bis 10 Liter pro Sekunde. In trockenen Sommern kann die Quelle oberhalb des Wasserfalls sogar vollständig versiegen. Hingegen kann die Wassermenge nach einem Unwetter oder nach lang anhaltenden Regenfällen auf bis zu 1.000 Liter ansteigen. In strengen Wintern gefriert der Wasserfall und bietet dann ein ganz anderes, nicht weniger interessantes Bild.

In der vom Wasserfall gebildeten großen Terrasse befinden sich zwei sogenannte Primärhöhlen. Darunter versteht man Höhlen, die gleichzeitig mit dem sie umgebenden Gestein entstanden sind. Sie heißen Große und Kleine Elefantenhöhle. Die Große Elefantenhöhle ist 70 Meter lang. Ihr Zugang ist 8 Meter breit und 3 Meter hoch. Die Kleine Elefantenhöhle hat gleich zwei Zugänge mit den Maßen 8 Meter / 5 Meter bzw. 7 Meter / 5 Meter. Ihre Länge ist 42 Meter. Die beiden Höhlen sind für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Ihre Eingänge sind sichtbar. Der Tuffstein war früher ein begehrter Baustoff. So ist zum Beispiel die Amanduskirche in Bad Urach aus Tuffstein erbaut. An den glatten Wänden der großen Tuffsteinterrrasse kann man den früheren Gesteinsabbau noch erkennen.


Der Brühlbach fließt unterhalb des Wasserfalls durch das Meisental. Seine große Energie setzt dem Wanderweg zu.

Info für Besucher
Der Uracher Wasserfall ist relativ einfach erreichbar. Er befindet sich nur ca. 2,5 Kilometer Luftlinie vom Zentrum von Bad Urach entfernt. Mit dem Pkw biegt man von der B28 nördlich von Bad Urach ins Meisental ab (Wegweiser Uracher Wasserfall) und erreicht nach wenigen hundert Metern die großen Parkplätze. Zeitweise wird hier eine Parkgebühr verlangt. Mit dem Zug ist der Uracher Wasserfall ebenfalls einfach erreichbar. Die Ermstalbahn bedient die Strecke Metzingen - Bad Urach. Es gibt eine Haltestelle "Bad Urach Wasserfall" am Eingang des Meisentals. Von dort sind es ca. 20 bis 30 Minuten Fußweg bis zum Wasserfall. Fahrplanauskünfte gibt es bei der elektronischen Fahrplanauskunft Baden-Württemberg oder beim Verkehrsverbund Neckar-Alb-Donau. Der Uracher Wasserfall ist in das große und gut bezeichnete Wanderwegenetz der Schwäbischen Alb eingebunden. Unter anderem führt der bekannteste Weitwanderweg der Schwäbischen Alb, die Nordrandlinie, unmittelbar bei der Hochfläche oberhalb des Wasserfalls vorbei.

Weitere Naturwunder
Es gibt noch weitere Wasserfälle auf der Schwäbischen Alb, wenngleich das Gebirge doch vergleichsweise arm an Oberflächenwasser ist. Die Gütersteiner Wasserfälle z.B. sind kaum weniger sehenswert als der Uracher Wasserfall. Sie befinden sich in einem benachbarten Seitental zum Uracher Wasserfall. Die Besichtigung der Gütersteiner Wasserfälle lässt sich in eine Wanderung gemeinsam mit der Besichtigung des Uracher Wasserfalls einbinden. Weitere Wasserfälle sind unter anderem die Hohe Gießel im Lautertal, der Sirchinger Wasserfall bei Bad Urach, der Zillhauser Wasserfall bei Balingen und der Neidlinger Wasserfall bei Neidlingen.    
 

Limburg, Randecker Maar und Schopflocher Moor

Diese drei Naturerscheinungen stehen stellvertretend für das Phänomen des Schwäbischen Vulkans. Die Limburg ist ein Kegelberg, der dem Albtrauf und der Albhochfläche in einem Abstand von ca. 3 Kilometern vorgelagert ist. Das Randecker Maar ist ein Erosionstrichter unmittelbar am Albtrauf. Das Schlopflocher Moor ist ein Hochmoor, das einzige Hochmoor auf der Albhochfläche. Die drei Naturerscheinungen befinden sich in unmittelbarer Nachbarschaft auf einer Strecke von 5 Kilometern.
 
Was haben so unterschiedliche Naturerscheinungen wie ein Kegelberg, ein Erosionstrichter und ein Hochmoor gemeinsam? Ursache für all diese Naturphänomene ist der sogenannte Schwäbische Vulkan, auch Uracher-Kirchheimer Vulkanfeld genannt. Vor 17 Millionen Jahren, im Miozän, gab es im Gebiet der heutigen Schwäbischen Alb auf einer Fläche von ca. 30 Kilometer Durchmesser vulkanische Gasexplosionen, jedoch ohne größere Förderung von Lava. Dies erfolgte nicht in der Form eines einzigen Vulkanausbruchs. Vielmehr stieg die Lava an über 360 Stellen verteilt nach oben. Hierbei wurden die Juragesteine der Deckschicht herausgeschleudert und teilweise verformt. Sie befinden sich heute an den Rändern der Förderschlote.


Artenreiche Magerwiese beim Schopflocher Moor

Als Folge der vulkanischen Aktivitäten vor 17 Mio Jahren gibt es heute im Bereich der mittleren Schwäbischen Alb im Umfeld der Orte Bad Urach und Kirchheim unter Teck eine Vielzahl von Stellen, bei denen das anstehende Gestein nicht der sonst auf der Schwäbischen Alb übliche Jurakalk, sondern vulkanischen Ursprungs ist. Die vulkanische Asche bzw. Schlotfüllungen kamen und kommen vielfach erst mit der langsamen Abtragung der Juradeckschichten bzw. dem erosionsbedingten Rückschreiten der Albhochfläche zum Vorschein.
 
Das Schopflocher Moor befindet sich unmittelbar auf einem Vulkanschlot mit einem Durchmesser von ca. 750 Metern. Deshalb versickert dort das Regenwasser nicht - wie dies sonst auf der wasserarmen Karstlandschaft der Schwäbischen Alb Standard ist - sofort im Boden. Es wird auf den wasserundurchlässigen Vulkanschichten gestaut. Dadurch konnte sich im Verlauf der Jahrtausende ein See und später daraus ein Hochmoor bilden. Dies ist heute das einzige Hochmoor auf der Hochfläche der Schwäbischen Alb. Am Rand des Hochmoors befindet sich allerdings eine auffallende Häufung von Dolinen, das sind Senken im Karst, die durch nachfallendes Gestein oberhalb von Hohlräumen entstehen. Das aus dem Hochmoor abfließende Wasser verschwindet sofort in diesen Dolinen. Die überdurchschnittliche Zahl der Dolinen in der Umgebung des Schopflocher Moors ist darauf zurückzuführen, dass das Juragestein in der Umgebung des Vulkanschlots teilweise zertrümmert worden ist.


Ein Bohlensteg führt durch das Hochmoor

Im Hochmoor wurde vom 17. bis ins 20. Jahrhundert Torf abgebaut, daher auch die frühere Bezeichnung "Torfgrube" für das Gebiet. Die Torfgewinnung war jedoch ohne wirtschaftlichen Gewinn. Durch den Abbau ist das Hochmoor heute stark gestört. Nur in einem kleinen Bereich ist noch ein originaler Hochmoorrest erhalten. Es wird nach der 1942 erfolgten Unterschutzstellung viele Jahrhunderte benötigen, bis das Schopflocher Moor wieder ein ursprüngliches Hochmoor sein wird.

 

Im Zentrum des Schopflocher Moors befindet sich ein Moorwald, der sich selbst überlassen ist.
 

Äußerst selten: Nasse Flächen auf der Schwäbischen Alb 


Dolinen am Rand des Schopflocher Moors: das aus dem Moor kommende Wasser versickert hier sofort im Boden.

Das Randecker Maar ist das größte Einzelvorkommen des Schwäbischen Vulkans mit einem Durchmesser von 1,2 Kilometern und einer Tiefe von 60 Metern. Es ist das besterhaltene Maar der Schwäbischen Alb. Vor vielen Tausend Jahren bot das Randecker Maar ein ähnliches Bild wie das Schopflocher Moor. Es war zeitweise sogar von einem See bedeckt. dessen Sedimente und Tierwelt teilweise heute noch am Grund vorhanden ist. Inzwischen ist der Albtrauf durch die sogenannte rückschreitende Erosion dem Randecker Maar sehr nahe gekommen. Der Zipfelbach hat das Randecker Maar bereits angezapft. Die heutige Erscheinung des Maars ist deshalb nicht mehr kreisrund. Das Maar bildet nur noch einen Zweidrittelskreis Das restliche Drittel ist bereits abgetragen worden. Auch die noch vorhandenen Ablagerungen des früheren Sees werden in geologisch gesehen sehr kurzer Zeit weggeräumt sein.


Der Trichter des Randecker Maars vom Maarrand aus gesehen

Die Vulkangesteine im Randecker Maar sind weicher und bieten der Abragung weniger Widerstand als die umgebenden Juragesteine. Somit können die Vulkangesteine durch die Erosion leichter ausgeräumt werden. Daher kommt die aktuelle Form des Randecker Maars als Trichter. Am Trichterrand befindet sich der Salzmannstein. Dies ist ein Auswürfling aus Juragestein (Riffkalk).


Zwei Erscheinungen des Schwäbischen Vulkans auf einem Bild: im Vordergrund der Trichter des Randecker Maars, direkt dahinter der Kegel der Limburg
        

Blick vom Randecker Maar zu den Dreikaiserbergen bei Göppingen, Hohenstaufen (links), Stuifen (Mitte) und Rechberg (rechts) 


Auswürflinge aus Juragestein liegen verstreut an den Hängen des Randecker Maars. Die wellige Oberfläche stammt von den Ablagerungen des einstigen Kratersees.

Die Limburg ist ein Vulkankegel, der der Schwäbischen Alb vorgelagert ist. Auch das Randecker Maar wird irgendwann einmal diese Form eines Kegels annehmen, wenn der Albtrauf durch die Erosion genügend weit zurückgewichen sein wird. Im Gegensatz zum Randecker Maar, wo die im Maar befindlichen Gesteine weicher sind als die Gesteine der Umgebung, verhält es sich bei der Limburg umgekehrt. Dort ist die harte Schlotfüllung zum Vorschein gekommen. Sie leistet der Abtragung größeren Widerstand als die Jurakalke, die sie früher einmal umgaben. Die Limburg ist somit heute ein nahezu perfekter Kegelberg und fällt z.B. von der Autobahn A8 zwischen den Anschlussstellen Kirchheim / Teck und Aichelberg sofort ins Auge.


Der Vulkankegel der Limburg befindet sich unmittelbar vor dem Albtrauf.

