Schreibtipps

Zunächst: Es ist gut, die Regeln zu kennen, auch wenn man sie später bricht. Beim Schreiben gibt es kein richtig oder falsch. Wichtig ist, dass es funktioniert. Denken Sie daran: Es ist eine Mitteilung. Das ist viel weniger banal, als es klingt. Denn es bedeutet, dass Sie sich nicht dahinter verstecken können "nur für sich selbst" zu schreiben. Wenn es langweilig ist, oder die Sprache zu verklausuliert, die Vergleiche hinken - dann arbeiten Sie daran, bis es sitzt. Alles andere ist respektlos gegenüber dem Leser.

 Laut Schreibschulen, Schreibratgebern, Agenten und Verlagen gibt es in der Unterhaltungsliteratur Regeln. Genres müssen so und so sein. Nicht mischen. Möglichst von vornherein als Serie anlegen. Die-und-die Plotmodelle beachten. Das gilt immer so lange, bis jemand etwas Neues schreibt, das einfach funktioniert. Dann sollen alle anderen Ähnliches schreiben - "Me-toos". Bis man die auch wieder über hat. Ich rate davon nicht ab. Man kann damit ordentliches Geld verdienen. Dinge anders zu machen, Regeln zu brechen, ist nicht unbedingt  ein Erfolgsrezept. Aber es macht verdammt viel Spaß.

Unter einer guten Sprache verstehe ich eine klare und individuelle Sprache. Meiden Sie Bausätze und Formeln. "Hunger wie ein Wolf", "knackiger Salat", "endlose Weiten" - das sind Formeln. Im täglichen Umgang erleichtern sie die schnelle Verständigung. In der Literatur erwarte ich das Gegenteil: Genaue Beobachtung, sinnliche und wahre (!) Beschreibungen in genau treffenden Worten. Merke: Auch Erfundenes kann wahr sein. Vergleiche sparsam verwenden und nur, wenn sie tatsächlich etwas bringen, wenn Sie einen Eindruck verstärken, ein Gefühl wirkungsvoll übersetzen. Und: Ehre dem guten alten Hauptsatz. Er ist das wirkungsvollste Mittel überhaupt.  Ein einfacher Hauptsatz hat eine Wucht, die tausend Nebensätze nie erreichen.

Überprüfen Sie die Tragfähigkeit ihrer Idee:
Ist sie universell? Das heißt - kann jeder potentielle Leser damit etwas anfangen? Märchen sind universell. Sie behandeln Urkonflikte, Grundängste, die großen Wünsche und Sehnsüchte. Die lassen sich tausendfach abwandeln - anders verpacken. Aber sie haben eine maximale Reichweite.
Ist sie emotional? Kann ihre Geschichte den Leser so berühren, dass er selbst etwas empfindet? Empfinden Sie etwas dabei?
Ist sie bildhaft? Ruft Ihre Idee Bilder in Ihnen hervor, bringt sie einen inneren Film zum Laufen?
Dann haben Sie einen potentiellen Bestseller.

Der Plot: Man kann Drauflosschreiber oder Planer sein, minutiöse Treatments entwerfen oder auf dem Hosenboden drauflos schreiben - eins brauchen Sie immer für einen guten Roman, sogar für eine gute Kurzgeschichte - einen Plot. Im Gegensatz zum Handlungsablauf konzentriert sich der Plot auf Grundkonflikt und kausale Folgen. Wer tut was warum? Dazu gehören für mich auch schon grundsätzliche Figurenstudien. Wir wollen ja nicht immer nur Variationen unserer selbst schreiben. Haben wir unterschiedliche Charaktere mit unterschiedlichen Vorgeschichten (Backstories), dann werden diese auf gegebene Auslöser individuell reagieren. Und so schreibt sich Ihr Plot schon fast von allein. Die Figuren haben immer Recht. Sie, der liebe Gott hinter Ihren Figuren, müssen nun nur noch eskalieren und ein paar miese Zufälle einbauen.

Eskalieren! Der Urplot besteht ja darin, dass eine Figur etwas dringend will oder braucht. Sie geben ihr einen oder mehrere Gegner (Antagonisten), die gute Gründe haben, das zu verhindern. Um Spannung zu erzeugen, eskalieren Sie die Situation und zwar in sich logisch - nicht einfach nur zusätzliche Hürden aufbauen. 

Tempowechsel: Nicht immer nur action. Ein guter Roman braucht Ruhephasen, Teilerfolge. Immer nur von Orks verfolgt zu werden ist langweilig! Wie nett liest es sich, wenn die Hobbits sich zwischendrin seelenruhig hinsetzen und sich am Lagerfeuer ein paar Würstchen brutzeln. Nehmen Sie sich Zeit für Ihre Figuren. Ich möchte sie richtig gut kennen lernen. 

Viel Glück!

Sabine Korsukéwitz alias Sabrina Capitani alias Elisabeth Kleehome




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