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Literarisches rund ums Bier

veröffentlicht um 17.11.2010, 01:42 von Sebastian Kleinen   [ aktualisiert: 17.11.2010, 02:20 ]
Wenn wir schon davon sprechen, dass das Schnatterloch ein geheimer Rückzugsort für Philosophen, Denker und Freunde der gepflegten Rhetorik in Pont sei, so wollen wir dem auch hier Rechnung tragen. Auf unserer Facebook Seite und ausschnittsweise auch auf Twitter veröffentlichen wir nun in unregelmäßigen Abständen Literarisches rund ums Bier. Als Beispiel und um das Interesse zu wecken stellen wir hier zwei Zitate vor. Das erste stammt von Georg Bötticher. Geboren am 20.5.1849 in Jena; gestorben am 15.1.1918 in Leipzig. Anfangs veröffentlichte er Fachbücher, konzentrierte sich dann aber auf literarische Arbeiten. Er war mit Detlev von Liliencron befreundet und führte u.a. mit Fontane, Raabe und Freytag einen regen Briefwechsel. Er ist der Vater von Hans Bötticher, der später unter dem Namen Joachim Ringelnatz bekannt wurde.


Der Genügsamste
Vier verwegene Gesellen
Stiegen einst hinab zur Höllen.
Vor dem höllischen Palast
Machten sie ein Weilchen Rast.

Alle schwitzten sie erklecklich,
Denn die Hitze war erschrecklich,
Und der Höllen-Reaumür
Stand auf Achtzehnhundertvier.

»Na, ick danke«, rief der Preuße,
»So ne jottverdammte Reise!
Hier kann eener ja verkochen –
Ick bin schonstens Haut un Knochen!«

»Gibts denn nöt a Bier, zum Geier,
Himmelsackra!« schrie der Bayer,
»Jesses, un bei dera Hitzen –
Na, do mag der Deifel sitzen!«

»Chrischtli!« jammerte der Schwabe,
»Läg i liewer noch begrabe!
Schwäbli, jetzscht gehts iewers Köpfli –
I zerschwitz in lauta Tröpfli!«

»Heernse«, sprach der Sachse: »schwiele
Find ichs nich – nich grade kiehle.
's Örtchen liegt e bißchen siedlich,
Awer sonst nich ungemiedlich.«

Das zweite Zitat stammt von Heinrich Heine. Der aus Düsseldorf stammende Dichter wohnte in unmittelbarer Nähe der Brauerei "Zum Schlüssel" jedoch sagte ihm englisches Porter mehr zu als das heimische Altbier.

"Tausend Ausdrücke hat der Araber für ein Schwert, der Franzose für die Liebe, der Engländer für das Hängen, der Deutsche für das Trinken und der neuere Athener sogar für die Orte, wo er trinkt. Das Bier ist an besagtem Orte wirklich sehr gut, selbst im Prytaneum, vulgo Bockkeller, ist es nicht besser, es schmeckt ganz vortrefflich, besonders auf jener Treppenterrasse, wo man die Tiroler Alpen vor Augen hat. Ich saß dort oft vorigen Winter und betrachtete die schneebedeckten Berge, die, glänzend in der Sonnenbeleuchtung, aus eitel Silber gegossen zu sein schienen.

Es war damals auch Winter in meiner Seele, Gedanken und Gefühle waren wie eingeschneit, es war mir so verdorrt und tot zumute, dazu kam die leidige Politik, die Trauer um ein liebes gestorbenes Kind und ein alter Nachärger und der Schnupfen. Außerdem trank ich viel Bier, weil man mich versicherte, das gäbe leichtes Blut. Doch der beste attische Breihahn wollte nicht fruchten bei mir, der ich mich in England schon an Porter gewöhnt hatte."

Heinrich Heine: Werke - Band 3 (Kapitel 39)


Anmerkungen:

Breihahn, Broihahn, weißes Bier aus Weizen- und Gerstenluftmalz.
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