Somit ergeben die Vulkanvorkommen des Schwäbischen Vulkans heute vollkommen unterschiedliche Oberflächenformen. Ist das umgebende Kalkgestein härter als die Vulkantuffe, ergeben sich Hohlformen. Ist das umgebende Gestein jedoch weicher, ergeben sich Kegelformen. Bei den Hohlformen kann noch unterschieden werden, wie umfassend das umgebende Gestein ist. Befindet sich das umgebende Gestein auf allen Seiten, bildet sich über dem Vulkantuff ein Hochmoor oder sogar ein See. Fehlt das umgebende Gestein auf einer Seite, bildet sich ein Erosionstrichter.

 

Wertvoller Magerrasen bedeckt den Gipfel der Limburg.


Vom Gipfel der Limburg geht der Blick zurück zum Trichter des Randecker Maars am Rand des Albtraufs.
  
Info für Besucher
Die Limburg befindet sich unmittelbar südlich von Weilheim an der Teck. Dieser Ort ist nur wenige Kilometer von der Autobahnausfahrt Aichelberg der A8 entfernt. Man kann am westlichen Ortsausgang beim Friedhof parken. Von dort führt ein bezeichneter Weg auf den Gipfel der Limburg. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln fährt man mit der Bahn (ab Dezember 2009 S-Bahn Stuttgart) nach Kirchheim / Teck und steigt dort in den Bus nach Weilheim an der Teck um.
 
Das Randecker Maar erreicht man über die Anschlussstellen Kirchheim /Teck oder Aichelberg der A8. Von Kirchheim / Teck fährt man bei Bissingen an der Teck auf die Albhochfläche. Von Aichelberg errreicht man die Albhochfläche über Weilheim / Teck. Am Rand des Randecker Maars oder beim benachbarten Ort Ochsenwang befinden sich mehrere Parkplätze. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln fährt man mit der Bahn über Kirchheim / Teck bis Oberlenningen und von dort mit dem Bus bis Schopfloch oder Ochsenwang. Die Nordrandlinie des Schwäbischen Albvereins, ein Weitwanderweg von Donauwörth bis Tuttlingen, führt direkt beim Randecker Maar vorbei. 
 
Das Schopflocher Moor befindet sich nur wenige Kilometer südlich des Randecker Maars. Beide Naturerscheinungen können auf einer Wanderung oder einem Ausflug besichtigt werden. Direkt beim Schopflocher Moor befindet sich ein großer Parkplatz. Nur wenige Kilometer südlich des Schopflocher Moors befindet sich das Naturschutzzentrum des Landkreises Esslingen, das im Jahr 2008 zu einem der Informationsstellen des Biosphärengebiets Schwäbische Alb geworden ist. Auf einem Holzbohlenweg kann man das Moor durchqueren. In der Umgebung gibt es eine Vielzahl weiterer Wanderwege.

Fahrplanauskünfte gibt es bei der elektronischen Fahrplanauskunft Baden-Württemberg oder beim Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart.  
 
Weitere Naturwunder
Auch der Georgenberg bei Pfullingen ist ein Kegelberg des Schwäbischen Vulkans. Der Vulkanberg Jusi bei Metzingen befindet sich unmittelbar am Albtrauf. Daneben gibt es zahlreiche kleinere Kegel und Erhebungen, oft Boll oder Bölle genannt, die auf den Schwäbischen Vulkan zurückzuführen sind. Auch die Ortschaften Donnstetten und Zainingen und andere sind auf Vulkangestein gegründet. Ohne das Vulkangestein hätten diese Ortschaften auf der verkarsteten und trockenen Albhochfläche früher nicht bestehen können. Denn das Vulkangestein sorgte dafür, dass Quellen und kleine Seen (die sogenannten Hülen) vorhanden waren.  
 

Kesselfinkenloch und küssende Sau

Mit diesen etwas merkwürdig anmutenden Bezeichnungen fängt man auf den ersten Blick nicht so recht etwas an. Hier geht es um die Massenkalkfelsen der Schwäbischen Alb. Das Kesselfinkenloch und die küssende Sau sind zwei Namen und zwei Beispiele für Felsen der Schwäbischen Alb. Dabei ist gerade bei den Massenkalkfelsen die Auswahl eher zufällig. Denn es gibt sehr viele einzelne Felsen. Was wäre die Schwäbische Alb ohne ihre Felsen, die oft wie leuchtende Kronen an den Hang- und Traufkanten dem Wald entragen?
 
Die Kalksteine, die die Schwäbische Alb zum größten Teil aufbauen, lassen sich in zwei Gruppen einteilen. Es gibt die geschichteten Kalke und es gibt die Massenkalke. Die geschichteten Kalke wurden vor vielen Millionen Jahren im Jurameer Schicht für Schicht abgelagert. Die Massenkalke sind die steinernen Hinterlassenschaften ehemaliger Schwammstotzen und Korallenriffe. Freistehende stabile Felsen sind stets aus Massenkalken aufgebaut.


Das Kesselfinkenloch ist eine teilweise eingestürzte Höhle. Beim einstigen Höhlenportal blieb ein Torbogen erhalten.

Nicht jede der einzelnen Gesteinsschichten des Jura (alpha bis zeta) verfügt in gleicher Weise über Massenkalkfelsen. Die Schichten des Weißen Jura alpha und beta sind weitgehend frei von Massenkalken. Dies deutet darauf hin, dass das Jurameer zum Zeitpunkt der Ablagerung dieser Schichten vergleichsweise tief war. In den Schichten des Weißen Jura gamma bis zeta hingegen kommen Massenkalke häufiger vor. Das ist wiederum ein Indiz dafür, dass das Meer zur Zeit der Ablagerung dieser Schichten nicht mehr so tief war und später sogar einen lagunenhaften Charakter hatte. Zum Ende der Jurazeit zog es sich aus dem Gebiet der heutigen Schwäbischen Alb sogar ganz zurück. Ablagerungen der nachfolgenden Kreidezeit gibt es in Baden-Württemberg nicht.


Blick vom Kesselfinkenloch nach Süden auf den Steilabfall des Albtraufs mit überhängenden Felsen

Das Vorkommen der Massenkalkfelsen ist nicht gleichmäßig über die Schwäbische Alb verteilt. Dort, wo der Weiße Jura beta die Hochflächen und Hangkanten bildet, sind die Berge weitgehend frei von Felsen (Ausnahme ist die sogenannten Lochenfazies südlich von Balingen). Diese Gebiete finden sich z.B. auf der Südwestalb in der Gegend von Spaichingen, Tuttlingen, Geisingen. Dort hingegen, wo der jüngere Weiße Jura delta bis zeta die Oberfläche bildet, sind die Hänge und Traufkanten der Schwäbischen Alb oft mit Massenkalkfelsen geschmückt. Diese Gebiete finden sich auf der Nordseite der Schwäbischen Alb (Albtrauf) vom Echaztal aus ostwärts sowie auf der Südseite der Schwäbischen Alb, wo vielfach die jüngsten Juragesteine (zeta) zum Vorschein kommen.


Sogar Bäume wachsen auf dem felsigen Untergrund des Kesselfinkenlochs.

Die vielen Felsen mit festem Gestein machen die Schwäbische Alb zum Hauptklettergebiet von Baden-Württemberg und zu einem der wichtigsten Klettergebiete Deutschlands. Wie in allen Mittelgebirgen in Deutschland gab es auch auf der Schwäbischen Alb in den letzten Jahren immer wieder Konflikte zwischen dem Klettern als Freizeitsport und den Anliegen des Naturschutzes. Denn neben ihrer Eignung zum Klettern verfügen die Felsen auch über eine heute selten gewordene Reliktflora, die sich seit der letzten Eiszeit auf diesen letzten Rückzugsgebieten erhalten hat. Als Ergebnis der vergangenen Kontroversen sind heute an vielen Felsen nur noch bestimmte Kletterrouten freigegeben. Einige Felsen und Routen sind zu bestimmten Zeiten des Jahres oder sogar ganzjährig z.B. wegen der Nistplätze von Vögeln gesperrt. 


Das Felsmassiv der küssenden Sau im Blautal aus Richtung Osten. Mit ein wenig Phantasie kann man die Namensgebung nachvollziehen. 
 
Das Kesselfinkenloch ist eine Höhlenruine im Massenkalk des Weißen Jura delta. Über einem Grundriss von 10 mal 15 Metern befindet sich ein 10 Meter tiefes Loch. Der Fels befindet sich unmittelbar an der Traufkante der Schwäbischen Alb im Lenninger Tal westlich von Oberlenningen und südöstlich von Erkenbrechtsweiler. Das Kesselfinkenloch war ursprünglich eine Höhle, deren Decke teilweise eingestürzt ist. Ein Rest der Höhlendecke mit dem darunter befindlichen Höhleneingang blieb als natürliche Felsbrücke erhalten. 
Im Dreißigjährigen Krieg diente die Höhle noch als Zufluchtsort. Damals soll sie von einem Kesselflicker Fink bewohnt worden sein. Daher kommt der Name der Felsbildung.


Das Felsmassiv der küssenden Sau bildet ein filigranes Felsentor, hier von Westen gesehen. 
 
Die küssende Sau umfasst zwei Felsstotzen im Bereich der südlichen Schwäbischen Alb im Blaubeurer Tal. Das Gestein ist Weißer Jura epsilon. Die beiden Felsen bilden eine Naturbrücke, die bei der Seitenansicht teilweise einer küssenden Sau ähnelt. Der Wanderweg von Blaubeuren hinauf auf die Albhochfläche bei Seißen führt beim Felsmassiv der küssenden Sau durch ein weiteres Felsentor.           


Der Wanderweg verläuft im Bereich des Felsmassivs der küssenden Sau durch ein zweites Tor.

 
Fast wie in den Dolomiten: himmelsstürmende Felskante beim Nachbarfelsen der küssenden Sau. 
 
Info für Besucher
Das Kesselfinkenloch erreicht man von einem Parkplatz an der Straße Unterlenningen - Erkenbrechtsweiler auf einem Wanderweg in 0,5 Kilometern. Der Parkplatz befindet sich direkt an der Traufkante. Mit der Bahn fährt man bis Oberlenningen, der Endstation der Bahnlinie von Kirchheim/Teck. Von dort gelangt man auf einem Wanderweg in ca. einer Stunde und einem Höhenunterschied von 230 Metern zur Traufkante beim genannten Parkplatz. Oder man fährt mit dem Bus bis Erkenbrechtsweiler auf der Albhochfläche und gelangt von dort in einer halben Stunde ohne größeren Höhenunterschied zum Kesselfinkenloch. Fahrplanauskünfte gibt es bei der elektronischen Fahrplanauskunft Baden-Württemberg oder beim Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart.
 
