Ziele des Arbeitskreises

Ziele des Rudolstädter Arbeitskreises zur Residenzkultur e.V.

Der Rudolstädter Arbeitskreis wurde 1999 in der namensgebenden ehemaligen Thüringischen Residenzstadt gegründet, um einem lange vernachlässigten Phänomen der europäischen Kulturgeschichte ein interdisziplinär ausgerichtetes Forum des wissenschaftlichen Austausches, der Studien und der Öffentlichkeitsarbeit zu bieten.

Ziel des AK ist es, ehemalige Residenzen und Höfe vor allem unter kulturgeschichtlichen Aspekten zu untersuchen. Dabei soll ein Kulturbegriff erkenntnisleitend sein, der sich auf die "Repräsentation" von Lebensstilen in schriftlichen, bildlichen, baulichen und im weitesten Sinne künstlerisch gestalteten Formen beziehen läßt.

Die vielfältige Kultur der Höfe prägt häufig noch heute das Erscheinungsbild ehemaliger Residenzstädte und die ehemaligen fürstlichen Bauten und Gärten auf dem Lande. Und sie bestimmt oft bis in die Gegenwart hinein den Sammlungsbestand der Archive und Museen, die nicht selten aus den fürstlichen Kunstkammern mit ihren jeweils besonderen Schwerpunkten hervorgegangen sind.

Im Mittelpunkt des Interesses des AK steht dabei die Epoche der Frühen Neuzeit (1450-1800); doch sollen Fragestellungen zum Spätmittelalter sowie zum 19. und 20. Jahrhundert nicht ausgeschlossen bleiben.

(Hof der Heidecksburg über Rudolstadt)

Der AK fördert die Erforschung der Residenzkultur der Neuzeit, wobei traditionell ein Schwerpunkt auf den geschichtlichen Landschaften liegt, welche heute die neuen Bundesländer umfassen. Historisch betrachtet umfaßt dieser Raum eine weitaus größere Fläche, als der nach den Veränderungen des Jahres 1945 geschichtlich gewordenen Begriff "Mitteldeutschland" oder der überwiegend geographisch verwandte Ausdruck "Nordostdeutschland" bezeichnen kann. Territoriale und kulturelle Gemeinsamkeiten dieser Gebiete kommen am ehesten noch in der altertümlichen, aus dem Verfassungsleben des Alten Reiches stammenden Bezeichnung "Obersächsischer Reichskreis" zum Ausdruck. Der überwiegende Teil der Residenzen lag auf seinem Gebiet bzw. die dort beheimateten Grafen- und Fürstenfamilien gehörten als Kreisstände diesem Reichskreis bis zum Untergang des Alten Reiches an.

Die in den vergangenen Jahren geführten Diskussionen zu "Hof" und "Residenz" haben wichtige Ergebnisse zu einzelnen Fragestellungen erbracht; doch fehlen bislang Ansätze, die kulturellen Erscheinungsformen der "großen" und der "kleinen" in ihren Abhängigkeitsverhältnissen und Unterschiedlichkeiten genauer zu analysieren. Die Residenzen in Mitteldeutschland bieten dafür ein besonders geeignetes Untersuchungsgebiet, da die hier nachweisbaren kulturellen Aktivitäten zu einer großen Dichte und Vielfalt geführt haben, die letztlich von den Interessen der Kurfürsten, der Herzöge und der Landesherren kleinerer Territorien getragen waren.

Immer häufiger befasst sich der AK aber auch mit Phänomen aus dem ganzen Bereich des sog. Alten Reiches, sodass sich vielfältige neue Verknüpfungspunkte ergeben. Der wachsende Kreis seiner auch überregional aktiven Mitglieder bildet hierzu die Grundlage.

(Kaisersaalflügel der Schwarzburg bei Rudolstadt)

Wichtig ist uns der intensive Blick gleichermaßen auf Textquellen (Gelegenheitsgedichte, Gesangbücher, Hofordnungen, Landes- und Stadtbeschreibungen, Libretti, Memoiren, Reiseberichte, Festberichte, Schreibkalender, Tagebücher, Chroniken, Genealogien, Testamente etc.), Bildquellen (Flugblätter, Gemälde, Statuen), architektonische und gartenkünstlerische Quellen sowie andere, für die fürstliche Lebenswelt wichtige Realien (Fahnen, Glocken, Kleider, Münzen, Partituren, Uhren etc.).

Da sich die ost- wie die westdeutsche Forschung nach 1945 nur für einige wenige mitteldeutsche Höfe interessiert hat, möchte der AK dazu beitragen, diese durch die Residenzorte so entscheidend geprägte Region des Alten Reiches wissenschaftlich aufzuarbeiten. Er unterstützt die Veröffentlichung wissenschaftlicher Unternehmungen wie auch ihre Vermittlung durch Tagungen und Ausstellungen.


Der AK hat ein großes Interesse daran, seine Aktivitäten einzubinden in die aktuellen, überregional und international diskutierten Fragestellungen zur Residenz- und Hofkultur der Frühen Neuzeit. Er wendet sich dabei nicht allein an die Vertreter akademischer Fächer (Germanistik, Kunst- und Architekturgeschichte, Landesgeschichte, Kirchengeschichte, Sozialgeschichte), er möchte zugleich auch die Forschung in den außeruniversitären Einrichtungen (Archiv, Denkmalpflege, Museum) zur Mitarbeit einladen.

Der Rudolstädter Arbeitskreis steht in engem Austausch mit anderen aktuellen wissenschaftlichen Unternehmungen zur Erforschung der frühneuzeitlichen Hofkultur, hier allen voran die "Neue Residenzenkommission" (Residenzstädte im Alten Reich 1300-1800) der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen und das internationale Forschungsnetzwerk PALATIUM.
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