Das Felsmassiv "küssende Sau" erreicht man von einem Parkplatz an der Straße Blaubeuren - Schelklingen aus. Der nicht beschilderte Parkplatz befindet sich ca. 200 Meter hinter dem Ortsendeschild von Blaubeuren rechts der Straße. Vom Parkplatz geht man zunächst auf dem Gehweg noch 150 Meter der Straße entlang und dann auf einem Wanderweg ansteigend in Richtung des Ortes Seißen in 15 Minuten bis zum Felsen der küssenden Sau. Unterwegs kommt man noch bei anderen Felsen vorbei. Mit der Bahn fährt man nach Blaubeuren an der Bahnlinie Ulm - Sigmaringen. Vom Bahnhof geht man im Verlauf des Schwäbische-Alb-Südrandwegs (Bezeichnung rotes Dreieck) auf einer Brücke über  die B28 beim Portal des Straßentunnels Blaubeuren und weiter ansteigend am Hang bis zum Felsen. Fahrplanauskünfte gibt es bei der elektronischen Fahrplanauskunft Baden-Württemberg oder beim Donau-Iller-Nahverkehrsverbund.  
 
weitere Naturwunder
Das Echaztal, das Ermstal, das Lenninger Tal, das Roggental bei Geislingen und der Rosenstein bei Heubach zeichnen sich auf der Nordseite der Schwäbischen Alb durch besonders viele Felsbildungen aus. Auf der Südseite der Schwäbischen Alb sind das Tal von Blaubeuren, das Tal der Großen Lauter und - als Höhepunkt - das Obere Donautal zwischen Beuron und Sigmaringen besonders felsenreich
 
 

Blautopf

Dies ist der bekannteste Quelltopf der Schwäbischen Alb und ganz Deutschlands sowie die zweitstärkste Quelle Deutschlands. Nur der Achtopf bei Stockach, am Südrand der Südwestalb, bringt noch mehr Wasser hervor. Was den Blautopf jedoch vor allem bekannt gemacht hat, ist die unvergleichliche Blau- und Grünfärbung des Wassers und die Lage an einem steilen Berghang.


Das Flüsschen Blau nur 200 Meter unterhalb des Blautopfs: Für das Zustandekommen einer so großen Wassermenge sind normalerweise viele Kilometer Flussstrecke erforderlich.

Der trichterförmige Blautopf befindet sich direkt neben dem Kloster von Blaubeuren. Somit ergibt sich hier eine seltene Kombination von Natur- und Kulturschätzen. Früher floss die Donau durch das Tal bei Blaubeuren in einer großen Schlinge. Der steile Hang, an dessen Fuß sich der Blautopf befindet, wurde von der Ur-Donau als Prallhang an der Außenseite einer Flussschlinge gebildet. Quelltöpfe, bei denen das unter Druck stehende Wasser aus dem Boden nach oben steigt, sind vor allem auf der Südseite der Schwäbischen Alb vorhanden. Dies ist eine direkte Folge der schräggestellten und nach Südwesten abfallenden Gesteinsschichten der Schwäbischen Alb. Das Waser wird somit entlang der wasserführenden Schichten nach Südwesten und nach unten befördert. Dort wo sich Schwachstellen im überdeckenden Gestein befinden, steigt das Wasser nach oben an die Oberfläche.


Der Blautopf befindet sich am Fuß des Prallhangs einer ehemaligen Flussschlinge der Donau, im Bild rechts hinter dem Kirchturm des Klosters Blaubeuren.

Die Schüttung des Blautopfs ist enorm. Sie beträgt im Durchschnitt über 2000 Liter/ Sekunde und schwankt zwischen einem Minimum von über 300 Liter/ Sekunde und einem Maximum bis zu 26000 Liter/ Sekunde. Die enorme Wassermenge, die aus dem Berg strömt sowie auch die großen Schwankungen der Wassermenge deuten auf ein Höhlensystem im Berg hin, durch das das Wasser unterirdisch bis zum Blautopf befördert wird. Die starke Schüttung hat bisher verhindert, dass der Quelltopf durch das vom Steilhang oberhalb herabfallende Gestein zugeschüttet wird. Ca. 20 Meter unterhalb des Wasserspiegels des Blautopfs beginnt die Blautopfhöhle. Diese Höhle ist zunächst auf lange Strecken eine Unterwasserhöhle.


Je nach Wetterlage leuchtet der Blautopf in den Farben grün, blau oder blaugrün.

Durch Färbeversuche wurde das Einzugsgebiet des Blautopfs ermittelt. Es beträgt über 150 km² und reicht bis in die Umgebung der Ortschaften Zainingen, Donnstetten, Westerheim und Machtolsheim. Die Zeit, die das Wasser von der Versickerung auf der Albhochfläche bis zum Austritt aus dem Blautopf benötigt, ist hierbei mit wenigen Stunden bis wenigen Tagen vergleichsweise kurz.


Statue der "Schönen Lau": dies ist eine Figur aus einem Märchen von Eduard Mörike, das am und im Blautopf spielt.

Bei der Erforschung der Blautopfhöhle hat sich in den siebziger und achziger Jahren des letzten Jahrhunderts vor allem der Höhlentaucher Joachim Hasenmeyer hervorgetan. Mit mehreren Tauchgängen, später auch mit einem Mini-U-Boot, hat er die Höhle viele hundert und später über 1000 Meter weit erforscht. Hierbei stieß er nach einer Tauchstrecke von 1250 Metern auf einen riesengroßen Höhlenraum oberhalb des Wasserspiegels, den er Mörikedom taufte. Der Mörikedom ist bis heute der größte bekannte Hohlraum der Schwäbischen Alb mit dem größten deutschen Höhlensee. Seine Beobachtungen im Höhlensystem brachten Joachim Hasenmeyer zur Auffassung, dass das Blauhöhlensystem Teil eines riesigen sehr alten Höhlensystems ist, das nach Süden in große Tiefen bis minus 4000 Meter unter die Molasseschichten des Alpenvorlands reicht. Trifft dies zu, böte das heiße Höhlenwasser eine enorme Energiequelle. Die "offizielle" Meinung zur Blautopfhöhle ist jedoch eine andere. Danach ist die Höhle nur ca. 100.000 Jahre alt und auf das Gebiet der heutigen Schwäbischen Alb beschränkt.


Blautopf mit dem Kloster Blaubeuren: eine einmalige Verbindung von Natur und Kultur

Die Erforschungen des Blauhöhlensystems gehen bis in die Gegenwart weiter. Dies stellt eine weitere Komponente dar für die Faszination, die der Blautopf auf viele Menschen ausübt. Obwohl kaum ausgesprochen steht hier die Erwartung im Raum, dass man kurz vor der Entdeckung von etwas bisher noch nie Gesehenem steht oder dass zumindest das bereits Entdeckte für Jedermann zugänglich gemacht wird. In diese Richtung bewegen sich auch die aktuellsten Erforschungen.


Unmittelbar beim Blautopf befindet sich die alte Hammerschmide mit Mühlrad.

Erfahrene Höhlentauchforscher der Arbeitsgemeinschaft Blautopf sind zur Zeit dabei, den lufterfüllten Teil der Blauhöhle weiter zu erkunden. Im Oktober 2008 wurde der Beweis geliefert, dass das Blauhöhlensystem inzwischen mit einer Länge von 6.543 Metern die längste Höhle der Schwäbischen Alb ist. Diese Länge dürfte jedoch bei weitem nicht das Ende sein. Höhlenforscher der Arbeitsgemeinschaft Blaukarst forschen als Ergänzung dazu in der umgekehrten Richtung. Zur Zeit wird mit Hochdruck nach Stellen auf der Albhochfläche gesucht, von denen sich ein möglicher Zugang zum Blauhöhlensystem ergeben könnte. An zwei Stellen gibt es bereits vielversprechende Fortschritte, bei der Hessenhau-Doline bei Berhülen sowie bei der neu entdeckten Seligengrundhöhle bei Seißen. In beiden Fällen konnte man bereits 50 Meter bzw. über 200 Meter in das Erdinnere vordringen. Ein starker Luftzug deutet in beiden Fällen darauf hin, dass die langerwartete trockene Verbindung zum größten Höhlensystem der Schwäbischen Alb möglicherweise vor der Entdeckung steht.


Geheimnisvoll und zeitlos schön: der Blautopf

 
Info für Besucher
Der Blautopf befindet sich direkt bei Blaubeuren. Blaubeuren liegt an der Bundesstraße B28 Ulm - Reutlingen und an der Bahnstrecke Ulm - Sigmaringen. In der Nähe des Blautopfs und des Klosters befinden sich große Parkplätze. Die Gehzeit vom Bahnhof Blaubeuren bis zum Blautopf beträgt ca. 20 Minuten. Fahrplanauskünfte gibt es bei der elektronischen Fahrplanauskunft Baden-Württemberg oder beim Donau-Iller-Nahverkehrsverbund. In der Umgebung von Blaubeuren und beim Blautopf befindet sich ein ausgedehntes Wanderwegenetz, das vom Schwäbischen Albverein unterhalten wird. Auch die Südrandlinie (Hauptwanderweg 2, Weitwanderweg von Donauwörth bis Tuttlingen entlang des Südrands der Schwäbischen Alb) führt bei Blaubeuren vorbei.
 
weitere Naturwunder     
Die Schwäbische Alb verfügt über zahlreiche Quelltöpfe. Der wasserreichste Quelltopf Deutschlands ist der Achtopf bei Stockach. In der Nähe des Blautopfs befindet sich bei Schelklingen der Quelltopf der Ach. Weitere Quelltöpfe sind der Brenztopf bei Königsbronn, der Egauursprung bei Neresheim, die Brunnenmühle bei Heidenheim an der Brenz, der Lonetopf bei Urspring und der Lauterursprung im Kleinen Lautertal bei Herrlingen. Daneben gibt es eine Vielzahl von Hangquellen

Mössinger Bergrutsch

Niemand war in der Nähe, als sich am 12. April 1983 am Hirschkopf südlich des Ortes Mössingen 4 Millionen m³ Gesteinsmasse in Bewegung setzten und talwärts glitten. Zum Glück, möchte man sagen, denn damit kam durch diesen größten Bergrutsch seit mehr als 100 Jahren in Baden-Württemberg niemand zu Schaden. Es gab jedoch auch keine Zeugen, die dieses Jahrhundertereignis aus der Ferne mitverfolgt, fotographiert oder gefilmt haben. 
 
Damit gibt es niemand, der etwa den explosionsartigen Knall gehört hätte, der entsteht, wenn durch ungeheure Zugkräfte die Baumwurzeln auseinandergerissen werden. Oder das dumpfe Geräusch und das Echo, das beim Niedergang dieser riesigen Gesteinsmasse zu hören gewesen wäre. Möglicherweise wurde nicht einmal besonders viel Staub aufgewirbelt. Denn dem Erdrutsch voraus gingen tagelange Regenfälle. Sie bewirkten, dass die tonigen Gesteine des Braunen Jura, die im Bereich des Hirschkopfs den Hangfuß und die unteren Hangbereiche bilden, mit Wasser vollgesogen waren. Sie bildeten eine plastische Gleitfläche, über die die oberhalb anstehenden Gesteins- und Mergelschichten des Weißen Jura alpha und beta sich talwärts in Bewegung setzten.


Die Abbruchfläche des Mössinger Bergrutschs am Gipfel des Hirschkopfs am Albtrauf: die Schichten des Weißen Jura beta sind in seltener Klarheit zu sehen. Diese Schichten werden auch die "wohlgebankten Kalke" genannt. Dies kommt von ihrer deutlich sichtbaren klaren Wechselfolge von Kalk und Kalkmergelschichten. Eine solche gleichmäßige Schichtfolge konnte sich nur in einem tiefen Meer ablagern.
 
Der Mössinger Bergrutsch gilt heute als bestes Beispiel für die rückschreitende Erosion des Albtraufs. Mit dem Begriff Albtrauf bezeichnet man die Nord- und Westkante der Schichtstufe der Schwäbischen Alb. Dieses Gebirge stellt eine schräggestellte Platte dar, die sich nach Süden und Osten langsam absenkt und die nach Norden und Westen abrupt abbricht. Der Albtrauf stellt in seiner Gesamtheit ebenfalls ein Naturwunder dar. Wo sonst in Deutschland gibt es diese topographische Situation, dass sich eine Mauer mit einer Höhe zwischen 200 und 400 Metern auf über 200 Kilometern Länge durch das Land zieht? Zwischen dem Nördlinger Ries und dem Rhein bei Schaffhausen gibt es kaum eine schwache Stelle, an der diese Mauer unterbrochen ist.

 

Oberhalb einer abgerutschten Scholle hat sich ein Tümpel gebildet.
 
Die rückschreitende Erosion des Albtraufs findet mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von einem Millimeter pro Jahr statt. Für den Menschen ist dies also nicht unmittelbar wahrzunehmen, möchte man meinen. Der Mössinger Bergrutsch hat jedoch eindrucksvoll gezeigt, dass die Erosion des Albtraufs nicht langsam und gleichmäßig vonstatten geht. Vielmehr läuft sie plötzliich und lokal unterschiedlich ab. Um einen Betrag von 32 Meter ist die Kante des Albtraufs mit dem Mössinger Bergrutsch an der tiefsten Stelle zurückgenommen worden. Das reicht somit für 32.000 Jahre. 
 
Das vom Mössinger Bergrutsch beeinträchtigte Gebiet ist ca. 71 Hektar groß. Die Breite des Bergrutschs beträgt ca. 500 Meter. Das Gebiet wurde relativ bald nach dem Rutschereignis unter Schutz gestellt. Das Betreten des Gebiets ist nur auf den aufgewiesenen Wegen zulässig. Hierfür ist einerseits die immer noch latente Gefahr von weiteren Rutschungen und Felsstürzen maßgebend. Andererseits soll das Gebiet möglichst wenig von den Menschen gestört werden. Denn es bietet sich hier die Jahrhundertchance, die biologischen Abläufe von der ersten Pionierpflanze bis zum Wald als Endstadium zu verfolgen, wie sie im Rahmen der Wiederbesiedlung von Geröllwüsten ablaufen.


Die nach dem Bergrutsch entstandene Geröllwüste beginnt sich langsam zu bewalden.
 
Innerhalb des Rutschgebiets können vier Lebensräume unterschieden werden. An oberster Stelle sind die steilen Kanten und die tiefen Gräben des Abrisses. Dann folgt ein verlagerter Geländerücken auf Bergkies, auf dem der ursprünglich Mischwaldbesatz zwar nach unten gewandert ist, jedoch erhalten blieb. Nach unten schließt sich daran eine zunächst vegetationslose Kieswüste an. Ganz unten befinden sich zusammengeschobene Erdmassen mit umgeworfenen Bäumen, die den am Hangfuß fließenden Bußbach nach Norden abgedrängt haben.  
 
In den ersten Jahren nach dem Rutschereignis war der Wert des Gebiets für den Naturschutz am Größten. In dieser ersten Zeit siedelten sich die Pionierpflanzen und -tiere an, die sonst in Baden-Württemberg sehr selten sind. Im Laufe der Zeit normalisierten sich die Verhältnisse immer mehr. Die seltenen Arten wurden nach und nach zurückgedrängt und ersetzt durch diejenigen Arten, die häufiger vorkommen. Irgendwann wird das Gebiet sich soweit entwickelt haben, dass es sich nicht mehr besonders von anderen Gebieten unterscheidet. Dann ist der Zeitpunkt erreicht, an dem der Wert für den Naturschutz nicht mehr herausragend ist. Das Gebiet sollte gleichwohl dauerhaft geschützt bleiben. Denn hier kann sich eine vom Menschen unbeeinflusste Wildnis entwickeln, die sich stets von den benachbarten Gebieten unterscheiden wird.
 
 
Info für Besucher
Unmittelbar am Sattel zwischen dem Hirschkopf und dem benachbarten Farrenberg befindet sich ein Parkplatz, von dem der beschilderte Rundweg durch das Gebiet startet. Den Parkplatz erreicht man über die B27 Tübingen - Rottweil. Man verlässt die Straße bei Mössingen, fährt durch den Ort und weiter nach Talheim. Dort ist der Parkplatz ausgeschildert. Die gekennzeichneten Wege dürfen im Bergrutschgebiet aus Gründen der Sicherheit und des Naturschutzes nicht verlassen werden.
 
Mit der Bahn fährt man bis zum Bahnhof Mössingen an der Zollernbahn Tübingen - Sigmaringen. Von dort ist man in ca. einer Stunde Fußweg am Sattel. Vom Sattel kann man auf einem Wanderweg auch den Gipfel des Hirschkopfs ersteigen. Von dort bieten sich Blicke von oben in das Gebiet. Fahrplanauskünfte gibt es bei der elektronischen Fahrplanauskunft Baden-Württemberg oder beim Verkehrsverbund Neckar-Alb-Donau.
 
weitere Naturwunder               
Am Plettenberg bei Hausen im Tann ereignete sich im Jahr 1851 ebenfalls ein gewaltiger Bergsturz, der nach wie vor deutlich sichtbar ist. Die Hausener Wand im Oberen Filstal ist nichts anderes als ein riesiger Bergsturz, der sich nach dem Ende der letzten Eiszeit vor einigen Tausend Jahren ereignet hat. Die Absturzmassen am Fuß der Wand sind noch deutlich zu erkennen. Im Jahr 1805 gab es dort noch einmal einen kleineren Bergsturz.  
 

Bärenhöhle

Die Bärenhöhle ist zwar nicht die größte und längste Höhle der Schwäbischen Alb und sie verfügt auch nicht über die besten Tropfsteinbildungen. Sie ist jedoch die bekannteste und meistbesuchte Schauhöhle dieses Mittelgebirges und ganz Süddeutschlands. Das kommt daher, dass es in der Höhle als Einziger der Schwäbischen Alb eine Reihe von Knochen und Schädeln des seit dem Ende der letzten Eiszeit ausgestorbenen Höhlenbären zu sehen gibt.

Die Bärenhöhle befindet sich im Gebiet der Mittleren Alb beim Ort Sonnenbühl-Erpfingen. In geologischer Hinsicht steht hier das Gestein Weißjura Delta an, das weite Teile der Kuppenalb bildet. Die Gesamtlänge der Höhle ist 271 Meter. Sie befindet sich in einer Höhenlage von knapp 800 Meter über dem Meer. Die Höhle wurde in zwei Stufen entdeckt. Es gibt deshalb auch zwei Namen für die Höhle.


Durch dieses Loch fiel im Jahr 1834 die Schnupftabaksdose des Erpfinger Schullehrers Fauth. Am folgenden Tag wurde die Karlshöhle entdeckt. Es viele Jahre später entdeckte man die Fortsetzung, die Bärenhöhle.

Im Jahr 1834 wurde der damals Karlshöhle genannte Höhlenteil durch Zufall entdeckt. Bei der Suche nach Kräutern entglitt dem Schullehrer Fauth aus Erpfingen die Tabaksdose und fiel in ein Loch. Bereits am kommenden Tag wurde durch das Loch hindurch die Höhle entdeckt und erkundet. Das Loch (Fauthsloch) ist heute noch vorhanden. Es befindet sich 20 Meter neben dem später geschaffenen künstlichen Höhleneingang. Bei der Erkundung der Höhle stellte man rasch fest, dass sie bereits in früheren Zeiten vom Menschen genutzt wurde. Noch im Mittelalter wurden die Opfer der Pestepidemie in die Höhle verbracht. Die Entdeckung der Karlshöhle im Jahr 1834 war somit eine Wiederentdeckung.


Die Bärenhöhle ist die einzige Höhle der Schwäbischen Alb, in der noch originale Knochen des ausgestorbenen Höhlenbären zu sehen sind. Dieses Bärenskelett wurde aus den Knochen verschiedener Tiere zusammengefügt.

Erst im Jahr 1949 wurde der zweite Teil der Höhle, die eigentliche Bärenhöhle, von einem Höhlenführer entdeckt. Bereits einige Zeit zuvor hatte er beobachtet, wie die in der Karlshöhle überwinternden Fledermäuse durch ein Loch verschwanden. Das Alleinstellungsmerkmal der neu entdeckten Bärenhöhle ist, dass die dort vorhandenen zahlreichen Knochen des Höhlenbären nicht ausgeräumt und geplündert wurden. Sie wurden von vornherein an Ort und Stelle belassen und geschützt, allenfalls erfolgte eine wissenschaftliche Untersuchung. Bei den anderen Höhlen der Schwäbischen Alb wurden vorhandene Überreste von Tieren im Lauf der Jahre entfernt. Aushängeschild der Bärenhöhle ist ein Bärenskelett, das aus den Knochen verschiedener Tiere zusammengesetzt worden ist. Viele der Knochen und Schädel, die in der Höhle lagern, sind von einer Sinterschicht überzogen. Teilweise wurden sie freigelegt.


Prächtige Tropfsteine (Stalaktiten) in der Bärenhöhle

Der schon lange ausgestorbene Höhlenbär ähnelte dem heutigen Braunbären. Der Höhlenbär bewohnte die Bärenhöhle während der Eiszeit. Das massive Vorkommen der Bärenknochen in der Höhle lässt darauf schließen, dass der Höhlenbär sehr viel geselliger lebte als die heute lebenden Bären. 

Die Bärenhöhle ist heute trocken, weil der Karstwasserspiegel schon längst um viele Höhenmeter gefallen ist. Früher floss ein Bach durch die Höhle. Die Höhle bestand zunächst aus zwei übereinanderliegenden Höhlengängen. Später stürzte die mittlere Deckenlage ein, so dass sich die heute vorhandene Höhe der Höhle bildete. Auch die Fortsetzungen der Höhle auf beiden Seiten sind schon längst der Erosion zum Opfer gefallen. Die Höhle befindet sich heute im Bereich einer Bergkuppe.

Das in der Höhle vorhandene Wasser führt viel gelösten Kalk mit. Beim Abtropfen von der Höhlendecke oder beim Aufprall auf den Boden wird Kalk abgeschieden, der sich langsam ansammelt. Von der Höhlendecke her bilden sich die sogenannten Stalaktiten, vom Höhlenboden her bauen sich die Stalakmiten auf. Befinden sich Stalaktiten und Stalakmiten ungefähr übereinander, können sie mit der Zeit zusammenwachsen und eine einzige Säule bilden. Die Wachstumsrate der Säulen beträgt ca. 0,5 mm / Jahr. Dies mag relativ langsam erscheinen. In den trockenen Gebieten der Erde ist jedoch das Wachstum der Kalkablagerungen in Höhlen noch wesentlich langsamer.


Tropfsteinbildung am Höhlenboden mit grünen Moosen (sogenannte Lampenflora)

Die Höhle wird elektrisch beleuchtet. Dies führte zu einem interessanten Phänomen, der sogenannten Lampenflora. Diesen Lebenwesen ist die künstliche Lichtquelle ausreichend zum Überleben. Über die Luft und den Wind, aber auch über Tiere und auch den Menschen werden ständig Samen und Sporen in die Höhle getragen. Einige davon finden die in der Höhle vorhandenen Lebensbedingungen ausreichend.
 
Bei der Entdeckung des zweiten Teils der Bärenhöhle im Jahr 1949 war diese noch das Überwinterungsquartier vieler Fledermäuse. Heute sind kaum mehr Fledermäuse in der Höhle vorhanden. Hierfür ist einerseits die Anlage eines zweiten Ausgangs aus der Höhle verantwortlich. Dadurch entstand eine Luftzirkulation, die die für den Winterschlaf der Fledermäuse wichtige Luftfeuchtigkeit herabgesetzt hat. Andererseits ist die Zahl der streng geschützten Fledermäuse in den vergangenen Jahrzehnten generell stark zurückgegangen. Ursache dafür ist die moderne Industriegesellschaft, die die Lebensbedingungen für diese Tiere verschlechtert hat.


Sinterbildungen an der Wand der Bärenhöhle

Info für Besucher
Die Bärenhöhle ist über die Bundesstraße B 313 (Reutlingen - Gammertingen - Sigmaringen) zu erreichen. Südlich von Großengstingen befindet sich der beschilderte Abzweig zur Höhle. Die großen Besucherzahlen haben dazu geführt, dass bei der Höhle besonders viele touristische Einrichtungen vorhanden sind. Unter anderem befindet sich direkt bei der Höhle ein Rummelplatz mit Fahrgeschäften. Für die Höhle wird ein Eintrittsgeld verlangt.

Was den öffentlichen Verkehr betrifft, befindet sich die Höhle etwas im Abseits. Großengstingen mit gutem Busanschluss von Reutlingen und Anschluss der Schwäbische - Alb - Bahn, einer Touristenbahn, befindet sich ca. 6 Kilometer von der Höhle entfernt. Es gibt eine Buslinie, die eine Stichfahrt von der B 313 zur Höhle macht. Mit dem Fahrrad lässt sich die Höhle von den benachbarten Orten vergleichsweise schnell erreichen. Bei der Höhle führen verschiedene Wanderwege des Schwäbischen Albvereins vorbei. Fahrplanauskünfte gibt es bei der elektronischen Fahrplanauskünft Baden-Württemberg oder beim Verkehrsverbund Neckar-Alb-Donau.  

weitere Naturwunder
Es gibt auf der Schwäbischen Alb über 20 Schauhöhlen und viele hundert weitere Höhlen. Die Charlottenhöhle bei Giengen - Hürben ist die längste Schauhöhle. Die Kolbinger Höhle bei Kolbingen trägt einen besonders schönen Sinterschmuck. Eine Besonderheit ist die Laichinger Tiefenhöhle bei Laichingen. Dort geht es nicht horizontal in den Berg hinein, sondern nach unten. Eine weitere Besonderheit ist die Wimsener Höhle. Dies ist die einzige Schauhöhle Deutschlands, die mit dem Boot befahren wird.

Von einer Begehung oder einer Befahrung der nicht erschlossenen Höhlen der Schwäbischen Alb wird dringend abgeraten. Hier lauern vielfältige Gefahren. Unter anderem könnte der Rückweg durch ansteigendes Wasser verunmöglicht werden. Viele Höhlen dürfen während des Winterhalbjahrs nicht betreten werden. Dies geschieht zum Schutz der dort überwinternden Fledermäuse. Das Betretungsverbot ist unbedingt zu beachten. Ein besonders schönes Höhlenportal hat die Falkensteiner Höhle bei Bad Urach. Zu den längsten Höhlen der Schwäbischen Alb gehören die Wulfbachquellhöhle bei Mühlheim an der Donau und die Blauhöhle bei Blaubeuren.
 

Digelfeld und Buttenhausener Eichhalde

Schafherden, Silberdistel und Wacholderheiden: dies wird als Inbegriff der Schwäbischen Alb gesehen. Hierbei will man oft nicht wahrhaben, dass diese auf alte Wirtschaftsformen zurückzuführenden Naturphänomene heute nicht mehr die Regel, sondern bereits die Ausnahme sind. Fast nur noch in Schutzgebieten ist ein Überleben des Biotops Wacholderheide gewährleistet.
 
So ist es auch nicht verwunderlich, dass die beiden hier gewählten Beispiele für Wacholderheiden auf der Schwäbischen Alb, das Digelfeld bei Hayingen in der Nähe des südlichen Lautertals sowie die Buttenhausener Eichhalde bei Buttenhausen im nördlichen Lautertal, jeweils Naturschutzgebiete sind. Es fällt weiter auf, dass die inzwischen zahlreichen Naturschutzgebiete der Schwäbischen Alb, die Wacholderheiden beinhalten, jeweils erst vor 20 bis 10 Jahren ausgewiesen worden sind. Hier werden die fundamentalen Änderungen der Alblandschaft als Folge des modernen Wirtschaftens sichtbar.


Das Digelfeld ist eine der größten Wacholderheiden der Schwäbischen Alb.

Vor 80 Jahren, als auf der Schwäbsichen Alb die ersten Naturschutzgebiete verordnet wurden, dachte noch niemand daran, eine Wacholderheide zu schützen. Diese Landschaftsform war damals noch weiter verbreitet und somit nicht besonders schutzbedürftig. Mit dem massiven Rückgang der Schäferei und der Umwandlung der Heideflächen in intensives Grünland, in Wald oder gar in Ackerflächen ging die Wacholderheidenfläche in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts immer weiter zurück. Erst dann wurde ihr Wert erkannt, was in der Folge die Ausweisung von Naturschutzgebieten auf den noch von Wacholderheiden besetzten Flächen nach sich zog.

 

Das Digelfeld lässt sich auf einem angenehmen ausgeschilderten Rundweg erkunden.

Dabei wird manchmal vergessen, dass es sich bei den Wacholderheiden nicht um ursprüngliche Natur, nicht um Wildnis handelt. Die Wacholderheiden sind vom Menschen gemacht. Ohne die Schafzucht gäbe es keine Wacholderheiden. Von Natur aus wäre ganz Mitteleuropa bis auf wenige Sonderstandorte bewaldet. Auch im Naturschutz gibt es hierzu konträre Auffassungen. Eine Auffassung ist, dass die Wacholderheiden und andere vom früheren Wirtschaften des Menschen stammende Biotope unbedingt zu schützen seien. Denn diese Biotope beinhalten eine Vielzahl inzwischen seltengewordener Pflanzen und Tiere, die sonst in Mitteleuropa aussterben würden. Eine andere Auffassung sagt, dass der Mensch der Natur beim Schützen möglichst wenig ins Handwerk pfuschen sollte. Die Pflanzen und Tiere der Wacholderheide sollten dort geschützt werden, wo sie von Natur aus vorkommen - also z.B. in der pannonischen Steppe in Osteuropa. In Mitteleuropa soll die natürliche Umwandlung der Wacholderheiden zurück in Wald nicht behindert werden.


Zusätzlich zur mechanischen Pflege der Wacholderheiden werden heute wieder vermehrt Schafherden eingesetzt. Sie sollen die Verbuschung und Bewaldung der Wacholderheiden verhindern.

Hier soll für keine der beiden Auffassungen Partei ergriffen werden. Es ist ja auch nicht förderlich, wenn die Gruppe der dem Naturschutz verbundenen Menschen untereinander uneins ist. Davon profitieren nur diejenigen, die nach wie vor bestrebt sind, der Natur den modernen menschlichen Stempel aufzudrücken, also zu bauen, Fläche zu versiegeln und zu verändern. Wahrscheinlich haben beide Auffassungen des Naturschutzes ihre Berechtigung. Es muss somit sowohl Gebiete geben, in denen die alten Wirtschaftsformen des Menschen und die damit verbundenen Pflanzen und Tiere geschützt werden als auch Gebiete, in denen sich die Natur ohne Einfluss des Menschen entwickeln darf und wieder Wildnis werden kann.


Nach der Einstellung der intensiven Beweidung mit Schafen wanderten weitere Pflanzenarten in die Wacholderheide ein, darunter auch Orchideen.

Das Naturschutzgebiet Digelfeld wurde im Jahr 1991 verordnet und hat eine Größe von 121,4 Hektar. Es befindet sich 1,5 Kilometer westlich von Hayingen. Geschützt werden großflächige Wacholderheiden, die teilweise zu Kiefernwäldern ausgewachsen sind. Am Boden befinden sich artenreiche Halbtrockenrasen-Gesellschaften, die eine große Insektenfauna ernähren. Das Digelfeld gehört zu den schönsten noch erhaltenen Heideflächen im Landkreis Reutlingen und darüber hinaus auf der gesamten Schwäbischen Alb. Das Gebiet wurde bis 1980 mit Schafen beweidet. Heute muss es durch regelmäßige pflegerische Eingriffe offengehalten werden.


Der Steilhang der Buttenhausener Eichhalde lässt sich vom Lautertal aus gut einsehen.

Nach dem Ende der Schafbeweidung wanderten eine Reihe von Pflanzenarten ein, die bei Schafbeweidung nicht gedeihen könnten. Darunter waren viele Enzian- und Orchideenarten. Die Artenvielfalt des Gebiets hat somit nach dem Ende der Schafbeweidung weiter zugenommen. Allerdings wurden bei der Recherche für dieses Knol im Frühjahr 2009 sowohl im Digelfeld als auch auf der Buttenhausener Eichhalde Schafherden beobachtet. Möglicherweise findet - zumindest auf Teilflächen der Gebiete - inzwischen wieder eine regelmäßige Beweidung durch Schafe im Rahmen eines Pflegeprogramms statt. Es bleibt abzuwarten, welche neuerlichen Änderungen der Flora und Fauna damit verbunden sind.


Der Wacholder: von den Schafen geschmäht und von den Schäfern unter anderem als willkommener Schattenspender geduldet konnte dieses Gewächs auf den Weiden überleben.

Das Naturschutzgebiet Buttenhausener Eichalde wurde im Jahr 1994 verordnet und hat eine Große von 35 Hektar. Es befindet sich im Großen Lautertal unmittelbar nordwestlich von Buttenhausen. Es umfasst einen ausgedehnten Südhang in einer Höhenlage zwischen 630 und 768 Meter über dem Meer und einer Neigung bis zu 55 Prozent. Hier gibt es etwas andere Wachstumsbedingungen als im nur leicht geneigten Digelfeld. Denn die Sonne strahlt im Sommer senkrecht auf den Steilhang der Eichhalde und verursacht somit extrem hohe Bodentemperaturen. Aus demselben Grund ist die Eichhalde im Winter auch viel früher aper als viele andere Gebiete der Schwäbischen Alb.

Artenreiche Wiese am Fuß der Eichalde

Die Buttenhausener Eichhalde ist ein Zeuge der alten Kulturlandschaft, die durch die jahrhundertelange Beweidung mit Schafen entstanden ist. Am Boden hat sich eine Enzian-Zwenkenrasen-Gesellschaft gebildet, unter anderem mit der Silberdistel, der Charakterpflanze der Schwäbischen Alb. Am Hangfuß gibt es blumenbunte Salbei-Glatthaferwiesen. Auch im Bereich der Buttenhausener Eichhalde wanderten nach der Aufgabe der flächendeckenden Schafbeweidung neue Pflanzenarten ein, darunter Orchideen.        
      
Info für Besucher
Das Naturschutzgebiet Digelfeld erreicht man von Hayingen aus, indem man die Straße Richtung Nordwesten (Richtung Ehestetten) bis zum Ortsende von Hayingen fährt. Dort zweigt eine schmale Straße nach links ab. Nach ca. einem Kilometer ist der Parkplatz Digelfeld ausgeschildert. Er befindet sich rechts der Straße und ist über einen Feldweg zu erreichen. Nach Hayingen besteht Busverbindung. Fahrplanauskünfte gibt es bei der elektronischen Fahrplanauskunft Baden-Württemberg oder beim Verkehrsverbund Neckar-Alb-Donau.
 
Das Naturschutzgebiet Buttenhausener Eichhalde sollte man möglichst nicht betreten. Man kann das Gebiet sehr gut sehen, imdem man einen Spaziergang im Lautertal unternimmt. Der Parkplatz dazu befindet sich unmmittelbar am westlichen Ortsende von Buttenhausen. Vom Parkplatz geht man ein Stück das Lautertal entlang nach Nordwesten, entweder am Waldrand oder auf einem Feldweg durch das Wiesengelände in der Nähe des Flüsschens Lauter. Ständig hat man hierbei einen großartigen Blick auf den Steilhang der Eichhalde. 
 
weitere Naturwunder   
Bei der Suche nach den Wacholderheiden der Schwäbischen Alb wird man am Besten fündig, wenn man nach den Naturschutzgebieten sucht. Viele der Schutzgebiete beinhalten derartige Flächen. Informationen über die Schutzgebiete in Baden-Württemberg mit genauen Karten gibt es bei der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg.
 
Weitere Wacholderheiden gibt es verstreut über die gesamte Schwäbische Alb. Ein weiterer Schwerpunkt bildet das obere Filstal mit den Naturschutzgebieten Galgenberg bei Bad Ditzenbach, Nordabhänge bei Deggingen, Haarberg-Wasserberg bei Reichenbach im Täle und Dalisberg bei Unterböhringen.
 

Zollerberg

Der Zollerberg oder Zoller ist selbstverständlich in erster Linie wegen der Burg Hohenzollern weithin bekannt. Sie befindet sich überaus malerisch auf dem Gipfel des perfekten Kegelbergs. Auch wenn in diesem Knol die Schwäbische Alb unter dem Gesichtspunkt der Natursehenswürdigkeiten betrachtet wird, ist nicht zu verhehlen, dass die großartige Burg Hohenzollern das von der Natur bereits vorhandene Bild noch weiter steigert. Hierbei nimmt man es auch gelassen hin, dass die heutige Burg Hohenzollern eine neugotische Schöpfung des 19. Jahrhunderts ist und nur wenig mit der früheren mittelalterlichen Burg zu tun hat.  
 
Hier ist der Zollerberg jedoch aus einem anderen Grund vorhanden. Er ist das perfekte Beispiel eines Zeugenbergs. Der Berg ist ca. 2 Kilometer der Trauflinie der Schwäbischen Alb beim Blasenberg vorgelagert. Zeugenberge gibt es fast bei allen Schichtstufenlandschaften. Zeugenberge bezeugen, dass die jeweilige Schichtstufe vor längerer Zeit einmal weiter nach vorne gereicht hat, bevor die Erosion sie auf den heutigen Stand zurückgeführt hat.

Der Zollerberg, gesehen von der Wallfahrtskirche Mariazell bei Hechingen-Boll 
 
Der Gipfel des Zollerbergs besteht aus dem Gestein Weißjura Beta. Dies ist ein hartes Gestein. Es hat den Berg bisher vor der Abtragung bewahrt. Die Gesteine und deren Abfolge sind beim Zollerberg dieselben wie bei der angrenzenden eigentlichen Schichttafel der Schwäbischen Alb. Vor langer Zeit war der Zollerberg ebenfalls Bestandteil der Albhochfläche.
 
Dass die Gesteinsschichten des Jura vor vielen Millionen Jahren einmal viel weiter nach Nordwesten gereicht haben, ist durch mehrere Sachverhalte bewiesen. Die Zeugenberge weisen auf die geologisch jüngere Vergangenheit hin. Ein Vulkanschlot bei Scharnhausen südlich von Stuttgart beinhaltet zertrümmerte Juragesteine. Während des Ausbruchs dieses Vulkans vor 17 Millionen Jahren hat das Juragebirge somit mindestens bis Stuttgart gereicht. Bohrungen sowie abgesunkene Randschollen im Oberrheingraben zeigen dort, dass in großer Tiefe bzw. unmittelbar an der Oberfläche Juragesteine vorkommen. Und nicht zuletzt weist das elsäsisch-lothringische Schichtstufenland - das Gegenstück zum Südwestdeutschen Schichtstufenland - ebenfalls eine Jurastufe auf. Somit ist der Gedanke naheliegend, dass vor der Hebung der Schichten durch den Aufprall der afrikanischen Kontinentalplatte auf die eurasische Platte vor 65 Millionen Jahren das Juragebirge einmal vollflächig das heutige Baden-Württemberg und Elsas und Lothringen bedeckt hat. Seit dieser Zeit hat die Erosion ihre Arbeit geleistet und unvorstellbare Gesteinsmassen in Richtung Meer transportiert.
 
Es bleibt nun noch die Frage, warum die Zeugenberge der Schwäbischen Alb wie z.B. der Zollerberg gerade dort sind, wo sie sind. Das Vorkommen der Zeugenberge ist nicht zufällig. In vielen Fällen sind tektonische Vorgänge maßgebend. Der Zollerberg befindet sich in einer tektonischen Störung, dem sogenannten Hohenzollerngraben. Diese Störungszone hat eine Länge von 25 Kilometern und eine Breite von 0,9 bis 1,5 Kilometern. Im Hohenzollerngraben sind die Gesteinsschichten um 40 bis 110 Meter im Vergleich zu den angrenzenden Gebieten abgesunken. Die tiefere Lage der einzelnen Gesteinsschichten im Hohenzollerngraben hat die Abtragung durch die Erosion verlangsamt. Die Gesteine blieben länger liegen als in der Umgebung. Es kam zur sogenannten Reliefumkehr. Aus dem ursprünglichen Graben wurde so im Fall des Zollerbergs eine Erhebung.

Der Zollerberg vom Albtrauf (Zeller Horn)  
 
Der Begriff Hohenzollerngraben ist sehr viel mehr bekannt, als dies eigentlich zu erwarten wäre. Man verbindet damit die seit dem Jahr 1911 im Bereich Albstadt und Umgebung auftretende Häufung von Erdbeben. Die Westalb ist seit dem 20. Jahrhundert das seismisch aktivste Erdbebengebiet in Zentraleuropa. Mehrere schwere Erdbeben führten in den vergangenen Jahrzehnten zu Schäden in Millionenhöhe. Auch die Burg Hohenzollern wurde mehrfach beschädigt. Das Gebiet um Albstadt und um den Zollerberg ist inzwischen in die Erdbebenzone 3 eingeordnet worden. Dies ist die Zone für die stärkste Gefährdung durch Erdbeben. Dort gelten besondere Bauvorschriften. 
 
Neuere Forschungen zeigen jedoch, dass der Hohenzollerngraben irrtümlich für die Erdbebenhäufigkeit der Region verantwortlich gemacht wird. Ursache ist vielmehr eine Bruchstruktur im tieferen Untergrund, die quer zum Hohenzollerngraben verläuft. 
 
Info für Besucher
Der Zollerberg befindet sich bei Hechingen ca. 20 Kilometer südwestlich von Tübingen. Südwestlich von Hechingen fährt man von der Bundesstraße 27 ab und folgt der Beschilderung zur Burg. 150 Höhenmeter unterhalb der Burg befinden sich große gebührenplichtige Parkplätze. Von dort nimmt man den Anstieg zum Berg entweder zu Fuß in Angriff. Oder man fährt mit den Kleinbussen hoch zur Burg. Die Aussicht vom Zollerberg kann man auch genießen, ohne den Eintritt in die Burg bezahlen zu müssen. Eine Besichtigung der Burg mit Führung ist trotzdem zu empfehlen. Hechingen liegt an der Bahnstrecke Tübingen - Albstadt - Sigmaringen. Vom Bahnhof gibt es Busverkehr bis zum Zollerberg. Fahrplanauskünfte gibt es bei der elektronischen Fahrplanauskunft Baden-Württemberg oder beim Verkehrsverbund Neckar-Alb-Donau.
 
Besonders schön sind die Blicke zum Zollerberg vom Albtrauf aus. Bevorzugter Standort ist hierfür der Raichberg mit den angrenzenden Aussichtsfelsen (z.B. Backofenfelsen) bei Albstadt-Onstmettingen. Von Onstmettingen führt eine Stichstraße auf den Berg. Onstmettingen kann mit Linienbussen vom Bahnhof Albstadt-Ebingen aus erreicht werden.
 
weitere Naturwunder
Es gibt auf der Schwäbischen Alb zahlreiche größere und kleinere Zeugenberge.  Der Farrenberg bei Mössingen ist sogar so groß, dass auf seinem Gipfelplateau ein Segelflugplatz eingerichtet werden konnte. Weitere bekannte Zeugenberge sind die Achalm bei Reutlingen, die Teck bei Kirchheim / Teck und der Ipf bei Bopfingen. Wie der Zollerberg ist auch der Ipf aus kulturellen Gründen bekannt. Unter seinem Gipfel befindet sich ein großer keltischer Ringwall. Nicht zuletzt ist der höchste Berg der Schwäbischen Alb, der Lemberg bei Gosheim (1015 Meter Höhe) ebenfalls ein Zeugenberg.                    
 

Brucktal und Trailfinger Schlucht

Dies sind zwei der über zwanzig Kernzonen des noch sehr jungen Biosphärengebiets Schwäbische Alb. Das 85.300 Hektar große Biosphärengebiet wurde am 31. Januar 2008 als erstes derartiges Gebiet mit der Verordnung des Ministeriums für Ernährung und ländlichen Raum von Baden-Württemberg gegründet. Am 26. Mai 2009 erfolgte die Anerkennung der Unesco im Rahmen des mab-Programms (man and biosphere). Das Gebiet ist nun eines von 553 von der Unesco anerkannten Biosphärenreservaten in 107 Ländern.
 
Das Biosphärengebiet Schwäbische Alb umfasst bei weitem nicht das gesamte Mittelgebirge. Es beschränkt sich auf den mittleren Teil der Alb zwischen Weilheim an der Teck im Norden, Zwiefalten im Süden, Schelklingen im Osten und Reulingen im Westen. Eine von mehreren Voraussetzungen für die Anerkennung des Gebiets durch die Unesco ist die Zonierung des Gebiets. Es werden die Entwicklungszone, die Pflegezone und die Kernzone unterschieden. Hier interessiert in erster Linie die Kernzone. Die Kernzone muss mindestens drei Prozent der Fläche des Biosphärengebiets umfassen. Sie kann sich auf eine zusammenhängende Fläche oder auch auf mehrere kleinere Flächen erstrecken.

Gelbe Holzpflöcke im Abstand von 50 bis 100 Metern zeigen auf den Wegen innerhalb des ehemaligen Truppenübungsplatzes Münsingen deutlich den Wegverlauf (Brucktal). 
 
Beim Biosphärengebiet Schwäbische Alb wurde die zweite Variante gewählt. Es gibt über zwanzig Kernzonen, die jeweils vergleichsweise klein sind. Insgesamt haben die Kernzonen einen Anteil von etwas über drei Prozent an der Gesamtfläche des Biosphärengebiets. In den Kernzonen ist eine wirtschalftliche Nutzung der Natur nicht zulässig. Übertragen auf die Verhältnisse in Mitteleuropa und auf der Schwäbischen Alb bedeutet dies, dass die Kernzonen ausnahmslos aus Wald bestehen, der zukünftig sich selbst überlassen bleibt und sich damit wieder zum Urwald entwickeln kann.

Block- und Geröllhalden zählen zu den wertvollsten Biotopen in Baden-Württemberg (Brucktal). 
 
Viele der Kernzonen umfassen die sogenannten Hang- und Schluchtwälder der Schwäbischen Alb. Dies ist auch das Alleinstellungsmerkmal des Biosphärengebiets Schwäbische Alb innerhalb des Unesco-Programms. Jedes der Biosphärenreservate muss ein Merkmal aufweisen, das es von allen anderen derartigen Reservaten unterscheidet. Beim Biosphärengebiet Schwäbische Alb ist dies nicht etwa der ehemalige Truppenübungsplatz Münsingen, um den herum das Gebiet gebildet wurde. Die Besonderheit, die es in dieser Form weltweit nicht ein zweites Mal gibt, sind die bodensauren Hang- und Schluchtwälder mit Buche, Esche, Bergahorn und Linde. Der ehemalige Truppenübungsplatz Münsingen stellt unabhängig davon selbstverständlich ebenfalls eine Besonderheit, ja ein Naturwunder dar. Nirgendwo sonst in Baden-Württemberg gibt es eine so große Fläche, auf der die Kulturlandschaft der vergangenen Jahrhunderte ohne störende Einflüsse der Moderne erhalten geblieben ist.

Blockhalde mit Totholz und Felsen mit besonderer Felsenflora: hier herrrscht strenges Betretungsverbot (Brucktal).  
 
Der Schutz der Hang- und Schluchtwälder mit der Rotbuche als Leitbaum ist also vorrangige Aufgabe bei den Kernzonen des Biosphärengebiets Schwäbische Alb. Neue Erkenntnisse zeigen, dass Deutschland als Ganzes eine internationale Verpflichtung zum Schutz der Rotbuche hat. Eine Karte des weltweiten Verbreitungsgebiets der Rotbuche führt deutlich vor Augen, dass Deutschland der Verbreitungsschwerpunkt der Rotbuche ist. Vor diesem Hintergrund sind auch die Bestrebungen zu werten, einige Rotbuchengebiete in Deutschland (z.B. Nationalparke Jasmund, Hainich, Kellerwald) als Unesco Welt-Naturerbe auszuweisen. Auch wenn die Rotbuchenbestände der Schwäbischen Alb zur Zeit mangels Urwaldcharakter nicht als Unesco-Welterbe in Frage kommen, ist es auch bei diesem Mittelgebirge angesagt, wenigstens auf Teilflächen der Rotbuche wieder die Möglichkeit zu geben, ihr Alter von über 200 Jahren zu erreichen und nicht bereits mit 80 bis 100 Jahren der Säge zum Opfer zu fallen.

Obwohl von Felsmassiven bedrängt, verläuft doch im gesamten Verlauf der Trailfinger Schlucht ein befahrbarer Weg.  
 
Der Steilabfall der Schwäbischen Alb (die Nordseite oder Albtrauf) ist das ideale Wuchsgebiet der Buche. Dieser Baum liebt Kalk und er flieht von staunassen Böden. Die Buche braucht zudem genügend Niederschläge. Allzu kalte Winter mag sie nicht. Zur Buche gesellen sich je nach Standort weitere Baumarten hinzu. In einer nordseitigen Schattenlage bestehen die Wälder außer der Buche auch aus Esche, Bergahorn und Linde. In Schluchten mit hoher Luftfeuchtigkeit dominiert die Ulme, begleitet von Esche und Bergahorn.
 
In den Seitenklingen des Fischburgtals herrscht der Schluchtwaldtyp vor. Besonders hervor tritt hier das Brucktal. Dies ist ein Seitental, das vom Fischburgtal am Nordrand des ehemaligen Truppenübungsplatzes Münsingen nach Osten abzweigt. Bedingt durch seine Lage am Rande oder teilweise innerhalb des ehemaligen Truppenübungsplatzes konnte sich der ursprüngliche Baumbesatz hier in besonderer Weise erhalten. Auf Teilstrecken macht das Brucktal heute bereits einen urwaldartigen Eindruck. Verstärkt wird dies noch durch die vollständige Ruhe und das Fehlen von Geräuschen der Zivilisation. Allenfalls hört man hin und wieder das Brummen eines Flugzeugs.

Alter Ahornbaum als Bestandteil der Schluchtwaldgesellschaft (Trailfinger Schlucht) 
 
Die Trailfinger Schlucht ist das trockengefallene Tal oberhalb des Ursprungs der Erms. Auch dort ist der Schluchtwaldtypus vertreten. Immer wieder kommt man an Felsen vorbei, die ihrerseits eine besondere Flora und Fauna beherbergen. Obwohl die Trailfinger Schlucht an manchen Stellen sehr eng ist, führt doch ein befahrbarer Waldweg durch die Schlucht. Dies war in früheren Jahrhunderten vor dem Bau der heutigen B 28 die einzige Verbindung zwischen dem hinteren Ermstal und der Albhochfläche bei Münsingen.                  
 
Info für Besucher
Das Brucktal ist nach wie vor ein Geheimtip. Fast scheut man sich, das Tal öffentlich zu machen. Das Brucktal (Seitental des Fischburgtals) erreicht man von einem Parkplatz an der Straße Seeburg - Hengen aus. Seeburg befindet sich im hintersten Ermstal an der Bundesstraße B 465. Der Parkplatz befindet sich von Seeburg kommend rechts der Straße ca. 2 Kilometer von Seeburg entfernt ca 200 Meter nachdem die Straße mit dem Anstieg auf die Albhochfläche beginnt. Vom Parkplatz aus geht man auf einem Schotterweg wenige Meter den Hang hinauf und anschließend auf einem bezeichneten Wanderweg (gelbes Dreieck) am Hang entlang leicht abwärts wieder etwas zurück parallel zur Straße bis zur Einmündung des Brucktals. Dort beginnt der mit den gelben Holzpflöcken markierte Weg, der nicht verlassen werden darf.
 
Die Trailfinger Schlucht erreicht man ebenfalls von Seeburg aus. Man parkt hierzu auf dem ausgeschilderten Parkplatz in Seeburg und geht zunächst durch das Mühltal bis zum Ermsursprung und dann weiter durch die Trailfinger Schlucht.
 
Mit dem öffentlichen Verkehr ist Seeburg relativ gut zu erreichen. Es liegt an der Buslinie Bad Urach - Münsingen. Von Seeburg aus geht man durch das Fischburgtal bis zum Abzweig des Brucktals bzw. in das Mühltal. Fahrplanauskünfte gibt es bei der elektronischen Fahrplanauskunft Baden-Württemberg oder beim Verkehrsverbund Neckar-Alb-Donau.
 
Beide Gebiete befinden sich sehr nahe am oder sogar im ehemaligen Truppenübungsplatz Münsingen. Dort ist es nicht gestattet, die (sehr gut markierten) Wege zu verlassen.   
 
weitere Naturwunder 
Informationen zu den über 20 Kernzonen des Biosphärengebiets Schwäbische Alb gibt es in dessen Internetauftritt. Die Kernzonen dürfen nur auf den ausgewiesenen Wegen betreten werden. Einige Kernzonen - vor allem die innerhalb des ehemaligen Truppenübungsplatzes Münsingen gelegenen Kernzonen - dürfen gar nicht betreten werden. Der ehemalige Truppenübungsplatz Münsingen verfügt inzwischen über ein größeres, mit gelben Holzpflöcken im Abstand von 50 bis 100 Metern hervorragend bezeichnetes Wander- und Radwegenetz. Es muss hier noch einmal gesagt werden: das Verlassen der gekennzeichneten Wege ist lebensgefährlich und streng verboten. Findet man sich mit diesen kleinen Einschränkungen ab, ist das Gebiet des ehemaligen Truppenübungsplatzes Münsingen eine Quelle anhaltender und tiefer Freude. Nirgendwo sonst in Baden-Württemberg erstreckt sich eine alte Kulturlandschaft aus Wiesen, Wäldern und Heiden bis zum Horizont, ohne Straßen, ohne Gebäude, ohne Strommasten. Und es bleibt abzuwarten, welche weiteren Wege in Zukunft im Gebiet noch eröffnet werden. Aktuell wünscht sich z.B. der Ort Seeburg eine direkte Wegverbindung zum ehemaligen Dorf Gruorn auf dem Truppenübungsplatz.    
 

Aussicht vom Eichfelsen

Vom Eichfelsen aus bietet sich der schönste Blick in das Obere Donautal. Das Obere Donautal zwischen Beuron und Sigmaringen gehört zu den eindrucksvollsten Landschaften von Baden-Württemberg, man nennt es auch den Grand Canyon von Baden-Württemberg.
 
Das Thema ist hier somit der Durchbruch der Donau durch die Juratafel der Schwäbischen Alb. Vom Schwarzwald und von der Baar her kommend tritt die Donau bei Geisingen in den Jura ein. Von hier aus bis hinter Tuttlingen bildet die Donau bereits ein Tal, das jedoch noch nicht besonders spektakulär ist. Ab Mühlheim an der  Donau ändert sich das Bild. Ab hier hat sich die Donau bis zu 200 Meter in jüngere Schichten des Jura eingegraben (Weißer Jura gamma bis epsilon). Diese Juraschichten zeichnen sich dadurch aus, dass sie mit großen Massenkalkfelsen durchsetzt sind. Diese Felsen waren vor 140 bis 160 Millionen Jahren Schwammriffe in einem tropischen Meer. Die klimatischen Bedingungen waren damals ähnlich den Verhältnissen, wie sie heute im Persischen Golf herrschen.

Blick vom Eichfelsen in Richtung Osten (donauabwärts): im Mittelgrund befindet sich an der Hangkante links das Schloss Werenwag.  
 
Die Donau hat im Laufe der Jahrtausende bei der Eintiefung in die Juratafel viel lockeres Kalkgestein ausgeräumt und somit die einstigen Schwammriffe herauspräpariert. Sie bilden heute die Krone des Donautals als weiße Kalkzinnen. In keiner anderen Landschaft Deutschlands außerhalb der Alpen gibt es so große Felsbildungen wie im Oberen Donautal.
 
Beim Blick vom Eichfelsen in das Donautal fällt vielleicht ein gewisses Missverhältnis ins Auge. Der relativ große und breite Canyon will nicht so recht zum schmalen Donauflüsschen passen. Dies wird z.B. auch bei einem Vergleich mit dem Mittelrheintal deutlich. Dort nimmt der breite und kraftvolle Rhein einen großen Teil des Talbodens ein. Niemand wird daran zweifeln, dass der mächtige Rheinstrom in der Lage war, das Durchbruchstal im Rheinischen Schiefergebirge zu schaffen. Bei der Donau, wie sie sich heute zeigt, gibt es jedoch Zweifel.
 
In der Tat war die Donau in früheren Jahren ein viel mächtigerer Fluss. Bis zum Ende der letzten Eiszeit, vor ca. 9000 Jahren floss das Wasser aus der Feldberggegend des Schwarzwalds noch der Donau zu. Dann gab es ein unglaubliches Naturereignis. Der Rhein hatte sich mit seinem Nebenflüsschen Wutach so weit in das Schwarzwaldgestein eingetieft, dass er die Donau im Bereich von Blumberg angezapft hat. Die Menschen könnten bereits Zeugnis dieses Ereignisses gewesen sein. Da es keine Überlieferungen gibt, kann über den genauen Ablauf der Flussanzapfung nur spekuliert werden. Vielleicht hat es einige Wochen gedauert, bis die gesamte sogenannte Feldberg-Donau umgelenkt worden ist. Vielleicht ist das Ereignis der Flussumlenkung auch von einer Stunde zur anderen eingetreten.

Blick vom Eichfelsen nach Süden auf die gegenüberliegende Hangkante des Donautals mit Burg Wildenstein 
 
Die Feldberg-Donau hätte jedoch immer noch nicht ausgereicht, das Obere Donautal einzutiefen. Im Pliozän, der Zeit vor 2 bis 5 Millionen Jahren, hatte die Donau noch ein viel größeres Einzugsgebiet. Die Wasser der heutigen Aare flossen damals der Donau zu. Dies kann anhand von Flussgeröllen auf der Hochfläche der Schwäbischen Alb nachgewiesen werden. Somit trugen damals die Wassermassen aus den Alpen (Berner Oberland) dazu bei, das Donautal zu schaffen. Diese sogenannte Aare-Donau wurde zunächst von der Rhone angezapft. Später dann lenkte der aggresive Rhein diese Wasser in sein Einzugsgebiet.
 
Das Verhältnis zwischen Rhein und Donau wird als Kampf um die Wasserscheide beschrieben. Die Donau ist das ältere der beiden Flusssysteme. Seit dem Einbruch des Oberrheingrabens tritt der Rhein als aggressiver Konkurrent auf. Und das Ergebnis des Kampfs um die Wasserscheide steht fest: der Rhein ist der Sieger. Der Grund ist einfach: der Rhein hat eine kürzere Strecke bis zum Meer als die Donau. Somit hat der Rhein eine tiefere sogenannte Erosionsbasis und mehr Reliefenergie. Die Donau hat nur wenig Gefälle und eine sehr lange Strecke bis zur Mündung in das Schwarze Meer. Die Donau bringt somit keine Kraft auf, um der Abtragungsenergie des Rheins etwas entgegenzusetzen. 
 
Somit hat der Rhein zunächst die Aare der Donau abspenstig gemacht. In geologisch jüngster Zeit folgte dann die Feldberg-Donau. Auch vom Nordrand der Schwäbischen Alb (dem Albtrauf) her greift der Rhein ständig an und schiebt die Wasserscheide immer weiter nach Süden. Nicht zuletzt greift der Rhein auch noch unterirdisch an. Denn ein Teil der sowieso nicht reichlichen Donauwasser versickern bei Immendingen im porösen Juragestein und treten weiter südlich in der Aachquelle, dem größten Quelltopf Deutschlands, wieder zu Tage. Von dort fließen sie in den Bodensee und damit in den Rhein. Der Vorgang der Verkarstung nimmt stetig zu. Die Tage eines Jahres, an denen die Donau bei Immendingen vollständig versinkt, werden immer mehr. Irgendwann in der Zukunft wird es die Donau zumindest im Bereich des Oberen Donautals nicht mehr geben.

Blick vom Eichfelsen nach Westen (donauaufwärts): das Kloster Beuron befindet sich hinter dem Umlaufberg in der Bildmitte. 
 
Nach dem Eintritt in die Juratafel bei Geisingen und dem Anschnitt der Gesteinsschichten mit Schwammriffen ab Mühlheim an der Donau verlässt die Donau bei Scheer östlich von Sigmaringen die Juratafel wieder und tritt in die Voralpenlandschaft (untere Süßwassermolasse) ein. Ein zweites Mal - allerdings auf kürzerer Strecke und weniger spektakulär - schneidet die Donau zwischen Zwiefaltendorf und Munderkingen die Juratafel an. Vor der letzten Eiszeit ist die Donau zwischen Ehingen und Ulm ein drittes Mal durch die Jurafafel verlaufen. Diesen Taleinschnitt hat die Donau jedoch verlassen und sich südlich des Jura bis Ulm neu orientiert. Das letzte Mal schneidet die Donau die Juratafel im Bereich der benachbarten Fränkischen Alb an. Dort bildet sie den spektakulären Donaudurchbruch bei Kelheim (Kloster Weltenburg).  
 
Beim Aufenthalt auf den Felsköpfen des Donautals sollte man die Beschränkungen z.B. durch Geländer beachten. Denn auf den Felsen siedelt eine heute sehr seltene Steppenheide mit wärme- und trockenheitsliebenden Pflanzen (z.B. Küchenschelle). Diese Pflanzengesellschaft ist sehr empfindlich gegen Trittbelastung. Aus demselben Grund wurden einige der beliebten Kletterrouten an den Felsen des Donautals -des bedeutendsten Klettergebiets von Baden-Württemberg -  gesperrt. Es hat einige Jahre gebraucht, bis zwischen den Behörden und den Kletterverbänden ein Kompromiss über die zeitliche und örtliche Nutzung der Felsen erzielt werden konnte.
 
Info für Besucher
Am einfachsten ohne nennenswerten Höhenunterschied gelangt man von Irndorf aus zum Eichfelsen. Parkplätze befinden sich am südlichen und östlichen Ortsrand. Irndorf befindet sich direkt nördlich des Klosters Beuron auf der Albhochfläche. Die Zufahrt zum Eichfelsen ist im Ort ausgeschildert. Vom Parkplatz sind es 800 Meter Fußweg bis zum Felsen.
 
Die Donautalbahn Tuttlingen - Sigmaringen hält beim Kloster Beuron. Von dort kann der Eichfelsen auf einer ca. einstündigen Wanderung und mit einem Anstieg von 150 Höhenmetern erreicht werden. Fahrplanauskünfte gibt es bei der elektronischen Fahrplanauskunft Baden-Württemberg, beim Verkehrsverbund Neckar-Alb-Donau und beim Verkehrsverbund Tuttlingen.  
 
Im Donautal werden verschiedene Freizeitbeschäftigungen praktiziert. Ein sehr dichtes Wanderwegenetz verläuft im Tal und auf den Höhen beidseits des Taleinschnitts. Darunter ist der Hauptwanderweg 2, der Schwäbische Alb - Südrandweg von Donauwörth nach Tuttlingen. Der europäische Donauradweg verläuft durch das Donautal. Zu bestimmten Jahreszeiten und an bestimmten Stellen sind auch Kanufahrten auf der Donau möglich.    
 
weitere Naturwunder 
eine Vielzahl von großartigen Felsbildungen ziert das Donautal zwischen Mühlheim an der Donau und Sigmaringen. Dazu gehört z.B. der Schaufelsen, das größte Felsmassiv Deutschlands außerhalb der Alpen. Weitere Felsen sind z.B. der Laibfelsen und der Stiegelesfels bei Fridingen an der Donau, der Knopfmacherfelsen und der Petersfelsen bei Beuron oder der Felsen von Schloss Werenwag. Viele der Felsen sind über Wanderwege erreichbar und bieten jeweils großartige Ausblicke.
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